Endlich! Ein Beitrag, wenn auch nur eine kleine Schrift, zu Europa, zur europaeischen Kommission von Enzensberger. Kein Politikwissenschaftler, kein Soziologe - nein, Enzensberger. Die paar Dutzend Seiten lesen sich schnell und irgendwie erinnern sie mich an eine andere kleine Schrift, die von Stephane Hessel; jenes "Empoert euch", das die Demonstranten von Madrid bis Berlin auf Plakaten vor sich hertragen.
Nicht nur im Umfang aehneln sich beide Werke, auch im Ton. Der ist naemlich ueberaus "sanft". Fast schon grossvaeterlich steigen beide von ihren intellektuellen Hoehen herab, um ihren Anliegen etwas Gehoer in dieser gleichgueltigen Welt zu verschaffen. Man koennte auf die Idee kommen, dass sich beide sogar abgesprochen haben. Hessels sanftes Gefluester bringt die Jugend auf die Strassen. Enzensberger treibt sie weiter nach Bruessel.
Sanft sind die Schriften und auch irgendwie wohltuend. Fast schon wie Hustenbonbons gegen die Verklaerung. Endlich darf man mal etwas dagegen sagen! Gegen das sanfte Monster und die Gleichgueltigkeit. Aber irgendwie scheinen beide doch nur Theater.
Theater - das sind die letzten Seiten in Enzensbergers Schrift tatsaechlich. Dort, was wohl die besten Seiten des Werkes sind, bettelt ein Generaldirektor aus der Europaeischen Kommission den Gelehrten darum nicht allzu hart ins Gericht zu gehen. Dabei war alles doch nur ein Probeschauspiel - wusste er das denn nicht?
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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