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Kultur : Internationaler Tag gegen Rassismus

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der von der uno ausgerufene tag erinnert an das massaker von sharpeville in südafrika am 21. märz 1960. die reden und artikel zum gedenktag meinen es gut. natürlich wird der rassismus verurteilt. doch die wenigsten werden das wort in frage stellen, um das es an diesem tag geht.

auch die erfinder des begriffs meinten es gut. sie brachten in ihm zum ausdruck, dass hier und da individuell, aber auch ganz offiziell menschen anderer rasse diskriminiert wurden. dass es womöglich ein falscher ansatz war, kam ihnen nicht in den sinn.

inzwischen sollte es sich herumgesprochen haben, dass die einteilung der menschen in rassen wissenschaftlich nicht mehr zu halten, d.h. überholt ist. die anwendung der vorstellungen von hunde- oder pferdezüchtern auf menschliche gegebenheiten ist ein biologismus, eine unverzeihliche gedankenpanscherei. die genforschung macht einen strich durch den wahn.

das hindert die bundeszentrale für politische bildung (bpb) nicht, in ihrem artikel zum tag heute zu schreiben: "Als biologischer Begriff verweist Rasse darauf, dass von einer Spezies oder Gattung mehrere verschiedene Arten oder Rassen existieren. Unterscheiden lassen sich diese durch vererbte äußerliche Merkmale."

rassistischer geht es nicht! selbst der satz in demselben absatz des artikels: "Die Einteilung der Menschen in Rassen wird mittlerweile wissenschaftlich als nicht mehr haltbar angesehen." lässt offen, ob diese neue ansicht denn wohl die richtige sei. sozusagen als gegenargument gegen die wissenschaftliche ansicht kommt der letzte satz der "Infobox" daher: "Als juristischer Begriff wird Rasse in Gesetzestexten aber noch heute vielfach verwendet."

vielleicht soll das tumbe geschwätz vom juristischen rassebegriff einen ehrenrettung sein, etwa für die verwendung des wortes im grundgesetz der brd. klare kante gegen die diskriminierung und anfeindung dieser oder jener gruppen zeigt der text der bundeszentrale für politische bildung nicht. die leutchen in der bpb haben offenbar den forschungsbericht der bielefelder sozialwissenschaftler und deren begriff "gruppenbezogene(r) Menschenfeindlichkeit"(GMF) noch nicht zur kenntnis genommen. so ist das meist mit den zentralen.

in älteren ausgaben des duden ist wie selbstverständlich noch oft von rasse die rede. neuerdings jedoch haben dudens das wort rasse durch "Menschentypus" ersetzt, den übrigen wortlaut der erläuterung aber beibehalten. eine durchsichtige mogelei. und ein fall von fortgesetzter gruppenbezogener menschenfeindlichkeit.

wenn aber so zentrale einrichtungen wie der duden und die bundeszentrale für politische bildung schon sichtbar schwimmen und schummeln, was soll mensch dann erst von den weniger beachteten vorstellungen der peripherie erwarten? die zwickauer zelle lässt grüßen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.