Hanning Voigts

Blog von Hanning Voigts

02.01.2012 | 21:37

Es gibt eine neue jüdische Stimme

„Es geschieht im deutsch-jüdischen Verhältnis viel Gutes. Wir wollen, dass die Welt davon erfährt.“

Mit diesen Worten endet eine kurze Stellungnahme, mit der der Publizist und Autor Rafael Seligmann und seine Mitarbeiter begründen, warum sie mit der Jewish Voice From Germany ab sofort eine neue jüdische Zeitung in Deutschland herausgeben. „Es gibt wieder jüdisches Leben in Deutschland“, heißt es auf der Homepage der neuen Zeitung weiter. „Doch das Wissen darüber ist international begrenzt“. Mit der alle drei Monate erscheinenden, auf Englisch erscheinenden Zeitung wolle man diese Lücke schließen und sich dabei auch an jüdische und nicht-jüdische Leser in England, den USA und Israel wenden.

Auf der Homepage der Jewish Voice From Germany kann man schon einige Dinge über die neue Zeitung erfahren: Die Redaktion ist mit sieben Mitgliedern eher klein und sitzt in Berlin, die gedruckte Auflage liegt bei vorerst 30.000 Exemplaren, Korrespondenten gibt es in New York, Rom und Tel Aviv. Namhafte Journalisten wie Heribert Prantl von der Süddeutschen haben die Artikel für die erste Ausgabe geliefert. Aufgeteilt ist die Zeitung in die klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft und Feuilleton. Die erste Ausgabe widmet sich dem Nahostkonflikt, der Euro-Krise und dem Atomstreit mit dem Iran, aber auch der Tatsache, dass sich immer mehr junge Israelis entscheiden, nach Deutschland ziehen. Als jüdische Stimme aus Deutschland tritt die neue Zeitung neben bestehende Medien wie etwa die Jüdische Allgemeine, die Jüdische Zeitung oder das Online-Portal hagalil.

Es ist eine spannende und erfreuliche Entwicklung, dass jüdisches Leben in Deutschland seit einigen Jahren wieder an Dynamik gewinnt. Mittlerweile gibt es in vielen Großstädten wie Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg wieder funktionierende und wachsende jüdische Gemeinden – eine Tatsache, die nicht nur aufgrund der deutschen Vernichtungstaten, sondern auch aufgrund des fortbestehenden Antisemitismus wirklich erstaunlich ist. Die Macher der Jewish Voice Of Germany scheinen mit ihrer Zeitung auch der Hoffnung Ausdruck verleihen zu wollen, dass jüdisches Leben hierzulande eine dauerhafte Zukunft hat. Auf der derzeitigen Startseite ihrer Zeitung heißt es:

„More and more Jews are drawn to Germany. This is a sign of trust.“

 
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Kommentare
Columbus schrieb am 02.01.2012 um 22:12
Sehr notwendiger Hinweis. Danke Herr Hanning.

Leider ist der Miesepeter und notorisch Streitsüchtigen von der Achsenmacht der Guten (H.M.Broder) schon frühzeitig am Werk gewesen und verunglimpften Herrn Seligmann und sein Konzept.

Die kleine Redaktion soll, anders als die angeführten Titel, mit Ausnahme des Online-Portals Hagalil, vor allem international wirken. Zu viele Klischees existieren noch, die Deutschland und Deutsche als geborene Antisemiten malen und das Land als Unort für Juden darstellen.

Am Rhein entlang, in den Städten der ehemaligen SCHUM Gemeinden, in Frankfurt,..., wächst wieder, was hierher gehört und europäische Kultur ausmacht.

Von Seligmann ist bekannt, dass er sich auch über eine selbstbewusste, aufgeklärte, ruhig auch streitbare und mit Deutschland verbundene muslimische Pressestimme freuen würde, die nicht die Klischees mancher türkischer Tabloids nachahmte, Muslime nur als Opfer im durchaus rechtspopulistisch gefährdeten, aber längst nicht ausgelieferten Europa zu sehen.

Normalität heißt für diesen deutschen Juden, die Bandbreite dessen, was als Differenz neben- und miteinander existiert zu vergrößern. Das ist Aufklärung in ihrem Ursinn. Dafür eckt er an, dafür schreibt er, auch ganz kontrovers.

Grüße
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 02.01.2012 um 22:17
Entschuldigung. Es muss "Danke Herr Voigts" heißen. C.L.
Columbus schrieb am 02.01.2012 um 22:18
Entschuldigung. Es muss Danke Herr Voigts heißen. C.L.
Hanning Voigts schrieb am 02.01.2012 um 22:29
@ Columbus

Vielen Dank für den Hinweis, der kurze Text von Broder ist ja sogar schon vom November 2011: bit.ly/uzITZz
Ich wäre allerdings vorsichtig damit, Broder glattweg als „Miesepeter“ zu bezeichnen, nur weil er für eine mitunter recht rabiate Streitkultur steht. Ich persönlich muss sagen, dass ich Broders Sachen oft fragwürdig, aber meistens ziemlich erfrischend finde. Zumindest muss man ihm eins lassen: Er legt den Finger immer mitten in die schmerzhaftesten Wunden des deutschen Massenbewusstseins. Und das macht er super.
Popkontext schrieb am 02.01.2012 um 22:51
"Er legt den Finger immer mitten in die schmerzhaftesten Wunden des deutschen Massenbewusstseins."
Aber leider zumeist als Selbstzwck - und das finde ich problematisch.
thinktankgirl schrieb am 02.01.2012 um 23:02
@Hanning Voigts

Broder - erfrischend? Finger in die schmerzhaftesten Wunden?

Kommen Sie von der Henry-Nannen-Schule?
Columbus schrieb am 03.01.2012 um 00:20
Mag sein, lieber Herr Voigts, in letzter Zeit gibt es auch Polemik mit weißer Kreide in der Stimme vom Broder, und vielleicht wirkt auch das leise Fremdschämen seines Autoreisebegleiters noch nach, oder es ist das Alter.

Ich schrieb Ihnen das zu Broder, weil er gerade gegen Seligmann, wie soll ich es sagen, eher mit dem Hackebeil, als mit dem Seziermesser vorgegangen ist. Das lässt sich leicht recherchieren.

Ich kann noch auf meinen Beitrag verweisen, der einmal untersucht, was beim Besuch auf Seiten der Achsenmächte so auffällt.

Ich bin mir 100% sicher, sie könnten eine ebenso lange Liste im Vorbeigehen von dort abschreiben, wenn Sie sich einen anderen Monat, z.B. im Frühjahr 2011, oder einmal gezielt ein ganzes Quartal 2012 vornähmen:

www.freitag.de/community/blogs/columbus/wie-das-bei-achsenmaechten-so-laeuft

In einem Monat werden da mehr Leute mit Schlamm beworfen Franz (Alt) "die Kanaillie", Lea Rosh, Möchtegernjüdin, Seligmann der "Vorkriegsjude", usw., als in den dF, die kleine Wochenzeitung für irgendwie im Zweifel Linke, gedruckt passen.

Am Ende bleibt nur das große Scheinüberblicks- und Polemik- Ich des Herrn Broder und das seiner Mitstreiter auf der Achse.

Ich kann zwar verstehen, dass solche journalistischen "Formen", zumindest unter dem Aspekt Unterhaltung und Aufmerksamkeit, meinetwegen auch als Appell sich tatsächlichen Problemen oder notwendiger Kritik zu widmen,- "Finger in die Wunde", das wäre biblisch, NT, also eigentlich die Heilung des ungläubigen Thomas, also genau des Gegenteils der Broderschen Absichten!-, anziehend ist. So möchte man gerne auch ´mal losrotzen.

Einige Blogger ahmen das ja nicht nur nach, sondern wollen darin Broder schlagen, der damit sein Alleinstellungsmerkmal am "Media"- Markt betreibt.

Das deutsche Massenbewusstsein allerdings, das versorgt Broder, z.B. in einem denkwürdigen Auftritt zu Aschaffenburg, auf Einladung Guido Knopps, mit Lachern der Übereinstimmung in Vorurteilen.

Broder legt nämlich gar nicht seine Finger in die Wunden, dazu ist er nämlich zu wenig mit sich selbst im Zweifel. Gerade das macht aber grundsätzlich das Massenbewusstsein aus, im Zweifel immer einer starken, selbstbewusst vorgetragenen Polemik zu vertrauen, die die Vorurteile scheinbar bestätigen kann.
Ein Beispiel, das leider Schule macht, ist die Befragung von Paaren und Passanten, die sich in ihrem augenblicklichen Unwissen vor dem Mikrofon blamieren. Das nennt man Vorführung.

Ich würde also zumindest Ihnen nun antworten wollen, dass Broder von mir nicht glattweg, sondern aus gewissen Vorerfahrungen als "Miesepeter" bezeichnet wurde. - Diese Vorefahrungen beziehen sich auch auf ein anderes Themenfeld, bei dem sich Broder gerne als Grünenfresser gibt. Wenn es um Klima- und Umweltfragen geht, überspielt er seine Unkenntnis und Borniertheit gerne durch boshafte, auf Personen zielende, sich gerade an Äußerlichkeiten festmachende, Polemik. - Wie gesagt, als "Kunstform", vor allem für die Telemedien, ist ja Broder längst eine Marke und meine Kritik, pauschal oder nicht, prallt am Bekanntheitsgrad und an der Öffentlichkeitswirksamkeit dieses wahrlich öffentlich Wirkenden sicher glatt ab.

Ich bin einmal gespannt, lieber Herr Voigts, ob in späteren Zeiten das Vorbild Broder, in seiner Funktion Finger in Wunden zu legen (wie gesagt, das Bild ist schon schief, wenn man keine Selbstzweifel ausdrückt, dazu gar nicht in der Lage ist), bei ihrem publizistischen Schaffen anregend wirkte.

Schreiben Sie lieber wie der langweilige Herr Prantl oder hier Herr Grassmann, oder Herr Seligmann. Da kommt dann mehr "Wunde" zum Vorschein. Das hat dann was von Heinescher Kraft, der auch polemisch sein konnte, aber litt.

Liebe Grüße und weiter, weiter
Christoph Leusch
Hanning Voigts schrieb am 03.01.2012 um 09:55
Lieber Herr Leusch,

herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Kommentare. Sie scheinen ja in der Tat schon eine längere Geschichte mit Herrn Broder zu haben :-) In den meisten Ihrer Ausführungen würde ich Ihnen auch in etwa zustimmen – spannend finde ich in der Tat den Hinweis, dass Broder für dezidierte Kritik oft viel zu sehr mit sich selbst im Reinen ist. Mir ging es nur bisher zumeist so, dass ich die hasserfüllten und oft von schlecht verstecktem Antisemitismus nur so triefenden Reaktionen auf Broder wesentlich schlimmer fand als alles, was er so von sich gab...

Beste Grüße,
Hanning Voigts
Magda schrieb am 03.01.2012 um 13:33
Miesepeter hin oder her. Ich habe Broder einmal in der Debatte und direkt erlebt. Vielen Dank, der ist sofort ätzend, unfair und pampig. Und wird persönlich.
Seine Geistesschärfe besteht aus dem Senf, den er zu allem und jedem gibt. Er legt auch nicht Finger in Wunden - das unterläuft ihm einfach nur bei seinen breitgestreuten Hassgesängen.

Dass er gut schreiben kann, hat er umsonst. Und wie alle, die gern austeilen, ist er selbst sehr empfindlich - ein widerlicher Patron.
ebertus schrieb am 03.01.2012 um 08:31
Nach kurzem Blick auf das "Board", soweit mir die Namen etwas sagen, nach dem Registrieren von Heribert Prantl als Autor, nach erstem Querlesen mein gern zu korregierendes Resümee:

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Keinesfalls eine neue Kampfpostille der "guten" Achsen, eher staatstragende Sachlichkeit und -keine wirkliche Abwertung- ein notwendiges, dennoch eher "nice to have" Nischenprodukt.
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In einer ebenfalls englischsprachigen, andererseits wirklich "origin" jüdischen Stimme dagegen, kann man so etwas lesen:

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However, living here and rubbing shoulders with settlers and Palestinians also influenced his political views, he adds. "When I came here I believed in a two-state solution. Over time I learned that this is nonsense. There is no such solution and there never will be. This is one country and that's how it will continue to be. Each of the two peoples want the other to leave here, but you will have to find a way to live together. Without separating."
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Sätze, die von Broder bis zu den antideutschen Klärgruben wohl ein sofortiges "nach Luft schnappen", Brechreiz etc. erzeugen, wo die Staatstragenden hierzulande gleich mal eine aktuelle Stunde im Bundestag anberaumen wollten, darüber die "armen" Linken bashen; wenn das in einer deutschen Zeitung zu lesen wäre...

Ergo: Wenn der Tellerrand zu hoch erscheint, die unbestreitbare Historie hierzulande zum politischen kampfinstrument in den Niederungen der tagespolitischen Auseinandersetzung verkommt, wenn Denkverbote eine zumindest ökonomische McCarthysierung der Delinquenten nach sich ziehen, dann besser ungefiltert, gern auch pointierter informiert. Beispielsweise via Haaretz:

notina.net/4o
Hanning Voigts
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