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Als Kinder in der Mangelrepublik haben wir uns Gedanken über Energie gemacht. Wir stellten alte Batterien auf den warmen Ofen, um die letzten Prozente für die Taschenlampe oder das Auto zu aktivieren. Wir waren immer bemüht, autark zu leben, den vielberufstätigen Eltern nicht auf den Senkel zu gehen.
In der heutigen Backwerkrepublik gibt es alles auf Franchise. Wachstum muss her, um zu leben. Das Wegschmeissen gehört dazu. Die Überflussrepublik kennt nur Auswahl. Wir gehen an den Auslagen vorbei und greifen zu. Alle machen nur ihren Job, ihren Minijob.
Gelernt ist gelernt. Noch heute will man nicht so recht daran glauben, dass die Auslagen ewig so leuchten. Wer Omas Boden oder Küchenschrank mal ausgeräumt hat, weiß, dass es auch andere Zeiten gab, geben wird. Oma nahm die geschenkte Kaffeemaschine nie in Betrieb, sie goss das heiße Wasser weiter mit der Kelle in den Filter und brühte so für Gäste und Anhang den Kaffee.
Ich hatte 2 defekte Schnittstellenkarten für Drucker. So richtig wollte ich mich
nicht damit abfinden, dass hier wirklich die Leiterplatte in den Zustand der Altersschwäche übergegangen ist. Ich las mich durch verschiedene Foren im Internet und stieß auf einen fast unglaublichen Vorschlag. Man solle sich doch an den Aufbackbrötchen orientieren, also die defekten Karten bei 175 Grad Celsius für ungefähr 8 Minuten in den Backofen legen und sie dann langsam abkühlen lassen.
Und? Natürlich hat das funktioniert! Beide Karten werden durch den Drucker wieder erkannt. Durch den spektakulären Aufbackvorgang haben sie ihre Defektheit verloren. Es war sicherlich schön muggelig für das Lötzinn.
Wie im Forum zu lesen war, konnte ein Backofenfreund so 10 defekte Karten reparieren. Bei mir waren es ungefähr 200 Euro für 2 Karten, die ich so nicht dem Wachstum in den Wegwerfrachen werfen werde. Ist zwar nicht mein Geld, mach ich aber trotzdem nicht…
Oma war sparsam. Und ihre aufgebackten Brötchen klasse.
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A propos Kaffee(maschine): Ich habe mir vor kurzem in Sarajevo eine Kaffemühle gekauft, "Handantrieb". Dazu eine passenden Kochkännchen. Das Zubereiten vom Kaffee dauert zwar dann bis zu einer halben Stunde, doch gerade das ist es, warum dann so ein Kaffee mehr genossen wird als irgendein "Kaffe-Zum-Gehen"-Zeug aus dem "Backwerk" oder sonstiger "Bäckerei". Habe übrigens nie eine Kaffeemaschine besessen, geschweige denn irgendein Kaffeeautomat mit Tabs. Solche "Entscheunigung" tut gut - genauo übrigens wie "echtes Kochen" etc.
Die Sache mit den Batterien ist einfach genial: an irgendsowas aus meiner Kindheit erinnere ich mich auch. Persönlich hoffe ich, dass der ökonomische wie energetischer Niedergang des derzeitigen "Wachstumssystems" die Menschen wieder mehr zu solchen Mitteln un Wegen zurückführen wird. Ist nicht nur materielle gesehen, sondern auch mental sehr vorteilhaft. |
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Angenehmer Beitrag - erinnert mich an meine Kindheit. Werde ob meiner geringen Neigung zum sofortigen Wegschmeißen von meinen West-Freunden gern belächelt - ist wohl mein "Osterbe". Für welches ich mich nicht schämen muss.
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Nichtwegschmeissen ist kein "Osterbe". Viele "Westler" mögen ihre alten Sachen, pflegen sie und - sind es alte Familienstücke- pflegen das Erbe.
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Nichtwegschmeissen ist kein "Osterbe". Viele "Westler" mögen ihre alten Sachen, pflegen sie und - sind es alte Familienstücke - pflegen das Erbe.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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