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Jenke von Wilmsdorff lässt sich nicht abschrecken, auch als ihm zwei wild gestikulierende Männer unmissverständlich klarmachen, dass er sich in Lebensgefahr begibt er führt seine Mission durch. Der Titel der Mission des Herrn von Wilmsdorff lautet dieses Mal: Menschenopfer und Kannibalismus in Afrika – gibt es das immer noch? Von Wilmsdorff ist Journalist in Diensten des RTL-Magazins „Extra“ und in dessen Auftrag in Ostafrika („Nur wenige Kilometer entfernt, an Kenias Traumstränden, verbringen tausende Deutsche jedes Jahr ihren Urlaub“) unterwegs. Der Mann, vor dem er gewarnt wird, ist ein „Zauberer“, der im Verdacht steht, reichen Kunden die Einnahme von menschlichen Körperteilen zu verordnen – Menschenopfer auf Rezept.
Für das wissbegierige RTL-Publikum konfrontiert von Wilmsdorff den „Mann, vor dem sich ein ganzes Land fürchtet“ mit knallharten Fragen. Dass dieser natürlich nur ausweichend antworten kann, kalkuliert der erfahrene Journalist ein, denn ein Geständnis vor laufender Kamera würde jenen die Freiheit kosten. Dennoch – dass es Menschenopfer gibt, ist – für von Wilmsdorff – Fakt. Und wo anders wäre dies vorstellbar als in Afrika, jenem dunklen Erdteil, dessen wundersame Gebräuche uns spätestens seit der WM (in Form der Vuvuzelas) nur allzu bekannt sind. Das ungläubige Kopfschütteln, welches der Beitrag nicht nur Birgit Schrowange, der Moderatorin des Magazins, sondern mutmaßlich auch dessen Zuschauern entlockt, drückt jedoch in Wahrheit eben nicht Ungläubigkeit oder Erstaunen aus, sondern Bestätigung á la „na hab ich's doch gewusst“. Denn was ist schöner, als sich im Angesicht solcher „Abgründe der Menschheit“ seiner eigenen Zivilisiertheit zu vergewissern: „Das sind doch keine Menschen, die so etwas machen...!“ – es erfordert kaum Fantasie, sich solche auf zustimmendes Raunen treffenden Sätze auf RTL-Deutschlands Sofas vor das geistige Auge (bzw. Ohr) zu rufen.
Wie kann ein Mensch einen anderen umbringen, um Teile seines Körpers zu essen und auf deren heilende Wirkung zu hoffen? Diese berechtigte Frage versucht der Beitrag nicht zu beantworten, der Zuschauer soll nicht mit Erklärungen gelangweilt werden – besser, er gruselt sich vor der scheinbaren Unergründbarkeit dieses Aberglaubens. Denn genau diese Unergründbarkeit, dieses „so ist das eben in Afrika“ erlaubt es dem Zuschauer, den hohen Grad der Zivilisiertheit seiner eigenen Gesellschaft der Grausamkeit und Irrationalität der afrikanischen „Stammesgesellschaften“ kontrastiv entgegenzusetzen. Würde der Journalist von Wilmsdorff dieser dunkel über seinem Beitrag schwebenden Frage tatsächlich versuchen nachzugehen, würde die Besatzung der RTL-Sofas zwar zum einen überfordert, zum anderen aber auch gezwungen, sich über die Menschlichkeit und die Rationalität ihrer eigenen Gesellschaft Gedanken zu machen. Und müsste sich – zugegebenermaßen einiges Reflektionsvermögen vorausgesetzt – Fragen stellen, die so lauten könnten: „Zeugt es von der Menschlichkeit unserer Gesellschaft, Schiffskapitänen Strafe anzudrohen, wenn sie verunglückte, um ihr Leben schwimmende Flüchtlinge retten?“ Oder: „Ist die TV-Liveübertragung des Orakelspruchs eines Tintenfischs, der das Ergebnis eines Fußballspiels voraussagen soll, ein Beweis für die Rationalität unserer Gesellschaft?“
Um das Weltbild der Zuschauer und deren Wahl des Lieblingssenders nicht herauszufordern, bleibt von Wilmsdorff und seinem Team aber leider nichts anderes übrig, als Afrika in der Schublade zu lassen. Und sie nur so weit aufzumachen, dass eine neue Schauergeschichte hineingezwängt werden kann.
Hier kann man den Beitrag sehen:
www.rtl.de/cms/information/rtl_extra/extra_ritualmorde.html?tc_r=rtlde_cms_rtlextra&
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Die RTL Gruppe hat die höchsten Einschaltquoten. Bei der Menge an Zuschauern, ist es vielleicht etwas problematisch Jedem die Couchpotato-haftige Dummheit anzudichten ;)
Natürlich bedient der Bericht Klischees, emotionalisiert und bewirkt eine Verallgemeinerung der Situation, das ist nunmal eine dem Privatfernsehen immanente Eigenschaft. Zwei Anmerkungen habe ich allerdings zu machen. Erstens; abseits der Traumstrände und Touristenhochburgen gibt es in vielen afrikanischen Ländern keine Arbeit, keine Bildung, kaum medizinische Versorgung. Das ist kein Klischee sondern Fakt. Ansonsten würde die sogenannte "dritte Welt" keine "dritte Welt" sein. Zweitens; fehlt es an Möglichkeiten einen Ausweg aus der eigenen desaströsen Lage zu finden, suchen die Menschen "Lösungen". Religiösität und das Wiederaufblühen von, uns obskur erscheinenden, Handlungen, welche die persönliche Situation verbessern sollen, tauchen doch überall auf der Welt in armen Ländern auf. Bsp. Irak: die Jugendlichen bekommen keine Arbeit, der Aufbau ihres eigenen Landes wird von amerikanischen Firmen mit pakistanischen Arbeitskräften durchgeführt. Na was erwartet man denn da was passiert? Gerade die jüngeren männlichen Personen machen ihrer ausweglosen Lage durch Wut und Aggression Luft. Kanalysiert durch die Hassprediger welche ein einfaches Feindbild vermitteln können. Wut und Verzweiflung waren schon immer eine mächtige Triebfeder in Religionen. Sie bieten einfache Scheinlösungen für komplexe Probleme und der ungeschulte Verstand adaptiert solcherlei nunmal leicht. Wir hier in Deutschland brauchen uns gar nicht auf die Schulter zu klopfen. Die sogenannte Ausländerkriminalität, ist vor allem auf die Situation in den Familien und fehlende Nutzung von Aufstiegsmöglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe zurückzuführen. Wer sagt jeder hier könne Abitur machen und studieren, verkennt schlichtweg, dass ein wenig mehr als nur der Wille dazu gehört. Sonst hätten wir nicht die Situation der starken Selektivität. PS: In Bezug auf die deutsche Couchkartoffel und der Überlegenheitsreaktion, diese findet doch nur bei Leuten statt die sich ihres eigenen begrenzten Horizonts nicht bewusst sind. Die unterscheiden sich also gar nicht so sehr von dem "dummen Buschmann" ;) |
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Dass ich nicht jedem RTL-Zuschauer eine "Couchpotatohaftige Dummheit andichten will, ist richtig, allein schon deshalb, weil ich ja auch zugeschaut habe - was ich leider nicht darauf schieben kann, dass ich im Vorhinein von dem Beitrag gewusst habe und ich Bock hatte, mich mal so richtig aufzuregen.
Deine Anmerkungen sind vollkommen richtig - eine Analyse der Gründe für solche Phänomene war aber eben nicht mein Anliegen (womit ich im Einklang bin mit den RTL-Leuten), ich wollte mich einfach mal über diese (natürlich nicht neue) Schubladenstopferei aufregen...! |
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Da könnte man fast Anhänger der Homöopathie werden, da reicht ein Menschen für den ganzen Kontinent (geht aber sicher durch keine Ethikkomission).
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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