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wenn ich es nur ein- oder zweimal gehört und gelesen hätte, würde ich keine meldung daraus machen. aber es ist schon ziemlich festgeschrieben in der alltagsquatsche. gemeint ist die formel "meines Wissens nach".
linguistisch ein klarer fall einer kontamination. denn es gibt die ausdrücke "meiner Meinung nach" und "meines Wissens". daraus mischen die viel- und schnellplapperer die inkriminierte form.
solche misch- oder kontaminationsbildungen sind nicht selten. durch die einbeziehung der großen sprechermenge in den neueren medien werden diese missgebilde öfter hör- und lesbar. dadurch wiederum finden sie nachahmer, und eh man sichs versieht, sind sie schon bei dudens offiziell verbucht als gängige wendungen oder wörter.
aus der sicht der vergleichenden sprachgeschichte könnten diese und ähnliche redensarten als indiz für den sprachwandel aufgefasst werden, der die tendenz zum verfall der fälle oder gleich der althergebrachten strukturen überhaupt erkennen lässt. deutsch hinkt dem dänischen, dem englischen und dem afrikaans verzögert hinterher.
aus der nähe der sprachkritik muss aber die schlamperei beim allzu flotten plaudern und tippen misbilligt und angekreidet werden. denn die grammatisch oder stilistisch "falschen" formen sind nur zu oft ein zeichen gedankenlosen verhaltens allgemein. die sprache verrät es zuerst. es muss doch in den ohren kreischen, wenn die regeln so offensichtlich oder hörbar verletzt werden.
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Es kreischt auch in den Ohren. Allerdings nur in den Ohren derer, denen die Regeln so vertraut sind, dass sie sich diese nicht mehr bewusst machen müssen.
Und was die Gedankenlosigkeit angeht, so ist es immer wieder die alte Einsicht: Sprache bildet nicht nur Bewusstsein, sie bildet es auch ab! |
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"tendenz zum verfall der fälle"
Der Genitiv stirbt aus ; ) bzw. wird durch den Dativ ersetzt. Anderes Beispiel: Meines Erachtens liest sich bei vielen so: Meinem Erachten nach ... |
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... gewöhnt man sich an allem, auch am Genitiv...
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und weil die wahrheit gar nicht oft genug wiederholt werden kann, ismene, deinen satz noch einmal:
"Sprache bildet nicht nur Bewusstsein, sie bildet es auch ab." |
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Attitüdendeutsch ...
... nenne ich Geschriebenes, das in aufgesetzter Kleinschreibung daherkommt. Zunehmend empfinde ich es als unflätig und als Zumutung! Kurzum: es ist eine Schlamperei. |
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lieber gebe, dein logo ist die darstellung einer attitüde. das stimmt.
aber warum nicht, wenns gefällt. dass du nichts zur sache schreibst, sondern dir die kleischreibung vornimmst, ist nicht die feine art, kommt aber öfters vor. vielleicht weist du nicht, das die brüder grimm die kleinschreibung in ihrem berühmten wörterbuch praktizierten. war das eine zumutung auch? die autoren setzten sich wohltuend ab vom barocken zeugs, das auf geistigen abwegen dahergekommen war. ich kenne keine sprache mit der bevorzugten grohsschreibung für "hauptwörter". sollte die ausnahme das richtige sein? das die meisten schreiber gar nicht wissen, warum sie die majuskel so vielfach malen, ist eine bedenkenswerte nebensache. kennst du übrigens den lichtenbergschen aphorismus, in dem er behauptet, man lobe und tadele sich in der regel selbst in den anderen? |
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Soso, ... du willst also deuten, dass zu oft "Wissen" mit "Meinung" verwechselt wird?
Naja, das steht wohl eh fest. Der geschulte Leser solcher Redewendungen braucht das Zutreffen der jeweiligen Aussage nur anhand der Inhalte und deren Evidenz auszuwerten - wobei aber wiederum das gleiche Problem aufkommt. Nämlich, dass erneut Wissen mit Glauben und somit Meinung verwechselt werden kann. Stille Post also mit Inhalten... und was am Ende herauskommt, ist nicht mit dem vom Anfang vergleichbar. |
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nahein, chrislow, diesmal will ich das gar nicht, sondern ganz schlicht aufmerksam machen auf den unbrauch, so zu reden, dass die grammatik in fetzen geht. so bewusstlos zu reden.
das thema, das du anschlägst, ist weit wichtiger, klar. doch wundert mich nicht wenig, dass nach platons verdammung der meinung sich manche medien oder sendungen freiwillig und irgendwie keck "meinungsmagazin" schimpfen. was haben sich die täufer dabei nur gedacht? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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