h.yuren

die seen gehn unter

23.09.2010 | 21:28

Die Namen der Reichen sind oft die gleichen

in der juristerei gibt es so etwas wie den gleichheitsgrundsatz. damit ist die gleichbehandlung vor dem gesetz bzw. gericht gemeint. die steht auf dem papier.

etwas absolut anderes ist die absicht der in der französischen revolutionszeit ausgerufenen égalité. tatsächliche gleichheit ist ein phänomen der mathematik. in der gesellschaft, ja, in der natur kommt diese exakte gleichheit nicht vor.

wenn dennoch viel von gleichheit im politischen raum die rede ist, so nur im sinne der chancengleichheit. besonders in der ausbildung und bei bewerbungen um einen job wird sie angestrebt. noch aber steht erst einmal die gleichberechtigung weiblicher bewerberinnen in ausbildung und beruf weitgehend ungelöst auf der agenda.

die bedingung der möglichkeit von chancengleichheit im umfassendsten sinn wäre sehr einfach zu schaffen, wenn, ja, wenn menschen im allgemeinen und im besonderen keine biologisch programmierten entitäten wären. auf der jeden tag enger werdenden erde kämpfen sie alle um ein bisschen mehr luft zum leben. in oft harter konkurrenz.
trotzdem brauchten in einem revolutionären akt lediglich alle erbschaftsansprüche aus den traditionellen gesetzen getilgt zu werden.
doch das gegenteil geschieht hierzulande und anderswo. das erbe wird möglichst von allen steuern befreit, also gestärkt.

das ist allzu menschlich bzw. biologisch begreiflich, hat aber mit menschlichkeit sehr wenig oder gar nichts zu tun. wenn von der leistungsgesellschaft die rede ist, soll der wettbewerb betont und verherrlicht werden. erbgewinne und ähnliche bereicherungen der bequemsten und unverdienten art sind das glatte gegenteil von leistungen in unserer gesellschaft.

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 23.09.2010 um 21:45
Mensch = Mensch
Geld = Geld
Mensch + Geld ≠ Mensch \ Geld
GeroSteiner schrieb am 23.09.2010 um 22:07
Lieber Arm dran, als Arm ab!

Und bedenke: Reiche haben Arme, wohingegen Arme bloß Beine haben.
Rapanui schrieb am 23.09.2010 um 22:24
Reichskanzler + Reichstag

Das zeigte noch hinreichend für wen gearbeitet wurde.

Heute:
Reich der Träume
Reich der Illusionen
Reich der Fantasie

Reich mal rüber für Bundeskanzler und Bundestag.

Reicht's?
GeroSteiner schrieb am 23.09.2010 um 22:39
Was ist jetzt mit der Reichswasserleiche?
Die musste nicht heim ins Reich, sondern kam reich ins Heim.
h.yuren schrieb am 23.09.2010 um 23:02
der reihe nach:

lieber streifzug, die humanität beginnt jenseits der mathematischen kalkülchen.

lieber gero, wir sollten selbst im blog nicht zu sprücheklopfern schrumpfen.

lieber rapanui, das reich und die reichen sind zwar vom gleichen stamme (nimm), aber deine freien assoziationen kreisen doch recht einseitig ums reich der kanzler etc.

hallo, wann geht mal eine/r auf die erbschleicherei der leistungsträger ein?
GeroSteiner schrieb am 23.09.2010 um 23:36
Kann ich leider nicht in der Form drauf eingehen, da ich als Leistungsträger weder geerbt habe, noch die Absicht habe, mein Erspartes an meine Erben zu verschwenden.

Wer erbt, hat Glück gehabt. Wer nicht mehr für Geld arbeiten muss, hat auch Glück gehabt. Einen Zusammenhang von Erbschleichern und Leistungsträgern sehe ich nicht, jedenfalls nicht so einen offensichtlichen.

Erbschleicher, Leistungsträger und intelligent, das gibt es einfach nicht zusammen. Entweder man ist intelligent und Leistungsträger, dann ist man kein Erbschleicher; oder man ist Erbschleicher und intelligent, dann ist man kein Leistungsträger; oder man ist Erbschleicher und Leistungsträger, dann ist man nicht intelligent.

Dazu habe ich noch eine allgemeingültige Graphik gefunden:
Rapanui schrieb am 24.09.2010 um 01:04
Hallo h. yuren,

Sie haben recht, es ist ein wichtiges Thema, welches mich in seinen Facetten, hier Erbschaft, interessiert. Wir (Jap, TomGard, Phineas Freek, Rapanui) hatten jüngst zum Freitag-Schwerpunkt "Reichtum" eine intensive und kontroverse Diskussion. Es ist vielleicht ganz interessant da nachzusehen, um einige Positionen zu verstehen und sie nicht wiederholen zu müssen.

www.freitag.de/wochenthema/1035-zaungaeste-der-gesellschaft

Mein Ausgangspunkt für die Diskussion wäre der jetzige Zustand und mögliche praktische Schritte aus ihm heraus und nicht die grundlegende Kritik des jetzigen Zustands von schon errungenen ferneren Standpunkten aus. Darauf werde ich, falls solche Standpunkte wieder auftauchen, nicht eingehen. Diese Standpunkte kritisieren grundsätzlich jeden praktischen Schritt und verhindern meiner Meinung nach auch jede Bewegung.

Eine Erbschaft ist ein ökonomischer und ein kultureller Vorgang.

Zuerst zum ökonomischen Vorgang: Wird die Erbschaft in der nächsten Generation konsumiert ist das kein wesentliches Problem, wird sie als Kapital in Umlauf gebracht ist die Erbschaft ein wesentliches Element des Kapitalismus. Eine Diskussion über Erbschaft wird damit immer eine Diskussion um die wirtschaftliche Verfassung.

Zum kulturellen Erbvorgang: In Mobilien, Immobilien, Organisationen, Netzwerken, Habitus,... wird immer auch das menschliche, sinnliche Wesen der vorhergehenden Generation weitergegeben. Dieses Übergeben, Bewahren und Aufheben von Erinnerung, Tradition, Erzählungen, Familie, Habitus ist in erster Linie ein immaterieller Akt, aber eben nicht nur.

Grundsätzlich wäre ich gegenwärtig dafür Erbschaften sehr hoch zu besteuern und Einkommen dementsprechend niedrig. In unterentwickelten Volkswirtschaften aber wäre so eine Erbschaftregelung historisch nicht sinnvoll. Meine Hoffnung wäre, dass nicht der Tod (ein Kapital) die Gesellschaft determiniert sondern das Leben (Ideen, Hoffnungen). Der akkumulierte Reichtum einer Gesellschaft könnte schneller seine Erscheinungsformen wechseln und würde nicht dynastisch. Die Träger des Reichtums wären jeweils die, die eine überdurchschnittliche Leistung erbringen - für eine Generation. Das hätte aber Wirkungen: Nach einer Generation gäbe es keine großen Vermögen mehr, die Revolution würde per Erbschaftrecht durchgeführt werden. Ob das politisch innerhalb einer Generation durchführbar ist, darf bezweifelt werden. Es würden sich vielleicht neue Formen von Dynastien herausbilden - dann nicht auf Größe des Vermögens beruhend, aber vielleicht auf der Basis der Halslänge oder der Ohrengröße.

Es ginge also darum, neben der Verhinderung der Herausbildung dynastischer Vermögen eine Kultur des Vererbens zu entwickeln, die auch andere Formen von Dynastien systemisch verhindert. Nekropolen zum Beispiel. In diesem Schattenreich können sich die Erblasser zu Lebzeiten etwas schaffen, der Rest wird versteuert und damit vitalisiert. Dies sollte wenig Auswirkungen auf die Lebenden haben, aber für 1....3 Generationen sichtbar bleiben und sich dann auflösen. Begräbnisfeste, Grabmale, virtuelle Grabmale, Grundstücke in Galaxien, Sterne, Namen, Tatoos, Musik, neuronale Netzwerke, Ehrungen, Denkmale. Hier könnte sich eine Kultur entwickeln, die uns heute bizzar erscheinen mag - aber nicht solche Katastrophen produziert, wie die heutige dynastischen Vermögen.

Der Weg dorthin vom jetzigen Zustand aus: schrittweise Erhöhung der Erbschaftssteuer, Diskussion über die Inhalte von und gesellschaftliche Wirkungen von Stiftungen, Steuerbefreiung von Umlaufvermögen in Unternehmen; Besteuerung von Rückstellungen, Besteuerung von Geld-, Aktien-, Immobilienvermögen,.. Freibeträge für den persönliche oder familiären Eigenbedarf. Zweckgebundene Verwendung der Einnahmen aus der Erbschaftssteuer: Ausbildung, Kindereinrichtungen, Umweltschutz ... also generationenübergreifende Investitionen.

Wichtig wäre für den Anfang, Erbschaften zu problematisieren und diese vom Charakter eines Lottogewinns zu befreien. Erbschaften sind eine Last und kein Vergnügen. Erbschaften bedeuten gesellschaftliche Verantwortung, die wenn man sie nicht erfüllt, der Hilfestellung durch gesellschaftliche Institutionen bedürfen. Transparenz, indem die Einkommen öffentlich sind. Hohes Einkommen als tatsächlicher Nachweis von Leistung - dann wird man das Einkommen auch nennen,....Einkommen aus Pfründen werden diskrediert.
h.yuren schrieb am 24.09.2010 um 14:29
lieber rapanui, mit deinen gedanken zur schrittweisen reduktion der erbmassen bin ich einverstanden. entscheidend ist nicht das verfahren, sondern das absehbare ergebnis. die größere (chancen)gleichheit.

auch ist mir klar, dass erbschaften nur einen ausschnitt dessen ausmachen, was im system falsch, das heißt, unmenschlich organisiert ist, wenn wir auf das ganze sehen.

aber für einen zweck allein bin ich für vermögensmilliardäre: sie allein könnten (konjunktiv!) das experiment bezahlen, das ich für notwendig halte, um aus den unsäglichen verhältnissen von wahn und gewalt herauszufinden. in einer versuchsregion, nein, möglichst in vielen, sollen zukunftsfenster für die menschheit geöffnet werden.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.09.2010 um 23:24
Warum aber bombardieren wir dann "Stämme", die tun doch auch nichts anderes als ihren Nachkommen ein "besseres" Leben zu ermöglichen. Irgendwie paradox.
Ach so, ja, die Steuern. Es ist bekannt (mehr oder weniger) was Du hast und was Du vererbst. Da kommt schon gut was zusammen.
Fro schrieb am 23.09.2010 um 23:41
Schön, dass es hier noch wirklichkeitsbezogene Radikalinskis gibt.;-)
Ich denke mal, eine 50%ige Erbschaftssteuer mit einem Freibetrag X, wäre ok – da könnten sich die Erben mit zufrieden geben und sich dran gewöhnen. Reichtum wird immer nur mit Hilfe Anderer erlangt.
Vielleicht könnte eine Erbschaftssteuer auch in eine bestimmten Frist auf bis zu 100% mit X Freibertrag hochgefahren werden.
Zusätzlich, und um das Thema für die Zukunft zu entschärfen, wäre ein moderaterer Vermögenszuwachs (ab Summe X) des Einzelnen anzustreben.
Nicht nur Mindestlohn, sondern auch Maximaleinkommen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.09.2010 um 23:45
"auch Maximaleinkommen", Fro :-)

Gibt es doch- für (auch) maximale Arbeit.

Ich darf Sie erinnern: www.freitag.de/community/blogs/gill-bost/mehrheit

Sie haben da herumgemosert.

"um das Thema für die Zukunft zu entschärfen"
Na herrlich. Sagen Sie überall was anderes?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.09.2010 um 23:42
Da läßt der König die Arme hängen ...
h.yuren schrieb am 24.09.2010 um 12:02
das ist zu wenig, lieber gill bost. er muss abdanken.
I.D.A. Liszt schrieb am 24.09.2010 um 17:53
Ich hatte mal die Idee, die gute, alte Laterne wieder einzuführen - in Assoziation zu "König" und "hängen" ...
h.yuren schrieb am 24.09.2010 um 21:19
du meinst gewiss die alte laterne des diogenes, lieber ida, mit welcher er am hellichten tag auf dem markt menschen suchte.
I.D.A. Liszt schrieb am 24.09.2010 um 22:10
Leider war er damit ja nicht besonders erfolgreich.
I.D.A. Liszt schrieb am 24.09.2010 um 17:55
Für die Armen gibt's kein Erbarmen

Gleich zu Gleich gesellt sich gern. - Und dann bleibt man lieber unter sich.
I.D.A. Liszt schrieb am 24.09.2010 um 19:00
Ach, ich vergaß: Reich zu Reich gesellt sich gern.
I.D.A. Liszt schrieb am 24.09.2010 um 17:55
Für die Armen gibt's kein Erbarmen

Gleich zu Gleich gesellt sich gern. - Und dann bleibt man lieber unter sich.
h.yuren schrieb am 24.09.2010 um 21:35
lieber ida, der spruch mit dem reim klingt ausgewogen. ist er dem reimer aus weimar zugeflogen? der unterschrieb doch noch todesurteile, als in italien schon die forderung nach abschaffung derselben heranreifte. minister dürfen ebent kein erbarmen mit armen haben, weil reich zu reich sich gesellt. der dichter munter unter dem adelspack.

das durchgehende thema ist der naturmensch, dem die herrschaft von wahn und gewalt gefällt. herrschaft als erbschaft. was du ererbt von deinen ...
I.D.A. Liszt schrieb am 24.09.2010 um 22:14
So hat sich der reimende Minister in Weimar ja auch das Adelsprädikat "von" in späteren Jahren (v)erdient...

Warum eigentlich "Adelsprädikat", wenn es doch eigentlich eine Adelspräposition ist? Die adligen Schmarotzer hatten (und haben) es wohl nicht so gern, wenn ihnen was vorgesetzt wird ...

In Deinen Worten, lieber helder, wird aus der Erbsünde die Herrschsünde. ;-)

Herzliche Grüße,
IDA
h.yuren schrieb am 25.09.2010 um 07:50
so sind die beelzebuben beisammen, lieber ida. in personalunion. das bollwerk gegen die aufklärung. gegen die zukunft. gegen mensch und erde.
und das hat sich tief ins teutsche gemüt gefressen.

sei mir herzlich gegrüßt.
h.y
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