im gespräch am kamin mit jörg schönenborn tippte otto schili das thema nur kurz an. er befasse sich in letzter zeit mit den versuchen der hirnforscher, den freien willen auszuschließen. es war dem mann anzusehen, dass ihm schon der gedanke daran missfiel.
als wenn es der hirnforschung und neuer beweise bedürfte, den “freien” willen massiv in frage zu stellen. verständlich ist das krampfhafte festhalten am dogma schon, denn wo blieben ohne das konstrukt des “freien” willens religion und rechtsprechung?
der von mir sehr geschätzte historiker lewis mumford neigt in seiner stadtgeschichte (The City in History) zu der ansicht, die frühen städte der neuen welt seien nicht völlig neu erfunden worden, sondern durch einen unbekannten transfer aus der alten welt vermittelt. die relative verspätung ist nur ein anhaltspunkt unter vielen, seine these zu stützen.
“Die Indizien lassen es aber immerhin etwas zweifelhaft erscheinen, daß dieser höchst komplizierte Organismus unabhängig und zu einem viel späteren Zeitpunkt erfunden wurde, als die Städte in Mesopotamien und im Industal Gestalt annahmen.”
ist es aber nicht einfacher, den ursprünglichen bewohnern amerikas die gleiche erfindungsgabe und abhängigkeit von inneren und äußeren faktoren zuzutrauen wie den leuten der alten welt?
die ur-amerilkaner haben demnach nicht erst die stadt aus eigener kraft und notwendigkeit entwickelt, sondern lange vorher bereits die eigene landwirtschaft und das dorf als voraussetzung für die spätere stadtkultur. die erfindungen der schrift, der zahlen, der zeitrechnung, der götter, der straßen usw. sind wiederholt unter vergleichbaren bedingungen gemacht worden. die phantasie verhalf so auch dem “freien” willen wiederholt zur scheinexistenz.
Kultur : Der "freie" Wille
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