Henry Mertens

Blog von Henry Mertens

01.03.2010 | 18:05

Die Kultur stirbt - hoch lebe die Kultur!

Hunderte Menschen demonstrierten vergangenen Freitag unter dem Motto „Land braucht Stadt“ vor dem Anhaltischen Theater in Dessau-Roßlau für den Erhalt der Kultur. Gleichzeitig ging es ihnen um die Perspektive ihrer Stadt und um deren Aufgabenpflicht in der Zukunft.

Der Grund: Dessau-Roßlau geht das Geld aus. Insgesamt fehlen im  Haushalt ca. 26 Millionen Euro.

Die Stadt muss sparen und dafür hat die Verwaltung 83 Vorschläge zur Prüfung erarbeitet, welche kurzfristig eine Einsparung von ca. 13 Millionen erzielen sollen.

Betroffen sind: Museen, Schwimmhallen, Bibliotheken, Sport-, Kultur- und Sozialvereine und Verbände.

Das Defizit resultiert aus den fehlenden Steuereinnahmen der Stadt - zu vielen Firmenpleiten stehen zu wenige Neuansiedlungen gegenüber. Die Wirtschaftslogik greift nicht in Zeiten der globalen Krise.

Dazu kommt: die Doppelstadt verliert jährlich ca 1.000 Einwohner. Seit 1991 sind es knapp 20.000! Und ihr fehlen auf Grund der prekären Finanzlage auch die Gestaltungsspielräume.

Könnte ein Nationaler Rettungsfond einer Kommune wie Dessau-Roßlau in dieser schwierigen Situation helfen? Der Fond müsste erst ins Leben gerufen werden - eine politische Aufgabe! Doch wenn überhaupt, es käme zu spät.

„Kultur ist der Herzschlag!“ war auf einem Transparent zu lesen. Unterschriftenlisten der Initiative „Land braucht Stadt“ wurden herumgereicht, zahlreiche Anwesende nutzten die Gelegenheit und unterschrieben fleißig. Denn mit den Streichungen ginge das alltägliche soziale und kulturelle „Futter“ ein-für-allemal verloren! Und das wiederum hätte eine deutliche Verschlechterung der Lebensqualität zur Folge.

Wenn die Stadt nicht mehr Stadt sein kann, weil sie nicht mehr in der Lage ist, ihre wichtigsten Aufgaben zu erfüllen, geht sie dem Land verloren. Warum? Weil das die Abwanderung noch beschleunigen würde und junge Menschen noch weniger Perspektiven in ihrer Stadt wahrnehmen.

In Dessau-Roßlau „läuft“ aktuell das Kurt-Weill-Fest. Der wichtigste Partner: das Anhaltische Theater. Das Drei-Sparten-Haus ist ebenfalls von den Sparplänen betroffen.

Auf einem anderen Demonstrationsplakat war zu lesen: „Bevor die Glut in Dir erlischt - verlass die Stadt die keine ist!“ - ernst gemeinte Rethorik oder Zynismus???

Im Zweifel ist der Plakateträger einem hoffnungsvollen, aktiven Nachwuchs zuzuordnen.

Es gilt also darüber zu reden und dies am besten an einem geschichtsträchtigen Ort wie dem Dessauer Bauhaus . Die Frage, die sich allen Teilnehmern des Podiums stellt: „Wieviel Kultur braucht Dessau-Roßlau?“. (am 3. März 2010, 17 Uhr, Bauhausbühne)

 

 

 

 
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Kommentare
BOXXOM.COM schrieb am 02.03.2010 um 18:59
interessant, was für ein kulturdiskurs in dessau stattfindet. es bleibt abzuwarten, welche ergebnisse die podiumsdisskussionen ergeben.
Henry Mertens
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09:01
abghoul hat gerade einen Kommentar geschrieben.
08:49
roadmin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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roadmin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Lindnerowski hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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