HerrBenny

HerrBennys Blog

08.12.2009 | 16:00

Der ganz normale GEZ-Wahnsinn

Die GEZ ist nicht sonderlich beliebt, man könnte sogar sagen verhasst. Das liegt auf der einen Seite in der Natur der Sache, denn wer hegt schon Sympathien für eine Institution, deren ausschließliche Aufgabe es ist, Gebühren einzutreiben; auf der anderen Seite hat die GEZ aber auch durch fragwürdige PR-Strategien (etwa die Androhung, alle Gebührensünder ins Gefängnis zu stecken und dort von Schwulen vergewaltigen zu lassen) ihre Seriosität selbstverschuldet eingebüßt.

Kein Wunder also, dass, als heute angekündigt wurde, die GEZ plane nun auch die volle Rundfunkgebühr auf Computer und Smartphones zu erheben, ein Aufschrei durch die digitale Welt ging. Dabei waren jedoch die meisten Argumente ebenso falsch wie unsachlich. Das Hauptgegenargument, die GEZ-Gebühren würden jetzt noch teurer, stimmt schlicht und einfach nicht. Denn der Höchstsatz von €17,97 pro Monat bleibt bestehen und das bedeutet, wer diese Gebühren sowieso schon für seinen Fernseher zahlt, ist von der geplanten Änderung also gar nicht betroffen. Ob es böse Absicht ist, dass diese Tatsache weder von oben verlinktem ZEIT-Artikel noch von diversen anderen Beiträgen zu diesem Thema erwähnt wird? Falls nicht, hielt man die Leser wohl für schlauer als sie tatsächlich sind, was die Kommentare unter diesen Artikeln belegen.

Die Änderungen betreffen als nur Leute ausschließlich ein rundfunkfähiges Handy oder einen Computer besitzen. Und dann ist die Frage doch berechtigt, ob es bei diesen Leuten nicht wahrscheinlich ist, dass sie diese Geräte auch zum TV- und Radioempfang nutzen.

Die vorgebrachten Kritikpunkte sind also der falsche Ansatz. Man müsste viel eher fragen, ob die öffentlich-rechtlichen Sender sich nicht verpflichten müssten, ihr Angebot auch tatsächlich allen Nutzern solcher Geräte zugänglich zu machen, bevor sie Gebühren dafür verlangen. Von phoenix.de und tagesschau.de abgesehen, bieten die öffentlich-rechtlichen (Fernseh-)Sender so gut wie keine Livestreams im Internet an. Wer die Angebote nutzen möchte, kann dies entweder nur zeitversetzt tun (und dann meist auch noch für einen begrenzten Zeitraum) oder muss sich zusätzliche Soft- oder Hardware besorgen.

Das wäre der GEZ vorzuhalten. Sie kann nicht neue Gebühren erheben, weil sich das Nutzungsverhalten ändert, solange sich die öffentlich-rechtlichen Sender weigern, sich diesen neuen Medien voll und ganz anzupassen. Denn genau das wäre die Aufgabe dieser Sender und ein Grund, ihnen weiterhin Gebühren zukommen zu lassen: Dass sie die veränderten Nutzungsbedingungen anerkennen und daher ihren Grundversorgungsauftrag auch im Internet wahrnehmen.

 
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Kommentare
Maike Hank schrieb am 08.12.2009 um 16:54
Auf zattoo kann man so ziemlich jeden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender schauen. (Dies bedeutet nicht, dass ich auf der Seite der GEZ stünde, aber vielleicht finden Sie den Link ja praktisch.)
HerrBenny schrieb am 08.12.2009 um 17:02
Danke für die Anmerkung, Zattoo fiel für mich unter die Kategorie "zusätzliche Software". Es ist also nicht so einfach wie beim Fernsehen (man braucht einen Fernseher und ein Kabel), da Computer und Internetzugang zum fernsehen nicht ausreichen. Davon abgesehen, kennen viele diesen Service nicht und er unterliegt sehr strikten Länderbeschränkungen.
Maike Hank schrieb am 08.12.2009 um 17:38
Das läuft aber auch im Browser, allerdings muss man sich auch dafür einmalig einen Account zulegen.
HerrBenny schrieb am 08.12.2009 um 17:45
Ah okay, das mit dem Browser wusste ich noch nicht.
weinsztein schrieb am 08.12.2009 um 17:50
Lieber HerrBenny,

die öffentlich-rechtlichen Sender würden gern ihrem Grundversorgungsauftrag auch im Internet nachkommen, aber sie werden unter Androhungen daran gehindert. Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) hat bereits 2002 bei der EU-Wettbewerbskommission beantragt, den Internetauftritt der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu beschränken. Vorgeworfen wurde, man erfülle im Internet mit Gebührengeldern teilweise Aufgaben, die auch die Privatwirtschaft übernehmen könne. Die öffentlich-rechtlichen Sender argumentierten dagegen, dass sie für eine demokratische Öffentlichkeit sinnvolle Aufgaben erfüllten, diese immer kostenfrei erfolgten und sie in ihrer Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt wären, dürften sie das nicht („Medienkonvergenz“).

Der Entwurf für den neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag sieht vor, die Internet-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender schärfer zu begrenzen. Die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Monika Piel, erklärte dazu im Juni 2008: "In ganz Europa gibt es kein Land, das seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Internet derart im Detail einschränkt wie es im Entwurf für den neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag vorgesehen ist."

Sie sehen also, lieber HerrBenny, ganz so einfach ist das alles nicht. Zumal die Ministerpräsidenten mit Herrn Koch an der Spitze sich den Interessen der Pivaten ganz besonders nähe fühlen.

weinsztein
HerrBenny schrieb am 08.12.2009 um 18:14
Lieber weinsztein,

Sie haben teilweise Recht. Mein Blogeintrag behauptet aber nicht, dass die öffentlich-rechtlichen Sender bestimmte Angebote nicht anbieten wollen. Er wirft lediglich die Frage auf, ob man volle Gebühren für (egal ob freiwillig oder gesetzlich vorgeschriebene) eingeschränkte Angebote fordern darf/sollte. Oder umgekehrt: Wenn die kompletten Gebühren erhoben werden, wäre es dann nicht angemessen, dass ich nur "zdf" bei Google eingeben muss und dann direkt auf der Startseite einen Livestream starten kann?

Außerdem beziehen sich die von Ihnen genannten Punkte meines Wissens nach eben "nur" auf die zeitliche Begrenzung bestimmter Beiträge in der Mediathek (was nur einen kleinen Aspekt meiner Argumentation betrifft) sowie die Befürchtung, GEZ-Gebühren könnten für redaktionelle Inhalte benutzt werden, die ausschließlich online verfügbar gemacht werden und so Zeitungsverlagen etc. Konkurrenz machen (was überhaupt nicht Bestandteil meiner Argumentation ist).
weinsztein schrieb am 08.12.2009 um 18:24
Sehen Sie meinen Kommentar doch als Ergänzung zu Ihrem blog und freuen Sie sich.
HerrBenny schrieb am 08.12.2009 um 18:29
Ich freue mich über alle Kommentare! :)
weinsztein schrieb am 08.12.2009 um 18:44
ja, und so kommen schon einige zusammen
Achtermann schrieb am 08.12.2009 um 20:08
Ein Grund für diese Vorgehensweise sind die sinkenden Zwangsgebühren. Nahmen ARD und ZDF 2007 noch 7,3 Mrd. Euro ein, so waren es im darauffolgenden Jahr 38 Mio Euro weniger. Diese Tendenz zeigt sich schon länger. Die kommenden zwei Jahre sollen die öffentlich-rechtlichen Sender mit weiteren Mindereinnahmen rechnen müssen. Bis zu insgesamt 400 Mio. Euro von 2009 an gerechnet. Eine Hauptursache ist die Einführung der Hartz-Gesetze, die verwaltungstechnisch einfacher zu einer Gebührenbefreiung führt. Auch die Abnahme der Haushalte, sei es durch demographischen Wandel oder durch zunehmende Verarmung, trägt zu dieser Entwicklung bei.

Folglich sinnen die Ministerpräsidenten u.a. darüber nach, diesen Staatsfunk, der immer noch unabhängig genannt wird, zu päppeln. Dazu gehören soll auch die Umkehr der Beweisführung über das Vorhandensein eines Fernsehapparates in den eigenen vier Wänden. Der an sich harmlose Bürger soll künftig gegenüber der GEZ beweisen müssen, dass er keinen Fernseher zu Hause rumstehen hat. Weitere Ideen der Gebühreneintreiber werden folgen.
Jan Jasper Kosok schrieb am 09.12.2009 um 11:52
Ich tue mich bei diesen Gebühren genauso schwer wie zB bei den Studiengebühren. Im Endeffekt soll man mehr zahlen, ohne dass sich etwas bessert. Das leuchtet den wenigsten ein, mir ebenfalls nicht.

Vor allem, weil es eine Fülle von Möglichkeiten gibt, das gesammelte Geld nützlicher einzusetzen. Etwas, was man sich vorwerfen lassen muss, wenn man Geldeintreiber und vor allem Verteiler ist.

Kleiner, weiterer Link, der mir gerad unterkam:

www.medienrauschen.de/archiv/pauschal-abgerechnet/

Nicht viel Neues, aber vorenthalten muss man ja auch nichts.
Jonathan Lütticken schrieb am 09.12.2009 um 12:09
Weitere kleine Ergänzung: der ebenfalls durch öffentliche Gelder finanzierte Sender ARTE bietet auf Arte+7 ebenfalls große Teile seines Programms online an.
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