vor 10 jahren beschloss der bundestag mit verfassungsändernder mehrheit, den tierschutz zum staatsziel mit verfassungsrang zu erheben. parlamentarier begrüßten, dass die brd durch diesen staatsakt zum vorreiter in der eu in sachen tierschutz geworden sei.
gibt es nach 10 jahren einen grund, die verfassungsergänzung zu feiern? dumme frage. die neulich im fernsehen gezeigte kastrierung der eberferkel ohne betäubung und das wie am spieß schreiende ferkel geben eine klare antwort.
doch ist die misshandlung der tiere in der zucht nur ein bruchteil der qualen, welche die masttiere in den megaställen bzw. fabriken zur fleischerzeugung erleiden müssen. der barbarische umgang mit den mast- und schlachttieren, seien es schweine, hähnchen oder puten, die industrielle tierproduktion und -verwertung, ebenso das elend der legehennen in den engen verschlägen, was unter dem label "konventionelle landwirtschaft" daherkommt, zeitigt inzwischen folgen für die gesamte gesellschaft, nicht bloß für die millionen fleischverzehrer, vor allem durch die beimischung von antibiotika ins futter. so werden, wenn auch ungewollt, resistente keime gezüchtet und breit gestreut.
wer krank wird und mit geschwächtem immunsystem erwischt wird, kann nicht kuriert werden. in deutschen krankenhäusern sterben jedes jahr tausende menschen. sie sind wie die misshandelten tiere im massenbetrieb opfer der barbarei.
das ist der alltag hierzulande, dem noch die unvermeidlichen tierversuche zuzurechnen sind. aber auch am heiligen sonntag gibt es keinen grund, den vorbildlichen tierschutz zu feiern. an dem tag nämlich toben sich die bunten schießbudenfiguren bei der treibjagd und die sonntagsjäger aus. töten ist für diese überlebenden aus der steinzeit ein fröhliches freizeitvergnügen. wenn sie dabei treffsicherer wären, würden nicht unzählige tiere angeschossen qualvoll enden. das ist in kauf zu nehmen, wo die gesellschaft der kulturnation schon kein aufhebens macht über regelmäßig bei der jagd angeschossene treiber.
es ist ja kein zufall, dass die edlen weidmänner den vogel abgeschossen haben, so oft und so gründlich, bis es ihn nicht mehr gab in diesem land, das intelligenteste tier weit und breit, den raben. jetzt sind demselben vorurteil folgend die kleineren vettern, die krähen und elstern, an der reihe. was nützt der schutz auf dem papier dem tier, wenn die zuständigen bürokraten oft und gern sondergenehmigungen ausstellen?
10 jahre tierschutz in der verfassung sind eine farce. allenfalls ein grund, nachdenklich und traurig zu sein.