h.yuren

die seen gehn unter

05.02.2012 | 21:31

Wunschwohnung

finde in einem abreißkalender diese zeilen über adalbert stifters wunschwohnung:

"Eine Wohnung von zwei großen Zimmern, wohlgebohnten Fußböden, auf denen kein Stäubchen liegt. Die Wände würden eine sanft grüne oder perlgraue Farbe tragen, die Vorhänge ein seidenes Grau, ihr Stoff sollte wie mattgeschliffenes Glas in kleinen Falten gespannt und von seitwärts gegen die Mitte zu ziehen sein."

meine wohnung dagegen hätte ein paar kleinere räume, mit hellen sisalteppichen ausgelegt, die wände aus brettern wären ohne anstrich, vor den fenstern störten keine vorhänge den lichteinfall und den blick nach draußen, lediglich an den kleinen fenstern zur straße hingen minimale gardinen.

 
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Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 05.02.2012 um 22:49
ja, wie sagte doch der olle Zille: "Man kann einen Menschen mit einer Wohnung erschlagen wie mit einer Axt."
als mich neulich jemand fragte, wie ich mir meine wunschwohnung vorstelle, sagte ich: innenstadt, zwei bis drei zimmer, kein erdgeschoss, kein dachgeschoss, bad mit fenster, balkon an der wohnküche, parkett, abstellkammer, garten ... wie ich denn jetzt wohne, fragte er, und ich sagte: fast. und er war dann doch keine gute fee.
hübsch finde ich, wie wichtig herrn stifter die vorhänge sind.
h.yuren schrieb am 06.02.2012 um 07:55
und an die zweitwohnung hat der olle adalbert noch gar nicht gedacht. die hätte ich dann gern in der innenstadt. die erste aber j.w.d., selbstverständlich, ich vergaß es, mit garten und mit balkon, der fast rundum verglast ist, nach osten.

wahrscheinlich dachte zille an prekäre wohnverhältnisse. aber heutzutage wärs auch möglich andersrum, denken wir an wulffs backsteinresidenz mit der heiklen hypothek.

bemerkenswert finde ich stifters vorliebe für die "farbe" grau.

danke, liebe kk, dass du mich einen blick in deine fastwunschwohnung hast werfen lassen.
nu, die feen und trolle gibts eben nur noch im netz.
kay.kloetzer schrieb am 07.02.2012 um 04:17
"fast rundum verglast, nach osten" - wir wollen doch nicht die alten mauern wieder ...
an wulff möchte ich eigentlich nicht denken, weil blaue sprossenfenster in einem klinkerbau in meinen träumen keine rolle spielen. also in den guten träumen.
obwohl, da sagst Du was, das erschlagen mit einer axt bekommt bei dieser wohnung eine neue bedeutung ...
h.yuren schrieb am 07.02.2012 um 20:13
liebe kk, irgendwie scheint es nicht sonderlich ordentlich gebügelt auszusehen in deiner fastwunschwohnung, wenn du um 4:17 noch mails veschickst;-)
und hast du mich bzw. meine satzkonstruktion so gründlich missverstanden, dass du herausliest, mein wunschbalkon sei nach osten hin gläsern vermauert?
es war und ist natürlich nur so zu verstehen, dass der balkon nach osten hinausschaut, in die richtung der morgensonne, und damit er möglichst lichtdurchflutet und sonnenfängerisch ist, lässt glas von oben bis zum boden die helle herein und die blicke hinaus - in den garten. und natürlich öffnet auch eine glastür nach osten.
genau genommen mag ich die verglasten balkone und die überdimensionierten fenster nicht, weil sie den anfliegenden vögeln offene räume vorspiegeln, wo es in wahrheit zu oft tödlich knallt. meine großen glasflächen der wunschwohnung sind entweder nach neuestem schweizer patent keine vogelfalle oder weil das glas außen die kreuz und die quer mit tesastreifen beklebt ist. mein patent wäre dies. nicht jeder besucher wird diese "deko" interessant oder gar schön finden.
zu wulff: zeig mir dein gehäuse, und ich sage dir, wer du bist.
kay.kloetzer schrieb am 08.02.2012 um 21:29
ganz recht, meine fastwunschwohung wirkt oft recht zerknittert, sie ist ja auch nicht mehr die jüngste. ich nenne es vielfalt.
aber zu Deiner großglasigen vogelabwehr: gibt es noch nicht das für menschen unhörbar rufe ausstoßende vogelwarnsystem? ich bin enttäuscht. wobei natürlich die tesastreifen-idee auch charme hat. statt putzen - einfach streifen abziehen. genial möchte ich sagen! wiewohl natürlich nicht zu putzen auch irgendwann die gewünschte wirkung erzielt.
und schließlich: zeig mir deine freunde, und ich sage dir, wer dich das amt kostet.
herzlichst
kk
h.yuren schrieb am 08.02.2012 um 23:20
liebe kk, vielfalt ist genehmigt für alle fälle. nichts geht darüber.

die ultraschallwarnanlage für döselige flatterer möchte ich erst gar nicht testen, weil sie mir die pferde und die gefiederten bloß scheu machen würde, es sei denn, die anlage würde so schwach strahlen, dass nicht die würmer im boden sich in die tiefe verbohren und den amseln und anderen nestbetreuern das futter ausgeht.
nun hast du mich auch gleich durchschaut, dass ich gar nicht oft genug, wenn überhaupt einmal die fenster von außen putze. und das seit jahren. solange die tesastreifen halten. was mehr wirkt, ist deshalb strittig. der staub oder die streifen. aber es geht ja nur um meine wunschwohnung.
in der wirklichen will ich das licht nicht staubgesiebt und den ausblick auch nicht gefiltert...

was für freunde hat man als machtkranker seilschafter schon! die haben womöglich ein vergnügen dabei, einen tief fallen zu sehen.
ganz herzlich
hy
kay.kloetzer schrieb am 08.02.2012 um 23:51
lieber, sehe ich Dich von innen chemie sprühen und die augen zusammenkneifen, und am ausblick ändert sich wenig? du bist deutschland! aber im ernst: wenn die wunschwohnung nur eine sonnenrichtungsentscheidung wäre ... nein, ich sage es nicht.
h.yuren schrieb am 09.02.2012 um 08:49
kay, liebe kay, sags doch bitte, wenn du schon das wunderwort "du bist deutschland!" mir zugedacht hast.
nein, nein, habe 10 jahre chemieunterricht gegeben. das hat mir gereicht. mehr chemie muss nicht sein. ich sehe dein fragezeichen.
aber was verstehst du unter "sonnenrichtungsentscheidung"? die orientierung ist schon wichtig, wenn auch im gedränge der städte und im entwurf des architekten für bauherren nicht an erster stelle berücksichtigt. in der wunschwohnung weisen die großen fenster selbstverständlich nach süden, die kleinen nach norden. bei meinem nachbarn ist es umgekehrt, schätze, die planer litten unter "schwindelattacken" und haben den entwurf verdreht.
aber noch mal: sags mir!
kay.kloetzer schrieb am 09.02.2012 um 21:37
lieber hy, ich meinte wohl, dass putzen eh überschätzt wird, dass die deutschen zweitausend putzmittel listen die gegen jeden dreck helfen. vermeintlich. hier steht das (kleingeschriebene) "du" für das "man", nicht das wulffsche, sondern das allgemeine.
was allerdings ich da am ende nicht mehr sagen wollte - halte ich inzwischen vor mir selbst geheim. möglich ist der blöde spruch: ex oriente lux, ex occidente luxus.
herzlich
h.yuren schrieb am 11.02.2012 um 09:54
liebe kk, diese ver... freitagmachine hat meinen kommentar verschluckt. naja. mal wieder.

du bist also geheimnisträgerin. in welcher mission? egal, du willst es behalten. ok.
ich kenne leute, die sagen, dass sie einen deutschen ausweis haben. ich gebe zu, dass ich zuerst deutsche wörter gelernt habe, dann auch plattdeutsche. aber nie hab ich am wochenende mein fahrzeug gewienert. z.b. und nie hab ich eine c-partei gewählt.
als auroraverehrer fällt mir nicht bei jedem sonnenaufgang der spruch über die luchse im osten ein, wohl aber der anfang eines sonetts von shakespeare: Lo in the orient, where the gracious light lifts up his burning head...
herzlich
hy
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