h.yuren

die seen gehn unter

05.07.2010 | 12:19

Die 2 Kulturen

vor jahrhunderten gab es an den europäischen universitäten 2 studiengänge: das trivium, zu deutsch dreiweg, aus grammatik, rhetorik und dialektik als basisstudium. darüber erhob sich das quadrivium, dt. vierweg, mit den ‘höheren’ fächern arithmetik, geometrie, astronomie und musik.
in dieser tradition befindet sich der bolognaprozess zur harmonisierung der europäischen studienordnung mit dem bachelor- und masterstudium.

aus dem trivium ist das adjektiv trivial abgeleitet, das literarische veröffentlichungen, z.b. groschenromane, in der bezeicnung trivialliteratur abwertet .
darüber erhebt sich aber nicht etwa analog die quadrivialliteratur, weil es das adjektiv quadrivial gar nicht gibt. die zweiteilung der publikationen in anspruchsvolle und bloß unterhaltungsliteratur ist indes eine tatsache, die in kritik und didaktik eine große rolle spielt.

das genre mit der kleinsten lesegemeinde, die lyrik, gilt allgemein und selbst manchen literaten der u-schreibe als höchste sprachkunst, sagen wir, als dem an sich schon imposanten literaturgebäude noch oben aufgesetztes türmchen der quadrivialität.

unter diesen voraussetzungen nimmt es nicht wunder, dass in den boomjahren (60er und 70er) der linguistik viel über die 2 codes der rede (parole, speech) diskutiert und geschrieben wurde. in der unterschicht hatte man den restringierten code entdeckt, in der oberen mittelschicht den elaborierten. die klassengesellschaft sprach in unterschiedlichen soziolekten. die vorstellung der einheitssprache konnte ad acta gelegt werden.

sprache und literatur stehen exemplarisch für die struktur der gesamtkultur. trotz zahlreicher täuschungen und tricks besteht die zweiteilung durchgängig, freilich nicht in dem sinn, dass die mitglieder der oberschicht die höchste qualität per se gepachtet hätten.
so ist aberglaube von lourdes bis rom und wittenberg, von stonehenge bis zum blocksberg, trivial und folklore; so ist autofahren in der premiumklasse, sei’s hybrid oder elektrisch, trivial und folklore; so sind drogen, legal oder illegal, trivial und folklore; so ist fußtritt, vulgo: fußball, von der kreisklasse bis zur weltmeisterschaft trivial und folklore. und so weiter.
die preisfrage zum schluss: wie sind bankgeschäfte, systemrelevant oder nicht, einzuordnen?  

 
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Kommentare
Hermanitou schrieb am 05.07.2010 um 17:03
Bankgeschäfte sind triviale Rechnereien zuungunsten der kleinen Leute, die folkloristisch verkauft werden: "Ihre Beraterbank" etc...
h.yuren schrieb am 05.07.2010 um 17:14
danke, hermanitou, für deine einschätzung der hochdotierten kassierer.
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08:55
heyeohka hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:53
wahr hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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