Hermanitou

Nichts wurde gut.

03.08.2010 | 20:10

Ein verstörendes Bild - Aisha, ein Mädchen unter den Taliban

Das TIME MAGAZINE zeigt auf seinem Titelbild Aisha. Das 18-jährige Mädchen lief von zu Hause weg, um ihrem prügelnden Ehemann und dessen Familie zu entkommen und wurde von den Taliban zum Abhacken der Nase und ihrer Ohren verurteilt. Hier diskutiert man derweil über die Ausrüstung unserer Soldaten und den Abzug aus Afghanistan.

time_cover_0809

Aisha ließ die Photographin Jodi Bieber das Bild machen, weil sie der Weltöffentlichkeit zeigen will, was geschieht, wenn die angestrebte modifizierte Demokratie westlicher Politiker  ("In Afghanistan ist eine Demokratie westlichen Musters nicht möglich") umgesetzt wird, also die Rückkehr der Taliban nach Kabul.

Sie lebt mittlerweile schwerbewacht in Kabul in den Räumen der Hilfsorganisation Women for Afghan Women an einem geheim gehaltenen Ort.und wird mit Unterstützung der Grossman Burn Foundation nach Amerika ausgeflogen, um dort ärztlich behandelt zu werden.

Die Südafrikanierin Jodi Bieber schildert die Entstehung des Bildes in einem bewegenden Video:
TIME's video on photographing Aisha for the cover

Wie der TIME-Chefredakteur schildert, ist es dem Magazin nicht leicht gefallen, das "machtvolle, schockierende und verstörende Bild" abzudrucken. 
Aber, so der Chefredakteur weiter:
"What you see in these pictures and our story is something that you cannot find in those 91,000 documents: a combination of emotional truth and insight into the way life is lived in that difficult land and the consequences of the important decisions that lie ahead."  -
" ...Es ist eine Mischung von emotionaler Wahrheit und ein Einblick, wie in diesem schwierigen Land gelebt wird und die wichtigen Entscheidungen, die vor uns liegen."


Jodi Bieber ist durch Afghanistan gereist und hat unterschiedlichste Frauen portraitiert, Olympiateilnehmerinnen, Politikerinnen aber auch schwer verletzte, verbrannte Frauen:
Portraits of the Women of Afghanistan."

Afghanische Frauen unter der Bedrohung durch die Taliban - diese Bilder findet man unter:
www.time.com/time/photogallery/0,29307,2007161,00.html

Schließlich - was meinen die "Women for Afghan Women" (WAW) zur Zukunft : 

 "Wenn wir über den Truppenabzug nachdenken, schaudert es uns. Was wird mit den Frauen und Mädchen geschehen, denen solche NGOs wie WAW zu Tausenden geholfen haben, und den Millionen Frauen, die noch mehr abscheulichen Missbrauch erleiden werden, als sie bisher erlebt hatten."

Ich wünsche mir so klare Bekenntnisse, wie sie in der amerikanischen Öffentlichkeit üblich sind, in diesem Fall durch das mutige TIME MAGAZINE, auch hier bei uns. Stattdessen erleben wir die Wandlung der Brunnen-und-Straßen-bauenden Bundeswehr zu einer Besatzungsmacht, die vor lauter Unwahrheiten in der hiesigen Presse nicht weiß, warum sie dort eigentlich ist. Ja sicher, die Pipelines müssen dort gebaut werden. Der weltweite Bedarf an Rauschgift muß befriedigt werden.

  • Aisha und Jodi Bieber aber ermöglichen einen Blick in den Alltag unter der Knute der Taliban.
 
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Kommentare
Rahab schrieb am 03.08.2010 um 21:19
dein blog, Hermanitou, ist auch verstörend. was willst du erreichen?
ein spendenkonto für Aisha? oder dass die bundeswehr allen taliban die nase abschneidet?

was mich noch interessieren würde: was liegt eigentlich zwischen "lief weg, um zu entkommen" und "wurde verurteilt"?
Magda schrieb am 03.08.2010 um 21:25
Lieber Hermanitou,
die Situation von Frauen in Afghanistan unter den Taliban ist empörend und erregt Mitleid .

Weißt du übrigens, dass in Indien viele junge Frauen an schweren Verbrennungen sterben weil sie mit der Familie, in die sie hineingeheiratet haben oder dem Ehemann Ärger haben? Die versuchen, das "Problem" dann mit dem Petroleumkanister zu lösen.

Weißt Du, dass in Pakistan viele Frauen mit Säure verätzt werden, weil sie nicht gehorsam waren und die Ehemänner sie deshalb strafen. Es gibt eine Organisation, die sich dieser Frauen annimmt.

Wusstest Du, dass in Saudiarabien junge Mädchen verbrannt sind, weil sie während eines Schulbrandes nicht auf die Straße durften weil sie keinen Schleier trugen.

Weißt Du, in wie vielen Ländern Afrikas Frauen genital verstümmelt werden.

Dieses Geschichte vom Time Magazin ist bewegend, aber als Argument für die Weiterführung des Krieges ist es eigentlich Missbrauch eines tragischen Schicksals zu Propagandazwecken.

Übrigens: Unter der sowjetischen Besatzung waren die Frauen in Afghanistan am freiesten, aber das hätte wohl die Aggression gegen das Land nicht gerechtfertigt, oder? Im Gegenteil es wurde kritisiert, wie bedenkenlos sich die Besatzer über die herrschenden Sitten hinwegsetzen.
Hermanitou schrieb am 04.08.2010 um 01:03
Liebe Magda,

weder das Time Magazin noch ich selbst stehen für die Fortführung des Krieges ein. Aber es müssen Antworten gesucht werden, wie sichergestellt werden kann, daß diese Mörderbande dort nicht erneut ihr Unwesen treiben kann.

Es ist in der Tat verstörend,was dort passiert. Alltag ist. Und was wir hier alles in unserer Presse nicht zu lesen, sehen oder hören bekommen.

Beste Grüße
Hermanitou
Titta schrieb am 04.08.2010 um 02:00
Es gibt auch die Position, daß die Taliban, wäre es nicht zu einem Einmarsch der US-Truppen gekommen, inzwischen schon längst von der Bevölkerung selbst vertrieben worden wären, weil der Taliban-Staat, wie er vorher existiert hat, einfach kurz vor seinem rein ökonomischen Ende gestanden hätte.
Nichteinmischung als Option und das Recht auf das Selbstbestimmungsrecht eines Volkes sind auch nicht zu unterschätzende Werte. Und ich frage mich auch, was aus der Haltung spricht: Es müssen Antworten gefunden werden? Von wem denn? Das Volk wird wissen, was es im eigenen Land will. Nur ob das dann dem "westlichen Maßstab" entsprechen wird, ist die Frage.
hibou schrieb am 04.08.2010 um 07:35
@Titta: "weil der Taliban-Staat, wie er vorher existiert hat, einfach kurz vor seinem rein ökonomischen Ende gestanden hätte." genau! sie handelten naemlich net mit rauschgift :-))
Titta schrieb am 05.08.2010 um 02:05
@hibou

Die Überlegungen bzw. Berechnungen bezogen sich darauf, sofern ich das richtig in Erinnerung habe, daß eine heutige Volkswirtschaft einfach nicht überlebensfähig ist, wenn Frauen aus dem öffentlichen Sektor völlig ausgeschlossen werden und so als Arbeitskräfte, als Produktivkraft fehlen.
Joachim Petrick schrieb am 03.08.2010 um 23:32
"ch wünsche mir so klare Bekenntnisse, wie sie in der amerikanischen Öffentlichkeit üblich sind, in diesem Fall durch das mutige TIME MAGAZINE, auch hier bei uns. "

Was meinst Du damit? Bekenntnisse zum Krieg, wie diesen Taliban u. a. seit Jahrhunderten archaisch und neuerdings so modern gegen Frauen und andere "Gehandikapte" bildungsferne, bildungsnahe bildungsdurstige Menschen führen?
Dein Artikel sagt viel über Dich, wenig über die wirkliche Situation in Afghanistan aus.

tschüss
JP
Hermanitou schrieb am 04.08.2010 um 01:04
Er sagt in der Tat viel über mich und auch über die Situation der Frauen in Afghanistan aus. Sonst hätte ich ihn ja auch nicht geschrieben.
nuntius schrieb am 04.08.2010 um 06:47
Um diese Verbrechen die in Afghanistan mit und ohne Taliban geschehen, einzuordnen muß man sie realistisch einordnen. Wir urteilen hier aus unserer gesellschaftlichen Entwicklungsstufe über Dinge, die auch bei uns noch nicht solange her sind. Die gesellschaftliche Stellung der Frauen in Europa hat sich auch erst im letzten Jahrhundert so gestaltet. Erst vor gut 50 Jahren wurden deutsche Ehefrauen juristisch selbständig.
Gleichzeitig geschieht diese Gewalt mit und ohne Taliban in Afghanistan und überall auf der Welt und auch noch hier bei uns. Genitalverstümmelungen, Zwangsehen, Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Zielabtreibung weiblicher Ungebohrener, gibt es auch bei uns hier mitten unter uns. Ohne die Macht der Taliban, gestützt auf Traditionen und Glauben, und die Macht der Mütter wird mitten unter uns diese Hölle gelebt.
Der Krieg im Irak hat Frauen und Mädchen keine Freiheiten gebracht, sondern Elend, Tod und Gewalt, denn er hat die alten anarchischen Traditionen wiederbelebt. Das Gleiche passiert in Afg..
Da dort ökonomische Ziele im Vordergrund stehen werden die Frauen und Mädchen diesen mit Sicherheit geopfert werden. Dies ist für mich eine Tatsache die einen inneren Konflikt auslöst. Denn bei Abzug oder Verstärkung der Truppen, bei Sieg oder Niederlage gegen die Taliban, die Folgen für die zivile Bevölkerung, vor allem die Frauen nd Mädchen werden die Gleichen sein.
Was nun?
Rahab schrieb am 04.08.2010 um 09:00
um ein klares bekenntnis wird gebeten.
Joachim Petrick schrieb am 04.08.2010 um 17:32
willst Du Krieg mit Krieg austreiben, der dazu noch ganz Afghanistan samt den Nato Staaten korrumpiert?

Die Frauen brauche wie alle anderen in Afghanistan vor allem Frieden.

tschüss
JP
B.V. schrieb am 04.08.2010 um 16:17
Joachim Petrick schrieb am 04.08.2010 um 17:33
danke für den Link.
ich qerde diesen lesen.

tschüss
JP
Rahab schrieb am 04.08.2010 um 16:28
ich erinnere mal daran
www.fr-online.de/politik/karsai-opfert-frauenrechte/-/1472596/3338388/-/index.html

da wollte wohl Karsai den/die teufel (talib/an) mit dem beelzebub austreiben.
Joachim Petrick schrieb am 04.08.2010 um 17:34
Danke für die Erinnerung.

tschüss
JP
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.08.2010 um 02:16
Einige Gedanken zu dem von Titta erwähnten Begriff des "Selbstbestimmungsrechts eines Volkes":
Meiner bescheidenen Meinung nach ist es damit so eine Sache in einer Diktatur. Zumal wenn, wie unter den Taliban, das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen noch nicht einmal so weit reichte, Musik hören zu dürfen oder über die Länge des eigenen Bartes zu bestimmen. Und die in der Freitag-Community so beliebte Burka dient ja bekanntlich nur dem Vorteil der Frauen. Die Taliban mussten sie eben zu ihrem Glück zwingen ...
Die Frage, wie dem "wahren Willen" des Volkes zum Sieg verholfen werden kann, durchzieht doch viele Blogs hier. Die Macht des Kapitals, die Manipulation der Medien etc.pp. ... Ist ja auch alles sehr bedenkenswert.
Was mich daran irritiert, ist nur Folgendes: Wann immer westliche Staaten irgendwo in einen Krieg verstrickt sind, denken Linke auf einmal in nationalen Kategorien. Etwa wenn es um Jugoslawien ging oder aktuell um Afghanistan. Als "der Irak" in Kuwait einmarschierte, war davon nichts zu hören. Umso mehr von Seiten der westlichen Regierungen, die vorgaben, eben jenes "Selbstbestimmungsrecht" und natürlich die "territoriale Integrität" Kuwaits schützen zu wollen.
Umgekehrt finden auch viele Linke nichts dabei, sich über das Selbstbestimmungsrecht von "Völkern" hinwegzusetzen, die Genitalverstümmelung super finden und diese davon abbringen zu wollen. Warum gilt für Afghanistan ein anderes Maß?
Nach meinem Selbstverständnis sollte man den Begriff des "Selbstbestimmungsrechts der Völker" am besten komplett in die Tonne hauen und sich lieber fragen, wie das Selbstbestimmungsrecht der Individuen in aller Welt am besten zu schützen ist.
hibou schrieb am 21.08.2010 um 06:58
"Die Frauen sind bei euch wie Kriegsgefangene, die über nichts aus eigener Macht verfügen. Ihr aber habt sie von Allah zu treuen Händen erhalten; dank seinem Wort gebietet ihr über ihre Scheide. Darum seid gottesfürchtig im Umgang mit den Frauen und nehmt euch ihrer im Guten an!“ (aus der letzten Predigt des Propheten)
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