Hans Hirschel

mehr (öko-)sozialismus wagen ;-)

27.06.2009 | 10:15

Kapitalismus ist keineswegs qualitätsblind

In einem Freitags Kommentar hieß es über den Kapitalismus:

"Er produziert nur nach Quantitäten."

 Der realsozialistische Konsument hatte solchen Antikapitalismus einst mit Humor genommen:

"Lieber ausgebeutet und Golf fahren als herrschende Klasse und mit dem Trabbie durch die Gegend gurken!"

Die Vorstellung, dass dem Kapitalismus die Gebrauchswerte egal seien, ist sehr viel mehr Ausdruck der Entfremdung von den  sozialen bzw. ökologischen Voraussetzungen und Wirkungen des eigenen Tuns (oder des Tuns anderer) als Produktivkraft  sozialer Emanzipation also der Aufhebung  sozialer Ohnmacht bzw. ökologischer Unschuldslämmerigkeit.   

Kapitalismus ist kein über den menschlichen Beziehungen schwebender böser Geist, der sich mit möglichst viel Krachvokabeln vertreiben ließe, sondern halt die Art und Weise, in der wir - immer noch - kapitalistischen Halbmenschen derzeit - wohl oder übel - in Beziehung treten müssen, um als notwendig bzw. begehrenswert erachtete Gebrauchsgüter herstellen, an die Bestimmungsorte bringen und konsumieren zu können.

Bei aller Widersprüchlichkeit und Halbgarheit ist Verbraucheraufklärung, erst öffentlich rechtlich, (Stiftung Warentest), dann immer mehr in der Form privater Testzeitschriften bis zum Web 2.0 oder Bio und Fair Trade und anderer Qualitätssigel immer auch Instrument der Qualitätssicherung bzw. -steigerung und damit auch ein Stückchen (besser Stücklein) soziale Mitbestimmung.

Funktionäre des "konstanten Kapitals" wiederum, deren Motiv die Steigerung des eigenen Bereicherungsvermögens in der Form von Geld, Mittel zur Herstellung der begehrten Gebrauchsgüter und Dienste oder Zugriffsrechte darauf ist, können ihr Bereicherungsvermögen auf zweierlei Weise maximieren:

Erstens durch einen Produktivitätsvorsprung gegenüber der Konkurrenz (also durch mehr Quantität), zum Zweiten, in dem eine "Qualität" angeboten wird, die die der Konkurrenz - aus Sicht der Verbrauchenden - überlegen ist. Beides unterliegt unter Bedingungen freier Konkurrenz einer Ausgleichsbewegung, so dass die Extraprofite in der Regel nur temporär sind. Der Ressourcenverbrauch aber pendelt sich bei der Ausgleichsbewegung nicht auf ein Gleichgewicht hin ein, sondern muss, wie eben auch die Qualität der Güter und Dienste, bei jeder "Runde" wachsen (abgesehen von Fortschritten in der Ressourceneffizienz die dann aber in der Ausweitung des Angebots meist überkompensiert ist).  

Einen qualitätsverneinenden "nackten Kapitalismus" gibt es also nicht. Kapitalismus ist in vielerlei Hinsicht immer noch sozial angezogen, was ja - neben dem stummen Zwang zur Vermietung der Arbeitskraft - die ungeheure Anziehungskraft dieser Vergesellschaftungsweise ausmacht.

Das Problem kapitalistischer Qualitäts- wie Quantitätssteigernungen unserer Lebens- bzw. Genussmittel ist allerdings die private Form der Aneignung und die damit verbundene soziale Ohnmacht bzw. Ignoranz gegenüber den Voraussetzungen und Wirkungen des Nutzenziehens. Es fehlt an Möglichkeiten, sich gegenseitig zur sozialen Übereinkunft über eine -  in ökologischer bzw. sozialer Hinsicht nachhaltige - Entwicklung der Produkte, Produktionsmittel Produktionsorte und -zwecke zu nötigen.   

Mehr betriebliche Mitbestimmung mag ein notwendiges Element der Emanzipation aus den Borniertheiten privater Aneignung sein. Aber die verlangt aufgrund der Gefahr einer noch engeren Kettung an das kapitalistische Privatinteresse nach einem gleichzeitigen Mehr an außerberbetrieblicher Mitbestimmung  - durch Interessensvertretungen sozialer und ökologischer Belange welche die gesamte (Re-) Produktionskette von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung einschließt.

Es gilt, über diese kapitalistische Phase der Menschwerdung hinaus zu wachsen und - nunja, mehr (Öko-) Sozialismus zu wagen :-). Wer dabei zu kurz greift, fällt meist selbst auf die Nase.

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 27.06.2009 um 10:39
Hallo Hans Hirschel,

Qualität steht in keinem Zusammenhang mit Kapitalismus. Qualität entsteht in einem Zusammenspiel sozialer Aktivitäten. Qualität behauptet sich im Kapitalismus nur so lange, wie es dieses Zusammenspiel gibt. Der Mangel an Qualität im Kommunismus entstand durch das Unterdrücken des soziales Zusammenspiels (keine Demokratie).

Kapitalismus und Qualität werden nur aufgrund der Arbeitsweise des menschlichen "Verstandes" in Verbindung gebracht. Paul Watzlawick hat das sehr anschaulich beschrieben:

Der "Versuchleiter" lässt ein vor dem Haus parkendes Auto jedes Mal dann hupen, wenn das "Opfer" die Klingel/Lichtschalter betätigt. Das "Opfer" bringt die voneinander getrennten Ereignisse Aufgrund der Zeitnähe in einen funktionalen Zusammenhang. So sind wir gestrickt. Das hat in der Entwicklungsgeschichte Sinn gemacht, um überleben zu können.

Daher ist es eine wesentliche Strategie von Werbung im Kapitalismus Zusammenhänge herzustellen, die in Wirklichkeit nicht bestehen. Bei mehrfacher Wiederholung verfestigt sich das geschaffene Bild und wird verinnerlicht.

So ist es auch im Kapitalismus selber. Gerade die in der Ursache der Krise erkennbar vorhandene Tendenz demokratische Mitsprache zu negieren zeigt dass Kapitalismus als solches Zerstörung statt Qualität produziert, ohne dabei, wie gerne propagiert, kreativ zu sein.

Qualität ist ein rein gesellschaftliches Produkt.
Streifzug schrieb am 27.06.2009 um 10:48
Muss heißen:
Der "Versuchleiter" lässt ein vor dem Haus parkendes Auto jedes Mal dann hupen, wenn das "Opfer" die Klingel/Lichtschalter ---am Haus--- betätigt.
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 11:07
Streifzug schrieb am 27.06.2009 um 10:39
"Qualität ist ein rein gesellschaftliches Produkt"

Genau, und solange die Gesellschaft kapitalistisch tickt, ist Qualität folglich ein kapitalistisches Produkt :-)

Gruß hh
Streifzug schrieb am 27.06.2009 um 11:17
Hallo Hans Hirschel,

es ging mir um den Schwerpunkt. Solange die Gesellschaft tickt, gibt es Qualität. Das ist vom Kapitalismus unabhängig. Wer den Schwerpunkt auf Kapitalismus oder eine "Unterart", öko- was auch immer legt, gefährdet Qualität. Die Krise zeigt es.

Du stehst mit deiner Argumentation in direkter Linie mit G. W. Bush. Der sagte auch immer: "Der Kapitalismus löst alle Probleme, egal ob Umwelt oder Sozialsysteme."

Man könnte noch ein Auge zudrücken, wenn der Kapitalismus nach dem Ende der Systemkonkurrenz nicht dazu übergegangen wäre gesellschaftliche Zusammenhänge verstärkt zu zerstören.

Was meinst du wohl, was der Faschismus bei so einer Argumentation alles für sich reklamieren könnte?
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 11:57
Hallo Herr Bildungswirt,
Sie fragten nach meiner Meinung:

Was meinst du wohl, was der Faschismus bei so einer Argumentation alles für sich reklamieren könnte?

Autobahnen? Ja, diese Faschisten waren miese Ökologen!

:) Gruß hh
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 12:36
Ohgott wie peinlich! Da hatte ich doch tatsächlich noch den guten Bildungswirt im geistigen Arbeitsspeicher und tippelte das dann fröhlich in die Tasten. Sorry!

Meine Antwort richtete sich natürlich an den Streifzug

By the Way:

Streifzug meinte:

"Solange die Gesellschaft tickt, gibt es Qualität. Das ist vom Kapitalismus unabhängig."

Dass es Qualität gibt, solange die Gesellschaft tickt, ist sicher richtig.

Die Frage ist aber nicht, dass es unabhängig vom Kapitalismus Qualität gibt, sondern dass die kapitalistisch tickende Gesellschaft in einer bestimmten (fragwürdigen) Weise eine Evolution der Gebrauchswerte bedingt, deren qualitativen Seiten von großem Interesse sind.

Gruß hh

Gruß hh
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 12:36
Ohgott wie peinlich! Da hatte ich doch tatsächlich noch den guten Bildungswirt im geistigen Arbeitsspeicher und tippelte das dann fröhlich in die Tasten. Sorry!

Meine Antwort richtete sich natürlich an den Streifzug

By the Way:

Streifzug meinte:

"Solange die Gesellschaft tickt, gibt es Qualität. Das ist vom Kapitalismus unabhängig."

Dass es Qualität gibt, solange die Gesellschaft tickt, ist sicher richtig.

Die Frage ist aber nicht, dass es unabhängig vom Kapitalismus Qualität gibt, sondern dass die kapitalistisch tickende Gesellschaft in einer bestimmten (fragwürdigen) Weise eine Evolution der Gebrauchswerte bedingt, deren qualitativen Seiten von großem Interesse sind.

Gruß hh

Gruß hh
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 12:36
Ohgott wie peinlich! Da hatte ich doch tatsächlich noch den guten Bildungswirt im geistigen Arbeitsspeicher und tippelte das dann fröhlich in die Tasten. Sorry!

Meine Antwort richtete sich natürlich an den Streifzug

By the Way:

Streifzug meinte:

"Solange die Gesellschaft tickt, gibt es Qualität. Das ist vom Kapitalismus unabhängig."

Dass es Qualität gibt, solange die Gesellschaft tickt, ist sicher richtig.

Die Frage ist aber nicht, dass es unabhängig vom Kapitalismus Qualität gibt, sondern dass die kapitalistisch tickende Gesellschaft in einer bestimmten (fragwürdigen) Weise eine Evolution der Gebrauchswerte bedingt, deren qualitativen Seiten von großem Interesse sind.

Gruß hh

Gruß hh
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 12:37
Ohgott wie peinlich! Da hatte ich doch tatsächlich noch den guten Bildungswirt im geistigen Arbeitsspeicher und tippelte das dann fröhlich in die Tasten. Sorry!

Meine Antwort richtete sich natürlich an den Streifzug

By the Way:

Streifzug meinte:

"Solange die Gesellschaft tickt, gibt es Qualität. Das ist vom Kapitalismus unabhängig."

Dass es Qualität gibt, solange die Gesellschaft tickt, ist sicher richtig.

Die Frage ist aber nicht, dass es unabhängig vom Kapitalismus Qualität gibt, sondern dass die kapitalistisch tickende Gesellschaft in einer bestimmten (fragwürdigen) Weise eine Evolution der Gebrauchswerte bedingt, deren qualitativen Seiten von großem Interesse sind.

Gruß hh
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 12:48
Streifzug schätzte ein:

"Du stehst mit deiner Argumentation in direkter Linie mit G. W. Bush. Der sagte auch immer: "Der Kapitalismus löst alle Probleme, egal ob Umwelt oder Sozialsysteme."

:-)

Ich sagt ja auch immer:

"Den Kapitalismus in seinem Lauf
hält weder Ochs noch Esel auf!"

Mit besten Grüßen
hh
Streifzug schrieb am 27.06.2009 um 13:14
Hallo Hans Hirsche,

mich interessiert die "kapitalistisch tickende Gesellschaft" und die "Evolution der Gebrauchswerte", nun mal weniger als die Evolution der menschlichen Kooperation.

Die "Evolution der Gebrauchswerte" in der "kapitalistisch tickenden Gesellschaft" ist nur eine Modifikation des Bestehenden.

Innovationen sind um einiges spannender.

Dazu bedarf es einer "Entwicklungsabteilung". Genau an denen mangelt es. Es gibt reichlich Modifikationsabteilungen, die ein wenig rumschrauben. Gerade die Linken/Liberalen/Ökos scheinen sich momentan damit zufriedenzugeben, an diesen kleinen Modifikationen beteiligt zu werden. Zu wirklich eigenen, innovativen, kreativen Ideen fehlt es wohl an Kraft :)
Hans Hirschel schrieb am 28.06.2009 um 00:19
Streifzug meinte:

"Zu wirklich eigenen, innovativen, kreativen Ideen fehlt es wohl an Kraft :)"

Mögen sie mir Ihre wirklich eigenen, innovativen, kreativen Ideen verraten?

Gruß hh
UASG schrieb am 27.06.2009 um 12:14
1. Kommunismus gab es nie und nirgends

2. Beim Vergleich Sozialismus/Kapitalismus werden von der Propaganda immer einige wenige mit Verschuldung zu Vorsteigestaaten hochgepäppelten Länder herangezogen und der Rest ausgeblendet. 1987 war die DDR nach Zahlen der Weltbank im Lebensstandard gleichauf mit Großbritannien und deutlich vor Spanien und Portugal!
Kuba liegt nach US-Amerikanischen Studien in der Lebensqualität (Gesundheitsversorgung, Volksbildung, Ernährung, Zugang zu Kultur) gleichauf mit Australien und das unter Embargobedingungen.

Vergleicht man die Systeme nicht nur partiell, kommt man zu völlig anderen Ergebnissen. Im Kapitalismus verhungert alle 2 Sekunden ein Kind, das hat es im sozialistischen Drittel der Welt nicht gegeben auch keine Slums und Arbeitlosigkeit. Einer Mutter, deren Kind in Kolumbien an Hunger oder medizinischer Unterversorgung stirbt, hilft die Vorstellung wenig, dass sich irgendein Bundesbürger in seinem Golf bequemer fühlt als ein Trabbifahrer.

3. Viele Menschen im Anschlussgebiet trauern der Langlebigkeit und dem Gebrauchswert der Alltagsgebrauchsgegenstände aus DDR-Zeiten hinterher.
Im Kapitalismus werden viele Resourcen durch Werbung, Mieten, Zinsen, Pachten, Unterhalt von Arbeitslosen und vor allem Erweckung eines äußeren Anscheins der Produkte, der über die tatsächliche Brauchbarkeit und Qualität hinwegtäuscht, verschwendet.

4. Das eine System funktioniert besser, wenn möglichst viel und häufig gekauft wird, das andere System wenn möglichst wenig und selten gekauft wird.
Welches System führt langfristig zu höheren Produktqualitäten?

5. Sozialistische Systeme werden durch volkswirtschaftliche Gesamtrechnung gesteuert, kapitalistische durch mikroökonomische Profitmaximierung. Das führt dazu, dass im Kapitalismus möglichst viele interne Kosten externalisiert werden auf Kosten von Umwelt, Gesundheit etc.. (Um es vorveg zu nehmen: der Einwand Teile der Umwelt in der DDR seien stärker verschmutzt gewesen als is der BRD geht ins Leere. 1. Wird die Umweltbelastung in der DDR übertrieben darbestellt, während in der BRD viel vertuscht, verschwiegen und verschleiert wird. Der Artenreichtum in der DDR war zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung deutlich höher als in der BRD; das spricht für sich. 2. Das Problem des unvollständigen Vergleichs wie oben: wenn Teile meines Golf, deren Herstellung besonders umweltbelastend ist, im Ausland gefertigt werden, wo keine oder schwächere Umweltschutzvorschriften bestehen, ist die Umweltbelastung in der BRD vielleicht geringer, unterm Strich ist aber nichts gewonnen.)

6. Neoliberaler Wettbewerb verzichtet auf Synergieeffekte, die nur durch Kooperation optimiert werden können und führt zu gigantischen nicht steuerbaren Fehlalokationen.
Hans Hirschel schrieb am 27.06.2009 um 13:48

UASG schrieb am 27.06.2009 um 12:14

"1. Kommunismus gab es nie und nirgends"

Anderes hatte ich allerdings auch nicht behauptet.

"3. Viele Menschen im Anschlussgebiet trauern der Langlebigkeit und dem Gebrauchswert der Alltagsgebrauchsgegenstände aus DDR-Zeiten hinterher."

War leider daran gehindert, das per eigenem Augenschein zu überprüfen. Hatte aber Mitte der 80er Jahre einen ND Artikel gesehen, in dem über die gesamte Zeitungsseite "ein Dosenöffner, der funktioniert" beschrieben war. Das war tatsächlich ein sehr beeindruckendes Beispiel dafür, wie hoch im Kurs in der DDR die Qualitätsfrage stand.

"Im Kapitalismus werden viele Ressourcen durch Werbung, Mieten, Zinsen, Pachten, Unterhalt von Arbeitslosen und vor allem Erweckung eines äußeren Anscheins der Produkte, der über die tatsächliche Brauchbarkeit und Qualität hinwegtäuscht, verschwendet."

Also, wie Ressourcen durch "Unterhalt von Arbeitslosen" über die tatsächliche Brauchbarkeit und Qualität hinweggetäuscht, verschwendet" werden, ist mir nicht recht klar. Meinten Sie, dass der Fernseher am Nachmittag aus bleiben könnte, nachdem wir uns wieder zu DDR Verhältnissen hochgearbeitet haben werden?"

"4. Das eine System funktioniert besser, wenn möglichst viel und häufig gekauft wird, das andere System wenn möglichst wenig und selten gekauft wird. Welches System führt langfristig zu höheren Produktqualitäten?"

Häufiges Kaufenmüssen oder -wollen förderte bis jetzt die Entwicklung von Form, Gestaltung und Funktionalität. Erfahrung mit schlechter Qualität und deren kulturelle Aufarbeitung, sowie Produktitätsgewinne wirken produktionsbedingter Qualitätsminderung der "Massenware" entgegen. Wenn man Ressourcen sparen will, muss man aufpassen, dass der Gewinn an Ressourceneffizienz beim Verbrauch des neuen Produktes nicht kleiner ist als durch Neubau und Transport des neuen Produktes (gegenüber dem Weiterlaufenlassen) zusätzlich veranlasster Ressorcenverbrauch. Zu bedenken ist aber auch, dass Ressourcengebrauch und Ressourcenverbrauch zweiterlei Qualität sind. Durch Effizienz eingespartes Geld für eine Urlaubsreise auszugeben, ist hat auch typisch kapitalistische Qualitätssteigerung. Ich empfehle da wie gesagt, mehr (Öko-)Sozialismus zu wagen.

Auf Basis der heutigen Verhältnisse heißt das erst einmal, durch Manipulation der Preisgestaltung in Kombination mit Sensibilisierung und Fortschritte in der "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" eine gewisse soziale Steuerung zu ermöglichen.

Ist ein weiters Feld
Gruß hh

P.S. Haben sie Belege dafür, dass die Umweltverschmutzung in der DDR übertrieben dargestellt wurde oder ist das nur ein Verdacht?
goch schrieb am 27.06.2009 um 18:03
Er , der Kapitalismus, produziert nur nach Qantitäten, damit meine ich nicht das der Kapitalismus nicht die Qualität seiner Produkte beachtet. Das muss er ja wegen der Konkurrenz und des Kostendrucks.
Damit meine ich, es ist nicht sein Ziel uns mit Produkten zu beglücken, sondern mehr Gewinn G - G` zu erzielen. Ob das mit Klopapier, Atomkraftwerken oder geilen Klammotten geschieht ist ihm letztlich völlig gleichgültig. Wo kein Gewinn zu erzielen, sprich keine kaufkräftige Nachfrage, da kein Angebot, oder ?
Hans Hirschel schrieb am 28.06.2009 um 01:31
"Er, der Kapitalismus".

Das klingt so, als würden Sie sich Kapitalismus als etwas vorstellen, das den Menschen äußerlich ist. Kapitalismus ist aber die Form in der wir Menschen miteinender in Beziehung treten (müssen) um essen, trinken wohnen und einiges mehr zu können.

Welche Rolle "Innovationen", also Gebrauchswerte bzw. Qualitäten beim G-W-G' spielen, habe ich oben erläutert.

Etwas ausführlicher hier:
hhirschel.wordpress.com/2009/04/07/qualitatives-wachstum/

Gruß hh
Hans Hirschel schrieb am 29.06.2009 um 16:24

goch schrieb am 27.06.2009 um 18:03

"Er , der Kapitalismus, produziert nur nach Qantitäten
(...)
... um Gewinn G - G` zu erzielen. Ob das mit Klopapier, Atomkraftwerken oder geilen Klamotten geschieht ist ihm letztlich völlig gleichgültig."

Schlage vor, die Substantivierung der besonderen Weise, in der wir Menschen unseren Bedarf entwickeln, produzieren und befriedigen (müssen) möglichst zu vermeiden. Durch eine solche Fetischisierung sozialer Verhältnisse leidet nur die Ernsthaftigkeit, mit der wir nach den Problemen fragen, die wir Menschen uns auf Basis unserer (kapitalistischen) Produktions- bzw. Vergesellschaftungsweisen bereiten und wie die zu bewältigen sind.

Die Vorstellung, dass Kapitalismus ein außerhalb der sozialen Verhältnisse hausendes böses Subjekt ist, das man sich am besten vom Leib hält, führt in die Irre. Dem Mythos von der allgemeinen Wohlstand produzierenden "unsichtbaren Hand" eines allweisen Marktes nur das Mythos eines bösen "Er, der Kapitalismus" entgegenzusetzen, verhindert eher notwendige Erkenntnisgewinne Diese Fetischisierung ist mehr Ausdruck sozialer Ohnmacht als Instrument zu deren Überwindung.

"Er, der Kapitalismus" kann überhaupt nichts produzieren, weder nach Quantitäten noch nach Qualitäten. Kapitalistische Behauptungsverhältnisse bedeutet jedenfalls nicht, dass Klopapier, AKWs und geile Klamotten nur nach Quantität produziert werden.

"Die kaufkräftige Nachfrage" verlangt nach geilen Klamotten, und zwar nach einer möglichst großen Quantität von einer möglichst hohen Qualität. Also wird beides geliefert.

Das Problem: Bewirkt die Qualität AKW Strom Verbilligung der geilen Klamotten, nimmt "die kaufkräftige Nachfrage" das mit Atomstrom eingegangene Risiko einer großflächigen Verseuchung billigend in Kauf. Denn mehr geile Klamotten fürs gleiche Geld ist wie eine Lohnerhöhung, also mehr als gerecht. Und das durch den Uranbergbau produzierte menschliche Leid, geht dem kaufkräftig Nachfragenden nach "geilen Klamotten" am Hintern vorbei. Im Geldschein verschwimmt das Bewusstsein dieses Zusammenhangs.

Uns aus diesem Warensinn zu befreien heißt Stück für Stück mehr Ökosozialismus zu wagen ;-) also Fortschritte zu machen in der Herbeiführung sozialer Verhältnisse und Kompetenzen, die es den (uns) Menschen - weltweit - erlaubt, Aufwand, Ertrag und Zweck, ökologische Implikationen, Standorte, soziale Standards der Produktion und des Verbrauchs miteinander abzustimmen.

Gruß hh

Siehe auch: sind wir des Warensinns
hhirschel.wordpress.com/2008/11/23/sind-wir-des-warensinns/

Streifzug schrieb am 28.06.2009 um 10:51
Hallo Hans Hirschel,

der Satz: "Zu wirklich eigenen, innovativen, kreativen Ideen fehlt es wohl an Kraft :)" war ja keine gezielte Kritik sondern eine allgemeine Feststellung.

"Mögen sie mir Ihre wirklich eigenen, innovativen, kreativen Ideen verraten?"
Klar, da bin ich doch die ganze Zeit bei.

Wichtig: Öko ist ganz wichtig. Ich stelle es nur lieber unter eine andere Überschrift als "Kapitalismus".
Streifzug schrieb am 28.06.2009 um 17:15
Huch, sehe jetzt, dass der Kommentar nicht da steht, wo er hingehört.
Hans Hirschel
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