Hans Springstein

Hans Springsteins Blog

26.01.2012 | 13:24

Fundstück zum Thema Krieg

Gefunden in der Ausgabe 1/2009 der Zeitschift Icarus:

Aphorismen

Da Kriege in den Köpfen der Menschen beginnen, ist es notwendig, in den Köpfen der Menschen Vorsorge für den Frieden zu treffen.
(Aus der Präambel der UNESCO-Verfassung vom 16. November 1945)

Jeder kommende Krieg ist zugleich ein Sklavenaufstand der Technik.
(Walter Benjamin: Theorien des deutschen Faschismus, in: Lesezeichen. Schriften zur deutschsprachigen Literatur, Leipzig 1970, S. 239)

Der Krieg ist von Raubtieren in Menschengestalt hervorgebracht, die sich in ihrem gierigen Hunger nach Profit an einer Mauer den Kopf eingerannt haben und nun Dynamit unter die Mauer legen, um sie wegzusprengen.
(Martin Andersen Nexö: Morten der Rote, Berlin 1949, S. 186)

Der Krieg ist ein Patent der bürgerlichen Gesellschaft und wird als solches gesetzlich geschützt.
(Johannes R. Becher: Dichter, lüge!, in: Publizistik I. 1912-1938, Berlin und Weimar 1977, S. 135)

Krieg ist nichts als Drückebergerei vor den Aufgaben des Friedens.
(Thomas Mann: Vom kommenden Sieg der Demokratie, in: Zeit und Werk. Tagebücher, Reden und Schriften zum Zeitgeschehen, Berlin 1955, S. 818)

Wer ein Dummkopf ist, dem schadet die internationale Kriegsberedsamkeit nichts. Wer ein halbwegs normal arbeitendes Gehirn hat, krümmt sich unter ihr in Schmerzen.
(Alfred Polgar: Krieg als Erzieher, in: Die lila Wiese, Berlin 1977, S. 9)

Eine gleißende Lüge setzt sich ohne Mühe durch. Sie ist ein allein stehender Gedanke, kunstvoll zurechtgelegt, geschickt übertrieben, gerade dadurch bestechend und stets dem niedrigsten geistigen Niveau angepasst.
(Melchior Grimm: Über die Macht der öffentlichen Meinung, in: Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz, Leipzig 1977, S. 364)

(Diese Aphorismen wurden ausgewählt von Helga Hörning.)

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
chrislow schrieb am 26.01.2012 um 21:02
Da Kriege in den Köpfen der Menschen beginnen, ist es notwendig, in den Köpfen der Menschen Vorsorge für den Frieden zu treffen.

-> Da ist es ja schön, dass man heute den Krieg im Kopf mit psychiatrischen Methoden beseitigen kann...

UNESCO-Verfassung 1945 ... man ich muß mein Weltbild erneuern.
Hans Springstein schrieb am 28.01.2012 um 21:32
@chrislow
Sicher ist eine solche Deutung der UNESCO-Passage möglich, aber natürlich nicht so gemeint, dass die Psychiater künftig die Kriege vermeiden und als Freidenstuppe von der UNO zu den weltweiten Konflikten geschickt werden. Es geht einfach um die Erziehung zum Frieden, von Kind an, gegen die Militarisierung der Gesellschaft, gegen die "Enttabuisierung" des Militärischen und des Krieges, die auch hierzulande weiter vorangetrieben wird, obwohl zu den geistigen Grundlagen der Bundesrepublik der Forderung "Nie wieder Krieg von deutschem Boden aus!" gehört ... Insofern wäre ein Blick in die UNESCO-Verfassung wieder sehr angesagt.
chrislow schrieb am 31.01.2012 um 11:21
Nix Psychiater oder Psychoedukation...

Neurologisch wirksame Substanzen sind hierbei effektiver. Da braucht dann nicht lange gequaselt zu werden - die mentale Aktivität reguliert sich dadurch automatisch auf ein individuell niedriges Niveau ein.

Und der Clou an der Sache ist, dass es vorher erst Mal ein Trauma braucht, dass dabei eine Verbindung von Demütigung und Gewallt herstellt. Sodann fängt der Krieg im Kopf an und kann auf neuronaler Ebene bekämpft werden. Das Trauma ist allermeist ein mehr oder weniger erlebter Krieg...bei manchen reicht aber schon die familiäre Erziehungssituation aus.

Das Hauptmerkmal ist, dass es zum Kriege einen Feind benötigt. Ohne diesen funktioniert dies nicht - erst das Feindbild ermöglicht den Krieg. Die These lautet also, erst der reale Krieg, damit der neuronale Krieg beginnen kann, der sodann den Krieg in den Köpfen beseitigt.
Hans Springstein schrieb am 31.01.2012 um 15:28
@chrislow
Ich gestehe, dass ich bei diesem Thema in diese psychischen Tiefen oder metaphysischen Höhen nicht folgen kann und will. Aber es wird schon so sein wie von Ihnen beschrieben.
Hans Springstein schrieb am 31.01.2012 um 15:30
@chrislow
Ein Nachsatz: Ich unterstütze Ihre Forderung "Nieder mit den Feindbildern!", in der Hoffnung, Sie nicht falsch verstanden zu haben.
chrislow schrieb am 01.02.2012 um 11:26
Dass sie eine Forderung in meinen Ausführungen erkennen, ist schön - nur ist sie nicht enthalten.

"Nieder mit den Feindbildern" hört sich zumindest gut an, aber diese Situation gabs noch nicht und ist also eine völlig neue Welt. Kann der Mensch damit umgehen?

Und sie vergessen die Reiz-Reaktionskette , ein Feindbild entsteht nicht von nichts. Heisst, es muß erst erzeugt werden. Dies geschieht vorzugsweise kontrolliert und also vorsätzlich. (Rechts-, Linksradikalismus, Islamismus, Wirtschaftskrise, Klimawandel, Umweltbelastung, Rente...) Dies sind also Grundthemen, die jeweils hr Feindbild erzeugen.

Man stelle sich mal eine Welt ohne diese Feindbilder vor... wäre sie möglich? Was würde anstatt zum Problem werden?
Hans Springstein
Die Waffen nieder!
Mitglied seit:
27.10.2011
Zuletzt aktiv:
20.05.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 85
Kommentare: 267
Logbuch
23:26
Fräuleinchen hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:25
luggi hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:23
ed2murrow hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:21
gweberbv hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:12
ideefix hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG