Hans Springstein

Hans Springsteins Blog

02.02.2012 | 12:14

Herrscher im Blutrausch

Das soll der syrische Präsident Bashar al-Assad sein, ist in deutschen, aber auch ausländischen Medien zu lesen. Er wird zum "Schlächter" erklärt, so wie es schon Gaddafi gewesen sein soll und andere vor ihnen, weil er verantwortlich gemacht wird für die gemeldeten mehr als 5000 Toten seit Beginn der Unruhen in Syrien

Mich beschäftigt nun die Frage, wann dieser Titel verliehen wird? Was sind dann zum Beispiel US-Präsidenten, die für Kriege verantwortlich sind mit deutlich mehr Opferzahlen? Sind sie potenzielle Friedensnobelpreisträger, so wie Barack Obama? Allein im Irak wird die Zahl der Opfer seit der US-Invasion 2003 auf fast 1,5 Millionen beziffert. Dann müsste Afghanistan hinzugerechnet werden, der Drohnenkrieg in Pakistan und anderswo usw. usf.

Ist Assad also ein Schlächter, aber Obama ein Friedensnobelpreisträger, weil er die Opfer ja für Frieden, Freiheit und Demokratie bringt? Dauern dieser erwiesenermaßen sinnlose Krieg der "internationalen Staatengemeinschaft" am Hindukusch, wo alles andere, bloß nicht die Freiheit von wem auch immer verteidigt wird, und der längst fällige Abzug  aus Afghanistan etwa so lange, weil die verantwortlichen Regierungschefs im Blutrausch sind? Oder sind für Frieden, Freiheit und Demokratie, wie wir sie verstehen, all die Getöteten wie z.B. die in Kunduz notwendige Opfer? Haben die USA deshalb solange den Irak besetzt, weil nicht nur Frank Wuterich, der Schlächter von Haditha, im Blutrausch war, sondern auch seine Vorgesetzten und sein Oberbefehlshaber? Kam Wuterich deshalb so glimpflich davon? Dessen Oberbefehlshaber war auch verantwortlich für den "Vertilger", der in seinem Buch "American Sniper" nichts bedauert, "ausser nicht mehr getötet zu haben, denn der Welt geht es viel besser ohne die Wilden, die den Amerikanern das Leben wegnehmen".

Ich gebe zu, es sind eher rhetorische Fragen, aber ich musste sie mal stellen, weil sie mich beschäftigen, nachdem ich lesen musste, wie Assad dämonisiert wird. Aber auch weil mich als Journalist bewegt, wie dieser Berufsstand, dem ich angehöre,  sich immer wieder und in krasser Weise zum Werkzeug politischer Propaganda, auch der Kriegstreiberei macht und machen lässt, dabei auch das Prinzip der Verhältnismäßigkeit missachtet. Aber bevor ich mich in Erklärungen verliere: Wer die oben gestellte Frage beantworten will, soll das gerne tun. Ich bin gespannt auf die Antworten.

 

 
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Hans Springstein
Die Waffen nieder!
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