h.yuren

die seen gehn unter

29.09.2009 | 14:56

Das Ende der Staatlichen Ära (5)

die dem macht-instinkt geschuldete tendenz zur feindseligkeit und zum machtkampf zwang die mächtigen zur offenheit für nützliches neues. auf lange sicht belohnte die evolution nicht einfach die rücksichtslos gewalttätigen; sie mussten vielmehr aufgeschlossen sein für neue entwicklungen, tricks und möglichkeiten, ihre machtstellung zu festigen und auszubauen.
das auffällig beschleunigte tempo der erfindungen und erkenntnisse seit beginn der staatlichen ära wurde angeschoben und aufrechterhalten vom machttrieb. die qualität der neuerungen trägt dann auch deutlich seine handschrift.
wenn die regierenden eine chance sahen, ihre macht zu mehren, war ihnen jedes mittel recht. so entstanden in europa die königlichen akademien nicht aus der wissenschaftlichen neigung der gekrönten häupter, sondern aus der erwartung der berater, dass die investition außer prestigegewinn noch handfesteres zeitige.
schädlich durften die akademien auf keinen fall sein. darum schloss ein statut der Royal Society die einmischung der wissenschaftler in fragen der theologie, der ethik und der politik rundweg aus. geforscht werden sollte bitteschön zum reinen nutzen der herrschaft, nicht aber zu möglichem ärger.
das statut der royal society dokumentiert die fatale asymmetrie der forschungsförderung. die asymmetrische mehrung des wissens im sinne der machtmehrung ist jahrtausendelang betrieben worden. kritik an den hauptpersonen der staatsaktionen und dem system der herrschaft ist dagegen stets riskant gewesen und ist es meist noch.

für die aufklärung bedeutet das: jahrtausendelang ist die herrschaftsfromme komponente der aufklärung gestärkt worden, die herrschaftskritische komponente ebenso systematisch geschwächt.
nach 6000 jahren subventionierung des herrschaftsrelevanten wissens bei gleichzeitiger verdrängung und verfolgung aller herrschaftsschelte verfügt der oberkommandierende einer supermacht über mehr als genug mittel, die ganze menschheit und die biosphäre zu vernichten. hemmungen, das vernichtungspotenzial einzusetzen, sind nicht zu unterstellen.
erst die vergangenen 100 jahre haben an den tag gebracht, in was für eine evolutionäre sackgasse die menschheit durch das forcierte wahn & gewalt-programm der machtkranken eliten manövriert worden ist. aus uralter gewohnheit, altehrwürdiger tradition und systembedingter notwendigkeit haben die regierenden im vergangenen jahrhundert die früchte der vorigen generationen gepflückt, weiter die herrschaftsfromme forschung, vor allem die kriegswichtige naturwissenschaft und technik mit verschwenderischen aufträgen und zuschüssen subventioniert, kritik jedoch allenfalls geduldet, meist aber ausgeschaltet. und beides mit durchschlagendem erfolg. auf der einen seite türmen sich die waffen im overkill-arsenal, auf der andern verkommt die menschheit in atavistischer konkurrenz.

die bronzezeitlichen machtstrukturen lasten auf allem und allen. und es bleibt nur noch die alternative:  umbau der großenteils verfeindeten kriegsgesellschaften in eine weltgesellschaft ohne imperien und armeen - oder aber weiter so auf der geraden straße der vernichtung. beide alternativen bedeuten das ende der staatlichen ära.

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 30.09.2009 um 18:23
Sehr lesenswerte Sichtweise! Danke!
h.yuren
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08:55
heyeohka hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:53
wahr hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:23
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:19
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