h.yuren

die seen gehn unter

15.05.2010 | 15:32

Des Adels Kern

wie mensch weiß, kam der adel nieder und gebar, tja, was eigentlich? die romantische sehnsucht nach der wiedergeburt der alten herrlichkeit?
auf jeden fall ein raunenvolles rätsel, etwas einzigartiges, den gipfel der reichsidee im dritten reich.

sogleich wurde nach dem verursacher und erzeuger gefahndet. nietzsche wars, sagten die einen und hielten dessen verherrlichung der herrenmoral zum beweis in der hand. der preußische militarismus wars, meinten die andern und nannten die schmach der niederlage in einem atemzug mit preußens gloria. ach was, stöhnten die dritten kulturpessimistisch, der dünne firnis der zivilisation war verwittert und abgeblättert, darunter kam die bestie zum vorschein. und sie predigten die schleunigste rückkehr zur kulturnation.

das naheliegende fällt einem oft nicht ein, weil es verdrängt in einer schublade des bewusstseins liegt.
als die alte herrlichkeit zu ende ging, traten nationale parteien auf den plan. ans kaiserreich schloss ziemlich nahtlos das hitlerreich an. der nazi-rassismus konnte tragende teile der adelsherrschaft übernehmen und in sein regime einbauen.
statt angehörige des adeligen standes hieß es eben angehörige der arischen rasse oder der germanischen herrenrasse. aus der zugehörigkeit resultierte da wie dort der überlegenheitsdünkel und daraus weiter der herrschaftsanspruch.
adelige wie nazis mussten durch saubere genealogien und ahnenforschung ihre reinrassige abstammung nachweisen. eine interessante übereinstimmung mit den gepflogenheiten in der edlen zierzucht. das einwandfreie stammbuch entscheidet über rasse und preis des pferdes, hundes etc.

diese parallele focht adelige und nazis nicht an, weder als züchter noch als bürger. im gegenteil. sie sahen sich in der natur und durch die biologie bestätigt.
ebenso in sachen führerprinzip. dass schafe, wölfe, affen und sehr viele andere tierarten einem leittier folgen, war für adelige und nazis kein grund zu grübeln, sondern beweis für die richtigkeit ihrer gesellschaftsstruktur.  biologische legitimation vom reinen blut bis zum heldenhaften blutvergießen.

fazit: herrschaft ist ein wechselbalg, und des adels kern die blaupause des rassismus.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Fritz Teich schrieb am 15.05.2010 um 17:33
Jede Zeit hat ihre Masstaebe und ob der running gag der Rassismus ist, ist doch eher zweifelhaft.
h.yuren schrieb am 16.05.2010 um 17:30
lieber fritz, es gibt nur zwei möglichkeiten: entweder habe ich meine worte nicht präzise und gezielt genug gewählt oder aber du hast den sinn nicht erfasst. ich gehe mal von der ersten möglichkeit aus.

aber in dem punkt muss ich dir mit nachdruck widersprechen: nie und nimmer hat jede zeit ihre maßstäbe. du kannst meinetwegen die regeln für das eine oder andere spiel nach belieben ändern, nicht aber für das gesellschaftliche zusammenspiel.
mord und rufmord z.b. waren schon immer mord und rufmord.
wahn und gewalt waren auch schon immer wahn und gewalt. wenn manche leutchen die begriffe verdrehen nach gutdünken, ist das ein fall für den psychiater oder richter.

wenn es stimmte, was du behauptest, wäre die nazizeit mit ihren maßstäben ebenso abgedeckt wie die jahrhunderte der inquisition. dies zur gegenprobe.
luggi schrieb am 15.05.2010 um 17:49
Geldadel und Landadel sind doch in den letzten Jahrzehnten prima zur neuen führenden Klasse verschmolzen.
h.yuren schrieb am 16.05.2010 um 17:33
die schweinereichen bitte künftig in anführungsstrichen, lieber luggi. die steinreichen auch.
was verstehst du unter "landadel"? etwa die immobilienhaie?
hibou schrieb am 16.05.2010 um 07:31
Adel, Madel..... is mir im Grunde egal :-)), wie andern die Burka hihi.
Aber HY trifft schon den Nagel auf den Kopf. Spannende Erweiterung zum Rassismus: In der Tierzucht verbessert man die Rasse nicht (nur) durch Zucht, sondern weit mehr durch Fütterung!!
Fritz Teich schrieb am 16.05.2010 um 10:58
Die "Blaubluetler" als Rasse ist doch albern. Wieso haben "Linke" noetig, sich ueber andere lustig zu machen. Staerkt es das Zusammengehoerigkeitsgefuehl? Ich finde es bloed.
h.yuren schrieb am 16.05.2010 um 17:37
mir fallen die delikatessen des adels ein wie vogelzungen und ähnlich ausgefallenes. ob es die zucht verbessert hat, ist nicht überliefert, hibou.
h.yuren schrieb am 16.05.2010 um 17:39
lieber fritz, wie sprichst du über linke? das erweckt den ganz bestimmt falschen eindruck, als wären das die andern.
hibou schrieb am 16.05.2010 um 17:40
meine schweine erhielten taeglich frischgemahlene gerste, kartoffeln, grünes gras, molke :-))))
I.D.A. Liszt schrieb am 17.05.2010 um 22:34
@ Fritz Teich:

Der Adel hat sich viele Jahrhunderte lang über die "Gemeinen" und über andere "Stände" lustig gemacht.
In Großbritannien tut er das heute noch (die "Gemeinen" werden dort vom Adel - natürlich nur zum Spaß! - als smelly socks brigade bezeichnet).

Aus welchem Grunde also sollten wir "Gemeine" davon Abstand nehmen, uns auch mal wenigstens ein Jahrhundert lang über den "Adel" lustig zu machen - und hoffentlich auch noch ferner in der Zukunft?

Außerdem versucht "der Adel" natürlich seit jeher die Zuchtwahl einer in sich geschlossenen (Herren-)Rasse - sehr schön übrigens auch im althergebrachten indischen Kastensystem zu beobachten!

Es scheint ja alles in Ordnung, wenn das Zusammengehörigkeitsgefühl des Adels gestärkt wird, ja?
Und Linken in Anführungszeichen dürfen so etwas nicht entwickeln, wie?
Weil es auf Kosten der Unterdrücker und Ausbeuter von dunnemals geht, die heute nicht mehr so viel zu sagen haben, wie sie es gern hätten?

Wenn Sie so denken, dann sollten Sie vielleicht Ihre Lektüre von "dem Freitag" auf "Frau mit Herz" umstellen.
I.D.A. Liszt schrieb am 17.05.2010 um 22:39
Sehr schön!

Dein Artikel hat mich - wie so mancher Deiner Blogbeiträge - auf eine neue Sichtweise geführt.

Natürlich waren die Nazis die "neuen Adligen" - nicht umsonst haben sie sich in der Zeit ihrer "Herr"schaft auch so hemmungslos bereichert (siehe Göring als Urbild der nationalsozialistischen Bereicherungsgier).

Danke!
h.yuren schrieb am 18.05.2010 um 08:13
dankeschön für deine art zu lesen und zu kommentieren, i.d.a. liszt.
h.yuren
Netzstützpunkt FC
Ort:
haddorf
Mitglied seit:
3 Jahre 0 Wochen
Zuletzt aktiv:
27.05.2012
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 299
Kommentare: 4084
Logbuch
08:55
heyeohka hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:53
wahr hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:23
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:19
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:14
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG