h.yuren

die seen gehn unter

04.02.2012 | 09:13

Stirbt der (schlaue) Bauer aus?

das diminutiv ist auch in der stadt bestens bekannt und beliebt. ihm haftet nichts negatives an. im gegenteil. erleichterung und freude, wenn es mit verzögerung endlich wieder da ist. die vom trinkenden säugling geschluckte luft.

ähnlich positiv beleumundet ist meist noch der neue ökobauer. als gegenentwurf zum längst schimpfwörtlichen dorfdeppen oder aber zum akademisch oder wenigstens fachgeschult professionellen verwalter des landwirtschaftlichen betriebs.

wenn ich das richtig gehört habe, waren im schaufenster der Grünen Woche in berlin lediglich sieben prozent der ländlichen produktion vertreten. mit den zum anfassen sauberen schweinen auf frischem stroh im geräumigen laufstall. weit über 90% der erzeugnisse vom lande sind dagegen weder zum ansehen noch zum anfassen.

wenn auch das stichwort noch im dicksten dudenwörterbuch fehlt, so ist die agroindustrie doch das ergebnis des verdrängungswettbewerbs auf dem lande. lange ists her, dass der bauer im märzen sein rösslein einspannt. auf die mechanisierung folgte die maximierung der flurbereinigten flächen und der automatisierten massenstallungen.

ein wettbewerbsfähiger schweinemäster fängt mit 1996 tieren an. knapp unter 2000, damit das genehmigungsverfahren vereinfacht glatt über die behördliche bühne geht. und da wachstum weiterhin die devise ist, werden die schweinefleischproduktionseinheiten mit dem besten gemästet, was der markt und der veterinär hergeben. die erweiterung des betriebs auf 4000 bis 10 000 einheiten versteht sich, wenn keine keulung einen strich durch die rechnung macht.

gibt es sowas wie Ferien auf dem Bauernhof wirklich, oder ist das wieder nur so eine werbemasche? die tausenden demonstranten zur Grünen Woche in berlin, die mit plakaten und transparenten unter dem motto "Das haben wir satt" gegen die agroindustrie protestierten, meinten nicht den bilderbuchbauernhof, den sie vom kindergarten her kannten.  

 
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