Hans Springstein

Hans Springsteins Blog

17.02.2012 | 02:23

Syrien im Visier

Nur kurz seien ein paar aktuelle Meldungen zu Syrien zusammengetragen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Menschenrechtskrieger über das Land herfallen. Der Schweizer Tagesanzeiger berichtet, dass alles auf einen Militärschlag gegen Syrien hindeutet: "Während die Nachrichten über Angriffe des syrischen Militärs auf Zivilisten nicht abebben, mehren sich die Anzeichen, dass die USA und ihre Partner, unter anderem Israel, Grossbritannien und die Türkei, eine militärische Intervention in Betracht ziehen. Angesichts der abwehrenden Haltung der Vetomächte Russland und China, in irgendeiner Form gegen das Regime von Bashar al-Assad vorzugehen, scheint es nun darum zu gehen, eine Intervention ohne Segen der UNO möglichst gut zu verkaufen"

Die UNO will aber nicht außen vorbleiben und so fordert eine Staatenmehrheit den Rücktritt des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, wie Spiegel online berichtet. Dass Assad ein Verfassungsreferendum ankündigt, erklärt selbst der UNO-Generalsekretär für "unbedeutend". Anzumerken ist, dass Syrien immer noch ein souveräner Staat ist ...

Es läuft ein Mischszenario à la Libyen und Jugoslawien ab. Assad wird wie Gaddafi zum Monster dämonisiert, weil die syrische Armee gegen bewaffnete "Aufständische", die längst nicht nur aus Syrien kommen, eingesetzt wird. Diese Bewaffneten, mit denen selbst viele in Syrien nichts zu tun haben wollen, werden von den Mainstream-Medien immer wieder als "die Opposition" bezeichnet. Und wenn "die Opposition" mal zu Wort kommt, sind es zumeist Exil-Syrer, deren Ziele oftmals nicht mit denen der innersyrischen Opposition übereinstimmen. Aber das ist ja nicht die wahre Opposition, weil, wer das ist, legt ja der menschenrechts- und freiheitsverteidigende Westen fest. Und seine Marionette in Gestalt des UNO-Generalsekretärs. Und weil die Armee gegen "die Opposition" eingesetzt wird, ist das natürlich ein Krieg gegen das ganze syrische Volk, weil "die Opposition" ist "das syrische Volk", wie die westlichen Mainstream-Medien erklären.

Und wie einst Milosevic in Rambouillet werden Assad Forderungen gestellt, die dieser erwartungsgemäß nicht erfüllen kann, will er sein Gesicht nicht verlieren. Seine Verhandlungsangebote werden alle rundweg abgelehnt, weil er so frech wie einst der jugoslawische Präsident und Gaddafi die Forderungen des Westens und der von ihm gesteuerten "Opposition" nicht erfüllt. Darauf kennen die Menschenrechtskrieger nur eine Antwort: Zuschlagen mit allen Waffen, die es gibt, bis der syrische Präsident aufgibt. Dafür werden die eigenen Flugzeuge eingesetzt, gern auch türkische oder israelische oder arabische Söldner, damit der Anschein gewahrt bleibt, dass die USA oder die NATO nicht selbst militärisch zuschlagen. Was Assad dann blüht, das wurde an Milosevic und Gaddafi vorexerziert.

Und wie ist im Tagesanzeiger zu lesen: "... ein Eingreifen in Syrien, so die Hoffnung etlicher Strategen, wäre eine weitere Etappe auf dem Weg zum Ziel, den Iran zu isolieren." Es wird so kommen. Wer soll die Kriegstreiber, die auch Syrien wieder ihrer Profitsphäre einverleiben wollen und dabei die Menschenrechte als Kriegsgrund missbrauchen, um ihre eigenen Bürger mindestens ruhig zu stellen, denn stoppen? Das Ganze ist ein seit Jahren angekündigtes und absehbares Geschehen. Das macht es aber nicht besser.

Und zum "Arabischen Frühling" sei noch angemerkt: Wenn ausgerechnet diejenigen, die die Revolution fürchten wie der Teufel das Weihwasser und die allein im 20. Jahrhundert eine blutige Geschichte der Konterrevolution geschrieben haben, angebliche Revolutionen in fernen Länern begrüßen und auch noch unterstützen wollen, dann stimmt etwas nicht. Dann ist mindestens Zeifel angesagt und gefragt.

 
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Kommentare
antares56 schrieb am 17.02.2012 um 10:54
Sehr guter Artikel!
Ich könnte mir vorstellen, dass Banken und Konzerne jetzt schon Syrien unter sich aufteilen. Ähnlich wie es in Libyen war!
Die von CIA-Agenten angestachelte sogenannte Opposition hat mit dem wirklichen Syrischen Volk nicht allzuviel zu tun. Da werden Provokateure hingeschickt, um später einen Militärischen Einsatz zu rechtfertigen. Genau wie in Libyen.
Und dass das ganze letztendlich auf den Iran ziehlt, dürfte inzwischen auch jedem denkenden Menschen klar sein.
thielsby schrieb am 17.02.2012 um 12:10
Dem ist nichts hinzuzufügen. Man darf nur gespannt sein, ob die Menschenrechtskrieger, sich was Neues einfallen lassen, da zur Zeit immer noch die Libyen-Platte herhalten muß.
koslowski schrieb am 17.02.2012 um 16:35
Der Westen bereitet den Krieg vor, und Assad verteidigt die Souveränität seines Landes. Klares Weltbild mit harten Konturen und ohne Grautöne. Fast schon beneidenswert einfach. Aber auch etwas traurig: Warum geht Kritik an der Politik des Westens so oft einher mit Ignoranz gegenüber den Despoten?
Hans Springstein schrieb am 17.02.2012 um 17:02
@koslowski
Wissen Sie, der Unterschied zwischen Ihnen und mir ist, dass ich meine Einschätzungen aufgrund von Fakten und nachweislichen Informationen vornehme, soweit mir das möglich ist. ist mir das möglich, gebe ich keine Einschätzung. Der nächste Unterschied ist, dass ich auch nach Zusammenhängen, Ursachen und Vorgeschichte aktueller Ereignisse wie des Konfliktes um und in Syrien schaue. Und da gibt es ausreichend Material für das "klare Weltbild". Nicht weil ich mir das wünsche, sondern weil die Fakten dafür vorhanden sind, quasi geliefert werden. Natürlich lassen sie sich auch übersehen, wenn sie nicht passen ... Und dieses undifferenzierte Bild vom zum Bürgerkrieg angeheizten Konflikt in Syrien zeichne wahrlich nicht ich, sondern eben "der Westen" mit seinen recht einseitigen Interessen, samt seiner medialen Menschenrechtskrieger. Auch das können Sie in meinen Blogs nachlesen = nachprüfen. Wenn Sie das denn wollten ... Wenn nicht, erübrigt sich jeglicher weiterer Austausch zwischen Ihnen und mir, so leid mir das tut, da ich immer für Dialog bin.
Hans Springstein schrieb am 17.02.2012 um 17:04
Korrektur: ... Ist mir das NICHT möglich, gebe ich keine Einschätzung. ...
(Vielleicht finde ich ja mal jemand hier, der mir sagen kann, wie ich nachträglich Schreibfehler in Kommentaren korrigieren kann.)
Rapanui schrieb am 17.02.2012 um 17:25
@ koslowski schrieb am 17.02.2012 um 16:35

>>>Warum geht Kritik an der Politik des Westens so oft einher mit Ignoranz gegenüber den Despoten?<<<

Warum geht Ignoranz gegenüber der Politik des Westens so oft einher mit Kritik gegenüber Despoten?

>>>Klares Weltbild mit harten Konturen und ohne Grautöne.<<<

Da sind wir einer Meinung.
Rapanui schrieb am 19.02.2012 um 10:11
@ Kosloswski

Wenn Sie sich hier www.freitag.de/politik/1206-hoffnungslos-aus-der-art-geschlagen vielleicht in der Kritik an einem Depoten bewähren wollen?
Hans Springstein
Die Waffen nieder!
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