holstebro

[...]

Kommentare

Kommentar zu

Watschen mit Gesang

Kultur | 04.03.2010 | 05:00 Jörg Magenau
portrait
04.03.2010 | 12:43 holstebro
Wenn Roland Barhes Recht hatte, und die einzige Aufgabe der Kritik darin besteht, dem Autoren auf die Schliche zu kommen und ihn als Fixpunkt, ja heiligen Gral ihrer Arbeit versteht, dann muss der Tod des Kritikers auch gleich den Tod des Autoren beinhalten. In dieser Hinsicht sind ja nunmal alle verknüpft, die im Diskursfeld Kultur überhaupt zu Gange sind (müßig zu fragen, auf welches Element in diesem Netzwerk verzichtet werden könnte). Was merkwürdig erscheint, sind die sogenannten Machtspiele, die überhaupt nichts mit Vernichtung oder subjektiver Objektivität zu tun haben, sondern im Grunde nur Katalysatoren des Diskursnetzes sind: Man zitiert sich gegenseitig herbei, bringt Texte, Aussagen und auktoriale Fixpunkte im kulturellen Feld unter, und wer hier was zu sagen hat, hat nunmal nichts mit einer Herausgeberschaft, einer verletzenden Erfahrung oder einer bestimmten Herkunft mitsamt Sprachvermögen zu tun. Sich im Kulturbetrieb immernoch am Kampf der Giganten zu ergötzen, ist pure und archaische Nostalgie. Was sich aber wie oben zu Protokoll gegeben abspielt, ist lediglich eine Versumpfung unter der Schirmherrschaft des Narzissmus, der den Unetrhaltungswert von Dramödien aufbringt, mit Kultur aber (hoffentlich, hoffentlich), nichts zu tun hat. Und ein weiteres Mal muss man die Abschaffung der Biographien fordern, die uns ja ach so sehr beherrschen wollen und im Grunde nur eines Produzieren: Heiße Luft und Langeweile. Die Giganten müssten ihre Kämpfe nun auf der Couch und mit Rorschach ausfechten, wenn sie weiterhin an das glauben, was allgemein Erfahrung genannt wird. Und das ist moralisch fast schon verwerflich.
portrait
11.12.2009 | 12:46 Megan Fox-Smith
klingt alles nach william gibson
portrait
26.02.2010 | 14:32 holstebro
ganz sicher, gibson ist im grunde auch einer der großen denker des posthumanen überhaupt. ihm ist sicherlich vieles dessen zu verdanken, was heutzutage so als zukunft gilt.
Kommentar zu

Der Vorher-Nachher-Effekt

Kultur | 21.02.2010 | 10:45 Christine Fischer
portrait
23.02.2010 | 11:15 holstebro
Man muss ja kein Hellseher sein, um ein Festival für Filme wie die Berlinale vorher genauso langweilig zu finden wie nachher. Dass es sich um fortwährend auf "pc" und Künstlersolidarität (andere sprechen von Klüngelei) gebürstete Abläufe handelt, entweiht im Grunde jede Veranstaltung, in der man sich von der Kunst, und besonders dem Film, etwas erhofft. Nur, weil Preise vergeben werden, laufen dort noch lange keine guten Filme. Und dass ein Preis keinen Film je besser gemacht hat (wie auch?), ist denke ich in der Tautologie von Filmvestivals und deren Beiträgen ohnehin angelegt. Man kann also mitschwimmen, begeistert sein, oder man kann angewiedert sein von dem Drumherum und dann nachher einen Verriss schreiben, der die Filme für ihre Boulevard-Güte lobt (Skandal! als Qualitätsmerkmal?), den man auch vorher hätte schreiben können. Man weiß ja, wie sowas läuft. Insofern ein überflüssiger Artikel. Aber er befriedigt mein veoyeuristisches Verriss-Bedürfnis. Danke dafür. Spart das Geld für die Gala. So und so gesehen.
portrait
03.11.2009 | 21:22 holstebro
Liebe Verena, künstlerisch gesehen ist das self-made ja immer wünschenswert, besonders für den/die KünstlerIn, insofern ist es in jeder Form zu begrüßen, wenn MusikerInnen sich von keinem Label in ihr Werk reinquatschen lassen. Auch das war mal der Grundgedanke von DIY, des Hardcore, Punk und Metal (weiterhin, leider, männliche Domäne), der in vielen aus der Zeit hervorgegangenen Labels jedoch von Majors geschluckt wurde (rühmliche Ausnahme spontan: Epitaph). Gerade in Zeiten der Vernetzung und der sich kaum lohnenden Produktions- und Aufnahmekosten für viele ein interessanter Weg (siehe zuletzt sogar ein Anbiedermann wie Westernhagen). BTW: Was ist in diesem Zusammenhang eigentlich von Soap&Skin zu halten? Weiterhin danke für die Veröffentlichung interessanter Acts und Strömungen, h.
Kommentar zu

Wo bleibt der Mittelfinger?

Alltag | 19.10.2009 | 14:00 Verena Reygers
portrait
19.10.2009 | 18:41 holstebro
Ein Hauptpunkt der Feminismuskritik bei Judith Butler war ja die fortwährende Dichotomisierung des Materie-Geist-Verhältnisses, das der Feminismus im Umkehrschluss zum Patriarchat ja weiterhin betreib...
portrait
29.10.2009 | 12:06 holstebro
Liebe Verena, von Difamierung weiblicher Künstlerinnen habe ich in deinem Artikel auch nichts bemerkt, lediglich die Unterschlagung der hohen kreativen Leistung durch die Forderung plakativer und anscheinend öffentlichkeitswirksamer Attitüde. Das klang mir alles zu präskriptiv, das klang nach "Du bist Frau, du sollst dieses und jenes, wenn du dieses und jenes wilst". Das klang nach klarer und dichotomer Geschlechterkategorie (Frau sein) und hat mit gender nichts zu tun. Wenn ein Act wie Amanda Palmer auf der Spiegel-Online-Homepage Artikel und Videobeitrag erhält, dann hat er es geschafft. Selbst Kittyo, Florence and the Machine, Ebony Bones und andere sind dort repräsentiert und öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt. Was Yo! Majesty auf jeden Fall auch gebühren würde, aber das ist wohl doch zu krass für die großen Spieler der Öffentlichkeit. Und ja, anscheinend kommt Pop immernoch von populär.
Kommentar zu

Wo bleibt der Mittelfinger?

Alltag | 19.10.2009 | 14:00 Verena Reygers
portrait
19.10.2009 | 18:41 holstebro
Ein Hauptpunkt der Feminismuskritik bei Judith Butler war ja die fortwährende Dichotomisierung des Materie-Geist-Verhältnisses, das der Feminismus im Umkehrschluss zum Patriarchat ja weiterhin betreiben wollte. Einfach gesagt: Der Feminismus beschreibt weiterhin Normen des Geschlecht-Seins, jedoch in seiner Neudefinition von Körper und Geist in Bezug auf Weiblichkeit. Der Vorschlag Butlers, sich aus Dichotomien zu lösen und sozusagen "Gender" mit einem "doing" zu versehen, leuchtet mir persönlich stark ein. Dass die Performativität des Selbst, den eigenen Körper, das eigene Sein und die eigene Geschlichtlichkeit bestimmt, quasi eine Selbsttechnik wird, die das Geist-Materie-Verhältnis aus dem Nichts ins soziale Netz hinein befördert und so die Machtverhältnisse unterläuft, halte ich für eine zukunftsweisende Haltung, die neuen Körperlichkeiten und genderisiertem verhalten gerechter wird als die weiterhin etwas unbewegliche feministische Haltung. Der Artikel firmiert zwar unter der "gender" Rubrik, macht aber den Fehler, das Sein aus dem Sollen abzuleiten. Natürlich kann man Wünsche äußern, wie sich Weiblichkeit in der Popkultur zeigen und etablieren sollte. Allerdings darf man, wie ich oben schon erwähnte, damit nicht die bestehenden und aus meiner Sicht sehr zu begrüßenden Entwicklungen klein halten mit dem Argument, dass die plakative Geste (und damit die starre Dichotomisierung) wieder Einzug in die Geschlechter-Kultur Einzug nehmen sollte. Die kreative Garde popkultureller Weiblichkeit dominiert den kreativen Sektor gerade derart, dass es meiner Meinung nach keinen besseren Multiplikator der Weiblichkeit geben kann. Die Gender-Frage hat ja dann ihr Ziel erreicht, wenn Geschlecht als soziale Kategorie überwunden ist. Dafür leistet der Artikel leider keinen Beitrag. Noch bedauernswerter: Er unterschlägt, untergräbt und missbilligt jede Entwicklung dieser Art, die sich gerade im Pop vollzieht. Und das kann, bei aller Sympathie für das Anliegen, nicht gutgeheißen werden.
Kommentar zu

Wo bleibt der Mittelfinger?

Alltag | 19.10.2009 | 14:00 Verena Reygers
portrait
19.10.2009 | 14:44 holstebro
Der Artikel hat sicher seinen Punkt gemacht und das auch mit Recht, wobei es da sicher nicht um neue Haltungen geht, gerade, wenn in der popkulturellen Vergangenheit rumgestochert wird. Da kann man sich gleich eine Band wie die Sex Pistols oder KISS zurückwünschen, wenn es um Attitüde geht und die 90er nunmal vorbei sind - und mit ihnen alles, was davor war. Der Verweis auf die feminisierung der Bereiche Indie und Electro ist sicher aller Ehren wert und warum braucht es die plakative Geste, wenn doch die Kreativität von Little Boots, LaRoux, Gossip und Lady Gaga für sich sprechen? Ganz zu schweigen von selbstbewusst weiblichen Acts wie Yo! Majesty, Fagget Fairies oder Amanda Blank, die in dem Artikel gar nicht erwähnt werden. Was bleibt ist die mindestens 15 Jahre alte Forderung, Plastik durch Organik zu ersetzen, Athentizität gegen Künstlichkeit, Haltung gegen Konformismus. Das sind Dichotomien des 20. Jahrhunderts, die gute Musik-Acts nicht mehr brauchen. Im Sinne auch der Gender-Performativität kann man sich ob der gegenwärtigen Dominanz kreativer Weiblichkeit auf allen Frequenzen nicht beschweren. Da kann man auch getrost auf Mittelfinger verzichten, solange man stilsicher auftritt wie MIA, Santogold oder La Roux es tun.
Kommentar zu

Sabotage

Kultur | 30.09.2009 | 12:00 Axel Minge
portrait
02.10.2009 | 09:47 holstebro
Der Film ist sicherlich auch als frontaler Schlag ins Gesicht des Neo-Nazismus gedacht, zumal er sich nich in moralisierender Hinsicht präsentiert, sondern einfach die finale Hölle ausbrechen lässt, in der nichts und niemand sich auch nur ein Stück weit mit reiner Weste oder lauteren Statuten präsentieren kann. Das ist Krieg, das ist selten so gezeigt worden. Von Überzeichnung, von Comichaftigkeit zu reden, ist vielleicht formal angebracht, allerdings verfehlt es meiner Meinung nach den Kern des Unternehmens. Selten hat ein Film sich getraut, Krieg ohne Moral zu zeigen. Das und ein Hitler, der wild gestikulierend, mit den Insignien der Hybris (Purpurumhang!) ausgestattet sich nicht in Überambition ergraut seinem Niedergang hingibt, alleine, verloren. Da gibt es kein Halten, keine Identifikationsmöglichkeit. Natürlich ist das nichts für die Rechte Szene. Tarantino zu unterstellen, dass seine restlichen Filme dazu durchaus taugen würde, in der rechten Szene Anklang zu finden, halte ich für wenig hilfreich in diesem Artikel. Selbst die Elemente (schlichte Typen, viel Gewalt), die gerne schablonenhaft auf "den" Rechten anziehend wirken sollten, zeichnen ein wenig auf Erklärung abzielendes Bild. Was sich die Junge Freiheit (mal wieder) allerdings an undifferenzierten Verkorkstheiten leistet, ist abermals unerträglich und in erschreckender Nähe zu Jens Jessens Rezension des Films in der "Zeit". Der Fehler im Umgang mit diesem Film liegt in der moralischen Haltung gegenüber seiner Amoralität. Die Rechte Seite scheint sich das aneignen zu wollen. Dazu sollte es nicht kommen. Nietzsche, hilf!
holstebro
Sagen Sie, sind Sie nicht der.. nein? Sie sehen ganz anders aus, also im Fernsehen...
Mitglied seit:
2 Jahre 43 Wochen
Zuletzt aktiv:
04.03.2010
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 6
Kommentare: 16
Logbuch
01:27
xxm hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:11
xxm hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:05
DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
01:04
Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:38
luggi hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG