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Hm, eine Jungfernfahrt in einem neuen Blog - womit kann man seinen Freitag-Abend besser verbringen? Mit einer Menge Dinge, soviel steht fest. Aber wir müssen die Texte schreiben, wie sie fallen... oder sie tippen, wie sie kommen? Es einfach tun?
Diese Seite ist mir immer noch hochgradig suspekt, aufgrund einfacher Gründe: Ich folgte Anfang der Woche einem unschuldigen Link hierher, las einen guten Artikel über die Fallstricke der Spiegel-Prosa, und begann mich auf einmal zu fragen: Moment, wo zum Teufel bin ich hier? Ich realisierte es schnell: Eine Art deutsche Huffington-Post, eine aus Blog-Artikeln zusammengesetzte Tageszeitung, bei der die Übergänge zwischen Redaktion und Blog-Community zu verschwimmen schienen. Womöglich die lang ersehnte Antwort der deutschen Blogosphäre auf den Top-Down-Approach des Establishment... vielleicht eine Bande netz-affiner Revolutionäre, extremistische Journalisten, sicher alles galante Schreiber & ausgezeichnete Menschen, angehende oder bereits etablierte Journalisten, aber sicher auch eine ganze Riege klassischer Blogger... wieso hat mir niemand hiervon erzählt?
Also, wie gesagt, das war mein erster Eindruck von diesem Biest, und bis jetzt hat mir noch niemand das Gegenteil weiß machen können. Die naheliegende Frage war nun natürlich: Und wie nutzt mir das was? Mein Studium neigt sich jetzt dem Ende zu, bald muss ich mich der grimmigen Realität stellen: Ist Journalismus immer noch das Ding, womit ich meinen Lebensunterhalt verdienen möchte? Sind meine guten Vorsätze von vor 12 Semestern noch irgendetwas wert?
Lodert die alte Flamme noch?
Und vor allen Dingen: Ich muss endlich anfangen, mich zu qualifizieren! All meine Bloggerei ist ja gut und schön - eine "Fingerübung", wie ich sie gerne nenne, wenn ich mir selbst etwas vormachen will. Und ja, meine Zukunft wird zwangsläufig im Online-Journalismus liegen müssen - nichts anderes habe ich gelernt. Aber womit will ich denn hausieren gehen? Wie viele richtige Artikel habe ich denn in meinem Leben verfasst? Wie oft hat die Kompensation je ausgereicht, um seriöse Recherche oder gar gezielte Ausflüge finanzieren zu können? Geschweige denn das Equipment?
Und mit dem übelsten Gefälligkeitsjournalismus, den ich für lokale Käseblätter schreiben durfte, werde ich mich wohl nur schwer bewerben können...
Und wenn mich mein erster Eindruck des Lokalkolorits nicht ganz täuscht, wird der eine oder andere "Freitagsblogger" sich bestimmt schon mit ähnlichen Zweifeln geplagt haben. Ihr wisst, wovon ich rede: Diese hauchdünne und doch so undurchdringlich scheinende Membran zwischen der grenzenlosen Freiheit des Internets und der grimmigen, aber bezahlten Realität der Printmedien.
So gesehen war mir Der Freitag auf den ersten Blick sympathisch. Man muss sich anmelden, anscheinend sogar für's kommentieren, aber hey, warum auch nicht? Jede Blog-Plattform kultiviert zumindest unterschwellig ihre eigene Community. So ist es bei Myblog, wo ich vor einer halben Ewigkeit anfing, so ist es bei Blogger, wo ich vor einigen Wintern hingezogen bin, und so ist es auch hier.
Aber hier gibt es den Twist, nämlich die abstrakte Hoffnung, tatsächlich in einer Papierzeitung publiziert zu werden. Und nicht nur das: Vielleicht wird man dafür sogar bezahlt werden...
Das perfide an Der Freitag ist, dass er vieles davon nur impliziert, aber nirgendwo wirklich sagt - außer dann im letzten Moment, kurz vor der Anmeldung, tief in den AGBs. Von Urheberrechten ist da die Rede, die auf alle Ewigkeiten an diese Seite verloren gehen (ein üblicher Catch in diesem Gewerbe, der zwar einerseits technisch bedingt ist, andererseits aber jedem Printmenschen vor Abscheu das Weiße in den Augen aufblitzen lässt) - aber auch von Bezahlung, die im Druckfalle erfolgt - oder auch als außerordentliche Sonder-Belohnung seitens der Redaktion.
Ist es das wert? Von welchen Beträgen reden wir? Und verstoße ich nun gegen diesen Vertrag, wenn ich diese Glosse einfach nach dem Posten noch mal auf meinen eigenen Blog kopieren würde? Warum zum Teufel muss es überhaupt eine Trennung geben?
Der nette Mensch, der den Twitter-Account dieser Seite bedient, hat bereits versucht, beruhigend auf mich einzureden: "Das handhaben wir doch eh nicht so," sagte er. "De facto. Und wir arbeiten an einer neuen, schlankeren AGB." Das ist doch mal ein Verkaufsgespräch.
Aber, um diesen Faden zu einem Ende zu bringen: Der letztendliche Stein des Anstoßes war die blitzartige, aber späte Erkenntnis, dass heute tatsächlich Freitag, der 13. ist, und ich, nach wie vor, ein Omen-höriger Mensch bin. Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich hier nur Qualität erleben dürfen, daher freue ich mich bereits auf etwaiges Feedback meiner potentiellen professionellen Peers. Die Stamm-Kommentatoren meines Blogs sind eher Leser im klassischen Sinn, die selbst nur selten bis nie eigene Blogs betreiben. Eine hand voll Fans und Freunde in einem Heer von kommentierfaulen Besuchern, über die ich mich immer wundere, wenn ich mir meine Statistiken ansehe.
Aber bis auf weiteres werde ich dieses Engagement hier als separate Entität ansehen müssen, als ein Side-Project im klassischen Rock-Sinne. Vielleicht werde ich hier finden, was ich all die Jahre gesucht habe - was auch immer es sein mag. Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht verschwende ich hier also nur Zeit, meine wie euere. Aber hey, so what? Meine Generation vergeudet ja auch keine Zeit mit dem Lesen von AGBs, genau so wenig wie sie kostbares Kleingeld für Printmedien verschwendet... aber dennoch wissen wir, tief in unseren ambitionierten, kleinen Seelen, dass kein geschriebenes Wort je umsonst war, egal ob gedruckt, publiziert, gebloggt oder notiert. Wir hinterlassen unsere Spuren, schwarz auf weiß.
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Lieber Henrie Schnee,
gerne gelesen und mit 5 Sternchen prämiert - so Preis-Kuh-mässig. Aber: Auf Deinem Blog (ich erlaube mir das Duzen, nicht weil es hier üblich ist, sondern weil es mir irgendwie natürlich erscheint; keine Ahnung weswegen) habe ich eine schicke Geschichte gelesen, auf die ich in jedem Fall aufmerksam machen will, auch wenn ich vielleicht nicht alle Deutungen teile, so ist sie nicht nur sprachlich überaus reizvoll: [Rum_itself]: Osama bin Laden unter: bit.ly/lVH4ce Ich erlaube mir den Text zu verlinken, da Du ja selbst in Deinem Profil auf Deinen Blog hinweist. Gutes Gelingen hier & laß' Dich nicht wegbeißen, UJN |
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Danke für das Lob! Ich weiß, dass einige der Thesen, die ich dort anführe sich auf den ersten Blick hanebüchen anhören (insbesondere alles, was sich auf die Bin Laden-11. September-Connection bezieht), aber ich habe für alles Belege...
Artikel wie dieser entstehen meistens aus einer Art Reflex heraus, sowas wie Meta-Nachrichten verfassen zu wollen. Ich seh's in meinem Freundeskreis: Das sind alles intelligente, gut vernetzte Leute, die sich sehr wohl in der Zeitgeschichte auskennen und alle eine mehr oder weniger humanistische Bildung genossen haben - aber wenn sie dann mit tagesaktuellen Nachrichten konfrontiert sind, wissen sie selten, wie sie diesen schalen Beigeschmack artikulieren sollen, der sich beim Verfolgen der "offiziellen Story" unweigerlich bildet. Egal, ob wir jetzt von der Loveparade, Fukushima oder dem Lybien-Krieg reden. Daher schließe ich, dass es sehr wohl Bedarf und Interesse an dieser speziellen Form von Berichterstattung gibt. Die letztendlichen Schlussfolgerungen aus diesen Überlegungen sind dabei interessanterweise meistens eh zweitrangig, es geht vielmehr darum, so etwas wie eine Katharsis zu erleben - sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen... eine Bestätigung, dass, oh ja, diese Welt tatsächlich so durchgeknallt sein kann, wie die Nachrichten es uns jeden Tag weis machen wollen, sie aber dennoch weiterhin funktioniert. Oh ja, und das "du" geht absolut in Ordnung, ich schätz mal dass wir eh mehr oder weniger gleich alt sind... und ich bestehe sowieso nur darauf, von Autoritätspersonen ge-"Sie"-zt zu werden. Also, danke für den allerersten Kommentar, hätte nicht bekräftigender ausfallen können ;-) |
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Hey Henrie,
ich hab es grade schwer, weil ich Deinen Premierenpost noch am 13. beantworten will und mir noch genau 75 Sekunden dafür bleiben. Deinen Text habe ich gerne gelesen, in Deinem Blog ein wenig gestöbert, Dich bei Twitter geaddet, damit da mal wieder ein echter Mensch auftaucht. ... jetzt hab ichs verrafft. Ich bin zu lange auf dem Bild von Deinem Schlüsselanhänger hängen geblieben... Ich wünsche Dir einen schönen 14. und freue mich mehr von Dir zu lesen. Bis dann Jacob |
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Danke! Einen schirren 14. auch dir!
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Auf den Freitag online gestoßen? Kein Kleingeld für Printmedien?
Den Freitag muss man im Print lesen! Sagt jedenfalls einer, der diesen auch bereits vor freitag.de las. Naja, jedenfalls brauche ich es - auch, um mich von der "Community" hier wieder zu erholen und zu wissen, welche Wochenzeitung ich am liebsten lese. Na dann rein ins neue Getümmel. (und nicht nur an's Geld denken!) :-) |
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Werde mir auf jeden Fall mal einen besorgen, wenn ich wieder einen Vorwand brauche, mich in einem Kiosk zu verstecken. Bin gespannt, wie sich das Verhältnis von Redaktion zu Bloggern in der Praxis umsetzt.
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@Henrie Schnee
So, jetzt noch einmal. Diesmal ohne Zeitdruck und 75 Sekunden-Fenster. Ich bin an Deinem ersten Beitrag hier hängen geblieben, weil Du beschreibst, wie Du Dich nach jahrelangem Bloggen hier angemeldet hast. Bei mir war das genau umgekehrt. Ich habe zuerst den Freitag entdeckt, dann die Möglichkeit begriffen, dass ich hier öffentlich schreiben kann und erst nach einigen Wochen ein eigenes Blog begonnen. Anders als bei Dir, ist das bei mir nicht mit beruflichen Interessen verbunden. Das empfände ich für mich auch als schädlich, weil es meinen Blick von dem, was mir im Kopf rumgeht zu dem, was mir in der Tasche fehlt lenken würde. Das soll nicht heißen, dass ich jede Form von bezahltem Journalismus automatisch für gekauft halte. Für meinen Teil bin ich allerdings froh, dass ich meine "grimmige Realität" auf einem anderen Blatt erledigen kann. Deine Einschätzung zum Freitag teile ich übrigens. Das Zusammenspiel von Redaktion und Community ist sexy. Zumindest in der deutschen Medienlandschaft ist mir bisher nichts Vergleichbares aufgefallen. Viele Grüße an die ambitionierte, kleine Seele Jacob |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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