hibou

...ist Knochenarbeit

11.03.2010 | 07:07

Hotel Naipaula: ein alter Hut - die Mauer!

Im Zimmer 1361 baut Oben zur Feier des Tages eine Mauer, die das ganze Zimmer diagonal in zwei Teile teilt. Schiessbefehl gibt es aber keinen, und so klettern Naipaulas Blagen ständig hin- und herüber......ab und zu werden unter grössten Geheimhaltungsmassnahmen Spione ausgetauscht, einer davon hatte aus Versehn im Kühlschrank übernachtet ("...der aus der Kälte kam"), manche, da Doppelagenten, wissen weder her- noch hinüber..... Rechts gibt der Spasti Joe Cocker ein Konzert, links die Puhdies......oh, Jenny, die Welt reisst von der Leine!
Das Zimmer ist extra ausgestaltet worden: im Westen ungenutzte Brache mit Hütten und Draht. Der blinde Homer wankt hilflos durchs Meldengestrüpp. Im Osten ein Einheitshorizont aus Blockbauten. Merkel lässt die Sättigungsbeilage liegen.
Naipaula hat jetzt den Sony-Konzern gebeten, das Ganze neu zu gestalten. Wir sind doch nicht bescheuert! sagen die auf japanisch, müssten alles 15 Jahre später sowieso wieder abreissen!

Im Nebenzimmer entblöden sich einige Deutsche nicht, den Mauerfall vor 20 Jahren lautstark zu feiern, trinken dabei Galonen von Export ("Exportweltmeister") und fluchen ausgiebig aufs Heute. Leider hat der Britische Gouverneur nach dem Null-Toleranz-Rauchverbot noch immer kein Nachtfluchverbot erlassen.

Oben sinnt darüber nach, was die Wiedervereinigung wohl gebracht hat. Ah ja, die Abwrackprämie! Und endlich kämpfen deutsche Truppen wieder! Manche möchten (ehm, übrigens im Gegensatz zu weiland Egon Krenz) dass diese es auch im Inland wieder dürfen. Ihm kommt das historische Gesetz in den Sinn, welches sagt, dass auf Dauer immer die scheinbar "Unterlegenen" obenauf geraten.....

Zimmer 1358 ist für Joseph Beuys reserviert. Dieser ist in der übrigen Welt sterblich, in Grand Turk aber unsterblich. Neulich äusserte er sich zum Mauerfall ungefähr so: "Die Betrachtung der Berliner Mauer, aus einem Gesichtswinkel, der allein die Proportion dieses Bauwerks berücksichtigt, dürfte doch wohl erlaubt sein. Entschärft sofort die Mauer. Durch inneres Lachen. Vernichtet die Mauer. Man bleibt nicht mehr an der physischen Mauer hängen. Es wird auf die geistige Mauer hingelenkt, und diese zu überwinden, darauf kommt es wohl an... Spontan entstehende Frage: Welches Wesensglied in mir oder anderen Menschen hat dieses Ding entstehen lassen? Wieviel hat jeder von uns zum Möglichsein dieser Mauer beigetragen und trägt weiter bei? Ist jeder Mensch ausreichend am Verschwinden dieser Mauer interessiert? Welche antiegoistische, antimaterialistische, welche wirklichkeitsgemässe geistige Schulung bekommt der junge Mensch, diese jemals zu überwinden? Quintessenz: die Mauer als solche ist völlig unwichtig. Reden Sie nicht so viel von der Mauer! Begründen Sie durch Selbsterziehung eine bessere Moral im Menschengeschlecht, und alle Mauern verschwinden."
Schön spricht der Beuys über Mauern.

 

 

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 11.03.2010 um 13:21
Wirklich eine heiße und tolle Schreibe. Originelle Ideen! Wow! Weiter so!

Herzliche Grüße

rr
archinaut schrieb am 11.03.2010 um 23:43
"Merkel lässt die Sättigungsbeilage liegen."...
Dein neues Rätsel entlässt mich zweifelnd und zagend in sternlose Verwirrung, weglose Ratlosigkeit gar......
Logbuch
16:08
merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:02
merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:02
rolf netzmann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Jacob Jung hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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