p { margin-bottom: 0.21cm;
Neulich im Philosophischen Quartett ging es um die Frage: Sind Kollektive wie ganze Länder lernfähig? Dabei wurde festgestellt, der Lernerfolg hierzulande sei in den vergangenen 66 Jahren keine Eigenleistung, sondern Import oder Lernen unter Anleitung gewesen.
Die westlichen Besatzungsmächte bestimmten nicht nur die Verbindung der Provinzen Rheinland und Westfalen zum neuen Bindestrichland NRW, sie wiesen fast überall den Weg. Nur an einer Stelle rannten die westlichen Berater offene Türen ein: in der autofreundlichen Verkehrspolitik; hatten doch die Nazis jedem Volksgenossen einen Volkswagen fest versprochen und die Autobahnen zügig ausgebaut.
Was in den reichen und relativ menschenleeren USA schon selbstverständlich war, holten die Westdeutschen im Rausch des Wirtschaftswunders nach. Die Autoneuanmeldungen schnellten in die Höhe. Bald wurde der Wagen vor der Tür zum allgemeinen Wohlstands- und persönlichen Statussymbol. Niemand dachte daran, dass hier ein Ziel nationalsozialistischer Politik verfolgt und erreicht wurde; auch nicht, als die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle auf der Straße die 10 000er Marke pro anno überschritt.
Inzwischen ist das Land von Straßen und Autobahnen zerschnitten. Trotzdem wird es eng und enger auf den Fahrbahnen, besonders auf der rechten Spur mit den LKW. Die Regierenden in Berlin erkannten den Handlungsbedarf und schicken nun gleichzeitig Gigaliner und Fernbusse in die Staus. Denn man hat dort höheren Orts gelernt, mehr Markt und Wettbewerb sei die Lösung aller Probleme.
Bevor die pannengeplagte Bahn wieder irgendwo auf die Beine oder besser: Schienen kommt, sollen Fernlinienbusse sie fleißig entlasten. Und bevor die Kapitäne sogenannter Geländewagen gänzlich dem Irrtum erliegen, ihnen allein gehöre die Straße, sollen Gigaliner ihnen mal zeigen, was eine wirkliche Wucht ist.
Nein, das Argument des Spritsparens haben die Befürworter der zusätzlichen Megakraftfahrzeuge nicht vergessen. Aber werden denn die LKW und PKW aller Klassen im nächsten Jahrzehnt und danach soviel Sprit einsparen können, wie dann nicht mehr lieferbar sind, wenn die Ölkonzerne meist nur noch Katastrophen produzieren?
Wir werden es erleben: Das Ende der Naziautopolitik im Stau ohne Sprit.