Gustlik

Blog von Gustlik

13.06.2010 | 09:30

Mohn statt Nelken im Plänterwald

Mein lieber Gustlik,

danke Dir für die Worte über "Mohn statt Nelken". Ich kenne Dich ja nun schon eine ganze Zeit, werde deshalb nicht jede Zuspitzung überbewerten. Du hast ja Recht, die Blütenblätter fallen heute zu schnell.

Auch ich habe Dir eine Musik mitgeschickt. Du hattest mir mal erzählt, dass Du zu Zeiten der Kommune im Ostberliner Plänterwald warst, um dort die ungarische Band OMEGA zu sehen und zu hören. Das war wohl 1982. Du bist allein hingefahren, um dann im strömenden Regen bekannter Musik zu lauschen. Dein erster Gedanke im Regen war sicher, dass Eure Ost-Puhdys ein solches Konzert unter Wasser niemals durchgeführt hätten.

Also anbei eines Deiner Lieblingslieder von OMEGA.

Na? Erkennst Du die Plattentasche?

Du warst damals 19 Jahre... Aber träume hast Du ja immer noch, Deine Briefe erzählen viel davon.

Auch OMEGA ist älter geworden. Aber es knistert immer noch, dort, wo wir uns früher mühen mussten, um Schallplatten zu bekommen und sie ordentlich zu hören. Wer kennt heute schon noch das Gefühl, wenn im Hüpfen mal schnell die Nadel am Plattenspieler 2 Rillen und mehr übersprang.

Wenn wir damals Ohrhörer gehabt hätten, sähe die Welt heute anders aus. Von MP3-Spielern ganz zu schweigen.

Dass Du nun unsere Briefe beim FREITAG veröffentlichst, finde ich eigentlich nicht so toll. Du musst ja auch damit rechnen, dass ein Journalist etwas genervt von Deinen Einträgen ist. Zumal Du ja die Zunft etwas durch den Kakau ziehst.

Ich habe mal die Seiten vom FREITAG besucht und finde das doch alles ganz ansprechend. Nur, dass dort jetzt auch auf Fußball gemacht wird, drückt doch etwas das Niveau.
Erklär mir doch mal bitte, was das mit den Videoblogs zu bedeuten hat. Bei einer Zeitung! Ich muss jetzt gleich lachen, wenn ich daran denke, wie diese Sparvideos dann abgedruckt werden sollen. Schlag doch dem FREITAG vor, die besten Produktionen als Daumenkino beizulegen. Dann wird das zwar ein etwas dickerer FREITAG, aber er wäre dann dicke da in Deinem Deutschland.

Vielleicht lässt Du in Deinem Blog beim FREITAG paar Zeilen aus diesem Brief lieber weg, sonst gibt das noch mehr Ärger und Nichtbeachtung.

Frag doch mal Deine FREITÄGLICHEN, ob da jemand damals im Plänterwald war! Könnt ihr doch ein Konzertreffen, ein Kriegertreffen machen und Euer altes Parfüm versprühen. So habe ich das Lied verstanden, was Du mir geschickt hast.
Da würdest Du sicher hinfahren, Klassentreffen magst Du ja nicht.

Ich mache mich in den nächsten Tage an die Ostsee. Erkennst Du das Bild?
Werde dort einige Wochen im Urlaubs- und Kurbetrieb arbeiten. Dort sind ja fast mehr deutsche Gäste als einheimische. Werde dann mal einige Touristen belauschen, wie sie so über unser Land reden. Aber auch das werde ich nicht überbewerten.
Warima kommt übrigens mit. Sie will endlich raus aus ihrem Dorf.

Ich grüße Dich
Natschpia

P.S. Der Wasserhahn tropft nicht mehr. Er hatte noch einen tropflosen Tag (Dein Tip mit dem Bindfaden!), am nächsten Tag kam der Nachbar und half mir.

... Schreib mir, wenn Dir danach ist.

 
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Kommentare
luggi schrieb am 13.06.2010 um 10:46
Hab mir 2007 von ungarischen Kollegen das letzte Album besorgen lassen. Man kann es auch vollständig hier hören. Mit einem geeigneten Tool kann der Sound auch auf die Festplatte wandern.
Gustlik schrieb am 13.06.2010 um 11:19
Nun ist es aber meist der Ton, den man Jahrzente nicht gehört hat, dann aber einschlägt wie ein Blitz und die scheinbar verloren Gefühlswelt sofort wieder freilegt.
... Die alten Knaben von OMEGA im Spannungsblock "OST".
luggi schrieb am 13.06.2010 um 11:36
Mein Schlüssel für Omega war Live in Alufolie

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