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im duden sind 4 seiten mit lemmata gefüllt, die alle das bestimmungswort "haupt-" oder "Haupt-" vor sich hertragen. vom "Hauptabnehmer" bis zum "Hauptzweck".
natürlich führt das substantiv "Haupt" die lange prozession an.
für ein wörterbuch ist es schon ein besonderer service, dass zwischen das anführlemma und die genannte folgelegion etwas eingeschoben ist, das gar kein wort ist, mithin nichts im wörterbuch zu suchen hat, aber den nutzern des lexikons eine extra-information bieten möchte:
"Haupt-: kennzeichnet in Bildungen mit Substantiven jmdn. als maßgebliche, wichtigste Person od. etw. als wesentliche, bedeutungsvollste Sache: Hauptakteur, -attraktion, -sorge."
der beweis:
die hauptschule ist die bildungsanstalt mit dem schlechtesten ruf, mit den schwierigsten unterrichtsbedingungen, sodass sie in einigen bundesländern bereits abgeschafft ist oder wird und in den östlichen ländern erst gar nicht eingerichtet wurde. ihre schülerzahlen sind rückläufig. sie hat die meisten schüler/innen an die realschule verloren.
die hauptschule ist die weiterführende schulform mit dem höchsten anteil schüler/innen mit migrationshintergrund. nach einer studie gilt zumindest jede 7. bis 10. anstalt als problemschule.
die dudenredaktion hat es gewiss nur gut gemeint mit ihrem informativen pseudoworteintrag "Haupt-", der freilich den ahnungslosen nutzern des garanten für gutes deutsch, etwa in fernen ländern, desinformation andreht.
hauptsache, das wörterbuch hat einen guten ruf oder? noch wird es für das maßgebliche, wichtigste wörterbuch gehalten. es gilt als das deutsche haupt- oder standardwörterbuch für die deutsche sprache.
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Aber, ist der Duden nicht die HAUPTsache, um die Bildung zu bebildern? Am HAUPT aller SYSTEMSchüler? Für das SYSTEM?
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hallo rainer, du bist aber superschnell, als hättest du auf der lauer gelegen.
das dickste wörterbuch, das sich das große nennt, ist dem system zu diensten wie schon der alte namensgeber des vereins. vgl. www.wortplus.com |
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Nicht ganz am Thema, aber was hältst du eigentlich von Wahrig-Wörterbüchern? Ist das das gleiche nur mit anderem Namen?
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schrieb am
05.10.2009 um 23:23
Nein, ich arbeite mich auch am Duden ab. Und ich finde das normal. - Hab natürlich auch den Wahrig ...
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gerade hab ich eine zeile an dich abgeschickt(unter magdas blog), da finde ich dich hier, cassandra.
ja, auch der wahrig ist nicht das wahre, unterscheidet sich nur unwesentlich vom dickeren duden. wenn archäologen etwas ausgraben, müssen sie es in eine zeit und kultur einsortieren. der wahrig wäre als fundstück genauso typisch brd-lich wie der duden. durch die auswahl der lemmata und durch die erläuterungen zu den wortbedeutungen verraten selbst so sachlich erscheinende wälzer wie wörterbücher ihre ideologie. kennst du das "Wörterbuch des Unmenschen"? das versuchte etwas neues, mit mehr oder weniger erfolg. |
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schrieb am
05.10.2009 um 23:49
Irgendwann landet man dann, bei den Einträgen zur Ideologiegeschichte in den einschlägigen Kompendien, beim Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. - Für mich ist das Konsequenz aus allen meinen bisherigen (germanistischen) Studien. Da war ja wer ...
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Meine Oma hat solch ein Lexikon auf ihrem Schreibtisch liegen, kam 1939 frisch aus dem Druck. Ich habe mir immer unterbewusst vorgestellt, dass da wer weiß was an rassistischen Definitionen in den bluttriefendsten Wörtern steht, aber ich war noch schockierter, als ich dann irgendwann feststellen musste, dass die Formulierungen absolut nüchtern klangen, wie bei uns eben...
Vom "Wörterbuch des Unmenschen" hatte ich noch nie was gehört. Klingt aber interessant. |
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hi cassandra, angenommen, auf dem schreibtisch deiner oma liegt der wahrig, von vor 70 jahren, aus der nazizeit, und die formulierungen darin klingen "absolut nüchtern, wie bei uns eben".
hohle wissenschaftler waren unter den anhängern der hitlerei von anfang an, germanisten sozusagen von berufs wegen. aber absolut nüchtern war da nix und ist hier bei uns nix. ich hab spaßeshalber etwas gründlicher in die lexika gesehen. und habe gemerkt, dass der alkohol in worten und taten eine große rolle spielt/e. man kann sich auch an ideologischem gebräu besaufen und - ist dann nicht mehr zurechnungsfähig. konkret: im duden kannst du eine unmenge lemmata finden, die veraltet sind, ungebräuchlich oder beides, etwa aus der literatur, der kirchensprache, dem kanzleideutsch usw. dazu kommen vokabeln für allerhand gespenstisches wie "Berggeist" oder "Dengelgeist", rassistisches wie "europid" oder "negroid" usw. um vor allem diese hohlheiten des quasi amtlichen duden ans licht zu zerren, habe ich die website www.wortplus.com eingerichtet. |
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Nun, dann kann der/die/das betrunkene AutorIn aber wenigstens noch außerhalb des Inhalts gerade aus sprechen resp. schreiben, da fällt das nun auch weniger auf. Denn das ist doch das Perfide, oder täusche ich mich, dass diese Einträge eben damals wie heute nicht direkt auffallen, sondern erst beim genauen Schnüffeln. Klein-Cassandra war aber vor ihrem Kontakt mit verbotenen Büchern immer fälschlicher Weise der Meinung gewesen, man müsste auf 10 Meter Entfernung die Fahne riechen.
Ich habe deine Seite bereits das ein oder andere Mal konsultiert und danke dir hiermit einmal offiziell für den Einsatz des Organs in der Mitte des Gesichts. |
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du hast deinen dank so schön gedrechselt, wie ich es noch nie erlebt habe, cassandra. fast komm ich mir vor wie ein verfassungsschützer.
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Was frau so alles unbeabsichtigt auslöst...
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cassandra, noch ein wort zum "Wörterbuch des Unmenschen", das genau "Aus dem Wörterbuch des Unmenschen" heißt, das in den 50er und 60er jahren in der brd einiges aufsehen machte. in meiner auflage von '68 lautet der untertitel: "Neue erweiterte Ausgabe mit Zeugnissen des Streites über die Sprachkritik".
die autoren sternberger, storz und süskind wollten den unmenschen, der sich in der nazizeit ausgetobt hatte, im sprachgebrauch nachweisen und setzten bestimmte wörter auf eine schwarze liste. z.b. "Auftrag, Einsatz, Betreuung, Kontakte ..." für mich steht außer frage, dass die sprache nicht nur lexikalisch ein spiegel der gesellschaft ist, die diese sprache spricht. die autoren waren insofern nicht angreifbar; aber sie gingen so weit, durch sprachkritik einfluss auf die falsche gesellschaft nehmen zu wollen. das löste zu recht streit aus. den ansatz finde ich richtig, die konsequenzen falsch. nachfahrendes auf einem niedrigeren niveau sind medienpräsente sachen wie "Der Dativ ist dem Genitiv sein Feind" (von ?). |
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Wie lang war/ist denn diese schwarze Liste? Und wie alt sind die Wörter darauf? Wann haben sie ihre 30er/40er Jahre-Bedeutung bekommen? Haben die Autoren im Endeffekt mehr die Gesellschaft als die Sprache kritisiert, die Sprache als Mittel zum Zweck oder doch als Mittelpunkt/Vordergrund mit Nebenfach Gesellschaft? Verlieren Wörter ihre (Kriegs-)Konnotation, wenn niemand mehr darum wüsste ("Wächst sich mit den Generationen heraus")?
Ich danke dir für den Hinweis, ich horche Mal ein wenig hier und da, ob es wohl jemand hat und mir ausborgt. |
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schrieb am
06.10.2009 um 22:23
Ich würde vorschlagen, weil das ja so unbegreiflich ist, einige Zitate zu setzen.
Ich habe derweil Victor Klemperers LTI aus dem Regal geholt: Seite 45, Zeile 11 bis 18. Reclam Leipzig 3. Aufl. 1975. |
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von deinen fragen zu meinen antworten, cassandra.
als erstes aber ein zitat von sternberger, das ich gern zitiere: "Immer stehen mit der Sprache die Verhältnisse zur Verhandlung." auf seite 326 in der 3. aufl. oder noch dieses beispiel aus demselben aufsatz: "Die Lakaien der herrschenden gesellschaftlichen Tendenzen sind auch die Papageien des herrschenden Sprachgebrauchs - und umgekehrt." und auf derselben druckseite (325): "Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf." nach diesen kostproben nun zu deinen fragen. 1. auf der schlimmen liste stehen nur 34 wörter. 2. die wörter sind gebräuchliche beispiele wie "Kontakte, Lager" 3. zum teil sind die wörter viel älter als die 30er/40er jahre 4. wie das erste zitat oben zeigt, wird die sprache als spiegel der gesellschaft gesehen. 5. nicht das kriegerische steht im vordergrund der kritik, sondern das verwalterische. was den krieg betrifft, gibt es eine starke tendenz zu tarnwörtern wie etwa einsatz, konflikt, aufbauhilfe ... 6. sehr viele leute reden, ohne zu wissen, was sie damit ungewollt sagen. die wortgeschichte ist den meisten menschen nicht bewusst. hoffe, die antworten sagen dir was. |
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lieber rainer, habe deinen vorschlag beherzigt. danke fürs mitdenken
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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