h.yuren

die seen gehn unter

24.02.2011 | 19:53

schattenboxen im parlament

was mir im parlament gestern übel aufgefallen ist, das ist die abwesenheit eines richters.

die opposition hatte alle argumente, um den gegner matt zu setzen. aber die parlamentarier hatten ihren auftritt - ohne ergebnis.

was die arbeit in solch einem raum unerquicklich macht trotz interessanter fragen und antworten, ist die vernichtung der worte durch den bloßen willen oder besser unwillen der gegenpartei.

die beweislast kann noch so erdrückend sein, es bleibt eine spiegelfechterei, weil die gegenseite sich auf ihre mehrheit im hause verlassen kann.

es ging um das wissenschaftliche verfahren, um akademische fragen.  um spielregeln. aber es war kein richter anwesend, der den falschspieler aus dem rennen nehmen konnte.

worte gaben dem parlament seinen namen. der wille, der noch so hohle wille der stimmberechtigten entscheidet wirklich über den streit. ein bloßes schaufensterreden, das dem machtwort gehorcht. von wissenschaft unberührt.

und hinter der szene treibt die pöbelpresse ihr noch infameres spielchen.

 
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Kommentare
rolf netzmann schrieb am 24.02.2011 um 20:49
Ein Richter im Parlament wäre so manches mal hifreich, wenn er denn die Authorität hätte und anerkannt wäre bei allen Spielern. Nur wird es ihn nie geben. Das ist die hohle Demokratie, dass eine Mehrheit alles durchdrücken kann, obwohl einen starke Minderheit die besseren Argumente hat und es für die Bevölkerung auch besser wäre, auf die Minderheit zu hören. Nur was zählen Argumente, wenn es um Macht geht.
h.yuren schrieb am 24.02.2011 um 23:25
wenn manchmal schon futuristisch von wissensgesellschaft die rede ist, wenn alle heranwachsenden per gesetz verpflichtet sind, in die schule zu gehen, wo die wissenschaftlichen fächer den hauptteil bilden, wenn die gesellschaft ohne hochschulen nicht vorstellbat ist, sollte der gedanke an eine institution, schiedsrichter in analogie zum sportlichen wettkampf sei nur ein vergleich, sollte ein gremium, das dem wissen und der wissenschaft verbunden ist, über solche fragen entscheiden, die mit wissen und wissenschaft allein zu beantworten sind. warum nicht ein wissensgericht vergleichbar dem verwaltungs- oder verfassungsgericht?
das soll nicht heißen, im parlament säßen bloß parteiische. einige wären aber womöglich besser im wissensgericht zuhause und würden zum wohl der gesellschaft dort mehr beitragen können.
Fro schrieb am 24.02.2011 um 21:47
Den Frust kann ich gut verstehen – erbärmlich die Abnicker, die sich selbst das Denken verbieten, es vielmehr an ihre Fraktions- und Parteiführung verpachten. Laut Grundgesetz sind die Abgeordneten (an keine Weisungen gebunden) als „Richter“ vorgesehen. Da alle Fraktionen „ihre“ Abgeordneten an der Kandare halten, wird das schwerwiegende Demokratiehemmnis "Fraktionszwang" leider nur von wenigen Abgeordneten thematisiert.
h.yuren schrieb am 24.02.2011 um 23:37
danke für dein verständnis, lieber fro.
machtspielchen unterscheiden sich nun mal grundlegend von den spielregeln im wissensfeld. nach dem beispiel einer bewusstlos verfassten dissertation dürfte auch dem letzten klar sein, dass es bei bestimmten entscheidungen besser wäre, über ein hohes maß an wissen und bewusstheit zu verfügen. es wäre dem gemeinwohl dienlicher, machtfragen von wissensfragen zu trennen und jeweils anderen gremien zuzuweisen. ist das wirklich so utopisch?
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