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Haydnplayers Innenräume

10.03.2010 | 18:37

Bitte keine Männerquoten!

Männlichen Schülern fehlt es schon seit vielen Jahren an schulischer Motivation, und daraus hat der eine oder andere besorgte Maskulinist auf ein Gleichstellungs- und Benachteiligungsproblem für seine nachwachsenen Geschlechtsgenossen geschlossen. Ihnen fehle es an überzeugenden männlichen Vorbildern von der Kinderkrippe bis zum Abitur: überall nur Frauen im Einsatz! Woran nur sollen sich die armen Burschen orientieren? Der heftigste Vorschlag zur Abhilfe dieses wunderlichen Problems will eine Männerquote für Lehrer usw. einführen – 30% müßten es schon sein, wenn es mit der Lernmotivation bei Jungs aufwärts gehen sollte.

Nun scheinen aber gründlich durchgeführte Untersuchungen zu widerlegen, dass die Lernmotivation vom Geschlecht des Pädagogen abhängt.

www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,682019,00.html

Die Frage, warum Jungs weniger motiviert – sprich:fauler – sind, ist also womöglich wieder offen. 

Versuchen wir uns deshalb mit anderen Antworten und wenden uns einem Fischer zu, der in der Sonne liegt und döst, während seine Kollegen fleißig unterwegs sind. Ein besorgter Tourist spricht ihn an und fragt, ob ihm unwohl sei.
-Ich fühle mich großartig, ich habe mich nie besser gefühlt. Ich fühle mich phantastisch, lautet die verblüffende Antwort.
Der Tourist erfährt, dass der Fischer morgens schon draußen war und genug für die nächsten drei Tage gefangen hat.
-Aber Sie könnten doch mehrmals täglich ausfahren, bestürmt ihn der Tourist. Sie würden sich bald ein zweites Boot, später einen Kutter, und noch einen Kutter anschaffen können...ein Kühlhaus, eine Räucherei, eine Marinadenfabrik bauen, mit einem Hubschrauber Fischschwärme orten, ein Restaurant eröffnen... und dann ...
-Und dann?
-Dann könnten Sie hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen und auf das herrliche Meer blicken.
-Aber das tue ich eben schon jetzt. Ich döse und schaue unverwandt auf das herrliche Meer.
(nach H.Böll, Andekdote zur Senkung der Arbeitsmoral, Zum 1.Mai 1963 gedruckt in der Welt der Arbeit-Köln)

Versuchen wir es noch etwas anders und wenden uns Vater und Sohn zu.
-Vater, was ist das deutsche Wunder?
-Also: Du mußt drei Bankkonten haben und die dazugehörigen Scheckbücher. Dann besorgst Du Dir einen hübschen Kredit und verschiebst Dein Geld reihrum im Kreise Deiner Konten. Dann kannst Du Dir einen höheren Kredit holen, weil Du schon ziemlich viel Geld auf deinen Konten bewegt hast. Und mit diesem Kredit fängst Du irgendwas an, was weiteres Geld abwirft.
-Das ist das deutsche Wunder?
-Ja mein Sohn, das ist es.
(nach H.Böll, Anekdote vom deutschen Wunder, Typoskript 1950/51)

Das sind natürlich alles Hirngespinste – mit der Besonderheit, dass es spezifisch männliche Hirngespinste sind, die nicht nur ein sehr zähes Leben haben, sondern durch die Möglichkeiten der Hirngespinste 2.0 erst recht neue Nahrung erhalten.

Jungs brauchen vielleicht deshalb einfach ein paar Jahre mehr als helle Mädchen, bis sie sich in unserer unbarmherzig nüchternen Leistungswelt einigermaßen zurechtfinden und ihre Träume vom kurzen Weg zu Glück und Erfolg überwinden.

 
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Kommentare
wahr schrieb am 10.03.2010 um 18:53
" faulheit träume schnelles geld "

eines der besten arrangement an tags, das ich hier bisher lesen durfte.
haydnplayer
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