6
]
unter den gegebenen bedingungen ist unfallfreies autofahren wie
tadelloses erziehen glückssache. es kann gutgehen, statistisch gesehen ist
das aber eher marginal.
katholische erziehung ist wie autofahren mit alkohol. es kann gutgehen,
statistisch gesehen ist das aber wohl eher die ausnahme. schwere unfälle
dagegen sind immer dabei.
(vom bus- und zugfahren mit den bekannten fährnissen ist hier nicht die rede.)
|
|
Du schreibst: katholische Erziehung. Mit einiger Berechtigung, die derzeitigen Skandale betreffen ja vorzugsweise katholische Einrichtungen.
Aber: wird da nicht aufgrund der Aktualität auch selektiv wahrgenommen? Gestern abend sah ich einen Bericht im Fernsehen, FAKT, wo eine Randbemerkung mich seither umtreibt: wenn schon solche Missstände in Einrichtungen nach vielen Jahren zum Vorschein kommen, wo eher bürgerliche Familien ihre Kinder unterbrachten, dies trotzdem fast unbemerkt und ungesühnt blieb, wie mag es dann in Anstalten zugegangen sein, wo die Aufsicht oder auch die Vorsicht vor Erziehungsberechtigten viel geringer war? In der Sendung gab es Beispiele wieder aus katholischen Heimen. Mir ist das ganze zu viel Katholiken-Bashing. Hier passen die Täter heute zu gut in Feindbilder. Was ist aber mit evangelischen, mit staatlichen Heimen? Ich denke, da sind die gleichen Abgründe - auch wenn man sie nicht praktisch an die Zölibatsdiskussion anhängen kann. Warum ich diesen Kommentar an deinen blog hänge, nicht an einen der anderen? Ich hätte einen anderen wählen können, aber da du dich gerade auf die katholische Erziehung berufst, bietet sich das für mich an. Zumal, wenn du in einem anderen Kommentar schreibst, du hieltest diese Gesellschaft nicht für zukunftsfähig. Ein interessanter Ansatz. Könnte man weiter reden. Daher, diese ist keine Kritik an diesem blogeintrag - eher eine anhängende Überlegung. |
|
|
liebe alien, danke für den ersten kommentar zu dem blog hier.
ich glaube (ohne es zu einer glaubensfrage zu machen), dass wir wohl ähnliche ansichten zur sache haben. die katholen habe ich vorgezogen, weil sie die größte, mächtigste (im cdu-land) und besoffenste gruppe darstellen. das hat mit der (streng hierarchischen) struktur des vereins zu tun, auch mit dem musealen alter etc. andrerseits habe ich ganz bewusst ein türchen offen gehalten für jene vertreter, die trotz widriger bedingungen menschlich obsiegen. du machst zu recht geltend, dass die übrigen heimkinder etc. nicht vergessen werden dürfen. ich sehe auch die gefahr, dass die frage der misshandelten heimkinder in kirchlichen und staatlichen einrichtungen der ersten dezennien der christlichen brd aus dem fokus gerückt werden. ein skandal jagt den anderen. die alten schurken, staat und kirche, sind dieselben. das päärchen durch die jahrtausende habe ich ein für allemal auf die historische formel gebracht "wahn & gewalt". solange dies konsortium das sagen hat, ist die menschheit verloren. |
|
|
Hm. Wie mächtig sind die Katholiken - überhaupt die Christen - noch wirklich in der modernen Bundesrepublik? Das ist eine ernstgemeinte Frage, keine rhetorische, weil ich es einfach nicht einschätzen kann.
Mir ging es aber auch um das Verhältnis zwischen Aufschrei für die Kinder des Bürgertums und die Ignoranz gegenüber den Schwächeren. Mehr die Sicht auf die unterschiedlichen Opfer als auf die wahrgenommenen Haupttäter. |
|
|
sie sind so mächtig wie die cdu/csu, die ihre kreuze höher hängen als urteile des bundesverfassungsgerichts.
oder vergleichsweise so stark und gefährlich wie ein angeschlagener boxer im ring. klar, das verstehe ich, die opfer verdienen alle aufmerksamkeit. dabei dürfen die künftigen opfer aber nicht außer acht gelassen werden. darum sind die täter bzw. die bedingungen der möglichkeit, zum täter zu werden, doch gründlich zu prüfen, meine ich. |
|
|
Danke für die Antwort - hm.
Bedingungen der Möglichkeit, zum Täter zu werden, genau - ich würde z.B. sogar anzweifeln, dass das Zölibat damit zu tun hat, ich denke, eher mit Gelegenheit, Möglichkeit. Und die derzeit Hauptblickrichtung auf die Katholische Kirche birgt da für mich die Gefahr, dass andere im Schatten bleiben, weil man eher in eine Richtung sieht. |
|
|
mangelnde kontrolle ist ein merkmal des systems der freiheit, so wie der laden hier läuft und allzu oft verstanden wird.
die großstadt bietet soviel anonymität wie das gehöft auf dem lande. heime und das heim par excellence, die heilige familie, sind ideale verbrechernester. verstecke vor der gesellschaft. der mensch braucht aber die größere gruppe zu seiner geistigen und seelischen gesundheit. das hat mit dem erbe der vorzeit zu tun und den daraus resultierenden bedürfnissen nach nähe und gegenseitiger kontrolle. die restfamilie ist so wenig heimat wie der priesterposten oder das internat der in verruf gekommenen art. und über allem hängt das damoklesschwert der wirtschaftlichen und politischen hasardeure. heranwachsende müssen das nicht analysieren und kapieren en détail. sie spüren, sie wittern, was los ist, was in der luft liegt. amokläufe sind ja kein zufall. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen