h.yuren

die seen gehn unter

18.11.2009 | 09:46

Kulturgut Alkohol


eines der größten probleme in der zivilisation. verheerendstes zivilisationsgift. millionen allein in der brd sind spiegeltrinker, süchtige, kranke.
mehr oder weniger trinkfeste vorbilder laufen überall herum, selbst in der philosophiegeschichte. sokrates z.b. wird von platon als der trinkfesteste gelageteilnehmer gerühmt. sich selbst und anderen per saufritual möglichst großen schaden zuzufügen galt und gilt (wie beim kampf mit degen oder boxhandschuhen) als besonders männlich.
das problem wäre nicht so groß, wenn die zivilisierten nicht so oft allen grund hätten, sich zu berauschen und zu betäuben. gegen das bedürfnis, seine sorgen im alkohol zu ertränken, ist die aufklärung über die schädlichen folgen unwirksam.

die leistung der wirtschaft, abteilung betäubungsmittel-industrie, ist es, für nachschub zu sorgen. die leistung des staates ist es, an der zivilisationskrankheit alkohol sich zu bereichern.                                      wenn in vergangenen jahrhunderten alkoholische getränke wie wein und bier selbstverständlich waren, jedenfalls im gehobenen haushalt, hatte das auch hygienische gründe. wasser in guter qualität stand aus verschiedenen gründen nicht immer zur verfügung, konnte vor allem nicht länger in gutem zustand gespeichert werden, wein und bier schon, wobei der alkoholgehalt eine hilfe war.         
allein schon durch die lange tradition ist besonders der wein geheiligt, die kirche legte noch eins drauf, wo der wein bestandteil des rituals ist.  europäern ist darum nicht leicht zu erklären, das gesöff sei giftig (wobei man seit paracelsus weiß, es kommt immer auf die dosis an).

dudens tun gerade so, als wäre der alkohol ein chemisches problem und das wörterbuch eine sachlich informierende enzyklopädie:
"1.(Chemie) organische Verbindung mit einer oder mehreren Hydroxylgruppen: primärer, mehrwertiger A."
nach ein paar synonymen wie "Äthylalkohol, Weingeist, Spiritus" ist an letzter stelle die droge an der reihe:
"Weingeist enthaltendes Getränk; geistiges Getränk: keinen A. trinken; den A. nicht vertragen; dem A. verfallen sein ..."
von der traditionsreichen landplage wissen dudens nichts. kein wunder, wo selbst suchthilfevertreter das gift zum kulturgut in diesen breiten erklären. daran müsse man sich von klein auf gewöhnen. es fehlte nur noch, dass der mensch die empfehlung aussprach, man solle mittrinken, dabei aber maß halten.
auto fahren ist hierzulande mit alkohol erlaubt, doch sollte der promillegehalt des blutes möglichst unter 0,5 bleiben. eine schnapsidee. eine fahrlässigkeit mit folgen für blech und blut.

du musst dir nur die giftregale voller flaschen mit literarisch und filmrelevant anmutenden namen anschauen, in den privaten bars wie in den supermärkten, um zu erkennen, was in dieser kultur so alles kultiviert wird, gleichviel was für folgen das hat.

 
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Kommentare
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 10:01
schon der alte orient wußte, dass wein mehr ist als gift. so können wir aus dem babylonischen talmud (Ketubot 65 Seite a ) lesen:
„Tannaitische Lehre: ein Glas Wein ist für/macht eine Frau angenehm. Zwei davon sind eine Schande/Hässlichkeit (machen sie hässlich – aber auch: machen sie schamlos). Drei davon beansprucht/löst ihre Zunge. Bei vier beansprucht sie sogar einen Esel auf dem Markt und es kümmert sie nicht. Sagte Rabba: das wurde gelernt nur für/über eine Frau, deren Eheherr (Begatter) nicht mit ihr ist, aber wenn der Eheherr mit/bei ihr, dann gibt es nichts gegen sie zu murren. Und so war es mit Hanna, deren Eheherr mit/bei ihr war.“

wer nun aber glaubt, es sei den ollen rabbinnen um suchtprophylaxe oder den schutz der öffentlichen moral gegangen, irrt. es ging letztlich um die teilnahme am kult! denn nur, wer selbständig im besitz von wein sein darf, kann einen seder-abend ausrichten....und die ollen rabbinnen versuchten zu erklären, warum eine frau das selbständig nicht könne -> weil nämlich schon Hanna, die mutter des propheten Samuel, ihren "ba'al" (=begatter, später ehemann genannt)bei sich bei haben mußte.

im übrigen gehörte (und gehört immer noch) zur teilnahme am kult auch ein gelegentliches besäufnis!
h.yuren schrieb am 18.11.2009 um 11:45
lieber rahab, du willst offensichtlich bekräftigen, was ich sage. der alkohol hat eine so heiligend ewiglange tradition, dass die chemikalie gar nicht mehr wegzudenken ist.
wenn jemand bestimmte entscheidungen oder verhältnisse überhaupt nicht verstehen kann, sollte ihm/ihr der schnaps einfallen als erste erklärung.
wo du wiederholt den begatter ins spiel bringst: was für folgen der karneval und ähnliche schnapsrituale für die unter alkoholeinfluss gezeugten kinder hat, fragst du am besten die mediziner/innen in der betreffenden region.
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 13:20
ich wollte versuchen, den alkohol (als pflanze wie als kulturgut wie als chemikalie) von der männlichkeit abzulösen. deshalb mein hinweis darauf, dass (jedenfalls für die traditionen, von denen in europa gelegentlich behauptet wird, dass mann in ihrem zusammenhang stünde) der ausschank und die einnahme vob wein offensichtlich auch mal frauensache war ... sonst hätten die ollen rabbinnen in der spät-antike ja nicht nach einer begründung suchen müssen, weshalb es das nicht sei.
und - auch das ergänzend - wenn mann/frau den funden trauen/glauben darf, dann gehörte im alten Babylon das einsaugen von bier zum geschlechtsverkehr (zumindest a tergo) dazu... was das für folgen hatte? womöglich zumindest die bei den rabbinnen zu beobachtende, denn schließlich waren es im alten Babylon die frauen, welche während des aktes süffelten.
h.yuren schrieb am 18.11.2009 um 14:06
profunde funde holst du ans tageslicht, rahab. ich fürchte, sex an' crime kriegen geschwisterchen, i.e. sex an' beer. natürlich dann auch sex an' wine etc.

übrigens hätte ich das von den babylonier/innen nicht gedacht. aber es beruhigt mich und spricht für den fortschritt, dass sie es nicht beim fahrradfahren und fersehen trieben.
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 15:02
nu, mit cliquot's witwe find ich's prickelnder als neben desperate house-wives!
aber wieso crime? dann doch lieber crème!

im übrigen habe ich mir erlaubt, das, was du "heiligend ewiglange tradition" nennst, etwas auseinanderzuziehen.

.... und dann bin ich grad noch am grübeln, wer alles was über den rausch geschrieben hat. wenn ich's richtig erinnere, auch Benjamin (?).
Rahab schrieb am 21.11.2009 um 18:30
@h.yren
mir ist grad aufgefallen, dass du den begatter nicht gut zu verstehen scheinst. der ist nicht als befruchter gemeint - sondern beinhaltet vom hebräischen wortstamm her ein beidseitig-gegenseitiges lustvolles geschehen.
mit der geschichte von Lots töchtern (1.Mose 19, 30-33) kriegen wir allerdings wieder den schlenker hin zu den mehr oder weniger segensreichen wirkungen des alkohols.
h.yuren schrieb am 21.11.2009 um 23:15
warum hast du den eindruck, rahab, ich könnte den gatterich falsch verstanden haben?
nun bin ich des hebräischen leider nicht mächtig, aber wie der begatter ein geschehen beinhaltet, verstehe ich rein von der grammatik her nicht gut.
merdeister schrieb am 18.11.2009 um 13:18
Die Nobelszene träumt vom Kokain.
Und auf dem Schulklo riecht`s nach Gras.
Der Apotheker nimmt Valium und Speed.
Und wenn es dunkel wird greifen sie zum Glas.
Was ist los, was ist passiert?
Ich hab bloß meine Nerven massiert.
www.free-lyrics.org/Peter--Maffay/213671-Alkohol.html

Alkohol ist dein Sanitäter in der Not.
Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot.
Alkohol ist das Drahtseil auf dem du stehst.
Alkohol ist das Schiff mit dem du untergehst.
Alkohol, Alkohol, Alkohol.
h.yuren schrieb am 18.11.2009 um 13:51
danke, lieber merdeister, für den einblick in die szene der deutschen liedkultur.
besonders gelungen find ich den vers: alkohol ist das dressing für deinen kopfsalat.
das ist dann schon sehr chemisch: nitrat + äthanol
wahrscheinlich kommen dann noch betäubungspillen dazu. gegen den kopfsalatschmerz.
merdeister schrieb am 18.11.2009 um 14:18
"das ist dann schon sehr chemisch: nitrat + äthanol"

Vielleicht ganz anders als Du denkst :-)

"

Das Gerät nimmt das von Nitrat zu befreiende Aquarienwasser und Flüssignahrung durch einen Doppel-Injektor auf. Der Nitratfilter kann sowohl auf Schwefelbasis als auch auf Flüssignahrungsbasis (v.a. Alkohol) betrieben werden. Schwefel stellt nicht nur Nahrung, sondern auch Besiedlungs-Substrat dar. Im Fall des wesentlich leistungsstärkeren Betriebes mit Alkohol wird der Nitratfilter mit Siporax (Fa.Schott/Sera) gefüllt und Alkohol (billigste Quelle dafür ist Wodka - s. Website www.lars-sebralla.de ) wird als etwa einprozentige Lösung per Hand appliziert oder automatisch mittels einer Dosierpumpe in den Reaktionsraum gepumpt. Der Deckel des Reaktors ist mit einer Verschraubung ausgerüstet, die eine Redox-Messsonde aufnehmen kann."

www.aqua-graf.de/Nitratfilter/Schuran_Nitratfilter/schuran_nitratfilter.html
h.yuren schrieb am 18.11.2009 um 14:55
allwissender merdeister, mir fehlt jetzt nur noch die andockstelle am salatkopf für die schläuche des nitratfilters. den wodka könnte ich beschaffen.
merdeister schrieb am 18.11.2009 um 20:44
:-)
merdeister schrieb am 18.11.2009 um 20:51
Eigentlich nervt Alkohol mich, manchmal gerade der Alkohol in mir. Ich trinke ihn trotzdem. Ich kenne die Wirkung. Kontrollierter Kontrollverlust.
outnumber schrieb am 19.11.2009 um 12:21
kontrollierter kontrollverlust

hmm, das hat was! klingt gut.

@h.yuren,

vielen Dank für diesen Artikel. seit einer nacht, die jeden koks-trip in schatten gestellt hätte, trinke ich nicht mehr. gar nicht mehr, nicht mal in schokolade.

herr, ich bin geläutert :-) eine andere motivation aber mit dem selben ergebnis des alkoholverzichts.
h.yuren schrieb am 20.11.2009 um 10:50
lieber outnumber, die kur via schmerzen kommt mir nicht ganz unbekannt vor. meine diesbezügliche erfahrung liegt nur schon viele jahrzehnte zurück.
Titta schrieb am 20.11.2009 um 16:52
@merdeister

Ich wußte gar nicht, daß der Text von Maffay ist. Da Gröhlemeier den singt, dachte ich, der hätte den auch geschrieben.
merdeister schrieb am 20.11.2009 um 17:33
Verdammt! Du hast Recht Titta. Aber die Interpretation von Maffay finde ich besser, deswegen waren das meine Suchworte an den großen Gugel.
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 14:22
auch zum thema gehört die "trunkene alte"
www.skulpturhalle.ch/sammlung/highlights/2006/01/trunkene_alte.html

meine literaturempfehlung dazu: 'Kourotrophoi' von Erika Simon in 'Göttinnen, Gräberinnen und gelehrte Frauen' (vielleicht nen bißchen hier books.google.de/books?id=HYyyUJLfMFIC&printsec=frontcover&source=gbs_navlinks_s#v=onepage&q=&f=false
rumblättern?)
klara schrieb am 18.11.2009 um 14:23
Hallo Rahab, das ist spannend...
Anette Lack schrieb am 18.11.2009 um 14:28
Lieber h.yuren;

danke für Deinen Beitrag. Wenn man dann noch bedenkt, dass Heroinsüchtige kriminalisiert werden, Alkoholismus aber untersützt, weil er Steuern bringt...:((

Meine Tochter (17) war neulich auf einer Haus-Party bei einer Freundin. Mit 70 Gästen. Beginn: 21 Uhr. Um 23 Uhr waren alle drei Badezimmer (es ist eine sehr grosse Wohnung) gefüllt mit Mädchen, die sich übergaben und sich dabei gegenseitig die Haare hochhielten. Die Jungen übergaben sich in Blumenvasen und auf die CD-Sammlung der Mutter, sowie auf die Sofapolster, die sie danach praktischerweise umdrehten, damit mans nicht so sieht. Im begehbaren Kleiderschrank lagen welche fast im Koma. Im Ehebett der Eltern lag auch einer, total betrunken.

Getränk: Wodka. Das ist bei den Jugendliche en vogue.

Und auf dem Sofa sass der Dealer und bot meinem Töchterchen erstklassiges Gras an. Na, das schadet meiner Ansicht nach nicht so sehr... Zum Glück raucht sie nicht.

Liebe Grüße, Anna
h.yuren schrieb am 18.11.2009 um 15:08
hallo liebe anna, du bringst das koma-saufen, das nichts mit komik zu tun hat, in den thread. danke.
gabs natürlich eher singulär auch früher schon.
ich hab mit 18 meinen alkoholtest gemacht, anlass gibts in einem so durch und durch kulturvollen land wie diesem ja immer. in der schwipsphase wars ganz amüsant für mich und auch für einige andere anwesende. danach weniger. zur strafe eine woche kater. einmal und nie wieder. ich verstand nach bestandenem test immer noch nicht, warum die kulturnation sich besäuft.
Magda schrieb am 18.11.2009 um 15:36
h.yuren schrieb am 19.11.2009 um 20:40
danke, magda, für den link und die moskauer geschichte. ich wär gern in der realität dabei gewesen, wag ich mal zu behaupten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 14:41
Komisch das jedes Regierungssystem, von Kommunisten über Konservative Kapitalisten bis Diktatoren, sofort nach der Machtübernahme die Versorgung mit Alkohol sicherstellen. Alkohol erfüllt die Funktion eines Tranquilizer ohne Verschreibungspflicht. Manchmal sind wir dann so besoffen das wir glauben wir müssten den Afghanen die Lust aufs Opium "aus-bombardieren", aber heraus kommt nur ein Kater.
Ist eigentlich bekannt ob mehr Menschen an den Folgen, Unfall-Risiko, plus Gesundheit, durch Alkohol-"Genuss" oder durch Kriege sterben?
h.yuren schrieb am 18.11.2009 um 15:12
du wirfst, sachichma, fragen auf, die kein salatkopf beantworten kann. bedenke, wo du und wen du was fragst. aber du triffst den nerv der angelegenheit, glaube ich, wenn du vom revolutionsverhinderer sprichst.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 16:38
Ja, h.yuren, die von Bierdunst vernebelten Erkenntnisse sind's, - die Frage, ist hypothetisch, ist eher für die Mathematiker der Versicherungsindustrie...
merdeister schrieb am 18.11.2009 um 20:54
Fragen nach dem Tod verdecken das Leiden im Leben.
I.D.A. Liszt schrieb am 19.11.2009 um 15:33
>Alkohol erfüllt die Funktion eines Tranquilizer ohne Verschreibungspflicht.< - Eben, und darum gab man in früheren Jahrhunderten auch schon Kleinkindern ihre Dosis in Form eines Tuchzipfels als Nuckel, der zuvor in Wein oder Bier getaucht worden war. Danach schliefen die lieben Kleinen so tief und fest!!!
Den Schwerstarbeitern in den Silberminen von Peru und Bolivien gab man Koka, damit sie ihre Misere und die Schwere der Arbeit vergessen sollten, in Deutschland bekamen die Minenarbeiter (vulgo: Bergleute) in vergangenen Jahrhunderten vier Kannen Bier am Tag (das habe ich im Bergbaumuseum in Bochum gelesen - ich glaube, es war im 17. oder 18. Jahrhundert).

Ich glaube, daß die meisten Menschen in früheren Zeiten dauernd duhn waren.
Das ist abr verständlich, denn si ehatten nich tunsre heutigen Möglichkeiten. Es gab kein Fernsehen, kein Internet, keine All-Inclusive-Urlaube in der Karibik ...
h.yuren schrieb am 19.11.2009 um 21:10
das war nicht bloß in fernen jahrhunderten so, i.d.a.
als ich mal mit einer gruppe unter tage war, gabs nach der verkohlung eine kleine zugabe von den mit eingefahrenen steigern: steinhäger, wenn ich mich recht erinnere. die wirkung war durchschlagend. einer meiner kumpel landete in voller bergmannsmontur in der badewanne, musste daraus befreit werden, hatte aber die tür abgeschlossen. es bestand "ertrinkungsgefahr". echt.
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 14:55
... und dann gibt es auch noch leute of all three+x sexes, die reden sich und andere besoffen, ganz ohne alkohol ....
h.yuren schrieb am 18.11.2009 um 15:14
gut dass du daran erinnerst, rahab. das sind meist die schlimmsten in jeder hinsicht. weißt du auch, in welcher gegend die wohnen?
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 15:28
die sind mobil!
mir sind sie auch schon in gestalt von ärzten auf ner sog. suchtstation begegnet!
merdeister schrieb am 18.11.2009 um 20:55
Tsüschater!
Titta schrieb am 19.11.2009 um 18:58
Menschheitsgeschichte = Sucht(mittel)geschichte

Es gibt kein Naturvolk, daß nicht auch Rauschmittel kennt und regelmäßig nutzt, meist sogar rituell.

Vielleicht ist die Vorstellung, ohne Rauschmittel durchs Leben zu kommen, und diese Vorstellung als die ideale zu betrachten, auch nur eine Form westlich dekadenten Snobismus.
Wollte ich wenigstens einmal zu bedenken geben.

Ansonsten: Kein Alkohol ist auch keine Lösung. Die Menge machts.
to pharmakon kann im Altgriechischen mit Heilmittel, aber genauso auch mit Gift übersetzt werden. Die Dosis ist eben das Entscheidende. Das scheinen die Menschen schon ziemlich lange zu wissen.
Warum sollten wir klüger sein wollen?
h.yuren schrieb am 19.11.2009 um 21:16
liebe titta, danke für deinen ausflug in die menschheitsgeschichte.
aber ob wirklich alle sog. naturvölkchen rauschmittel kannten und schätzten, wage ich zu bezweifeln. es war einfach ziemlich gefährlich, nämlich ziemlich tödlich, im ewigen eis seinen rausch auszuschlafen; zwischen tigern und schlangen wahrscheinlich ebenso.
noch ein aspekt: in der kälte gärt es sich schlecht.
Titta schrieb am 20.11.2009 um 04:18
Es gibt auch verschiedenste Rauschmittel fern der alkoholischen Gärung. Und ich sag dir: jedes Naturvölkchen, was heute noch existiert, existiert mit Rauschmitteln. Und ritualisiert eben genau deshalb, damit es relativ ungefährlich bleibt, daher immer in der beschützenden Gruppe. Wie heute eben auch noch.
h.yuren schrieb am 20.11.2009 um 10:25
die heute noch überlebenden der schriftlosen, liebe titta, sind arm dran, wie ich höre/lese/vernehme. und vom dichter-busch wissen wir, wer sorgen hat, macht sich noch mehr mit likör oder so. die leutchen in den reservaten sind eher so dran wie die ausgestoßenen in den zivilisierten gesellschaften. so ziemlich das gegenteil von einem ursprünglich im familienverband lebenden völkchen. den missionaren und forschern aus europa war aufgefallen, dass die "wilden" so viel zu lachen hatten wie kein europäer.

und von den inuit weiß ich einiges, aber dass sie sich künstlich berauscht hätten, das weiß ich nicht. der schamane konnte sich ohne chemie in trance trommeln.
h.yuren schrieb am 20.11.2009 um 10:34
und, liebe titta, ich sage dir, es gibt praktisch keine naturvölkchen mehr, die ohne schnaps der zivilisierten leben. die in den reservaten sind bekanntlich besonders arm dran. und vom dichter-busch wissen wir, dass, wer sorgen hat, die möglichst vermehrt mit likör.

den missionaren und forschern war aufgefallen, wie oft die "wilden" lachten. die hatten tatsächlich viel mehr zu lachen als die fröhlichen zivilisierten.

von den inuit habe ich einiges gehört, nicht aber, dass sie sich künstlich via äthanol befröhlicht hätten.
der schamane tanzte sich einfach so in trance.
Rahab schrieb am 20.11.2009 um 10:41
dennoch, auch hier das motiv, wenn auch ohne alkohol: ent-grenzung, grenz-überschreitung, raum-erweiterung (innerlich/äußerlich)

das sprach-schrieb ich bereits ganz am anfang an. zu bestimmten gelegenheiten gibt es da, wo vergorenes im gebrauch ist, den ritualisierten rausch, die ritualisierte berauschung - im jüdischen kult ist dies simchat-tora (tora-freude)-> da darf der mensch, männlich, aus freude über die gabe der tora so viel von den anderen vergorenen gaben genießen, bis er vor freude nicht mehr tanzen kann ohne umzufallen (oder so ähnlich).

und zu den weiter unten angesprochenen gedichten:
wir kennen - nicht nur aus al-andalus - gedichte von hochverehrten qor'an-kommentatoren zu wein&liebe&gott. wir kennen solche gedichte auch aus der mittelalterlichen jüdischen dichtung, ebenfalls von hochverehrten weisen.
und ... fiel mir auch noch ein... in märchen aus der südsee (beispielsweise - es lohnt sich bestimmt, auch in anderen weltgegenden zu gucken) spielt das, was unter dem einfluß von vergorenem so alles entstehen/geschehen mag, eine zuweilen ebenfalls nicht unerhebliche rolle.
Titta schrieb am 20.11.2009 um 16:01
Hallo Rahab,

das kommt zwar nicht oft vor, aber ich denke, da haben wir eine ähnliche Sicht auf die Dinge.
Auf jeden Fall würde ich das Phänomen gerne mal ohne die ideologische Brille betrachten wollen, ohne eine Konnotierung des Umstandes, daß Menschen immer wieder Rausch/Grenzerfahrungen suchen. Wieso soll das schlecht sein?
h.yuren schrieb am 20.11.2009 um 22:24
zwei fragen, liebe titta, stellst zum schluss zweier kommentare:
1. "Warum sollten wir klüger sein wollen?"
es ging um die paracelsische erkenntnis, dass alles und nichts gift ist, die dosis allein entscheidet.
im alltag der biernation, mit korn als unentbehrliche ergänzung, heißt das: komm, ein gläschen, das schadet nicht. danach prompt der spruch: auf einem bein kann man nicht stehen ...
fröhliche trinker sind gemütlich bis gemeingefährlich.
weil wir in einer vollkommen anderen, durch viel technik riskanteren umwelt leben als die altvorderen, sollten wir klüger sein. wissenschaft unterstützt uns dabei.
2. "Wieso soll das schlecht sein?"
"... daß Menschen immer wieder Rausch/Grenzerfahrungen suchen."
mich erinnert das an die sprüche der 70er jahre, als drogen nachgesagt wurde, sie könnten das bewusstsein erweitern, die kreativität und sensibilität steigern etc.
ich bin skeptisch, wenn menschen die realität nicht genug ist. ich deute das als mangel an wahrnehmung und phantasie. vielleicht steckt ein physisch nachweisbarer mangel an körpereigenen endokrinen wohlfühlstoffen dahinter.
unser kulturheld goethe soll regelmäßig wein zu sich genommen haben, auch um seine produktivität zu stimulieren. wenn die kultur-ikone das tat, wie man zu wissen glaubt, mit erfolg, warum dann nicht ein bisschen stimulanz (gras, koks, äthanol etc.)in den öden klassenzimmern und ähnlichen gemächern zulassen? nicht für grenzerfahrungen, aber für heiteres produktives arbeiten.
merdeister schrieb am 21.11.2009 um 00:51
"ich bin skeptisch, wenn menschen die realität nicht genug ist."

Drogen sind auch Realität. Sie verändern die Realität nicht, sondern unsere Wahrnehmung von ihr. Das schaffen allerdings nicht nur Drogen, sondern auch wachsen, reifen, denken, suchen, finden, singen, tanzen; leben.

Ich kann aus Deinen Worten eine Warnung vor Maßlosigkeit ziehen, jedoch keinen Grund zur Abstinenz.
Titta schrieb am 21.11.2009 um 02:14
@Helder

"ich bin skeptisch, wenn menschen die realität nicht genug ist. ich deute das als mangel an wahrnehmung und phantasie."

Helder, wenn du das so schreibst, vermisse ich die Phantasie und Wahrnehmung deinerseits ein wenig.
Viele Menschen nehmen Drogen, nicht weil die Realität ihnen nicht genug ist, sondern weil diese Realität ihnen einfach zuviel ist und sie einfach nicht ohne Drogen zu ertragen wäre für sie. Und dieser Lebensrealität beuge ich mich dann, denn ich wüßte von mir nicht, wie ich auf eine solche reagieren, wie ich mit einer solchen fertig werden könnte.
Vielleicht nehme ich ja einfach nur keine Drogen, weil ich bisher einfach Glück gehabt habe in meinem Leben. Zumindest mehr Glück als andere. Und vielleicht ist Drogenkonsum auch nur eine Veranlagung, eine Gehirnanomalie oder was auch immer, was man heute noch nicht weiß. Und dafür soll ich dann die Menschen hinterfragen und verachten? Nee, man muß das Kulturgut Alkohol/Drogen vielseitig betrachten.

Herzlich und dir immer gewogen
Titta
h.yuren schrieb am 21.11.2009 um 10:04
liebe titta, du hast ja so recht mit dem, was du mir vorrechnest. natürlich hatte busch gut beobachtet, als er notierte: wer sorgen hat, hat auch likör oder so.
er hat nicht ergänzt, dass der oder die womöglich eine zusätzliche sorge sich besorgt per likör. ein produktiver umgang mit dem problem sähe anders aus.
deine these vom angeborenen saufsyndrom ist nur eine ausrede mehr, sag ich mal.
aber du hast wiederum recht, wenn du annimmst, dass du glück gehabt hast, nicht zu den säuflingen zu gehören. die umstände, die gene und die gelegenheiten machen das meiste. aber hast du gelesen, was friedland geschrieben hat? das sind schlicht tatsachen. ich bin mir zu schade für selbstverstümmelungen jeglicher art. mit drogen wäre ich mehr oder weniger freiwillig(?) behindert bzw. benebelt. ich liebe die klare weite sicht.
und freu mich über deinen herzlichen schluss.
h.yuren schrieb am 21.11.2009 um 10:10
lieber merdeister, du unterscheidest fein zwischen realität und wahrnehmung derselben. so exakt klappt das leider meist nicht. das ding an sich lass ich mal weg. aber du hast dich ja mit titta verschworen und die nämliche bemerkung zum aufhänger genommen. drum sag ich dir auch fast das gleiche zur antwort:
ich liebe die klare weite sicht. nebelwerfer gibt es genug in diesem land. da muss ich mir die sicht nicht auch noch selbst verderben.
Friedland schrieb am 19.11.2009 um 19:00
In medizinischen Journalen kann man Bilder davon sehen, was selbst minimale Mengen Alkohol (wenigstens akut) mit dem Rachen machen, vom Hirn (chronisch) ganz zu schweigen.

Dennoch ist Alkohol eben auch ein Gleitmittel im sozialen Verkehr, zum Glück hier und da erlaubt, aber leider auch zu oft geduldet. Es fehlt das rechte Maß im Umgang mit dieser Droge. Trotzdem: Selbst Tiere berauschen sich an vergorenen Früchten. Da sind wir Menschen eben nicht besser.

Und Stichwort "Kulturgut Alkohol": Viele, wenn nicht sogar die besten (Liebes)Gedichte verdanken ihrer Entstehung sicherlich dem Alkohol oder gar anderer Drogen.

Aber in einem gebe ich Recht: Autofahren und Alkohol passen nicht zusammen. Null Problemo nur mit Null Promille!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.11.2009 um 21:12
Gerhard Polt: Im Biergarten


Es gibt auch schöne Momente
wie in diesen beiden Strophen aus Robert Gernhardts
"Siebenmal mein Körper"

Mein Körper hat es gut bei mir
ich geb´ ihm Brot und Wein.
Er kriegt von beidem nie genug,
und nachher muß er spein.

...

Mein Körper ist so unsozial.
Ich rede, er bleibt stumm.
Ich leb ein Leben lang für ihn.
Er bringt mich langsam um.
Friedland schrieb am 19.11.2009 um 21:24
2:34 "Das ist eine einwandfreie Göttinger (Wurst)!" Kenn' ich gar nicht, bei uns heißt die schlicht "Stracke"...
h.yuren schrieb am 19.11.2009 um 21:30
lieber friedland, danke für deine worte der einsicht. aber dann kommst du mit: "Trotzdem: Selbst Tiere berauschen sich an vergorenen Früchten. Da sind wir Menschen eben nicht besser.

Und Stichwort "Kulturgut Alkohol": Viele, wenn nicht sogar die besten (Liebes)Gedichte verdanken ihrer Entstehung sicherlich dem Alkohol oder gar anderer Drogen."

das sind 2 zugeständnisse zuviel. reicht es nicht, (liebes)gedichte im (liebes)rausch zu schreiben? was für zutaten verdanken die texte dem gift? was für unentbehrliche zeilen?

dass "wir menschen" in vielfacher hinsicht nicht besser sind (oft aber schlechter) als tiere, ist kein argument für die ertränkung oder austrocknung (von drogen) der qualitäten, die den menschen zum menschen machen oder?
h.yuren schrieb am 19.11.2009 um 21:45
lieber rainer, der süddialekt klingt prima, wenn auch ziemlich unverständlich.
aber die 2 strophen sind ein direkter beitrag zum thema. die zweite strophe ist die antwort auf die erste, wenn ich die verse einigermaßen verstehe.
Rahab schrieb am 19.11.2009 um 22:12
was ist eigentlich los?
es gibt wunderschöne gedichte über wein&liebe&gott, beispielsweise aus dem spanien, als es noch al-andalus war. aber wenn's hier für solche hinweise immer gleich was mit der fliegenpatsche gibt, dann suche ich die nicht raus! dann vergnüg ich mich damit ganz für mich allein!
so, das haste nun davon!
h.yuren schrieb am 19.11.2009 um 23:37
lieber rahab, wer wird denn so'n garstiges stück schlagetot wie eine fliegenpatsche in die hand nehmen! ich gewiss nicht.
lass hören die gesänge über götter, geister, teufel und geliebe und geweine! lass alte zeiten aufleben in der phantasie!
ganz bei sich allein amüsieren sich nur idioten.
Rahab schrieb am 20.11.2009 um 00:02
nu grad nich! bin ich lieber idiotin!
h.yuren schrieb am 20.11.2009 um 10:41
komm, katze, sei kein frosch! lass sehn, was du meinst mit wein, weib und gesang!
Rahab schrieb am 20.11.2009 um 10:59
so gern ich mich hier weiter erfolgreich ablenken ließe ... ich muß erst mal gucken blättern googeln (um's hier einstellen zu können) vielleicht auch abschreiben. wird ein bißchen aufwendig, wäre ein eigenes thema ....
Titta schrieb am 20.11.2009 um 16:04
@Rahab

...auf das ich mich zB als Blogbeitrag freuen würde.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 19.11.2009 um 23:28
h.yuren schrieb am 19.11.2009 um 23:43
da sachichma, sachichma, dass der independent auch nur eine zeitung ist, vergleichbar einem teich, auf dem die entlein köpfchen-in-das-wasser üben.
Rahab schrieb am 20.11.2009 um 00:04
na ja, sachichma - dafür haben 'heavy drinker' dann nen paar andere malaisen, die auch nicht besonders lustig sind.
merdeister schrieb am 20.11.2009 um 12:29
Das gab es auch mal über die Weintrinker. Das war allerdings ein statistischer Effekt. Vielleicht finde ich ihn noch...
h.yuren schrieb am 23.11.2009 um 21:03
lieber merdeister, noch ein wort zu deinem von outnumber gutklingend genannten wort "kontrollierter Kontrollverlust".
ich weiß nicht, warum es mir (erst) heute morgen nach dem aufwachen einfiel: steter tropfen höhlt die birn'.

will sagen, dir sollte dein oberstübchen und alles, was davon abhängig ist, zu schade sein für den schaden, den du zwar kontrolliert, aber trotzdem mit der zeit nimmst. warum den zahn der zeit ohne not unterstützen?
du bist jung und hast darum mehr zu verlieren als so ein altes haus wie ich.
luggi schrieb am 19.11.2009 um 23:54
Nur ein Video zu dem Thema?
Was macht denn der Streifzug?

luggi schrieb am 20.11.2009 um 00:14
Und guten Alcohol gibt es auch.
www.alcohol-soft.com/
h.yuren schrieb am 20.11.2009 um 08:49
lieber luggi, schnaps wurde hier in der gegend früher auf jedem dorf gebrannt. das zeug war aber nicht soft.

ist/war das ein werbevideo für einen (soft) drink aus euter und destille?
luggi schrieb am 20.11.2009 um 16:31
Lieber Helder, das Sekret aus den Milchdrüsen weiblicher Säugetiere gibt es bereits seit Jahrhunderten mit alkoholischer Komponente in Mittelasien und der Mongolei (Kumys). Und ich erinnere mich an Filmberichte, die den Anteil weibliche Saliva (Speichel) bei der Herstellung alkoholischer Getränke zeigten. Und du hast selbstverständlich Recht, auch Alkohol gibt es als Hard- und Software.
luggi
h.yuren schrieb am 21.11.2009 um 09:43
pst, luggi, der arbeitet.
merdeister schrieb am 20.11.2009 um 12:25
1. Es wurde hier bereits oft erwähnt, doch ich sage es nochmal: Die Menge macht das Gift, das gilt auch für den Alkohol:
"Dreifache Mutter stirbt nach Wasser-Wetttrinken
Eine 28-jährige US-Amerikanerin wollte beim Wettbewerb einer Radiostation eine Computerspielkonsole für ihre drei Kinder gewinnen. Ihre Aufgabe: So viel Wasser wie möglich zu trinken, ohne auf die Toilette zu gehen. Die Frau trank - und starb noch am selben Abend.
Washington - Die 28-Jährige Jennifer Lea Strange sei offenbar an den Folgen des Wetttrinkens in Sacramento (US-Bundesstaat Kalifornien) gestorben, vermuteten laut einem Bericht der Zeitung "Sacramento Bee" die Gerichtsmediziner der Stadt. Kurz nach dem Wettbewerb, den die Frau nicht gewann, klagte sie der Zeitung zufolge über Kopfschmerzen. Am gleichen Abend sei sie dann gestorben. Wie viel Liter Wasser die Frau getrunken hatte, war noch unklar."

www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,459648,00.html

2. Fundamentalisten machen mir Angst, egal auf welchem Fundament sie stehen.
h.yuren schrieb am 20.11.2009 um 13:59
fürchte dich nicht, lieber merdeister, denn ich bins ja nur, der das äthanol als waffe in der chemischen kriegführung der klassen, aber auch und vor allem im kampf aller gegen alle enttarnen und an den besitz eines waffenscheins binden möchte.
als hochprozentiger pazifist würde ich allerdings keine waffenscheine austeilen.
ich habe andrerseits viel verständnis für den wunsch der zivilisierten, alle gesammelten ängste und be- sowie verklemmungen mittels drogen zeitweise zu vertreiben. die entspannungspausen in der zivilisation haben freilich nicht selten zu neuen spannungen und kämpfen geführt. siehe die neuen schnapsverbote in zügen, stadtteilen etc.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.11.2009 um 03:28
In einer befreiten Wirtschaft würde ich das Bier als Nahrung, Lebensmittel, Speise sowie Durstlöscher und geselligen Lebensmittelpunkt der Eckkneipe empfehlen.
Zwar:
"Nach wie vor erfüllen nicht wenige Biere den Tatbestand der Körperverletzung.
Die Forderung nach wirklich gutem Bier sollte in die Charta für Menschenrechte aufgenommen werden.
Denken Sie mal drüber nach. Am besten bei einem wirklich guten Bier."
So sagt es jedenfalls Michael Rudolf in seinem endgültigen Atlas für die ganze Bierwelt. Jean Paul fügt an: "So sind zum Beispiel Bier, Wein und Denken Reize, aber nur von erstern ließe sich leben."
Den hohen Stellenwert von Bier unterstreicht noch einmal Jürgen Roth mit dieser Meldung: "Zwischen Murmansk und Moskau hat ein Ureinwohner einen Schnellzug entführt und "zwei Flaschen Bier als Lösegeld gefordert" (taz, 3.11.99), wurde jedoch nahe Sankt Petersburg von der Polizei überwältigt und arretiert."

Einige Werbung hat sogar auch ein Herz für Bier. Franz Dobler hat sogar "Bierherz" geschrieben. Prost:





Kurz, eine glückliche Gesellschaft ohne Bier ist mir unvorstellbar; ohne Klassen jedoch schon ...
Und die ebige Geburtstagsgesellschaft gibt mir auch ein bisserl recht, gell ...
h.yuren schrieb am 21.11.2009 um 19:17
lieber rainer, keine angst, selbst wenn ich es könnte, würde ich dir dein geliebtes gelbwasser nicht wegnehmen.
auch die schweden, die gerade noch die eu dirigieren, wollen dir nicht ans liebe bier. sie weisen aber deutlich darauf hin, was der alkohol in europa jeden tag anrichtet.
stell dir vor, was es bedeutet, dass jeder brauch in die breite wirkt nach dem gesetz der streuung. während du am einen ende der bierverbraucher den brausaft genießest, werden gleichzeitig millionen anderer süchtig, bauen unfälle, versinken in krankheit und tod. die gaußsche glocke ist unerbittlich, gleichviel um was es geht.
wären schwedische verhältnisse nicht ein segen für die jetzt im elend untergehenden in unsrer kneipenkultur?
Rahab schrieb am 21.11.2009 um 19:29
ich fürchte, nein. denn davon würde die kneipenkultur auch nicht besser. und das gehobene saufen auch nicht.
h.yuren schrieb am 21.11.2009 um 19:50
lieber rainer, ich hoffe, die technik linkt mich nicht schon wieder. eben ist mein kommentar in nichts aufgelöst worden (wenn er nicht später aus der versenkung wieder auftaucht, wie's mir neulich passiert ist).
selbst wenn ichs könnte, würde ich dir dein geliebtes, dein hochgeschätztes nass nicht nehmen wollen. doch dein bierlob löst bei mir die vorstellung an die bierleichen aus, die überall in europa und der welt herumliegen.
denn es gilt hier wie überall das gesetz der streuung: jede einzelheit wie z.b. der brauch, bier zu trinken, unterliegt der gesetzmäßigen verteilung nach dem muster der gaußschen glocke. sprichwörtlich kurz: wat den enen sin uhl, is den annern sin nachtegall.
während du in der skala der möglichkeiten einen netten platz erwischt hast, wo du dein bier genießen kannst, trinken viele, viele andere sich einen spiegel an, den sie hochhalten müssen, bis sie auf- oder umfallen. oder andere saufen sich gleich ins koma etc.
aufs ganze gesehen fallen dem alkohol (in welcher mischung auch immer) dauernd millionen menschen zum opfer.
wären so gesehen nicht schwedische verhältnisse ein kompromiss zugunsten derjenigen, die jetzt in unserer kneipengesellschaft im elend untergehen?
eben hörte ich einen aktuellen bericht über schottland und das alkoholproblem dort. jugendliche geraten en masse in die alkohol-abhängigkeit und sind früh am ende. schottland ist bekannt für seine schnapswasser.
die schwedische ratspräsidentschaft macht einen versuch die große freiheit des alkoholkonsums einzuschränken. wahrscheinlich, so wie die dinge liegen, ohne erfolg. neulich sah man einen betrunkenen abgeordneten im bundestag. eine heiterkeit auslösende chose.
das recht auf künstlich-chemisch ausgelösten rausch ist in der zivilisation die regel. es ist teil des spiels, in dem etzliche erledigt werden, ohne dass es die übrigen rührt. bitte, denk an die gaußsche glocke! sie ist unerbittlich wie jedes naturgesetz.
h.yuren schrieb am 21.11.2009 um 20:07
liebe rahab, nichts würde besser, sagst du. und? was willst du damit sagen? müssen wir zusehen, wie die jugendlichen und älteren säufer kotzend aus dem rennen fliegen? so sind nun mal die altehrwürdigen spielregeln in der hochkultur? und das wärs?

als kind habe ich oft fliegen beobachtet. sie liefen achtlos über die erschlagenen hinweg wie über ein sachliches hindernis, um einen krümel zucker genüsslich aufzufinden und aufzusaugen.
das verhalten der fliegen scheint große ähnlichkeit zu haben mit demjenigen der menschen, die zusehen, wie ihre artgenossen elendiglich krepieren, ohne dass jemand daran denkt, das grausame spiel zu beenden.
Rahab schrieb am 21.11.2009 um 20:26
weil ... es nicht die kneipenkultur ist, welche menschen saufen macht. - allerdings ist die kneipenkultur für menschen, die nicht mehr saufen wollen, nicht besonders zuträglich. insoweit wären schwedische verhältnisse eine erleichterung. und gegen erleichterungen habe ich nichts einzuwenden.
nur eben ... siehe oben.
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 13:35
rahab, liebe, nicht kneipkultur sagte und meinte ich, sondern kneipENkultur. diese spelunkenkultur mit rauch und suff führt die menschen aus der nachbarschaft (die kneipen besetzen strategisch alle ecken, nachbarschaft ist also überall) nicht an die tränke? mit freundlicher und familiärer unterstützung? kennst du die dörfliche und die nachbarschaftliche/familiäre tradition/ gewohnheit schlecht!
Rahab schrieb am 24.11.2009 um 14:40
selbst wenn ich sie nicht kennte ... ist das kennen voraussetzung dafür, mitreden zu können?
nun, wohlan! ich bin eine alte säuferin! muß ich deshalb nun den stoff selbst verdammen? und alles das, was an erfreulichem dran hängt, in acht und bann tun?
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 15:09
aber ja doch, liebe rahab, ist kenntnis gewöhnlich die voraussetzung, mitreden zu können.
wenn du dich aber als nutznießerin des übels outest, ist der fall entweder eindeutig oder schwierig.
du kannst doch an den eigenen vorteil denken und zugleich an die nachteile für die schrecklich vielen anderen oder?
in diesem lächerlich kleinen land hier hängen so an die zwei millionen am tropfen, sagt man und verweist auf zahlen und hochrechnungen. das umfeld der indirekt betroffenen ist wesentlich größer. kinder z.b. von äthanol-abhängigen eltern. dazu kommt dann noch die dunkelziffer. soweit die saufsituation in der brd.
mir langt es schon, nur auf das gesetz der streuung zu sehen. danach stehen den rauschrenitenten am einen ende der verteilung die alkoholkranken am anderen ende gegenüber, während in der mitte die masse der normalsäufer zu einem berg sich stapelt.
ich erwarte nicht von dir, liebe rahab, dass du das zeugs in zukunft meidest wie die weibliche mücke das sie wahrscheinlich berausende blut; vielmehr erwarte ich lediglich, dass du mitgefühl bekundest mit den jugendlichen, die zu millionen die ganze bitternis des stoffs noch vor sich haben.
Rahab schrieb am 24.11.2009 um 15:27
aber ich bekunde doch! auch mein mitgefühl!
allerdings vesuche ich deshalb und dennoch die einsicht zu vermitteln, dass nicht der stoff das böse an sich ist, sondern das, was dich saufen macht. obwohl auch das nicht das böse an sich ist.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 15:44
Das mit den Fliegen ist ein passendes Beispiel.
Dort wo ich lebe, ist Alkolismus noch verbreiteter & akzeptierter als auf dem Festland. Die Alkoholiker & Kettenraucher halten die "Wirtschaft" bei uns am laufen.
An Leberzirrhose zu erkranken, bedeutet ein langsames, elendes und am ende sehr schmerzhaftes sterben. Die Mutter eines schwerst abhängigen Nachbarn, ist von Kneipe zu Kneipe gezogen & bat die Wirte ihrem Sohn nichts mehr zu verkaufen. Die Wirte & die anderen Gäste haben sich darüber kaputt gelacht. Detzi ist jetzt seit ca. einem Jahr tot. In den Kneipen stoßen die Leute heute noch auf ihn an.
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 17:41
richtig, so ist es, liebe rahab, denn was ist denn schon böse? nicht die gewehre und anderen waffen sind an sich böse, weil sie keine eigenen impulse haben.
wenn aber die waffe nicht unverschlossen in der wohnung gelegen hätte, wäre es womöglich nicht zum amoklauf gekommen. die gelegenheit macht diebe. sagt man.
da die legale droge alkohol bequem und für wenig geld überall zu haben ist, ergreifen zu viele die gelegenheit, sich zurück in bewusstseinszustände vor der zivilisation zu katapultieren. da gabs mehr zu lachen.
die verhältnisse sind also böse. aber die sind nicht so leicht zu bessern wie die erschwinglichkeit und erreichbarkeit von fusel. das angebot wird besonders von jugendlichen ergriffen, aber nicht nur von ihnen, wie der strohhalm, an dem der ertrinkende halt sucht. es ist die halt verweigernde gesellschaft das böse, wenn du so willst. die atomisierte gesellschaft. aber wie gesagt, die lässt sich nicht so leicht revolutionieren. schweden zeigt, wie man den zugang zu alkohol erschweren kann, nein, muss, wenn mensch an die folgen der freien verfügbarkeit unter den gegebenen umständen denkt. d'accord?
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 18:03
danke sehr, liebe chrisamar, für das anschauliche beispiel. was du am konkreten einzelfall schilderst, ist leider das fliegenmaß, das auch im allgemeinen gilt, in der gesellschaft hierzulande und weit darüber hinaus. im fliegenmaß verrät sich der unmensch.
der gaffte schon im alten rom beim großen blutvergießen im kolosseum und ähnlichen arenen.
eben las ich im internet, dass bei einem traditionellen hindufest in nepal hunderte von büffeln und anderen tieren vor den augen der menge geschlachtet werden (wobei im gedränge zwei kinder erstickt wurden, ganz nebenbei), in rom waren es tausende tiere und menschen. und die fliegenmaßmenschen gafften sich satt.
wir erleben die gafferei und gleichgültigkeit bei unfällen auf der straße und anderswo. es ist nur ein kleiner teil der menschen, die spontan hilfe leisten. ich nehme an, dass das eine verkümmerung der mitgefühle durch die zivilisation ist. das wissen, das vom sehen etymologisch herkommt, ersetzt das gefühl nicht, hat nicht die motivationskraft.
wenn überhaupt, ist so ein beispiel, wie du es bringst, ein movens. danke, chrisamar.
Rahab schrieb am 24.11.2009 um 18:21
lieber h.yren: noch mal dein posting von 15:09 gelesen. nicht dass es mir um mich ginge - aber ich wüßte schon gern, was mit "nutznießerin des übels" gemeint ist. wobei ich eine erklärung gern auch in der maskulinen form entgegennehme.

unbeschadet deiner erklärung, der ich mit interesse entgegensehe, erkläre ich noch einmal: ich bin eine alte säuferin. alt, weil ich nun allmählich das ende von 50+ erreiche, und alt deshalb, weil ich lange gesoffen habe. alkoholkrank würde ich mich deshalb nicht nennen - und zwar deshalb nicht, weil das die bezeichnung der krankheit (wenn es denn eine ist) über gebühr simplifiziert.

rein vorsorglich: nenn mich nun bitte nicht trockene alkoholikerin. kein mensch ist trocken!
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 18:59
gebe zu, dass "nutznießerin des übels" leicht missdeutet werden könnte, etwa so, dass du, liebe rahab, einige brauereien oder ähnliche plansch-läden dein eigen nennen möchtest.
ich wollte aber schlicht sagen, was du mit "alte Säuferin" umschreibst, dass du geistigen getränken nicht ganz abgeneigt bist. wie eindeutig die einnahme des äthanols ein übel ist, habe ich in diesem thread wiederholt dargetan.

dass du die alkoholkrankheit als krankheit in frage stellst, löst nun meinerseits verwunderung aus. warum setzest du ein fragezeichen hinter alkoholismus?
was unsere gesellschaft tut, da sie sprithaltiges so massenhaft und ubiquitär feilhält, möchte ich mal vergleichen mit der verbreitung von krankheitskeimen für alle. der schaden ist unermesslich. sach- und dach- und seelenschaden.

zur beruhigung: weder hatte ich vor, dich als trockene trinkerin zu apostrophieren noch als nasse katze. du bringst mich auf seitenwege.
Rahab schrieb am 24.11.2009 um 21:08
nein nein, trockene alkoholikerin ist kein seitenweg. jedoch eine sehr irreführende bezeichnung für das, was eigentlich angestrebt ist. nämlich nüchternheit.
zu dieser nüchternheit gehört auch, zu fragen, was denn die eigentliche krankheit sei und wessen. deshalb das fragezeichen hinter alkoholkrankheit.

wenn ich dann lese "einnahme des äthanols" dann, ja dann bin ich versucht zu sagen, dass auch eine solche reduktion teil der krankheit ist.

den besitz von planschläden lehne ich ab. wie ich auch gepantschtes ablehne - aber so ne schöne trockene spätlese ... gut, ich habe beschlossen, nicht zu versuchen, wie sie mir bekäme...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 21:42
Ja, die Spelunken, wer mag da nicht gerne eine Auge drauf haben, einen Einblick nehmen.
Wer genügend Mut und Kraft aufwenden will, mag in unten gegebener Adresse unter den "Bildgeschichten" die Navigation "Rundgang für Durstige" anklicken. Es sei versprochen: Man muß nur schauen ...
www.steinfurt-in-bild-und-text.de/
Und, wie die Linke weiß: Steinfurt ist überall!
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 21:54
erst nach absendung meiner antwort fiel mir ein, dass ich nicht auf deine anspielung reagiert hatte, ich sei befugt, dir auch mit maskuliner anrede zu kommen.
ach, vielleicht hatte ich an ahab, den käpten, gedacht, der sich auf deinen nickname reimt. mehr nicht. das war zu kurz gesprungen, soufflierte mir jemand hier. bitte, sieh's mir nach, dass ich in den alten büchern nicht so bewandert bin wie du.

was ist es, liebe rahab, dass du mit der bezeichnung der 'krankheit' haderst?
und höre ich richtig, wenn ich meine zu vernehmen, du deutest die wendung 'einnahme des äthanols' als zeichen der krankheit?
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 22:21
du weißt, lieber rainer, ich kenne die szene gleich doppelt: aus eigener anschauung und aus deiner. mut würde es mich kosten, die tour für durstige heute noch einmal zu machen. danke für die einladung, bin gern noch mal die zeilen durchgegangen.
sag mal, hast du mitbekommen, dass das wahrzeichen von stenvorde, das biermänneken oben auf dem turm verschütt ist? demontiert?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 22:37
ne, ich muß mal wieder kommen, sind ja nicht so viele kilometer ...
poor on ruhr schrieb am 23.11.2009 um 21:08
Alkohol kann ein ziemlich schlimmes Rauschgift sein !
Ich teile Deine Sicht darauf!
h.yuren schrieb am 23.11.2009 um 22:29
danke für deine einsicht und zustimmung, lieber por. jetzt sind wir immerhin schon zu dritt. oder viert. in der splittergruppenminderheit. aber nur wenige leuchten löschen die dunkelheit ganz.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.11.2009 um 23:06
@ por, Alc schleicht sich langsam an, wie eine Katze. Bei 120 Litern Bier-Konsum pro Jahr und Bundesbürger wundert mich darum nix mehr.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 22:08
hey bzw. hi, por, ich trinke nie alkohol; aber schon mal wein und häufiger noch bier. ich muß sogar gestehen, daß ich bierbücher, also bücher mit dem thema bier bei unmengen von kaffee lektoriert habe. deshalb sind gute bierbücher (die von mir mit kaffee und kenntnis lektorierten) weitgehend ohne fehler und sachlichen widersinn. - bei aristoteles liegt die wahrheit in der mitte, beim bier beim letzten. an dem erweist sich, ob seligkeit oder elendigkeit am abend erstritten wurde. wollen wir hoffen, daß die individuen ihr system finden, das dauerhaftes glück beschert.
poor on ruhr schrieb am 25.11.2009 um 17:24
Lieber Rainer,

der letztgenannten Hoffnug schließe ich natürlich mich an. ;O) Ich wünsche Dir viel Spaß beim Bier- und Weinkonsum. ;O) So lange es in Maßen geht und Spaß macht ist es doch in Ordnung. ;O) Ich sehe das mit dem Alkohol auch nur für mich tierisch ernst. ;O]

Herzliche Grüße

por
ulr1k3 schrieb am 24.11.2009 um 21:46
alkohol in berlin geht mir seit geraumer zeit auf den keks. ich weiß nicht wie es in anderen städten ist, hier jedenfalls sehe ich von früh bis spät menschen ab 14, alter nach oben offen, mit bierflaschen durch die gegend rennen. die zerschmissenen bierflaschen nerven mich auch, nicht nur die vor der grundschule meiner tochter. ich bin froh über jeden tag, den mein dreizehnjähriger sohn, ohne zigaretten und alkohol probiert zu haben, weiter heranwächst. das sage ich ihm ganz offen, ich sage zu ihm: ich bin dankbar, das du nicht das machen musst, was die kinder in deiner klasse und den höheren klassen machen, er ist nicht der allerbeliebteste. wir reden relativ viel über sowas und ich erzähle ihm auch von meinen eigenen erfahrungen, die ich immer genossen habe. ich selber bin noch fast jung und möchte alkohol trinken bis ich alt bin, auch mal einen kiffen, weil ich diese art von rausch mag. also konsumiere ich entsprechend selten. ich fürchte mich vor abhängigkeit und ich wundere mich über die ständigen alkoholexzesse, die so gar nichts bacchantisches mehr an sich haben sondern alltäglich geworden sind. alkohol und sucht zerstören körper,seele und geist und es ist schade um die vielen schönen menschen.amen
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 22:18
ja, das kann ich alles nachvollziehen, und mein sohn ist auch dreizehn. ich reduziere immer im alltag meine gesellschaftskritik im wirklichen leben auf ihr gegenteil: normal bleiben, bitte schön. keine exzesse. so wie adenauers keine experimente.
aber das stimmt natürlich, stimmt natürlich nicht. der zentralbegriff ist der der erfahrung, und welche wirklichen schlüsse ein mensch daraus zieht. äußerliche pädagogik und wissenswelten leisten da gar nichts. es sind viele viele faktoren, die einen menschen (irgendwann) vernünftig handeln lassen (oder nicht).
h.yuren schrieb am 24.11.2009 um 22:41
du sagst es im schlussatz, ulr1k3: "... und es ist schade um die vielen schönen menschen."
und du beschreibst die untergangserscheinungen dieser gesellschaft, die sich selbst umbringt; sie braucht gar keinen bösen feind mehr. ihr bösester feind ist sie selbst.
die jungen menschen ahnen davon nichts und betäuben sich, damit sie sind wie die gesellschaft: besinnungslos.
danke für deinen beitrag.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.11.2009 um 22:56
@ zusammen: es ist das genommene glück; als momente, als glücksmomente. es wird gemacht zum rauschenden glück, als wäre ein glücksgefühl immer möglich, eben bis zur besinnungslosigkeit.
ein glück, sagt das sprichwort. und dann noch eins. und vielleicht noch mal. dauer ist hier eben systemischer trug. lotto, toto, wettskandal, - und noch ein sprichwort: weniger ist manchmal mehr.
Rahab schrieb am 25.11.2009 um 08:00
und nun hier unten wieder weiter...

Rahab bin ich und nicht käptn Ahab. das mal vorausgeschickt. mit reim hat das nichts zu tun. aber mit der figur.
das als vorwort.
dann: ja ich hadere (hadere?) mit dem krankheitsbegriff. damit, wie du den begriff kultur verwendest (im gegensatz zu zivilisation?) allerdings auch.
mir scheint, du wolltest als kultur nur das schöne wahre gute gelten lassen.
das erinnert mich, um zum thema zurückzukommen, an die unterschiede zwischen jungs und mädels in den gruppen. die jungs sprachen über ihre exzesse und wie schlimm die gewesen waren, hatten selbst im suff immer noch den größten (so kam es mir vor). und die mädels sprachen, soweit sie überhaupt sprachen, über ihr leiden an ihrer unentschiedenheit und ihrem ungenügen (wiederum: so kam es mir vor).
ich habe aus alledem den schluß gezogen, für mich versteht sich, dass es mir nicht weiterhilft, wenn ich auf die jungs höre, die nun ohne ende den alkohol und dessen verheerende physiologische wirkung verteufeln und zugleich ihre abstürze mitsamt ihrer grandiosität postum nach-zelebrieren. denn davon weiß ich immer noch nicht, wie ich einen coq au vin ohne vin hinkriegen kann (also in dieser welt leben).
was mir weiter half war, aktive depressionspflege zu betreiben. dazu gehört, alkohol-abstinent zu leben. erst mal. keine ahnung, wie lange. das entscheide ich jeden tag neu.
derweil lerne ich meine depression besser kennen. und damit meine suchtstruktur. die sich ja, weiß göttin, nicht allein und schon garnicht zu allererst auf alkohol bezieht. sondern eher ein hadern mit grundlegender erfahrung von abhängigkeit ist.

und: wegsperren hilft nicht.
h.yuren schrieb am 25.11.2009 um 09:33
nicht gleichgesetzt oder verwechselt mit ahab, rahab, hab ich dich, sondern vermutlich wegen der ähnlichkeit im klang falsch verortet. aber das ist längst passé.

was der krankheitsbegriff mit dem kulturbegriff zu tun haben könnte, weiß ich mal wieder nicht.
nein, liebe rahab, in was für eine schublade legst du mich? "kultur" positiv besetzt und gegen "zivilisation" verstanden, das wäre ja spenglerisch urdeutsch; dabei ironisiere ich doch gerade den deutschen begriff von (leit)kultur. auch kulturgut ist sowas wie der stierkampf in spanien und die gänsestopfleber in frankreich. hierzulande das laute glockengebammel am sonntag z.b.
ich bin auch keiner von den jungs, die trocken geworden, wasser predigen. ich sehe nur die zerstörung, die der schnaps anrichtet, rundherum in der gesellschaft. und ich sehe nicht ein, dass es so bleiben muss. der sogenannte weingeist ist wirklich ein verheerendes gespenst, das umgeht, nicht nur in D, aber hier auch.
zu sucht oder abhängigkeit kann ich nur sagen: allein kommt mensch da seltenst heraus, daher ist es ratsam, professionelle hilfe in anspruch zu nehmen. wegsperren hilft wirklich nicht.
Rahab schrieb am 25.11.2009 um 09:49
schön, dann wäre ja das eine oder andere mist-verständnis geklärt.

professionelle hilfe - ja, unbedingt! wozu aber gesagt gehört, dass nicht jede sich professionell nennende hilfe eine ist.
zu der gehört die (vielleicht?) bittere erkenntnis, dass mensch da letztendlich nur allein rauskommt. das klingt vielleicht schrecklich, aber so "allein" ist "allein" garnicht. ich meine damit: selbst-verantwortlich, nicht beziehungslos.

kneipenkultur (um nur einen aspekt rauszugreifen), wie sie heute vorfindlich ist, ist dabei keine hilfe. diese gehört geändert - keine frage. mit alkohol aussperren allein ist es da jedoch nicht getan - das war der sinn meiner rede.

zuweilen hilft es, sich anzuschauen, wie das andernorts und zu anderen zeiten aussieht und sah. von anderen/früheren lernen. was nicht bedeutet, das feierabendbier (+nen klaren - hihi) einfach durch den weinbecher zur broche zu ersetzen. so einfach geht's nicht.

zu sucht/abhängigkeit ist meine idee, dass das (eigentliche) leiden das an abhängigkeit ist. die wird 'weg-gespült', 'weich-gespült'.
dagegen hilft nur, sich der schlechthinnigen menschlichen abhängigkeit bewußt zu werden.
klara schrieb am 25.11.2009 um 10:25
Hallo Rahab, ein paar Gedanken zur Sucht (alles Andere würde hier zu weit führen): Das Leiden an Abhängigkeit oder das Hadern damit hat, nehme ich an, mit einem erfahrenen Mangel zu tun (Liebe vermutlich, zumindest als Mangel empfunden, und nichts anderes zählt für ein sprachloses Kind). Den es mal gab. Den es so früh gab, dass er in der Grundstruktur ist. Zu einem gehört. Man lernt von Anfang an: Etwas fehlt. Im Leben. Etwas Lebensnotwendiges. Ich habe, bekomme zu wenig, um ich zu sein. Und zu wenig, um WIR zu sein. Ich muss die Leere füllen. Dringend. Immer wieder.

Und sie bleibt aber, die Leere, weil Alkohol/Drogen/Essen/KicksallerArt/Ex-und-Hopp-Beziehungen etc. die Leere nicht füllen. Es gibt nur einen Füllstoff. Und der ist alle, der Zeitpunkt ist vorbei. Den wird es auch nie wieder geben, der Zeitpunkt wird nie wieder kommen. Also sucht man, wendet sich, hält Ausschau, womit kompensiert man. Ich nehme an, dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, abhängig zu werden von Stoffen.

Man sucht Ersatz. Und, wenn man dennoch zu denken beginnt (anstatt den Schmerz zu vermeiden), wütend. Und dann traurig. Die Trauer auszuhalten - kann man wahrscheinlich nur allein, aber vielleicht hilft einem trotzdem jemand dabei, professionell oder menschlich. Die Trauer ein Leben lang auszuhalten. Und darin glücklich sein. Denn es ist ja nicht so, dass man "eine unglückliche Kindheit" hatte oder keine Liebe oder so. Es gab udn gibt immer Liebe, Kindheit und Glück. gibt auch das Andere, das Schöne, das Helle.

Es geht wohl darum, damit umzugehen, was war und was ist, und das gleichzeitig. Und damit nicht so umzugehen, dass man zwanghaft Leere füllt, sondern dass man die akzeptiert. Traurig, aber mit Blick nach vorn.

Etwas von außen zuzufügen erscheint einem vielleicht manchmal als Lösung des Problems (Traurigkeit wegtrinken, Fröhlichkeit und Selbstakzeptanz herbeitrinken), wird dann aber unter Umständen dann selbst zum viel größeren Problem.

Der Alkohol als solches ist wohl "nur" der Mittler. Der Blocker. Der Kitt.

Ich habe mal in einer Praxis gejobbt, in der die ersten Methadon-Patienten behandelt wurden. Ich habe den Datenschutz missachtet und in den Patientenkarten in die Biografien geguckt. Selbstgeschrieben, per Hand. Ich las immer wieder dieselbe Geschichte: Mangel, Fehlen, Leere. Dann die erste Spritze: das pure Glück. Für einen, der noch nie so ganz richtig erfahren durfte, wie sich glücklich sein (=geliebt sein) anfühlt, eine riesige Versuchung. Glück kann man spritzen. Schmerz vermeiden. Und schon ist man abhängig.

Ich glaub, der Mangel in unserer Überflussgesellschaft ist weit verbreitet, genauso die Abhängigkeit (vor allem von der Volksdroge Alkohol), die sich oft als Gewohnheit und Geselligkeit tarnt. Ich glaube nicht, dass das immer "schlimm" ist, und es ist natürlich graduell und individuell extrem verschieden. Hier in den Kommentaren kommt häufig beiläufig ein Spruch oder ein Satz dazu, dass jemand gerade Alkohol zu sich nimmt, nehmen will, genommen hat oder ärgerlicherweise nicht bekommen hat. Ein Drang zur Verharmlosung eigenen Verhaltens und Selbstvergewisserung von Normalität.

Ich weiß nicht, wie gefährdet ich selbst bin, oder wie schlimm ich das fände. Spiele auch mit dem Gedanken, einfach mal ein paar Tage, Wochen, Monate nichts zu trinken. Im letzten Jahr habe ich die christliche Fastenzeit dazu benutzt. Aber nicht bis ganz zu Ostern durchgehalten ;)

MIr scheint, nach einer gewissen Gewöhnung, macht Alkohol im ersten Moment glücklicher, dann unglücklicher. Weil er die Trauer sozusagen "erdet". Die Hürde fürs Glücklichsein anhebt. Aber das ist wahrscheinlich unausgegorenes Zeug.

Ich denke da auch viel drüber nach, über Gewohnheiten, über Sanftheiten, und ab wann sie zur Fremdbestimmung (mithin: ungesund) werden.
Rahab schrieb am 25.11.2009 um 10:49
hallo Klara!
ich denke, dass jede und jeder das leiden für sich selbst konkretisieren muß. vielleicht hast du ja gelesen, was ich bei karlsand (www.freitag.de/community/blogs/karlsand/kindheit---eine-erfahrung-von-fremdheit) über glückliche/unglückliche kindheit geschrieben habe. von mangel an liebe war da nicht die rede. eher, wenn ich es auf dein posting beziehe, von einem zuviel an depression.
aber - das kann ich so für mich sagen. ich kann dies weder meinen geschwistern noch meinen töchtern als erklärung für ihr leiden aufdrängen. da kann ich mich und meine erfahrung/en gerade mal exemplifizieren. um ihnen (aber anderen genauso) mut zu machen, sich ihr eigenes, höchstpersönliches glück/unglück genauer anzuschauen. und um mut dazu zu machen, dass sich die sicht darauf verändert, verändern kann, zuweilen sollte.

als letzt-gewißheit kann ich meines jedoch niemandem vermitteln. da bleibt es auch "unausgegorenes Zeug".
aber, denk ich mir manchmal, was langegärt wird endlich gut.
gweberbv schrieb am 25.11.2009 um 13:03
Den Genuß von der Alkoholkonsumenten 85% einschränken, um 15% vor zum Teil existentieller Bedrohung zu bewahren?
Ich wüsste wirklich nicht, wie ich da entscheiden würde. In meiner kurzen Lebenszeit habe ich mit dieser Droge sowohl schmerzliche Erfahrungen (agressiver Alkoholiker an Mutters Seite) als auch Glücksmomente (die Zeit von 17 bis 24 erscheint mir in der Rückschau als eine lange, alkoholbefeuerte Party) gesammelt. Auch Stockholm habe ich schon besuchen dürfen und das dortige Nachtleben erschien mir im Vergleich zur Situation in der BRD eher "auf kleiner Flamme" zu köcheln. Es scheint mir also nicht so zu sein, dass der Alkoholkonsum einzuschränken wäre, ohne dass die "Spaßgesellschaft" dafür einen spürbaren Preis zu bezahlen hätte. Aber um das eigene Leben mit Spaß/Freude/Annehmlichkeiten, auch auf Kosten anderer, zu füllen, scheint ein großer Teil der Bevölkerung - mich eingeschlossen - auf der Welt zu sein.
Lethe schrieb am 10.12.2009 um 11:14
als jemand, der existentiell davon durchdrungen ist, dass es keinen wie auch immer gearteten "Sinn" aus sich selbst heraus gibt - jeder empfundene oder erkannte Sinn also nur Folge einer psychischen Setzung ist - bin ich ebenso davon durchdrungen, dass es völlig gleichgültig ist, auf welche Weise die Zeit bis zum Eintreten des Todes verkürzt wird. Zugedröhnt, vollgekifft, sexsüchtig, harmoniebedürftig, Kaffee- Fernseh- oder Schokoladenjunkie - es gibt nur eine nennenswerte Auflage: du wirst mit den Konsequenzen deines Tuns oder Lassens leben. Willst du mit den Konsequenzen deines Tuns oder Lassens leben? Dann tu oder lass, was du willst.

Und da Menschen in viele Rückkopplungskreise eingebunden sind und gleichermaßen Sender wie Empfänger von Konsequenzen für das eigene aber auch für das Leben anderer sind, gibt es auch an dieser Stelle keinen Grund, das eigene Tun und Lassen auf Vorgaben anderer Menschen zu verpflichten. Mit den Konsequenzen muss man natürlich leben^^
h.yuren schrieb am 11.12.2009 um 12:31
einspruch, lethe. das klingt mir zu sehr nach der teutonischen galionsfigur der eigenen (leit)kultur, die schrieb: Eines schickt sich nicht für alle ... und so weiter bis: du musst hammer oder amboss sein.
die wahn-und-gewalt-predigt kennt mensch seit langem.
nun lebe ich schon ein paar jährchen und sage nach reiflichem nachdenken: halt! so nicht weiter!
kann sein, dass kranke medizin brauchen, wozu auch alkohol als rauschmittel zählt wie andere drogen. aber das darf und kann doch nicht das maß der menschheit sein.
nein, krieg und krankheit, wahn und gewalt sind zu bekämpfen überall und für immer. aufklärung statt dröhnung heißt die devise.
ich dachte, du seist längst auf dieser linie nach ein paar deiner äußerungen hier im forum. habe ich das falsch verstanden?
Lethe schrieb am 12.12.2009 um 11:33
auch ich lebe schon ein paar Jährchen^^ und mit Teutonismus im Speziellen und Leitkulturen im Allgemeinen habe ich wahrhaftig nichts am Hut^^

in anderem Kontext schrieb ich bereits, dass ich nicht an einen Königsweg glaube, der als quasi-Automatismus die Menschheit auf einen angemessenen Weg bringt. Selbst mit immerwährender Wachsamkeit den eigenen Positionen, Überzeugungen, Auffassungen und deren Verfestigung gegenüber haben wir bestenfalls eine Chance, ohne diese Wachsamkeit erstarren wir in Formelhaftigkeit.

Überwindung von Krieg, Krankheit, Wahn und Gewalt, das ja, und Aufklärung auch, aber nicht mit den Mitteln formaler Rechtsprechung oder formaler Gesellschaftsstrukturierung.

Der Holocaust, allgemeiner die Anwendung maximaler Bösartigkeit als ultima ratio der Beziehungsregelung, ist als Möglichkeit in den Psychen aller Menschen angelegt, und es gilt, diese Möglichkeit dort, in den Psychen, zu überwinden. Wenn du so willst, bin ich vom Primat der Psychoanalyse gegenüber der Politik überzeugt, weil nur die Psychoanalyse Mittel bereithält, die menschenmögliche Bösartigkeit umzuwandeln, statt diese nur in Formen zu kanalisieren und zu unterdrücken.

Gewalt, auch Staatsgewalt, auch die Gewalt, die von Ideologien ausgeht, ist immer nur eine andere Ausdrucksweise von Hilflosigkeit, denn für 10 Millionen, die wir in eine Form zwingen, die oberflächlich betrachtet "friedlich" genannt werden könnte, wachsen 100 Millionen nach, deren erstes Anliegen darin bestehen wird, diese Form wieder zu sprengen.

Wissen und Bildung können wundervolle Hilfsmittel sein, da stimme ich dir zu; für sich allein besagen sie aber noch nichts: es gibt hochgradig gebildete Bösartigkeit, die aus einer breiten und tiefen Wissensbasis schöpfen kann.
h.yuren schrieb am 12.12.2009 um 17:33
ok, lethe, auch ich glaube an keine königs-, kaiser- oder kanzlerwege.
ein schnapsverbot z.b. ist albern und hat sich nicht durchsetzen lassen. meistens. aber es den erwachsenen kindern etwas erschweren, an den giftschrank zu gehn, das ist doch auch schon was. etwa so wie in schweden.
aber das kann kein gesellschaftliches problem lösen. das ist klar. es kann nur etwas eingrenzen, wie die feuerwehr einen brand, den sie nicht löschen kann, wenigstens eingrenzt und die nachbarschaft schützt.

so gibt es, wie ich meine, etliche möglichkeiten, die brennpunkte der gesellschaft einzudämmen.

die rechte der kinder ernster zu nehmen, ist ein ganz wichtiger punkt mit endlosen konsequenzen (vgl. mein neues blog).

ein paar vorstellungen oder vorschläge habe ich auf meiner website www.weltwissen.com festgehalten.

durch gründliches nachlesen in stanley milgrams Experimenttext und andere erfahrungen bin ich zu dem schluss gekommen, dass staatliche oder imperiale verhältnisse schon wegen ihrer ausmaße unmenschlich sein müssen. obama kann noch so ein intelligenter und menschenfreundlicher präsident sein, gegen die vorgaben kann er nicht anregieren, wenn er es auch noch so ernsthaft versuchte.
small is beautiful, war die devise schumachers. small erfüllt überhaupt erst die bedingung der möglichkeit humaner verhältnisse.
die sozialwissenschaften sollten vor den geister- und naturwissenschaften rangieren. ja. keine frage.

von wegen "Primat der Politik":
psychologie, pädagogik, soziolinguistik etc. wären wichtiger als alles andere, sind aber bloß gedacht als instrumente für die machtkranken.

die schönsten vorlesungen, die ich zu anfang des studiums genoss, waren von wilhelm eschmann über die geschichte der utopien. der mann war kein prof, las nicht vor, sondern sprach frei in einem kleineren, ruhigen, manchmal morgensonnigen raum eines neuen gebäudes.
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