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Sport verbindet ja und Dabeisein-ist-alles. Tatsache aber ist, daß vor allem im Deutschen Fußballbund eine große Anzahl von Vereinen existiert, die sich über ihr Herkunftsland definieren: Sie heißen Türk Gücü oder Birumut, Leoes de sport, Liljan oder Sloga.
Parallel zu deutschen Traditionsvereinen, in denen auch in den sozialen Brennpunkten der Städte die Jugendarbeit von den Bambini bis zur A-Jugend stattfindet, werden Migrantenvereine in den Spielbetrieben der (meist) unteren Fußballklassen geduldet.
Konflikte entstehen bereits dadurch, daß die meisten der Migrantenvereine selbst keine systematische Jugendarbeit betreiben. Sind junge Spieler aber entsprechend gut ausgebildet und talentiert, so wird oft die nationale Karte gezogen und kräftig abgeworben. Ein durchaus typischer Vorfall sieht so aus:
"Gökhan und Michael sind dicke Freunde. In der Schule sitzen sie nebeneinander. Die Nachmittage verbringen sie meistens miteinander.
Und beide sind verrückt auf Fußball. Sie spielen in der B-Jugend und gelten als Traumpaar.
Gökhan spielt im Mittelfeld, verteilt Bälle und bereitet viele Tore vor. Michael kann zwar lange nicht so gut mit dem Ball umgehen wie Gökhan, aber er hat einen tollen Torriecher.
Eines Nachmittags kommt Gökhan mit verheultem Gesicht zum Fußballplatz.
"Was ist denn los?", fragt Michael. Gökhan setzt sich wortlos auf den Rasen.
"Nun sag schon!" "Ich darf nicht mehr hier spielen", murmelt Gökhan.
Michael glaubt, nicht richtig gehört zu haben. "Was hast du gesagt?"
"Ich darf nicht mehr hier spielen!", schreit Gökhan und heult wieder.
Michael starrt seinen Freund fassungslos an.
Ein paar andere Jungen kommen und wollen wissen, was passiert ist.
"Wieso darfst du nicht mehr hierspielen?", fragt Michael. "Wer sagt denn das?" "Mein Vater", antwortet Gökhan.
"Sie haben einen türkischen Verein gegründet, und jetzt müssen alle türkischen Jungen in diesem Club spielen."
"Ahmet und Dardan auch?", fragt einer der Jungen.
"Alle", wiederholt Gökhan. "Das geht doch nicht!" ruft einer.
"Die können unsere Mannschaft doch nicht einfach auseinander reißen.
Ohne euch steigen wir ab." "Das ist meinem Vater egal", meint Gökhan.
"Der will, dass Türken nur noch in türkischen Mannschaften spielen."
Die Jungen stehen ziemlich ratlos herum.
"Und was machst du jetzt?"(aus einem Grundschullesebuch)
Alleingelassen und aufgerieben zwischen deutscher Realität und fremder Herkunft:
Das ist die eine Seite der alltäglichen Sport-Parallelgesellschaft.
Die andere Seite läßt sich aus der kommunalen Sportpolitik betrachten: Bei der Vergabe von Sportplätzen gibt es - vorsichtig gesagt - einen deutlichen Standortvorteil für deutsche Traditionsvereine. Migrantensportvereine haben es deutlich schwerer, zu einem eigenen Platz zu kommen.
Dasselbe gilt für die Mitgliedschaft in den kommunalen Sport-Dachverbänden. Dort wird der große Kuchen der Zuschüsse und Übungsleiterpauschalen verteilt. Selten bis gar nicht sind hier die Migranten-Sportvereine zu finden.
Fazit:
Sport - insbesondere die Mainstream-Sportart Fußball, ist beileibe nicht immer integrierend. Vielmehr deutet die große Anzahl von Migranten-Sportvereinen und der nicht immer spannungsfreie Spielbetrieb deutlich darauf hin, daß die Integration noch einen langen Weg vor sich hat.
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Der Amateurbereich, den Du beschreibst, ist die eine Seite. Im Profilager der 1. und 2. Bundesliga ist die Situation eine andere:
"Insgesamt sind in der Bundesliga und 2. Bundesliga 1021 Lizenzspieler in den 36 Vereinen aktiv, davon 548 in der Bundesliga und 473 in der 2. Bundesliga. In der Bundesliga sind 249 ausländische Spieler aktiv, was einen Ausländeranteil von 45 Prozent ergibt. In der 2. Bundesliga spielen 145 Spieler ausländischer Herkunft, was einen Ausländeranteil von 31 Prozent ergibt (Stand November 2009)." Quelle: DFB Viele Ausländer aus diesen Ligen werden vom breiten Publikum gefeiert. Das könnte man auch als Integrationsmoment interpretieren. |
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Ich beschreibe ein Stück Migrantenalltag und nicht stattfindende Integration, zu der viele Seiten etwas beitragen. Was Du beschreibst, sind eingekaufte Legionäre, die von professionellen Scouts weltweit gesichtet und "eingekauft" werden. Mit Integration hat das wenig zu tun, Dein Hinweis ist aber zur Abrundung des Bildes trotzdem wichtig.
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Immer diese permanente Schwarz-Weiss-Malerei. Der in deinem Text beschriebene Fall ist doch von Vorteil, eine Gruppe von Mitbürgern hat einen Verein gegründet und alle Mitgiedsväter wünschen sich ihre Kinder in dem Verein. Ein tagtäglicher Vorgang in vielen Orten und Familien. Der Aspekt türkisch ist dabei doch nur melodramatisch, um dem Text künstlich wichtig zu zufügen.
Das Gleiche gilt im wahren Leben. Alle neu gegründeten Sportvereine haben Probleme Sportstätten zu finden, sich in Ligen zu plazieren, Sponsoren zu finden usw. Das hat weder was mit Fußball noch mit Nationalität zu tuen. |
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Hermanitou, Du schreibst: "Die andere Seite läßt sich aus der kommunalen Sportpolitik betrachten: Bei der Vergabe von Sportplätzen gibt es - vorsichtig gesagt - einen deutlichen Standortvorteil für deutsche Traditionsvereine."
Ich möchte da anknüpfen, was nuntius äußerte: Die Kommunen sind verarmt. Die Sporthallen bspw. sind randvoll mit Nutzungsstunden belegt, so dass neue Vereine, egal welcher Art, kaum Chancen haben, Sportstätten zu finden. Die Kommunen sind froh, wenn sie die Dächer der Hallen dicht halten können. Anderes habe ich in letzter Zeit nicht aus der kommunalen Presse von RLP entnommen. Vielleicht ist es in Deinem Bundesland, ich vermute BW, anders!? |
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Ich bin Vorsitzender eines Sportvereins. Das ist keinesfalls Schwarzmalerei, sondern ein Problem, das hier benannt wird und weit verbreitet ist.
Und es ist definitiv so, daß Migrantensportvereine beim Verteilen von Ressourcen und Geldern benachteiligt werden. Ist im Übrigen in konkreten Fällen leicht nachzuweisen. Melodramatisch bin ich schon gar nicht, ich habe beispielhaft türkische, bosnische und portugiesische Vereine genannt. |
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@achtermann:
Klar haben die Kommunen kein Geld. Aber das Problem der ungleichen Verteilung besteht schon seit Jahrzehnten. Sportpolitik als Ganzes könnte man (müsste man) vielleicht noch viel mehr erörtern: Auch unter den deutschen Vereinen gibt es natürlich große Unterschiede in der Verteilung. Mir ging es allerdings um Integration / Integrationshindernisse speziell vom Migrantengruppen. Wir haben (der Verein, dem ich vorsitze) besipielsweise zwar zwei (bosnische) Vereine huckepack auf unsere Plätze mitgenommen, Kooperationsangebote oder gemeinsame Mannschaften sind aber gescheitert. Andererseits haben wir mit einem türkischen Verein sehr gute Erfahrungen gemacht und von dort auch Übungsleiter im Fußball bekommen. (Aber das nur am Rande). |
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Ich bin bei dem Lesebuchstück als Beispiel etwas skeptisch. Meiner Erinnerung nach waren viele Vereinsgründungen von griechischen, italiensichen und eben türkischen Vereinen, insbesondere beim Fußball, der, vorsichtig ausgedrückt, zögerlichen Aufnahmebereitschaft lokaler Sportvereine gegenüber ausländischen Spielern geschuldet.
Dazu hat anfangs sicher auch beigetragen, dass ja solche Ausländer nicht unbegrenzt bei höherklassigen Spielen aufgestellt werden durften, in sie zu investieren und zu fördern daher nicht immer sinnvoll schien - was dann als Diskriminierung ankam - und es auch war. Dass die türkischen Vereine keine Jugendarbeit machen, wäre mir so nicht bekannt - ist das generell so oder vielleicht doch ein lokales Problem? Sportpolitik bzw. Breitensportförderung - darüber könnte man ganze Bücher schreiben, lass ich mal weg. |
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@alien
Es ist eine von beiden Seiten problematische Geschichte mit der Aufnahmebereitschaft . Viele Migranten würden gerne in vorhandene Vereine gehen, aber oft sind dann die Sponsoren, in der Regel Geschäftsleute mit Migrantenhintergrund, nicht mehr bereit, Gelder zu geben. Für die ist es oft Grundbedingung, daß man was "Eigenes" macht. So habe ich es konkret auch erlebt. Der obige Dialog ist alltäglich, ich hätts auch selbst so formulieren können, weil das ständig so oder leicht abgewandelt Thema ist. Jugendarbeit wiederum setzt voraus, daß Plätze da sind, Trainer etc. Wie oben geschildert, haperts daran gewaltig. |
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Ich denke man sollte die realistische Situation erstmal nehmen wie sie ist.
Integration muß nicht heißen, das ALLE in einer Fußballmannschaft zusammen spielen MÜSSEN. Wenn dem so wäre, müßten auch Frauen und Männer in einer Menschschaft zusammenspielen. ;-) (Übrigens beobachte ich neuerdings, das Jungen & Mädchen oft auf dem Bolzplatz jetzt zusammenspielen (ich meine das lockere Freizeitspaßkicken. Und die jungen Mädchen, wenn sie von Anfang an dabei sind, spielen gar nicht mal schlechter. Ob das mal was für später zu bedeuten hat, kann ich noch nicht sagen) Aber z. Z. ist das wohl kein Thema. Wenn ethnische Grupppen, Schwule und Lesben, HeteroFrauen und HeteroMänner, Berufssportvereine, etc. aus verschiedenen Gründen unter sich sein wollen, sollte man das akzeptieren. Dann muß man halt sehen das Kommunikation und Integration auf einer anderen Ebene hergestellt wird. Ich glaube, verschiedene menschliche Gruppen haben das Bedürfnis teils unter sich zu sein und teils in Beziehung zu Anderen zu treten. Problematisch wird es für mich erst da, wo eine Totalabschottung zu einer Feindschaft gegenüber anderen führt. |
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So sehe ich das auch in Vereinen finden sich Leute zusammen, die ein irgendgeartetes gemeinsames Interesse haben. Da kann man nichts machen.
Die fehlenden Sportanlagen speziell im Fußball sind ein ganz anderes Problem. Der DFB, der von jedem organisierten Fußballer eine Gebühr erhebt, leistet doch für diesen Bereich nicht viel. Mit dem Geld, mit dem er allein in diesem Jahr seine Nationalmannschaft , ihren Stab, Hotels, Reisen und die horrenden Prämien für die Spieler finanziert, ließen sich wahrscheinlich einige hundert zusätzliche Sportanlagen finanzieren. Aber da erwartet man die Zahlung durch die Kommunen, sprich durch den Steuerzahler. Als kleines Vereinsmitglied zahle ich also die Abgaben an den DFB, Rundfunkgebühren um die Leute dann auch spielen zu sehen, aber nur wenn die Fernsehsender Millionen abführen um das auch zeigen zu dürfen, Steuergelder zum Erhalt der Sportanlagen, Steuergelder zur Gewährleistung der Sicherheit usw. usw., abgesehen davon das die Werbeeinnahmen ja auch vom Verbraucher erbracht werden. irgendwie empfinde ich die ganze Sache inzwischen als ziemlich krank, und befürchte, wenn das DFB Gebilde dann zusammenbricht muß ich auch noch den Müll wegräumen. |
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Lieber Hermanitou,
um eigenethnische Sportvereine als desintegrativ zu bewerten sollte die Ausgangslage ihrer Gründung beachtet werden. Umfangreiche Diskriminierungserfahrungen nicht nur auf Seiten der Spieler, sondern auch besonders auf Seiten der Trainer und andere Vereinspositionen führten historisch sicherlich auch mit zur Gründung dieser Vereine. In den vergangenen dreissig Jahren ist sehr viel schief gelaufen und diese Tatsache ein Teil des heutigen kollektiven Gedächtnisses. Zur Zeit machen wir, zwei Kommilitonen und ich, eine Reihe qualitativer Interviews zur Motivlage von Vereinsfunktionären »türkischer Fußballvereine«. Blog und später Ergebnisse hier: imabseits.org/projekt |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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