Seit gestern wissen nun alle Bescheid, wo bundeswehrreformiert wird. Manch Region hat gekämpft mit allen Mitteln, um die mögliche Schließung von Standorten abzuwenden. Es hatte schon peinliche Züge, was da an Solidarität und Protestnoten durch das Medium ging. Da wurde schnell mal eine 2hundertjährige Tradition als Standort vorgekramt, um die Notwendigkeit des Standorterhalts zu betonen. Schließlich waren ja alle mal Wehrmacht.
Natürlich lebt der Umsatz. Soldaten haben schließlich auch Hände, kaufen Pizza und Blumen, bestellen Handwerker zur Kasernenrenovierung, haben Probleme mit Computern und Autos, müssen zum Arzt, zum Friseur und tragen bei Edeka die Grundversorgung vor sich her, wollen ordentlich Frühstücken mit knusprigen Brötchen.
Da reibt sich der Außenstehende die Augen. Schnell mutiert ein Friedenspolitiker zum lokalpolitischen Platzhalter. Kasernentore im Wahlkreis müssen verteidigt werden, da kann die Programmatik schon mal Tränenflecke bekommen.
Man mag sich nicht vorstellen, was passiert, wenn kein Reförmchen die Lokalitäten durcheinander bringt, sondern notwendige richtige Abrüstung die Runde machen würde.
Menschen brauchen Alternativen. Dazu gehört eine Umwandlung der militärischen Einrichtungen in zivile. Dort dienende oder arbeitende Zeitgeister dürfen gern den Weg mitgehen, wenn hinter einem ehemaligen Kasernentor der Katastrophenschutz einzieht.
Doch mit einer Schleifenbildung um die kämpfenden Truppe muss man sich nicht solidarisieren. Friedenspolitik beginnt am nächsten Kasernentor, nicht erst mit dem Abzug ins Kriegsgebiet. Wer einen Dienst bei der Bundeswehr aufnimmt, muss sich nicht entschuldigen, er bleibt verantwortlich für sein Tun.
http://kyf.net/freitag/utb.php?d=27.10.2011
Politik : Schleifchenbildung
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