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Sarrazin ist der Meinung, alle Juden teilten ein bestimmtes Gen. Dazu sagt der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz in der Naumburger Zeitung online das Folgende: „Wenn ich eine Gruppe genetisch definiere, dann ist das purer Rassismus!“
Das ist auch meine Meinung. Wolfgang Benz sieht die Dinge richtig.
Nun sitze ich gerade mit Edo Medicks zusammen. Edo ist ein junger israelischer Jude. Er möchte nach Deutschland auswandern, weil er die politischen Zustände in Israel unerträglich und mehr oder weniger faschistisch findet. Er surft gerade im Internet und durchforstet die israelischen Zeitungen.
Was dabei herauskommt, ist verblüffend: „Die jüdische Israelis denken selbst wie Sarrazin. Sie finden Sarrazin mehrheitlich gut! Denn israelische Juden glauben schon lange, dass sie ein jüdisches Gen in sich tragen. Sie suchen unablässig nach diesem gemeinsamen Gen, dass sie von aller Welt und natürlich insbesondere von den Arabern unterscheidet. Sarrazin ist also ihr Mann! Dass er was gegen Muslime hat, passt da ebenfalls.“
Wir suchen gemeinsam nach Belegen. Ein Leser in der israelischen Bild-Zeitung Yediot online illustriert diese Auffassung so: „Thilo Sarrazin - Israel is with you!“
In Haaretz online finden wir folgendes Statement: „Weshalb eine Person dafür kritisieren, was eine wissenschaftliche Tatsache ist!“ Oder den folgenden Leserkommentar: „Ist es nicht so, dass jeder richtige Jude, wenn er seine Kinder verheiratet, zunächst einmal einen Gentest durchführen lässt?“ Und in Yediot online: „Dieser Mann (Sarrazin) hat nichts Antisemitisches gesagt. Eigentlich ist er pro-jüdisch.“ Und so geht das weiter.
Ich bin verwirrt. Wer ist hier gegen wen rassistisch? Sarrazin scheint mir ein narzisstischer Spieler zu sein, der Thesen produziert, um öffentliche Schelte zu ernten. Ich kann ihn nicht ernst nehmen. Aber wo stecken jene, die seinen Unsinn wirklich glauben? Inkognito befinden sie sich gewiss an den deutschen Stammtischen. Und nicht zuletzt sehr öffentlich und allgemein anerkannt in Israel. Es sind die Kinder und Kindeskinder des Holocaust.
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"(...) Zuvor hatte Sarrazin mit der These, alle Juden hätten ein bestimmtes Gen, den Streit über religiöse Minderheiten in Deutschland weiter angeheizt. Mitglieder der Bundesregierung und andere Politiker aller Parteien, der Zentralrat der Juden und die Türkische Gemeinde reagierten mit heftiger Empörung und stellten die Eignung Sarrazins für sein Amt in der Notenbankspitze in Frage ..."
Quelle: www.derwesten.de/nachrichten/Sarrazins-Juden-These-loest-Empoerung-aus-id3618668.html |
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Auch Philosemitismus ist eine Form von Antisemitismus
All diese Versuche, uns Juden anders als andere erscheinen zu lassen, ob jetzt klüger oder gerissener oder verlogener oder was auch immer, haben in der Vergangenheit nie zu etwas Gutem geführt. Sagt man, wir seien klüger, so ist uns der Neid der weniger mit Klugheit Gesegneten Zeitgenossen sicher. Warum also uns anders erscheinen lassen? Warum uns hervorheben? Glaubt uns, nichts wünschen wir uns sehnlicher als Gleichheit. Sie, und nur sie bietet uns Schutz, auf den wir alleine schon wegen unserer leidvollen Geschichte so dringend hoffen, ihn so dringend nötig haben. Auch und gerade heutzutage. All diese Lobhudelei von Sarrazin und Konsorten ist ein vergiftetes Geschenk, das unserem Volk schon viele Opfer gekostet hat. Es reicht. Bitte. War denn unser Blutzoll immer noch nicht hoch genug? |
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Liebe(r) Bluecat,
Ihr Kommentar rührt mich. Ja, Gleichheit ist es. Soweit ich mich erinnere war dies auch die Lösung von Karl Marx in seiner Schrift "Zur Judenfrage": Die Emanzipation des Juden ist gleichbedeutend mit der Emanzipation des Menschen, also kein Sonderproblem. Edo Medicks, den ich in meinen kleinen Blog erwähnte, ist ein junger Mann, der - so verstehe ich ihn - sein Judentum abschütteln möchte. Er wandert aus Israel aus und vielleicht gelingt es ihm einfach ein Mensch zu sein. Liebe(r) Bluecat, manchmal verstehe ich nicht, dass wir diese seltsamen Differenzierungen immer noch ernst nehmen. Was mich angeht, so bin ich eine "Promenadenmischung", auch türkischer Herkunft, was für mein Selbstverständnis aber keine Rolle spielt. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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