Hans Hirschel

mehr (öko-)sozialismus wagen ;-)

21.07.2009 | 03:35

Mehr Ökosozialismus braucht natürlich mehr Veganismus

"Wir Westler" schrieb h.yuren in seinem Freigagsblog (www.freitag.de/community/blogs/h-yuren/vegan--human), "sehen die Ernährung gewöhnlich im Kontext der Gesundheit oder des Genießens, neuerdings auch schon mal der Ökologie, wenn etwa dafür plädiert wird, Mineralwasser und Biofleisch aus der Region zu beziehen. Das ist für europäische Verhältnisse eine bemerkenswerte Annäherung an ethische Maßstäbe"

Was hier "westlich" genannt wird, ist halt die - den kapitalistischen Formen der Arbeitsteilung eigene - "Entfremdung" von den Voraussetzungen und Wirkungen des Tuns.  Und die ist in der Tat ein Problem. Aus meiner Sicht ist grundsätzlich nichts gegen das Töten von Tieren zum Verzehr oder um aus der Haut Leder zu gewinnen einzuwenden. Ich finde das vom Grundsatz her ethisch genauso wenig bedenklich, wie wenn Krokodile Enten fressen.

Allerdings halte ich eine möglichst artgerechte Haltung der Nutztiere für ein Gebot der Menschlichkeit. Das schließt Reflektieren der Tatsache ein, dass Tiere leidensfähige Wesen sind, die deshalb nicht nur unnötig gequält werden sollten, sondern denen es auch noch möglichst gut gehen soll.

Eine der menschlichen Art gerechte Haltung ist es nach meiner Auffassung, für das eigene Wirken gerade stehen zu können. Von diesem Ideal des "aufrechten Gangs" aus betrachtet, ist die beim üblichen Konsumverhalten gegebene Unbedenklichkeit des In-Kauf-Nehmens der in der Massentierhaltung üblichen Tierquälerei unmenschlich.

Für die ökologischen bzw. sozialen Schäden des übermäßigen Fleischverzehrs (Regenwaldzerstörung, Erderwärmung durch zu hohen Energieverbrauch bei der Fleischproduktion) nicht wirklich gerade stehen zu können, weil sich unsere sozialen bzw. ökologischen Beziehungen "hinter dem Rücken herstellen" (Marx), zeigt die Inhumanität unserer (kapitalistischen) Verhältnisse.

Hätten wir die menschliche Vorgeschichte endlich überwunden und wären bereits eine (mit-)menschliche Gemeinschaft, würden wir gemeinsam (weltweit) erörtern können, was unter den gegebenen Umständen ein ökologisch bzw. sozial verantwortbares Maß an Fleischverzehr wäre und bis wann und wie der als unbedenkliche ermittelte Pro Kopf Verbrauch - jeweils unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten, Traditionen und sozialen Möglichkeiten - erreicht werden soll. (Für tierische Produkte wie Käse gilt im Übrigen in etwas abgeschwächter Form das Gleiche).

Wäre wir in der Lage in einer solchen Art und Weise vorzugehen, bräuchten sich Veganer und Fleischesser übrigens nicht mehr gegenseitig auf den Keks gehen, weil es grad für die leidenschaftlichen Fleischgenießer auf der Hand läge, dass eine große Zahl an freiwilligen Vegetariern oder gar Veganern ganz prima ist.

In dem Sinne: mehr (Öko-)Sozialismus wagen ;-)
hhirschel.wordpress.com/

 
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Kommentare
quarktasche schrieb am 21.07.2009 um 12:58
"Das schließt Reflektieren der Tatsache ein, dass Tiere leidensfähige Wesen sind, die deshalb nicht nur unnötig gequält werden sollten, sondern denen es auch noch möglichst gut gehen soll."

Ja, die Tiere sollen nicht einfach nur unnötig gequält werden, ihnen soll es beim gequält werden auch noch möglichst gut gehen.
Hans Hirschel schrieb am 21.07.2009 um 13:26
Tierhaltung generell mit Tierquälerei gleichzusetzen, nenne ich dogmatischen Quark.

Gruß hh
Hans Hirschel
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