„Wir singen Bach“: mit dieser Reportage über den Thomanerchor wurde die imponierend aufrichtige Frau in der frühen DDR ziemlich bekannt. Entlang der Person des kleinen Roland, der gerade die sehr anspruchsvolle Aufnahmeprüfung bestanden hatte, schilderte sie den Alltag des Chores beim Zusammenleben, den täglichen Proben und auf Reisen. Sie hatte sich – natürlich auf Empfehlung des damaligen Chorleiters Günther Ramin – einen ausgesprochen geeigneten Protagonisten ausgesucht: zart, klein und schwarzgelockt, intelligent, fotogen und mit einem Knabensopran für das eine oder andere Solo beschenkt. Sogar der spätere Lebensweg des kleinen Roland zum Professor der Musikgeschichte, langjährigen sehr erfolgreichen Moderator der „Klassik zum Frühstück“ und nimmermüden Autor vieler lesenswerter Bücher zu berühmten Komponisten und Solisten bestätigte diese Wahl.
Die in Westpreußen geb. Helene Irmgard Louise von der Leyen schloß sich nach dem ersten Weltkrieg der Friedensbewegung und der Deutschen Demokratischen Partei an, stellte sich als Schöffin und Geschworene zur Verfügung, war als Bewährungshelferin tätig und trat für eine grundlegende Reform des Strafvollzugs ein. Als autodidaktische Journalistin berichtete sie in den Jahren danach über jüdische Siedlungen in Palästina und erhielt als erste ausländische Journalistin Zugang zu russischen Gefangenlagern und Gefängnissen. Später stand sie in enger Verbindung zum deutschen Widerstand gegen die Nazis.
Auch in der DDR berichtete sie weiter über straffällig gewordene Jugendliche. Es darf nun angenommen werden, dass sie in der friedlichen und heiteren Chor- und Internatsgemeinschaft der Thomaner – so wie sie sie mit ihrem Notizblock zu sehen bekam - ein Zusammenlebensideal sah, so dass ihre Reportage durchweg mit idyllischen und verklärenden Passagen durchzogen ist.
Angesichts der äußerst deprimierenden Vergangenheit, mit der sich zwei Geschwisterchöre der Thomaner – die Domspatzen und die Winsbacher – heute in einer Weise auseinandersetzen müssen, die schwere Schatten über die stimmliche Reinheit ihres Chorgesangs legt, bekommt jetzt die Reportage der Lenka von Körber über den leipziger Chor die unerwartete Aktualität eines Zeitzeugnisses.
Nicht überflüssig ist zu erwähnen, dass die realen Thomaner über die freundliche ältere Dame spotteten, weil sie ihren Alltag bei einer solchen Form von Verklärung wiederum auch nicht optimal aufgehoben fanden.
Quelle für die biogr.Details: Wikipedia
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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