Harm

Piratenbraut

06.11.2011 | 19:38

Die Piraten und die Euro-Rettung

Die Medien snd ratlos. Eine neue Partei, die nichts zu den alten Themen sagen kann oder möchte!? Wie kann das sein? Das grenzt ja an Ketzerei, wenn man den Problemen unserer Zeit eine andere Wertigkeit verleiht. Wie kann jemand z.B. die Themen Transparenz, Zensur und Bildung über die Banken- ... oh Verzeihung ... Euro-Rettung stellen? Millionen von kleinen Bürgern droht die Armut! ... Oh! ... Mein Fehler. Ich wollte natürlich sagen: Wenigen Milliardären droht ein kleines Minus. Den meisten sogar ein Plus. Und an diesen Erfolg wollen sich diese verdammten Drei-Käse-Hochs von den Piraten nicht beteiligen? Es geht immerhin um eine Revolution: Wohlstand für NOCH WENIGER! Spätrömische Dekadenz nur für die Eliten!

Nun also meine Gegenfrage: Will wirklich jemand ernsthaft eine ehrliche Meinung von den Piraten zur aktuellen, globalen Finanzdiktatur wissen? Falls die Antwort JA sein sollte, möchte ich zuerst einmal zu bedenken geben, dass eine Regierungsbeteiligung der Piraten vermutlich noch ein paar Jahre dauern dürfte. Die Gründe dafür liegen natürlich bei den "etablierten" Parteien, die ja immer ein sehr eingeschworener Verein darstellen. Dafür liefern uns die "Etablierten" genügend Beispiele. Selbst das jüngste Mitglied - die Grünen - zeigen ein deutlich elitäres und erschreckend falsches Politikverständnis, seitdem sie im "Club der Etablierten" aufgenommen wurden. Da grenzt man sich gerne von den Linken ab, obwohl man mit den Linken die eigenen Forderungen durchsetzen könnte. Warum? Der "etablierten" Spielregeln wegen.

Wäre nicht die angemessenere Frage an die Piraten: Wie seht Ihr die Zeit nach dem Zusammenbruchs dieses Systems? Welche Forderungen habt Ihr an unser zukünftiges Wirtschaftssystem? Wie sollte dieses System aussehen? Was dürfte es keinesfalls beinhalten?

Fragen und Antworten zum Thema "Euro-Rettung" halte ich für Zeitverschwendung. Diese Krise dürfen die ALTEN vier Parteien - die "Etablierten" - gerne alleine ausbaden. Die Piraten sollten sich eher mit Forderungen, Visionen und Motivation auf die Zeit innerhalb der Übergangsregierung vorbereiten. Lange wird dieser kränkelnde Patient uns hoffentlich nicht mehr quälen!

 
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Kommentare
ebertus schrieb am 06.11.2011 um 20:41
Die Piraten als parlamentarischer Arm der neuen APO, der Occupy-Bewegung.

Eine möglicherweise spezifisch deutsche, beinahe zwangsläufige Win/win-Situation, weil ohne APO droht den Piraten das Schicksal der Grünen und ohne die formale Aufmerksamkeitspräsenz via Legislative wird Occupy schlimmstenfalls kriminalisiert.

Was hierzulande natürlich immer (noch) funktioniert, das ist eine Diffamierung von Kritik jedweder Art via "Antisemit!" als Herrschaftsinstrument. Da reicht schon ein Palästinenser-Tuch auf dem Kopf.

Was die Herrschenden, das bröckelnde System aktuell aus vielen Nöten befreien würde, das wäre wohl so ein richtiger "schöner" und natürlich proaktiver, gerechter Krieg, infolge dessen einerseits die allfälligen Notstandsmaßnahmen umgesetzt, andererseits ein weiteres Mal die "Koalition der Willigen" eingefordert werden könnte, möglicherweise diesmal mit etwas weniger Resonanz; einfach in Erinnerung an diesen alten WHO-Klassiker:

"Won't Get Fooled Again"
canguilhem schrieb am 07.11.2011 um 08:48
sind die piraten der parlamentarische arm von occupy? ich habe da bedenken, da sich die piraten zu occupy ähnlich distanziert verhalten wie zu allen anderen politischen themen, die derzeit die agenda bestimmen. der unterschied zu den grünen der achtzigerjahre ist, dass diese ihrerzeit ein politisches thema hatten und dazu stellung bezogen.

mir fehlt bei den piraten - wie auch bei occupy - die position, denn der mensch fragt sich doch zu anbeginn aller zweifel: "wo bin ich?"
ebertus schrieb am 07.11.2011 um 09:24
Das ist wohl richtig @canguilhem,

wohl aber sehr normal, dieses "Fehlen" der Position im engeren Sinne. Aber genau das ist im Moment - möglicherweise auch zukünftig - ein Teil der notwendigen Überlebensstrategie gegenüber dieser immer drohenden, zumindest schleichenden Vereinnahmung.

Geschichte muss sich nicht zwangsläufig eins zu eins wiederholen und gerade das Münden in eine rein parlamentarische Parteiendemokratie scheint den Zenit möglicher Handlungsoptionen überschritten zu haben; verwaltet lediglich eine sehr partikulare Pfründesicherung und dies zunehmend auch gewalttätig.

Insofern ist dieses "wo bin ich?" als hoffender Blick auf Existierendes einfach zu wenig, sollte ergänzt bzw. ersetzt werden durch ein "ich bin!" und es wird damit Zeit, den Schatten an der Wand einfach nicht mehr zu glauben, sich trauen aus der Höhle zu steigen.
koslowski schrieb am 06.11.2011 um 21:48
Ein bemühter Versuch, ein Defizit zur Tugend zu machen. Dringlicher als die Frage nach der neuen Ordnung nach dem Ende des Kapitalismus, ist die Frage, wie sein Ende sozialverträglich zu verhindern ist. Da lobe ich mir die Etablierten, die zwar auch keinen Plan haben, aber sich abrackern.
claudia schrieb am 07.11.2011 um 09:11
>>Dringlicher als die Frage nach der neuen Ordnung nach dem Ende des Kapitalismus, ist die Frage, wie sein Ende sozialverträglich zu verhindern ist.<<

VERHINDERN: Es könnte sich herausstellen, dass genau die Versuche die Agonie des Patienten bis zum St.-Nimmerleinstag zu verlängern die Lebensbedingungen schreddern.

Dann ist zu überlegen, wie das Ableben des guten alten Kapitalismus, Gott sei seiner Seele gnädig, sozialverträglich gestaltet werden kann.

Und ob ein postkapitalistischer Zustand nicht über uns kommen muss wie ein Orkan, sondern ob und wie wir ihn "zum Wohle der Allgemeinheit" nutzen können.
Harm schrieb am 07.11.2011 um 18:56
@ koslowski:

Schön wäre es. Ich kann nicht für die Piraten sprechen, sondern nur für mich. Und wäre dies eine private Unterhaltung würde ich mit den Lobbyismus-verseuchten Parteien und Medien noch viel härter ins Gericht gehen.

Ausserdem gäbe es sicher viele unterschiedliche Ideen zu diesem Thema. Aber warum soll sich eine Partei damit beschäftigen, wenn sie eh erst in ein paar Jahren ernst genommen wird. (Aufgrund der elitären Spielregeln der Etablierten.)

Meine Schadenfreude gegenüber Schwarz-Gelb könnte momentan gar nicht größer sein. Was für eine Regierung!? Die wird so ruhmlos in die Geschichte eingehen.

Aber auch die rosa-grüne Opposition scheint sich nicht ganz sicher zu sein, auf wessen Seite sie eigentlich stehen. Regierung oder Opposition. Banken oder Bürger.

Statt immer nur Regulierungen zu fordern, hätten sie doch zum Beispiel der Euro-Rettung nur zustimmen können, sofern auch wirklich Steuern aus Finanztransaktionen erhoben werden.

Ich sehe gerade nur wie das ganze Lügengerüst der westlichen Welt zusammenbricht. In einem immer schnelleren Tempo. Die PR-Agenturen und Spin-Doktoren haben doch gar nicht mehr genug Human Ressources um diese Lügen in der öffentlichen Meinung weiter zu stützen und zu festigen.

Wie groß musste zum Beispiel die Verzweiflung gewesen sein, dass man ausgerechnet die zugekokste Börsen-Tante zum Thema Griechenland in die Günther Jauch Sendung setzt. War terminlich kein anderer Lobbyist mehr frei?
GeroSteiner schrieb am 06.11.2011 um 21:53
Nur die Ruhe. Das Problem erledigt sich doch von selbst. Noch dreißig Jahre, dann sind die Neoliberalen 80 und rufen verzweifelt nach dem Sozialstaat, den sie jetzt gerade demontieren und verdampfen.
tlacuache schrieb am 07.11.2011 um 09:35
Haltet bloss den Schnabel,
wenn ihr so weitermacht, gelingt dem Kapitalismus sogar noch die Seelenwanderung !!!
Herbert Wehner = Ackermann
Ludwig Erhard = Schäuble
;-)
GeroSteiner schrieb am 07.11.2011 um 23:19
Westerwelle hat glücklicherweise ein schlechtes Karma.
tlacuache schrieb am 08.11.2011 um 10:54
Westerwelle hatte schon in Bonn als Student eine Schissekarma, den konnt' keiner leiden
(Weiss ich aus 1. Hand!, schwör ich!),
"aber so wird man was"...
GeroSteiner schrieb am 08.11.2011 um 18:38
Shite floats.
Harm
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