h.yuren

die seen gehn unter

17.03.2010 | 15:46

Alleinseligmachend. Unfehlbar.

mit diesen obszönen attributen schmückt sich die römische kirche bis heute. 
doch hat der globale glaubensplayer den höhepunkt seiner macht- und prachtentfaltung längst überschritten. der karneval der bunten kostümierung nähert sich dem aschermittwoch.

glanzvolle auftritte, in den massenmedien verbreitet, täuschen mehr tragende kraft vor, als da ist. der boulevard ist dem operettenhaften rest aus der feudalzeit, adel und klerus, noch zugeneigt. ein spätes echo beim tross der traditionstrottel, die nicht die marschroute bestimmen.

kritischer journalismus zeigt dagegen die alleinseligmachende immer öfter erbärmlich und nackt. wie jetzt im fall der in serie entblößenden und entblößten priester und ordensleute.
nach den enthüllungen über sexuellen missbrauch in kirchlichen einrichtungen in den usa und irland erreicht die welle der öffentlich verhandelten schandtaten des klerus auch die christlich-demokratisch geführte berliner republik. 

waren es zuerst hunderttausende im elend gehaltener heimkinder in kirchlichen und staatlichen heimen der 50er und 60er jahre (vgl. Schläge im Namen des Herrn, von Peter Wensierski, 2006), so sind es jetzt zusätzlich die eher privilegierten internatsschüler, die landauf landab auf die unseligen praktiken der kirchenleute zeigen. mit dem erfolg, dass in jüngsten umfragen nurmehr ein kümmerlicher rest der bevölkerung der alleinseligmachenden unfehlbarkeit zutraut.

nach dem von den deutschen ausgelösten krieg besannen sich die mehr oder minder entnazifizierten im trümmerland aufs konkordat und, statt in sack und asche zu gehen, hängten sie sich das christliche mäntelchen um, das sie bis heute trägt. das war die historische synthese aus säkularisierung und kaiser- wie führerrausch: die konkordanz von staat und kirche in freiheitlich-demokratischer marktlage.

an einem strang ziehend gegen kommunisten und dann taliban, feiern die christlich-demokratischen regierer nun schon zwei dezennien den sieg der christen über die kommunisten, aber auch den erfolg, den exportweltmeistertitel geholt und gerade eben den ehrenvollen dritten platz im globalen waffenexport erkämpft zu haben, lediglich übertroffen von den beiden exsupermächten usa und russland.

der weite mantel der christlichkeit deckt kindertränen und panzerkanonen gleichermaßen mit allem, was dazugehört. und das schon eine ganze weile.   

 
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Kommentare
nuntius schrieb am 17.03.2010 um 17:40
Hallo, das ist schon so ein Kreuz mit der Kirche. Nach zwei Jahrtausenden Herrschaft über Moral, Leben, Denken und Brot der Menschen hat die Kirche wichtige Gebiete verloren. Und das macht sie so gefährlich für unsere Gesellschaft. Ihre noch immer vorhandenen Privilegien verteidigt sie mit allen Mitteln und für die Rückeroberung ihres Einflusses ist sie bereit sich überall Verbündete zu suchen. In ihrer langen Geschichte bis heute zu den permanenten Enthüllungen jüngster Vergangenheit, zeigt mir die Kirche, das ein Menschenleben für sie nichts zählt wenn es um ihre Macht geht.

Gleichzeitig möchte ich aber betonen, das ich einen großen Unterschied zwischen der Kirche als Institution und dem einzelnen glaubenden Menschen mache. Für diese muß die jetzige Zeit besonders schwer sein, denn bei vielen wird wohl ein Lebensbild wanken und ihre Kirchenoberen lassen sie allein.
Ich behaupte jedenfalls, das man die Kirche im Auge behalten muß, denn schwankende Riesen sind gefährlich.
h.yuren schrieb am 17.03.2010 um 18:06
klar, nuntius, so gefährlich wie angeschlagene boxer im ring.

eine so große organisation kann nur bestand haben, wenn sie über leichen geht wie bisher. das sehe ich auch so.
zum glück bröckelt nicht nur der putz. es kracht gewaltig im gebälk.

aber das sind global gesehen minimale veränderungen. die neuen medien beschleunigen wenigstens den zerfallsprozess.

die deutsche geschichte wurde und wird noch immer stärker, zehn mal stärker vom vatikan bestimmt als von der aufklärung, die ich meine. das ist in den folgen kriminell.
Joachim Petrick schrieb am 17.03.2010 um 19:39
Hallo h.yuren,
ich bin auch dafür. dass wir den Freitag als Tag des säkularen, klerikalen Zorns im Geiste unserer Freiheitlich Aufklärenden Grundordnung (FADGO) einführen, damit wir dann ab Samstag den Konflikt, den die Kirchen mit sich führen, aus diesem nicht entlassen, sondern auf diese Kirche in ihren unterschiedlichen Teilen zurückwerfen.

Das hätte den Gewinn, dass die Kirchen sich selber als schuldfähig anzeigen, um endlich ihrem eigenen Balg, dem Kapitalismus eine Wirtschaft des loaklaen und globalen Lastenausgleichs, der Entschädigung in aller Welt abzuringen.

Die Kirchen dürfen sich nicht so unsichtbar, aller Verantwortung enthoben, in den Konkurs getrieben, gar Konkursbetrug begehend, aus dem Staube machen, wie es ganze Reiche, Weltsysteme u. a. die UdSSR, der NS- Staat gemacht haben.

tschüss
JP
h.yuren schrieb am 17.03.2010 um 21:14
hallo jp, ich habe keine sorge, dass die kirche sich halsüberkopf aus dem staube machen möchte oder könnte. und wenn sie in konkurs ginge, was ich bei dem reichtum nicht kommen sehe, würde der staat genauso einspringen wie bei den notleidenden banken, soweit sie systemrelevant sind. die kirche ist für das system der brd relevant.
der freitag ist schon von den moslems besetzt als feiertag. darum denke ich an den mittwoch. soweit ich weiß, ist der noch frei für alle denkbaren verklärungen.
übrigens, wofür steht das -d- in fadgo?
Joachim Petrick schrieb am 17.03.2010 um 23:11
übrigens, wofür steht das -d- in fadgo?
das d steht für demokratisch,

also Freiheitlich Aufklärend Demokaratische Grundordnung (FADGO).

Mit dem Mittwoch gehe och konform, wenn der Donner des Blitz des Zorns vom Mittwoch verzögert auf den Donnersta fällt.

tschüss
JP
h.yuren schrieb am 18.03.2010 um 00:02
verstehe, jp. nur ein kleiner trick war dabei im spiel. du hattest "demokratisch" unterschlagen. das gildet nich.
Joachim Petrick schrieb am 18.03.2010 um 02:58
Demokratie spricht für sich. Also güldet das doch.

Übrigens hat es doch tatsächlich eine katholische Diozöse in den USA gegeben, die Insolvenz angemeldet hat, um den gerichtlich bestätigten Enschädigungsforderungen von Missbrauchs- Opfern zu entgehen.
Da der Vatikan als Muttergesellschaft aller römisch- katholischen Diozösen in der Welt kein Durchrgriffsrecht akzeptiert und juristisch winkeladvokatisch, wie jeder säkulare Konzern,diese Haftung zu verhindern weiss, gingen die Missbrauchs- Opfer ganz unfromm unselig ungeheiligt entschädigungslos nach Hause.

Wenn Opfer keine Banken sind, sondern Menschen als Gläubger, ist sowieso alles anders und vor allem irrelevant.

tschüss
JP
h.yuren schrieb am 18.03.2010 um 09:39
und was folgt daraus, lieber jp?
achja, das kann jeder geradeaus denkende mensch selbst ableiten, nicht wahr?
Joachim Petrick schrieb am 18.03.2010 um 21:37
ob dieser Kunde in aller Munde, darf jeder zunächst einmal ganz unbefangen
erstaunt sein, ist die Römisch Katholische Kirche doch de jure wie de facto viel kleinteiliger als diese sich vatikanisch pompös papistisch unanfechtbar gibt?

Selbstverständlich sollte der Staat als rechtstaatlicher Garant für insolvente Diozösen einspringen, damit die Opfer wenigstens symbolisch zu ihrem Recht kommen.

tschüss
JP
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.03.2010 um 21:39
Ein Absatz hat mich besonders überzeugt und schmunzeln gemacht. Denn Rocker haben ne Kutte, andere aber auch. Bei Aufläufen sieht das immer so aus als wie für Prominent, Brisant oder mindestens RTL&Co-Explosiv.
Ein roter Teppich für Überkommene:
"glanzvolle auftritte, in den massenmedien verbreitet, täuschen mehr tragende kraft vor, als da ist. der boulevard ist dem operettenhaften rest aus der feudalzeit, adel und klerus, noch zugeneigt. ein spätes echo beim tross der traditionstrottel, die nicht die marschroute bestimmen."
h.yuren schrieb am 18.03.2010 um 22:13
danke, rainer. das tragikomische theater haben wir ja auf allen bühnenbrettern vor augen. der römische glaubenskonzern macht keine ausnahme.
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