Hermanitou

Nichts wurde gut.

26.04.2010 | 15:39

Der Krieg an sich ist Verbrechen, ist Barbarei

Gibt es eigentlich Kriegsverbrechen? Oder ist nicht der Beginn eines Krieges der Beginn eines Verbrechens, zu dem sich neben legalisiertem Massenmord in aller Regel Vergewaltigung, Körperverletzung und Demütigung, Gefangenschaft, Enteignung, Flucht u.a.m. gesellt?

Im Folgenden ein Auszug aus:

Camillo Berneri: Der Krieg als kollektives Verbrechen

"Ich behaupte nicht im geringsten, daß der Militarismus keine Schule der Courage sei, doch die Courage, die er hervorruft, ist mit Gewalt und Brutalität verseucht", sagt Augustin Frédéric Hamon   in seinem 1904 erschienenen Buch Psychologie du militaire professionnel....

...Oder wie der sächsische Fürst Georg sagte: "Nimm und stiehl, soviel du kannst, gebrauch Listen und leg Hinterhalte, und je mehr du umbringst, desto größer wird dein Verdienst sein"....

Ein italienischer Soldat schrieb aus Tripolis:  "Die Araber-Türken unter unserem Kanonenbeschuß in die Luft fliegen zu sehen, hat uns wahrhafte Befriedigung verschafft. Hier ist es wie auf der Jagd und nicht wie im Krieg, und ein Feind wird hier so einfach getötet wie man eine Mücke zerquetscht"....

Der Soldat wird im Krieg wieder in den Urzustand versetzt.

Wie einer, der noch nie jemandem ein Haar gekrümmt hat, dahin kommt, wehrlose Gefangene abzuschlachten, so plündert der andere, der im Zivilleben dem Händler sofort das zuviel herausgegebene Wechselgeld zurückerstattet, bedenkenlos Bauernhöfe, Kirchen und Lagerhäuser. Wer schon einmal beim Militär war, weiß wieviel Wahres an der Feststellung Voltaires ist: "Diebe und Soldaten sind miteinander verwandt"....

Der Dichter Hureman besingt in seinem Gesang der Sieger :

"Eure Stadt, mit dem Gold, dem Purpur, den Weingefäßen, den schönen Betten und Frauen ist unserem Hunger anheimgegeben. Eure sanften Jungfrauen werden wir in unseren starken Armen erniedrigen. Wie Welpen werden wir eure Brut auf den Marmorboden der entweihten Frauengemächer schlagen. Mit Feuer werden wir den Mutterschoß ausbrennen und in der brandgeschwärzten Wunde wird kein Samen überdauern"....

 

Gemetzel, Plünderungen, Vergewaltigungen, darin besteht Krieg.

Um seiner Lust zu genügen, faßt der Niederträchtige den Mut, der ihm ansonsten abgeht, wenn er seinen Nächsten aus einer Gefahr erretten oder ein mit Schmerzen verbundenes und gefährliches Unterfangen beginnen soll. In der rauch- und blutgeschwängerten Atmosphäre des Krieges fällt der Durchschnittsmensch in die Barbarei zurück, und manchmal wird er darin sogar zum Wilden."

 

Oder wie es Franz-Josef Degenhardt in seinem Lied von den guten alten Zeiten beschreibt:


Manchmal durfte man nicht töten, manchmal wieder musste man.
Ganz Genaues weiss man nicht mehr, aber irgendwas ist dran.
Denn wer Tausende verbrannte, der bekam den Ehrensold,
doch erschlug einen einzlnen, hat der Henker ihn geholt


Wenn ein Kind ganz nackt und lachend unter einer Dusche stand,
dann bekam es zur Bestrafung alle Haaren abgebrannt.
Doch wars artig, hats zum Beispiel einen Panzer gut gelenkt,
dann bekam es zur Belohnung um den Hals ein Kreuz gehängt.


Alle glaubten an den unsichtbaren gleichen Manitu,
doch der Streit darüber, wie er aussah, lie sie nicht in Ruh.
Jene malten ihn ganz weiß und andre schwarz oder gar rot,
und von Zeit zu Zeit, da schlugen sie sich deshalb einfach tot....

in den guten alten Zeiten.

 

Krieg an sich ist das Verbrechen. Kriegsverbrechen dagegen ist ein Konstrukt, das vorgaukelt, es gäbe eine Moral und eine Anständigkeit im Krieg, und lediglich einige Wenige verhielten sich im Krieg verbrecherisch.



 

 

 

 
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Kommentare
Zachor! schrieb am 26.04.2010 um 16:05
Mal so rein theoretisch gefragt: Wie sieht es bei dem Soldaten eines Verteidigungskrieges aus? Gibt es überhaupt einen (legitimen) Verteidigungskrieg? (Z.B. Polen gegen die SU und das "Dritte Reich" 1939?)

Ist ein solcher Soldat, der sich freut, einen anderen Soldaten abzuschießen, der sein Land überfallen hat, - ist ein solcher Soldat ein Verbrecher?
Hermanitou schrieb am 26.04.2010 um 20:28
Was ist denn Deine Meinung dazu? Mein Beitrag ist ja deutlich: Der Krieg an sich ist das Verbrechen.

Hier Fragen zu stellen ist mir zu einfach. Finde selber Antworten, dann diskutiere ich gerne weiter.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 26.04.2010 um 21:33
@ Zachor, der Mensch selbst ist nicht schlecht, der Krieg macht ihn schlecht, - die Grenze zwischen Verteidigung und Angriff ist fliessend führt aber zum selben Resultat.
nuntius schrieb am 27.04.2010 um 05:54
Aus unser heutigen Sicht ist Krieg ein Verbrechen. Daran sollte unter kultivierten Mitteleuropäern kein Zweifel bestehen. Unser Standpunkt hat sich aus der historischen Abfolge von Kriegen ergeben, die erst endeten als wir die technologische Entwicklungsstufe erreicht hatten, die uns befähigte uns selbst zu vernichten und dies auch zu erkennen.
Bis dahin war der Krieg ein Mittel des technischen Fortschritts und gesellschaftlicher Umbrüche, so wie wir es jetzt noch auf einigen Kontinenten haben. Nehme als Beispiel nur die Kriege im Herzens Afrikas, sie sind grausam und sinnlos, bringen( mit unserer Hilfe) aber nicht die Gefahr einer absoluten Vernichtung hervor, werden also noch endlos lange dauern. Schon seit Urzeiten folgen wir den Gesetzen und Instinkten der Natur, und beenden die Vernichtung unseres nahrungsfeindes nur, wenn wir dabei selbst vernichtet werden können.

Im endeffekt sind also Kriege zwar Verbrechen, Kriegsverbrechen alos doppelt gemoppelt, aber was ein kriegsverbrechen ist entscheidet der Sieger.
hibou schrieb am 27.04.2010 um 06:21
Ja. man hat ja andere Möglichkeiten, sich zu wehren. z.b. Verkehrsschilder aendern: Einbahnstrassen ausschildern, die alle in einen Kreisverkehr münden. Mit Spatzen werfen, etc.....
Hermanitou schrieb am 27.04.2010 um 07:42
Spatzen werfen?
Du Unmensch! :-)
Hermanitou schrieb am 27.04.2010 um 07:55
Mit Spatzen werfen?
Du Unmensch! :-)
Zachor! schrieb am 27.04.2010 um 07:47
@ Hermanitou

Durch meine Fragen wollte ich schon meine andere Sicht signalisieren.

In der Tat ist für mich Deine Sicht zu einseitig. Ich sehe es nicht ein, warum ich jemanden, der wie im Falle der Polen 1939 sich, seine Familie und/oder sein Land in einem ihm selbst aufgezwungenen Krieg verteidigt, Verbrecher nennen soll*. Wenn man sich überhaupt nicht mehr wehren kann im Großen, ohne sich der Anschuldigung, ein Verbrecher zu sein, auszusetzen, dann darf man sich ja logischerweise auch im Kleinen nicht zur Wehr setzen, und folglich erdulden, dass man in der U-Bahn beraubt wird. (Sollten Sie dieser Meinung sein, bitte ich um die Mitteilung Ihrer Adresse, damit ich mich unbehhelligt in Ihrem Hause al umsehen kann... ;-)) Und wenn Sie dann etwas dagegen unternehmen und etwas dagegen haben, machen Sie sich eines Verbrechens schuldig... :D!)

Die Sichtweise, ein jeder Krieg sei ein Verbrechen, ist für mich also weltfremd.

*Ich rede jetzt hier nicht davon, dass dieser polnische Soldat womöglich bei einem Gegenangriff den einen oder anderen Gegenstand sich unberechtigt aneignet oder sich an Frauen vergeht. Das IST natürlich in dem jeweiligen Einzelfall selbstverständlich ein Verbrechen. Nicht jedoch der Gesamtkontext des Geschehens, der legitime und notwendige Verteidigungskrieg. Dies meine Meinung.
Zachor! schrieb am 27.04.2010 um 07:47
@ Hermanitou

Durch meine Fragen wollte ich schon meine andere Sicht signalisieren.

In der Tat ist für mich Deine Sicht zu einseitig. Ich sehe es nicht ein, warum ich jemanden, der wie im Falle der Polen 1939 sich, seine Familie und/oder sein Land in einem ihm selbst aufgezwungenen Krieg verteidigt, Verbrecher nennen soll*. Wenn man sich überhaupt nicht mehr wehren kann im Großen, ohne sich der Anschuldigung, ein Verbrecher zu sein, auszusetzen, dann darf man sich ja logischerweise auch im Kleinen nicht zur Wehr setzen, und folglich erdulden, dass man in der U-Bahn beraubt wird. (Sollten Sie dieser Meinung sein, bitte ich um die Mitteilung Ihrer Adresse, damit ich mich unbehhelligt in Ihrem Hause al umsehen kann... ;-)) Und wenn Sie dann etwas dagegen unternehmen und etwas dagegen haben, machen Sie sich eines Verbrechens schuldig... :D!)

Die Sichtweise, ein jeder Krieg sei ein Verbrechen, ist für mich also weltfremd.

*Ich rede jetzt hier nicht davon, dass dieser polnische Soldat womöglich bei einem Gegenangriff den einen oder anderen Gegenstand sich unberechtigt aneignet oder sich an Frauen vergeht. Das IST natürlich in dem jeweiligen Einzelfall selbstverständlich ein Verbrechen. Nicht jedoch der Gesamtkontext des Geschehens, der legitime und notwendige Verteidigungskrieg. Dies meine Meinung.
Hermanitou schrieb am 27.04.2010 um 09:54
@zachor
Wer eine Waffe trägt, nimmt billigend in Kauf, daß er gewalttätig wird.

Über das Recht der Selbstverteidigung habe ich mich hier nicht speziell ausgelassen, aber Widerstandsformen sind natürlich zulässig. Ist die Frage, welche und in welcher Form.

Wie sachichma richtig schreibt: Auch Hitler hat behauptet, die Polen hätten die Grenze verletzt und dann hat sich das Dritte Reich nur "verteidigt". Die Grenzen sind fließend. Wenn wir aber grundsätzlich darüber nachdenken, und das müssen wir, dann finden sich andere Lösungen als die Beantwortung eines Krieges mit Krieg.
Eine mögliche Antwort ist, die Produktion sämtlicher Waffen weltweit zu verbieten.

Gruß
Hermanitou
Zachor! schrieb am 27.04.2010 um 15:11
@ Hermanitou

"Die Grenzen sind fließend. Wenn wir aber grundsätzlich darüber nachdenken, und das müssen wir, dann finden sich andere Lösungen als die Beantwortung eines Krieges mit Krieg.
Eine mögliche Antwort ist, die Produktion sämtlicher Waffen weltweit zu verbieten."

Meiner Meinung nach sind die Grenzen nicht immer fließend. Sondern sehr oft eindeutig und klar. Für meine Begriffe ist deine Haltung sehr weichwaschend, relativierend und gleichsetzend. Ich glaube, um eine solche Politik des kleinen Rückzugs zu entlarven, hat Frisch "Biedermann und die Brandstifter" geschrieben...:-))

Ich will dich damit nicht persönlich angreifen, jedoch klarmachen, dass nicht alles mit allem gleichzusetzen ist.
Bedauerlicherweise ist auf einen Krieg, der gegen einen begonnen wurde, immer noch Krieg die beste Antwort/Lösung. Oder hätte Stalin 1941 etwa einfach sagen müssen "Ok. lieber Dolfi, ich ziehe unsere Grenzen bis zum Ural zurück! Reicht dir das für deinen Lebensraum?" Oder hätten etwa die Juden New Yorks 1943 Charterflüge nach Auschwitz buchen sollen?

Nein, Krieg als Selbstverteidigung als legitim und notwendig nicht nicht mit einem Verbrechen gleichzusetzen.

Du schreibst: "Über das Recht der Selbstverteidigung habe ich mich hier nicht speziell ausgelassen, aber Widerstandsformen sind natürlich zulässig. Ist die Frage, welche und in welcher Form" - Nein, nicht speziell, aber allgemein. Aber immerhin würde mich interessieren, welche "Form" der Kriegsführung du bevorzugen würdest, wenn deine Verwandten im Nachbardorf hingemetzelt wurden... etwa Schach in einem Chatroom?

Gruss,
Zachor!
Hermanitou schrieb am 27.04.2010 um 15:40
@Zachor

Nochmal: Ich stelle doch gar nicht das Selbstverteidigungsrecht in Abrede.
Nur: Solange Krieg immer eine (legale oder legalisierte) Option der Menschheit ist, wird die Menschheit auch Opfer von Verbrechen bleiben. Also: Drüber nachdenken, wie man aus dem - wie Rainer Kühn es unten richtig beschreibt, Kriegsteufelskreis ausbrechen kann. Da musst Du mir nicht mit den Hitler-Faschos kommen, denn da war Widerstand Pflicht. Es geht um die Entwicklung von Perspektiven nach vorne.
Zachor! schrieb am 27.04.2010 um 15:48
Ok., dann hätten wir das geklärt.

Alles andere (Abschaffung des Krieges - ja, wer wollt' das nicht?) halte ich - aufgrund meines negativen Menschenbildes - für unrealistisch.

"Humane Gesellschaft, Weltgesellschaft" - ist schön und wird kommen. Hat nur ein Hindernis: den Menschen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.04.2010 um 15:26
Alle glaubten an den unsichtbaren gleichen Manitu,
doch der Streit darüber, wie er aussah, ließ sie nicht in Ruh.


der krieg ist der krieg ist der krieg
nur kann er, anders als die rose, abgeschafft werden, durch den sprung in eine humane gesellschaft, weltgesellschaft.
Hermanitou
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