hadie

Saalewelle

25.08.2011 | 18:28

Was Napoleon noch wusste

Bericht über die Zusammenkunft Bonapartes, Mitglied des National-Instituts, Obergeneral der Armee des Orients, mit mehreren Muftis und Imans im Inneren der großen Pyramide, die Pyramide des Ceops genannt.

Am 25. Thermidor des Jahres VI der einen und unteilbaren französischen Republik, welcher dem 28. des Monats Mucharem im Jahr 1213 der Hedschira entspricht, begab sich der Obergeneral, begleitet von mehreren Offizieren des Generalstabes und mehreren Mitgliedern des National-Instituts nach der großen Pyramide des Ceops, in deren Innern er von mehreren Muftis und Imans erwartet wurde, die beauftragt waren, ihm den inneren Bau zu zeigen ... Man weiß nicht, was die räuberischen Araber in diesem Heiligtum der Pyramide entdeckten; der General fand hier nichts, als einen Kasten von Granit, ungefähr 8 Fuß lang und 4 Fuß breit, der ohne Zweifel die Mumie des Pharao enthielt. Er setzte sich auf den Granitblock, ließ an seiner Seite die Muftis und Imans, Suleiman, Ibrahim und Muhamed Platz nehmen, und hatte mit ihnen in Gegenwart seiner Begleiter das folgende Gespräch:

Bonaparte. - Gott ist groß und seine Werke sind wunderbar. Das ist hier ein großes Werk von Menschenhänden. Was war der Zweck dessen, der diese Pyramide erbauen ließ?

Suleiman. - Es war ein mächtiger König von Ägypten, dessen Name, wie man glaubt, Ceops war. Er wollte verhindern, dass Gotteslästerer die Ruhe seiner Asche störten.

B. - Der große Cyrus ließ sich in freier Luft beerdigen, damit sein Körper zu den Elementen zurückkehre. Glaubst Du nicht, dass er besser tat? Glaubst Du es?

S. – (sich verbeugend). Ruhm sei Gott, dem aller Ruhm gebührt.

B. - Ehre sei Allah! Wer ist der Kalif, der diese Pyramide eröffnen ließ und die Asche der Toten störte?

Muhamed. - Man glaubt, es sei der Führer der Gläubigen gewesen, Mahmud, der vor mehreren Jahrhunderten in Bagdad herrschte; Andere nennen den berühmten Harun al Raschid (Gott verleihe ihm Frieden), der hier Schätze zu finden glaubte; als man aber auf seinen Befehl in diesen Saal eingedrungen war, fand man der Sage nach nichts als Mumien, und aus der Wand in goldenen Buchstaben die Inschrift: "Der Gottlose wird die Unredlichkeit ohne Früchte begehen, doch nicht ohne Reue."

B. - Das Brot, welches der Boshafte raubt, erfüllt seinen Mund mit Kies.

M. (sich verbeugend) - Das ist die Rede der Weisheit.

B. - Ruhm sei Allah! Es gibt keinen andern Gott als Gott; Mohamed ist sein Prophet und ich bin sein Freund.

S. - Der Gruß des Friedens für den Gesandten Gottes! Heil auch Dir, unbesiegbarer General, Günstling Mahomeds!

B. - Mufti, ich danke Dir. Der göttliche Koran macht das Entzücken meines Geistes und fesselt die Aufmerksamkeit meiner Augen. Ich liebe den Propheten, und ich denke, ehe viel Zeit verrinnt, sein Grab in der heiligen Stadt zu sehen und zu ehren; aber meine Sendung ist, zuvor die Mamelucken zu vernichten.

Ibrahim. - Die Engel des Sieges mögen den Staub aus Deinem Wege hinwegfegen und Dich mit ihren Flügeln bedecken. Der Mamelucke hat den Tod verdient.

B. - Er ist getroffen worden und überliefert den schwarzen Engeln Mukir und Quarkir. Gott, von dem alles abhängt, hat befohlen, dass seine Herrschaft vernichtet werde.

S. - Er streckte die Hand des Raubes über die Ländereien, die Ernten, die Pferde Ägyptens aus.

B. - Und über die schönsten Sklavinnen, heiliger Mufti. Allah hat seine Hand verdörrt. Wenn Ägypten sein Pacht ist, so zeige er den Vertrag, den Gott ihm gab; aber Gott ist gerecht und barmherzig gegen das Volk.

Ib. - Du tapferster unter den Dienern Jesus, Allah ließ Dich dem Vernichtungsengel folgen, um sein Land Ägypten zu befreien.

B. - Dieses Land war überliefert 24 Bedrückern, welche sich empörten gegen den großen Sultan, unseren Verbündeten (den Gott mit Ruhm umgebe) und 10 000 Sklaven, welche vom Kaukasus und aus Georgien kamen. Adriel, der Engel des Todes hat sie angehaucht; wir sind gekommen, und sie sind verschwunden.

M. - Edler Nachfolger Alexanders, Ehre sei Deinen unbesiegbaren Waffen, und dem unerwarteten Blitze, welcher aus der Mitte Deiner berittenen Krieger hervorzuckt.

B. - Glaubst Du, dass dieser Blitz ein Werk der Kinder der Menschen sei? Glaubst Du es? Allah ließ ihn durch den Geist des Krieges in meine Hände legen.

Ib. - An Deinen Werken erkennen wir Allah, der Dich sendet. Wärest Du Sieger, wenn Allah es nicht erlaubt hätte? Das Delta und alle benachbarten Länder ertönen von Deinen Wundern.

B. - Ein himmlischer Wagen wird auf meinen Befehl bis zu dem Aufenthalte der Wolken auffahren, und der Blitz an einem ehernen Faden auf die Erde herabsinken, sobald ich es gebiete.

S. - Und die große Schlange, welche am Tage Deines Triumphzuges in Skanderich aus dem Fuß der Säule des Pompejus heraus kam, und die verdorrt am Fußgestell liegen blieb, ist sie nicht auch ein Wunder, bewirkt durch Deine Hand?

B. - Lichter der Gläubigen, Ihr seid dazu bestimmt, noch größere Wunder zu sehen, denn die Tage der Wiedergeburt sind gekommen.

Ib. - Die göttliche Einheit betrachtet Dich mit einem Auge der Vorliebe, Anbeter Jesus, und macht Dich zu einer Stütze für die Kinder des Propheten.

B. - Hatte Mohamed nicht gesagt: „Jeder Mensch, der Gott anbetet und gute Werke tut, welches auch seine Religion sei, wird selig werden?“

Suleiman, Muhamed, Ibrahim (zugleich, indem sie sich verneigen) - Er hat es gesagt.

B. - Und wenn ich auf Befehl von oben den Stolz von dem Statthalter Jesus (des Papstes) bändigte, indem ich seine irdischen Besitzungen verringerte, um ihm die himmlischen Schätze anzuhäufen, sprecht, geschah das nicht, um den Ruhm Gott zu geben, dessen Barmherzigkeit unendlich ist?

M. (mit verstörtem Wesen) - Der Mufti von Rom war reich und mächtig; aber wir sind nur arme Muftis.

B. - Ich weiß es: seid ohne Furcht; Ihr seid gewogen worden in der Wagschale Balthasars und seid leicht befunden. Diese Pyramide enthielt also keinen Schatz, soviel Euch bekannt ist?

S. (seine Hände über dem Bauche gekreuzt) - Keinen Herr; wir schwören es bei der heiligen Stadt Mekka.

B. - Wehe und dreimal wehe denen, welche nach vergänglichen Reichtümern trachten, und gierig sind nach Gold und Silber, ähnlich dem Kote.

S. - Du hast den Statthalter Jesus verschont und hast ihn mit Gnade und Güte behandelt.

B. - Es ist ein Greis, den ich ehre (Gott erfülle seine Wünsche, wenn sie durch die Vernunft und die Wahrheit geregelt werden); aber, Herr, er hat Unrecht, alle Muselmänner zu verdammen, und Allah verdammt jede Intoleranz.

Ib. - Ruhm sei Allah und seinem Propheten, der Dich in unsere Mitte sendete, um den Glauben der Schwachen anzufachen, und den Gläubigen die Tore des siebenten Himmels wieder zu öffnen.

B. - Ihr habt es gesagt, sehr eifrige Muftis; seid getreu Allah, dem obersten Herrscher der sieben Wunderhimmel, und Mohamed seinem Wesir, welcher alle diese Himmel in einer einzigen Nacht durchflog. Seid Freunde der Franken, und Allah, Mohamed und die Franken werden Euch belohnen.

Ib. - Der Prophet selbst lasse Dich nach Deinem Tage der Auferstehung, nach dem dritten Trompetenstoße zu seiner Linken sitzen!

B. - Der, welcher Ohren hat, zu hören, der höre. Die Stunde der politischen Auferstehung ist für alle Völker gekommen, die unter der Bedrückung seufzen. Muftis, Imans, Mullahs, Derwische, Calender, benachrichtigt das Volk von Ägypten. Ermutigt es, sich mit uns zu vereinigen, und die Beis und die Mamelucken zu vernichten. Begünstigt den Handel der Franken in Euren Gegenden und ihre Unternehmungen, und von hier nach dem alten Lande Bramas zu gelangen. Bietet ihnen Zwischen-Depots in Euren Häfen, entfernt von Euch die Inselbewohner von Albion, die verwünscht sind unter den Kindern Jesus; das ist der Wille Mohameds. Die Schätze, die Industrie und die Freundschaft der Franken werden Euer Anteil sein, bis Ihr aufsteigt in den siebenten Himmel, und an der Seite der Huris mit den schwarzen Augen, die stets jung sind und stets Jungfrauen, ausruht im Schatten des Laba, dessen Zweige von selbst den wahren Muselmännern alles bieten, was sie nur wünschen können.

S. – (sich verneigend). Du hast gesprochen, wie der gelehrteste der Mullahs. Wir schenken Deinen Worten Glauben; wir werden Deiner Sache dienen und Gott hört uns.

B. – Gott ist groß und seine Werke wunderbar. Der Gruß des Friedens sei mit Euch, sehr heilige Muftis!

Der Obergeneral hat hierauf mit seinem Gefolge die Pyramide des Ceops wieder verlassen, und ist nach Kairo zurückgekehrt, während die andern Mitglieder des National-Instituts sich damit beschäftigten, ihre Beobachtungen zu beendigen.

(aus L. v. Alvensleben: Napoleons Werke)

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 25.08.2011 um 21:37
@hadie

Da, wo Poesie unter Palmen, in den Pyramiden Ägyptenlands, in säkular klerikalen "Psalmen & Suren" Reimen, Jamben wundersam vereint, hier den Krieg gegen die Mamelucken, da den Frieden gegen Jedermann planend anbahnend, verbreitet sich unerwartet der historisch blumige Duft von orientalisch- , occidententaler (morgen- , abendländischer ) "Gloria Conordia"( Ruhm der Eintracht).

Was hier nur noch zu aller Beleitigten Glückesunterpfand fehlt, sind die gesammelten Lehnwörter mit der Endsilbe
"-keit & -heit"

Einfach wunderbar sonderbar.
Danke!
hadie
Das Unangenehme mit dem Nutzlosen verbinden!
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Logbuch
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