Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : Leerzeilen

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Leerzeilen

Über A. K. Hahns Roman Am schwarzen Berg

Vielleicht muss das Buch mit gar keinen Erwartungen gelesen werden, sondern mit einer Haltung, die an Zen grenzt. Es begegnet einem im Roman ein Übermaß an Leere, verglichen mit Werken der Weltliteratur.

Aber wahrscheinlich will die Autorin keine geistigen Höhenflüge vorführen, sondern bloß kleinbürgerlichen Alltag. Darin spielen geistige Getränke und geistige Tiefflüge eine umso größere Rolle.

Gleich auf Seite 3 erfährt der geneigte Leser, dass Veronika und Emil Bub, das Akademikerpaar, das im Mittelpunkt des Geschehens steht, an einem Abend auf dem Balkon womöglich schon mal eine Flasche Cognac leeren.

Auf Seite 4 gewährt die Schriftstellerin dem immer noch geneigten Leser einen Blick in den Kühlschrank des älteren Paars: „Verschiedene Spirituosen präsentierten ihre beschlagenen Bäuche in der Tür: Wodka und öliger Aquavit.“

Vielleicht will die preisgekrönte Autorin schlicht demonstrieren, wie es heutzutage zugeht im kleinbürgerlichen Milieu in Stuttgart. Doch um zu erfahren, wie wichtig Alkohol für den Alltag und noch mehr für die Festtage dieser Gesellschaft ist, muss mensch keine Bücher lesen. Es genügt, in einen gewöhnlichen Supermarkt zu gehen. Die vollen Regalwände mit Spirituosen sprechen Bände. Die Neigung der Kunden zur Selbstbetäubung und Gesundheitsschädigung muss unwiderstehlich stark sein.

Eine Folge des hohen Alkoholkonsums ist der Ekel. Im Buch wie in der Gesellschaft. Nach Feiertagen oder Wochenenden sind die Auswürfe der Alkoholisierten in Ecken und an Hauswänden nicht zu übersehen.

Emil spuckt Speichelklumpen in den Ausguss, würgt, hustet, „doch es kam so gut wie nichts hoch, ein bißchen Galle, das zwischen zwei Lagen Zewa paßte.“

Der Primat des Ekels zeigt sich, wenn Frau Hahn Senfkörner mit gelben Eiterpusteln vergleicht, nicht umgekehrt.

Natürlich ist außer dem Trinken auch das Essen ein Thema. Im Sommer ist immer was auf dem Grill, versteht sich. Lassen wir das! Die Massenmedien überfüttern die Öffentlichkeit schon mit Küchenrezepten.

Wenn im Buch schon keine geistigen Ballonfahrten vorkommen, so doch Bücher über Bücher. Das ist doppelt motiviert durch die Berufe der Hauptfiguren Veronika und Emil. Sie arbeitet als Bibliothekarin in der städtischen Bücherei, er ist Deutschlehrer am Gymnasium. Szenen in der Bibliothek und in Antiquariaten geben Einblicke in den Umgang mit Büchern. Über den Arbeitsbereich Schule erfährt der trotz allem noch geneigte Leser dagegen herzlich wenig.

An die Stelle der üblichen Klassen und Kurse tritt vielmehr der Einzelunterricht im Privathaus. Emils Privatschüler ist Peter, der Sohn des Nachbarpaares Hajo und Carla Rau. Im Haus des niedergelassenen Arztes Dr. Rau ist wenig Zeit für das Einzelkind übrig, zumal Frau Rau in der Praxis mitarbeitet.

Das Nachbarkind ist nicht nur zur Nachhilfe regelmäßig nebenan; es wird schon früh gewissermaßen adoptiert. Früh lernt der kleine Peter so Emils Lieblingsautor kennen, Eduard Mörike.

Verweist bereits der Hausunterricht in die Zeit vor Einführung der Schulpflicht zurück, so v erstärkt die Vorliebe Emils für den Dichter des vorvorigen Jahrhunderts noch die Rückwärtsgewandtheit. Ein Spiegelbild der Rückwärtsrepublik.

Nur in der Figur des Fernsehredakteurs Georg taucht am Rande ein Vertreter aus der Schicht jenseits der kleinbürgerlichen Tristesse auf. Das Alphatier Georg nimmt Mia, Peters Frau, mit ihren kleinen Kindern auf, als sie das Leben mit Peter nicht mehr erträgt und auszieht. Georg bringt Mia und Kinder fürs erste in sein italienisches Feriendomizil und regelt alles andere. So zeigt er ihr „die wirklich fortschrittliche Grundschule, konfessionell,[Unterstreichung durch h.y.]daher auch nicht bezahlbar. Für Mia als Alleinerziehende würde es Ermäßigung bei den Gebühren geben. Georg wußte Bescheid über Musikunterricht und Frühenglisch, über die besten Sportvereine, Nachmittagsbetreuung, Jugendkunstschule, alles, was Peter ablehnte.

Peter wäre ein Kandidat für die Herdprämie. Er zog Häuslichkeit und Bescheidenheit den Verheißungen und Lockungen einer Karriere vor. Dieser Biedermeier verkraftet freilich den Verlust seiner Familie nicht. Er war das Produkt zweier ungleicher, aber gleich hohler Paare. Seien biologischen Eltern waren Workaholics, seine Zieheltern so flach wie die Flachmänner, die sie beide stets bei sich hatten, um über die Runden zu kommen.

Da Mia selbst genauso hohl war, fiel ihr die Hohlheit des erfolgreichen TV-Manns nicht auf.

Die Preisfragen zum Schluss: Für wen hat die Autorin sich die Mühe gemacht, außer für sich selbst? Und wem wollen die Preisrichter der Bestenliste des SWR das Buch ans Herz legen, dass sie es zum besten der Bestenliste erkoren?

Gewiss keinen NABU-Mitgliedern oder sonstwie ornithologisch Bewanderten, denn so oft auch vom Vögeln die Rede ist, würde es die Kenner wohl stören, dass auf Seite 40 ein Buchfink einen hellen Triller hören lässt und auf Seite 229 die Schwalben in hohen Zirkeln flogen und hell und durchdringend schrien.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.