h.yuren

die seen gehn unter

01.02.2012 | 20:57

Freie Meinungsäußerung

die verbreitete meinung, alle menschen, auch bekennende nazis hierzulande hätten das grundrecht, ihre ansichten der öffentlichkeit zu präsentieren, wage ich in frage zu stellen.

zwar gilt das recht ohne ansehen der person, nicht aber ohne einen blick auf die inhalte der äußerungen. jedes recht findet seine grenze, wo die rechte anderer tangiert sind.

nicht von ungefähr gibt es das verbot der gewaltverherrlichung.

ist nun aber das bekenntnis der neonazis (in emblemen, gesten, rufen und programmen) etwa keine gewaltverherrlichung, ja, gewaltandrohung der schlimmsten art für bürger/innen der bundesrepublik? speziell aber für hier lebende fremde?

wenn es nicht schon längst zu viele belege für den zusammenhang von gewaltverherrlichung mit gewaltbereitschaft und gewalttaten der neonazis gäbe!

darum darf für solche bekenntnisse kein platz mehr sein in der öffentlichkeit der bundesrepublik (als nachfolgestaat der nazibarbarei). nur wenn so den anfängen gewehrt würde, wären mordserien wie die der zwickauer zelle für die zukunft auszuschließen.

laissez-faire und polizeischutz für die naziszene ist grob fahrlässig und beruht auf einem verquasten begriff von demokratie und menschenrecht.

 
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Kommentare
GeroSteiner schrieb am 01.02.2012 um 22:21
Es ist die alte Geschichte: Welche Niedertracht bist du bereit zu begehen, um die Niedertracht zu bekämpfen?

Das Recht der freien Meinungsäußerung ist eines der essentiellen Grundsätze für eine funktionierende Demokratie.

Es kann durchaus sein, dass uns etwas nicht passt, was ein Einzelner zu sagen hat. Das können wir inhaltlich verurteilen. Wir können uns darüber empören.

Aber es ist unsere verdammte Pflicht als Mitglieder einer Demokratie, darum zu kämpfen, dass auch jeder eine Meinung sagen darf, die dem Plenum nicht gefällt.
h.yuren schrieb am 02.02.2012 um 07:48
nein, gero, das ist nicht das problem, dass mir oder dir etwas nicht passt. nicht gefällt oder gegen den strich geht.
gewaltverherrlichung ist eine straftat. punkt. sie ist konsequent zu ahnden. punkt.
es gibt sicher auch grenzfälle, wo man darüber streiten kann, was die richtige reaktion wäre. aber bei den äußerungen und handlungen der neonazis in diesem land mit dieser geschichte und auch noch mit dieser bekanntschaft mit den brandstiftern ist es keine offene frage mehr, wie die antwort der gesellschaft aussehen muss. oder diese gesellschaft macht sich mitschuldig an den bekannten folgen.
@dllxllb schrieb am 02.02.2012 um 00:36
Das Problem ist doch, dass ein Verbot die Dinge nicht ungeschehen macht. Ich vertrete die These dass ein Verbot der NPD, zum Beispiel, zu einer weiteren Radikalisierung führen würde. Darüber kann man streiten, aber Verbote bekämpfen das Übel nicht, sie bringen es nur aus dem Fokus der Öffentlichkeit.

Es muss, wie mir scheint, viel mehr Geld in die Bekämpfung rechten Gedankengutes investiert werden. Opfer müssen geschützt werden bevor sie dazu werden. Ich fürchte diese Dinge sind ein gesellschaftliches Problem. Ich sehe latenten Rassismus, Islamophobie, Angst vor dem Fremden, Unwissenheit über das Andere als Nährboden für Rechtsextremismus. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Die Medien haben da auch ihren Platz. Ich rege mich zum Beispiel regelmäßig auf wenn ich von Straftaten höre oder lese bei denen explizit Abstammung und/oder Religion benannt werden, auch wenn diese Kategorien mit der Straftat nichts zu tun haben. Wenn ein Mensch deutscher Abstammung (was soll das überhaupt sein, btw), dieser und jeder Konfession oder Atheist, eine Straftat begeht, wird das komischerweise nie extra ausgewiesen...
h.yuren schrieb am 02.02.2012 um 09:37
"Opfer müssen geschützt werden bevor sie dazu werden."
ganz deiner meinung, dllxllb. aber wie, das ist die frage. durch warten, bis die opfer nicht mehr zu übersehen sind?
nein, du hast recht, opfer dürfen erst gar nicht in die rolle kommen. also muss im vorfeld etwas getan werden. nicht durch v-leute, die zum szenenfoto gehören, sondern durch frühzeitiges einschreiten. es ist doch zweckmäßig, den brandstiftern die brandbeschleuniger aus der hand zu schlagen, als abzuwarten, bis es brennt.
wer die nazitradition pflegt wie die neonazis, ist gemeingefährlich und nicht bloß ein kind, dem man das feuerzeug wegnimmt.
natürlich muss die vorsorge früher einsetzen. publikationen wie die websites, die auf us-servern gehostet sind, müssen genauso verschwinden wie die offiziell verfolgten kinderpornoseiten.
@dllxllb schrieb am 03.02.2012 um 02:44
Es sollten doch die Brandstifter erst gar nicht dazu werden. Nicht einfach und sagt sich leicht. Das ist ein Problem der gesamten Gesellschaft. Ich erinnere mich an einen TV-Beitrag in dem eine Frau, die in einem Bochumer Stadtteil (Langendreer?) Nazi-Aufkleber abriss, bedroht wurde. Durch Sachbeschädigung (Stein durchs Wohnzimmerfenster, Autoscheiben kaputt geschlagen) wurden da Zeichen gesetzt. Von der Polizei kam, so weit ich mich an die Äußerung erinnere, dass es sich ja eben nur um Sachbeschädigung handele. Was soll man da tun? Nun, ich denke Polizeipräsenz wäre ja wohl das mindeste. Der Stadtteil scheint sowieso ein massives Problem mit der rechten Szene zu haben...

Grenzen der freien Meinungsäußerung gibt es. Und das ist richtig. (Kinderpornographie klammere ich aus, da das eindeutig, und zu Recht, eine Straftat darstellt). Aber wie Gero Steiner bereits anführte: "Das Recht der freien Meinungsäußerung ist eines der essentiellen Grundsätze für eine funktionierende Demokratie". Mir missfallen die Internetseiten von irgendwelchen Irren auch. Aber ich glaube mehr pauschale Verbote dienen nur der Symptombekämpfung und dem Abdriften in den Untergrund. Das kann der Weg nicht sein.
h.yuren schrieb am 03.02.2012 um 08:10
dass das grundrecht der freien meinungsäußerung eines der wichtigsten grundrechte überhaupt ist, sei indiskutabel, ok, @dllxllb.
aber du sagst selbst, dass es grenzen der irren rede geben muss. und wenn in diesem land mit dieser geschichte nicht klar ist, dass versuche, das 1000-jährige reich zurückzurufen, ausgegrenzt gehören, dann ist etwas faul in diesem staat.
die oft an die wand gemalte gefahr, verfolgung und verbote trieben die kandidaten in den untergrund, ist allerdings eine gefahr bei dem inlandsgeheimdienst, den es hier gibt. im übrigen ist das nur ein popanz, der die wirkliche gefahr vergessen machen soll.
der gläserne bürger ist nicht vereinbar mit einem gefährlichen untergrund.
es geht nicht um "pauschale Verbote", sondern um ganz konkrete, die den braunen irrsinn (be)treffen.
@dllxllb schrieb am 04.02.2012 um 00:01
Es gibt doch bereits gesetzliche Regelungen, die eine Verherrlichung usw. des Nationalsozialismus unter Strafe stellen.

Wieviel mehr Verbote braucht ein freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat? Wie oben angedeutet fehlt es an der Umsetzung der Verbote und in erster Linie an einer Verhinderung von Verstößen. Der Verfassungsschutz hat das in tragischer Weise bewiesen.

Der Bürger wurde doch erst durch die elektronischen Medien und Telekommunikation gläsern, zumindest was die politischen Überzeugungen angeht. Bei jedem Verbot gibt es Möglichkeiten dieses irgendwie zu umgehen. Da ist der Mensch dann unglaublich kreativ. Wird ein Symbol verboten, findet sich das nächste...
h.yuren schrieb am 04.02.2012 um 06:55
... und das wird genauso schnell durchschaut und kassiert wie das letzte, wenn, ja, wenn die nachbarn und die bestellten aufpasser aufmerksam und im bilde sind. tja, es ist ein gesamtgesellschaftliches problem, wenn das so läuft, wie es bisher gelaufen ist.
darüber hinaus ist es ein internationales problem, wenn die server für naziseiten z.b. in den usa ganz legal operieren, oder ein britischer verleger vorhat, hitlers hetzreden in hoher auflage und häppchen hierzulande zu verkaufen.
bilder und szenen von nazidemos im fernsehen müsste es nicht unbedingt geben, wenn die verbote, die es tatsächlich schon gibt, wirksam wären. tja.
claudia schrieb am 02.02.2012 um 05:24
>>...ist nun aber das bekenntnis der neonazis (in emblemen, gesten, rufen und programmen) etwa keine gewaltverherrlichung, ja, gewaltandrohung der schlimmsten art für bürger/innen der bundesrepublik? speziell aber für hier lebende fremde?<<
Ja.

Waffenexporte ("Wachstumsindustrie!") sind nicht nur Gewaltandrohung, sondern Gewaltausübung, besonders für wo anders lebende Fremde.

"Das wird man wohl noch sagen dürfen!" war der Kommentar einer "Zeitung", die aufgrund der schieren Geldmacht ihrer Besitzer nicht verboten werden kann.
Der Kommentar bezog sich auf ein Buch eines SPD-Mitgliedes.

Behörden päppeln menschliche "Kampfhunde" des Herrschaftssystems.

Wo sollte man ansetzen mit Verbieten, wenn die Wurzeln des Übels behandelt werden sollen?
h.yuren schrieb am 02.02.2012 um 09:41
danke für dein klares ja, claudia.

dass es noch viel mehr zu tun gibt, als die neonaziszene zu lichten, ist mir klar. der wurm sitzt ganz tief im gebälk.
Alien59 schrieb am 02.02.2012 um 07:00
Der Fisch stinkt vom Kopfe her .... Was zu der latenten Fremdenfeindlichkeit beiträgt, sind etliche Gesetze, unsägliche Parlamentsdebatten und Politikeräußerungen - auch, wenn im Parlament bedauert wird, dass eine türkische Abgeordnete leider nicht abgeschoben worden sei.
h.yuren schrieb am 02.02.2012 um 09:47
vollkommen einverstanden, alien59. das macht die sache ja so zäh. was ich fordere, ist wenig im vergleich zu dem, was alles im argen liegt, aber zum teil globale ausmaße hat.
konkret geht es um den brandherd der neonaziszene. der wäre längst gelöscht, wenn nicht "höherenorts" hilfskräfte mitspielten.
luzieh.fair schrieb am 02.02.2012 um 09:50
"auch, wenn im Parlament bedauert wird, dass eine türkische Abgeordnete leider nicht abgeschoben worden sei."

„Am besten hätte man Sie abschieben sollen.“ hat die eine zu der anderen gesagt...das ist so entlarvend.
h.yuren schrieb am 02.02.2012 um 10:32
tja, das ist ein klarer beleg dafür, dass die verfassungsschützer nicht allein blind durchs land laufen und dabei nicht immer das grundgesetz unterm arm tragen. die hintermänner und -frauen in den parlamenten und parteien bewegen sich in einer grauzone, verraten ihre position aber ab und zu deutlich.
die gewaltverherrlichende neonazitruppe verstößt gegen geltendes recht und wird beobachtet, bis es zu spät ist. das ist der punkt.
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