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in den ländern des "arabischen frühlings" sind bei den ersten wahlen (wie jetzt in ägypten) die religiösen parteien mit deutlichem vorsprung vor anderen gruppen zum regieren bestellt worden.
das muster kommt mir doch irgendwie bekannt vor. in diesem unseren lande (so die formel des größten unserer kanzler) ist das wahlverhalten auffallend ähnlich, und das seit etzlichen dezennien.
zwei fragen drängen sich mir auf:
a) was verbindet die bevölkerungen zwischen oder und rhein einerseits und am nil andrerseits? klare antwort: der grad der aufgeklärtheit.
b) was bedeutet solch ein wahlverhalten historisch? klare antwort: ein großer teil der beiden bevölkerungen liebäugelt mit der theokratie der guten alten zeit und verrät so seinen wahren bewusstseinszustand.
fazit:
weder ägypten (tunesien, libyen etc.) noch teutschland ist mehrheitlich in der gegenwart angekommen. an weltoffenheit und zukunftsfähigkeit fehlt es fundamental an spree und nil. zu lobende länder würden anders wählen.
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Dagegen.
Die CDU als religiöse Partei zu sehen, halte ich für absurd, vor allem im Vergleich zu Ennahda, Nour oder FJP. Diese sind meiner Meinung nach mit so hohen Anteilen gewählt worden, weil sie, teilweise unter schwerer Verfolgung, seit Jahren und Jahrzehnten, die Opposition gegen diktatorische Systeme darstellen. Hinzu kommt, vor allem in Ägypten, dass die in Freiheit und im Lande befindlichen Kandidaten oft große Bekanntheit und Beliebtheit durch grass-root-engagement genießen, außerdem im Ruf der Korruptionsfreiheit stehen (auch die türkische AKP wurde von vielen gewählt, die sich weniger für ihre islamische Linie als für ihre Ehrlichkeit und Wirtschaftspolitik interessierten). Die anderen Parteien sind größtenteils auch keine ausgesprochenen Gegenparteien (von den alten Systemparteien mal abgesehen), sie sind keineswegs "unmuslimisch", aber gerade den Neugründungen fehlt die breite Basis. Ein Vergleich zu Deutschland? Der hinkt so, dass er in meinen Augen ständig umfällt ;-) |
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tut mir leid, liebe alien59, wenn ich deiner meinung nach an der wahrheit vorbeirede. die türkei, ja, meinetwegen auch die evangelikalen in den usa, hätte ich mit ins boot, öhm, mit in das blog nehmen können. die berliner republik kenne ich doch sehr viel besser als die anderen systeme. mir geht es darum, dass die herrschenden überall besonders leichtes spiel haben, wo eine religiöse mehrheit als fundament fürs regieren genutzt werden kann.
du nennst tugenden einzelner personen in ägypten. doch meines erachtens profitiert die herrschende schicht in diesen ländern vom glauben an tugendhafte leute und programme. die politik aber ist ein machtkampf unter machtkranken. the rest is silence. |
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Ich denke, die Unterschiede sind viel grundlegender und auch wenn du die Berliner Republik noch so gut kennst - die Realitäten in Ägypten, z.B., scheinst du nicht zu kennen. Das ist kein grober Fehler, ich habe nach den ersten Wahlergebnissen festgestellt, dass einige der Jungpolitiker auch ihren eigenen Fehleinschätzungen aufgesessen waren, indem sie sich und ihre Freunde für die neue Mehrheit hielten.
Gerade in Ägypten, aber auch in den anderen Staaten des "arabischen Frühlings", ist die Religiosität keine Teilmenge, sondern ein Teil der Grundkultur. Die kann verschiedene Ausprägungen haben, aber es gibt gemeinsame Grundlagen. Diese sind weit größer, als in Deutschland das Christentum seit Jahrzehnten (selbst noch in der Bonner Republik). Daher wird keine Partei, wie du meinst, ein religiöses Fundament zum Regieren nutzen. Auf dem gleichen Fundament steht nämlich auch die Konkurrenz, in Ägypten besonders gut bei Nour und FJP zu sehen. Die Machtkranken gucken derzeit ziemlich bedripscht. |
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liebe alien59, ich fürchte, du hast übersehen, was ich mit religiösen parteien verbinde, gleich welcher couleur. es spielt auch keine rolle, in welchem land die religiösen die politik machen. es ist ein anachronismus.
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Hm. Und genau das ist m.E. der Punkt, wo ich denke, dass du von einer falschen Prämisse ausgehst: hier ist das kein Anachronismus, sondern Realität und Gegenwart.
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liebe alien59, meine prämisse ist wissenschaft, nicht religion. beide sind unvereinbar nach meinem verständnis und auch nach meiner lebenserfahrung.
die christianer hatten und haben große probleme, sich mit den erkenntnissen der astronomie und der biologie (evolution) abzufinden. in den usa besonders. das mythische bewusstsein ist nun mal nicht kompatibel mit dem wissenschaftlich aufgeklärten. darum verdamme ich aber nicht alle religion. im gegenteil. die religiösen bewegungen des buddhismus z.b. oder der society of friends haben meinen ganzen respekt, weil sie auf dem gebiet des gewissens großes geleistet haben. nur sind religionen wie parteien zu oft grund für unfrieden. in der globalisierten welt sollten religionen darum aus der öffentlichkeit verschwinden, besonders und zuerst die mit dem größten missionarischen eifer. die einzelnen religiösen menschen, gleich welcher religion, verdienen aber allen respekt und religionsfreiheit. sobald parteien eine religion als programm haben, sind sie genauso unfriedlich und gefährlich wie das christentum der römischen kirche, seit sie besteht. |
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Lieber h.yuren,
wenn man genau hinschaut, sieht die Sache folgendermaßen aus: Religiösen Parteien verblöden die Menschen, lassen aber die aktive Suche nach Alternativen offen. Altertümliche politische Parteien rauben den Menschen den Willen. (Mubarak) Moderne Parteien kombinieren beides, sie verblöden die Menschen und rauben ihren Willen. Die Ländern des "Arabischen Frühlings" werden also momentan verblödet um ihnen anschließend die Alternativlosigkeit beizubringen. Medien und TINA. |
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lieber streifzug, du hast verdammt genau hingeschaut. aber ma ährlich, sind nicht alle parteien, egal wie modern, altertümlich oder religiös sie sich geben, vor allem parteiisch?
von klientelpartei zu reden, ist demnach ein pleonasmus oder? |
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In vielen Laendern musst du nur die Taxigewerkschaft hinter dir haben, um Wahlen zu gewinnen, kombiniert mit religiösen Backround ist das eine Win - Win Situation.
Ach so, die Taxifahrer werden meist noch eingesetzt, um unliebsamen Oppositionellen den Schädel einzuschlagen... Deshalb gibt es in vielen Laendern so viele Taxilizenzen, Wahlgeschenke nach der Wahl... |
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Wie anders ist es doch in unserem Heiligen Römischen Reich hier!
Hier walten die Radfahrer und die Trittbrettfahrer. |
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I.D.A. Liszt schrieb am 03.01.2012 um 17:22
:-) Im maechtigsten Land regieren die Waterboarding-, äähhh Skateboardfahrer, im Zweitmachtigsten die Dreiradfahrer, aber die schiessen auch bald Leute auf den Mond... |
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Lieber h.yuren,
Du schreibst: weder ägypten (tunesien, libyen etc.) noch teutschland ist mehrheitlich in der gegenwart angekommen. - Mit dem Unterschied, daß Ost- zwar wieder mit Westteutschland vereinigt ist, die Königreiche Ober- und Unterägypten aber noch nicht. ;-) |
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lieber ida, das ist wahrlich ein gewaltiger unterschied. auch in den himmelsrichtungen, und die sind doch immer zur orientierung unentböhrlich, nicht wahr?
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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