hrabal

Blog von hrabal

17.02.2010 | 14:15

Ein ägyptischer Muslim rechnet mit der islamischer Realität ab. T.1.

 

Ich bin zum Wissen konvertiert“. Ein schlanker, leicht gebeugter Mann blickt ohne Lächeln ins Publikum. Der Schriftsteller und Politologe Hamed Abdel-Samad, geb. 1972, stellt in Stuttgart seine Autobiographie vor. Die meisten im Saal kennen ihn nicht, sie wollten hauptsächlich die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyram Ates hören. Und jetzt dieser grimmige Ägypter. Der Buchtitel verrät nichts - „Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland“.
  Schon seine ersten Worte weckten mein Interesse. Das Thema dieser Veranstaltung war Koran und seine Relevanz für das Leben der Muslime. Abdel-Samad argumentierte kompetent und wissenschaftlich und als er zu seinem Buch überging, wurde es richtig spannend. Sein eigenes Leben dokumentiert sehr beeindruckend die Tragik einer unaufgeklärten Gesellschaft.                                                                          Hamed Abdel-Samed hat einen langen Weg hinter sich. Sein Ringen mit dem islamischen Glauben und sein langes Suchen nach der Freiheit führten ihn in die deutsche Emigration, wo er Politologie studierte und heute im Institut für jüdische Geschichte und Kultur in München arbeitet.
    Europa, meinte er im „Tagesspiegel“, geht mit dem Islam ziemlich unbeholfen um. Er selbst beurteilt heute die islamische Gesellschaft pragmatisch und ohne Illusionen. So konnte ihn auch das Minaretteverbot in der Schweiz nicht überraschen. Er ist eher erleichtert. Endlich wagte es, nach den Dänen, ein anderes Land das heilige Tabu der heuchlerischen und verlogenen Toleranz zu brechen. Er persönlich ist den beiden Ländern dankbar.
     
Aus Angst oder aus politischem und wirtschaftlichem Kalkül wird eine Appeasementpolitik gegenüber dem Islam betrieben, während die Ängste der eigenen Bevölkerung aus der politischen Debatte ausgeblendet werden.“ (Tagesspiegel 1.12.09.)                                             Auch seinen Landsmann, den ägyptischen Schriftsteller Alaa al-Asvani, überraschte die Schweizer Entscheidung in keiner Weise. Seiner Meinung nach ist das kein europäisches Problem, in diesem Fall haben eher die Muslime ein Problem. In seinem Interview für die Stuttgarter Zeitung (1.12.09) sagt er:
   „Ich habe keinen Zweifel, in Deutschland hätten noch mehr Leute gegen Minarette gestimmt....Wie der Islam in der Welt wahrgenommen wird, liegt primär in unserer Verantwortung...“
 
Für die Muslime sieht al-Asvani nur einen Weg: kein Klagen und kein Jammern, „es ist unsere Pflicht, bei uns selbst zu beginnen. Und die Lösung ist: Demokratie.“ Wie soll das gehen?     Solche Träume hegt sein Landsmann Abdel-Samad nicht, sein Leben hat ihn mit der islamischen Realität brutal konfrontiert. Für irgendeine Träumerei blieb da kein Platz. Als er sich im Jahre 1995 entschlossen hat, das Land zu verlassen, floh er hauptsächlich vor der körperlichen und geistigen Gewalt, vor der grausamen Tyrannei der patriarchalen Moral.
    Er wollte frei sein und ahnte nicht, welchen Preis er zahlen wird. Er ahnte nicht, welche Ketten er mit sich schleift und wie hart und beschwerlich ein „Übergang“ aus dem islamischen Mittelalter in die westliche Demokratie sein wird. Die Vergangenheit schleift man überall mit sich. Es war eine bittere Erfahrung. Er braucht viel Mut um sich einzugestehen, dass sein altes, ägyptisches Ego in Scherben liegt und diese Bruchstücke in der fremden westlichen Demokratie nicht zu gebrauchen sind. Er muss, wie er selbst formuliert, sein Leben neu erfinden. Das Wörtchen „Integration“ hat er nie gehört. Zu seiner 'Wiedergeburt', wie er das empfand, musste er sich durch-leiden und durch-kämpfen. Aus dem Kampf kam ein gebrochener Sieger hervor.

Sein Buch entstand als ein Ventil für seine überforderte Seele. Der ursprünglicher Titel sollte „Mein Abschied vom Gott“ lauten, aber sei ägyptischer Verleger riet ihm zu mehr Vorsicht, also entschied er sich für den neutraleren „Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland.“ Seine Autobiographie ist ein bemerkenswerter Kraftakt. Er schont weder sich selbst, noch die Anderen und verschleiert auch die dunkelsten Ecken der rückständigen Clangesellschaft, ihre Heuchelei und Grausamkeit. „Eine der schrecklichsten Erinnerungen meiner Kindheit war der Anblick meiner Mutter, die vor Füßen meines Vater kniete...und ließ sich von ihm mit Füßen und Händen schlagen.“ Der Vater nutzte ein Baumbusstock, der hinterließ keine Spuren. <!-- @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } -->

Die Spuren an der Seele waren nicht sichtbar und zählten nicht.

Der gerade vierjährige Hamed wurde auf einem Hinterhof in Kairo von einem Siebzehnjährigen vergewaltigt. In der muslimischen Gesellschaft, wo die Frauen 'unsichtbar und unexistent' sind, keine Seltenheit.

Es ist nicht nur die Geschichte von damals, sondern auch die meiner Angst, der Enttäuschung und der Hilflosigkeit von heute.“

Der Junge war verwirrt und beschämt. Er schwieg und litt und wehrte sich auf seine Art. Er nahm eine Schleuder und schoss auf die Spatzen. Seine Wut würgte ihn weiter, also tötete er die Vögel mit eigenen Händen, oder, was noch besser war, er ließ die Tiere unter seinem Bett langsam sterben.

Der langsame Tod eines Spatzen unter meinem Bett war für mich der höchste Genuss.“ Das war die seine erste Flucht.

_Einige Jahre später wurde er wieder vergewaltigt, diesmal von seinen 'Kameraden'. Er verstand, dass man dagegen nichts machen kann. „Ich wollte nicht mehr über mein Leben nachdenken und einen Sinn suchen.“ Da flüchtet sich das Kind Hamed das zweiten Mal.

Hamed Abdel-Samad wuchs in einem kleinem Dorf, ohne Strom und Wasser auf. Sein Vater war ein Imam, also eine geachtete Person und der Koran bestimmte das Familienleben. Der kleine Hamed fing schon mit drei Jahre an, die Suren auswendig zu lernen. Sein Vater war ein strenger Lehrer und das Vortragen aus Koran war ein von den wenigen Kontakten zwischen dem Vater und ihm, neben dem Baumbusstock. Der Junge versteht vieles nicht, aber – maulen über das Wort Gottes? „Halt deinen Mund, du Sünder, möge Gott dir verzeihen.“ Er sollte der nächste Imam werden, ein massiver Druck für das Kind.

Das Leben im Dorf verlief nach grausamen mittelalterlichen Clansitten. Hamed muss immer wieder zusehen, wie alle soo netten Nachbarn, auch sein Vater, zu grausamen Rächer und Züchtiger, werden. Immer im Namen einer unverständlichen, unsichtbaren Ehre! „Wozu der Schmerz und das Leid?“ Fragen und keine Antworten. Und Liebe? Hamed kann sie nirgendwo sehen und spüren. Mütterliche Umarmung, liebkosende Vaterhand, undenkbar.

Das größte geheimnisvolle Problem bleibt Sex. Was war das? Die Masturbation, die Dorfnutte ? Der Koran war keine Hilfe, er hat dem Unsicheren eher Angst eingejagt. Da steht klar:

Wer sich selbst mit der Hand befriedigt, ist einem Mann gleich, der seine Mutter begattet hat.“ Sein Zweifeln nahm kein Ende. Machten ihn die Vergewaltigungen homosexuell? Bei einem Verwandtenbesuch hat ihn der Blick auf einen kleinen schlafenden Jungen erotisch so aufgewühlt, dass er sich erst im letzten Moment beherrschen konnte. Es war ein Schock. Er flüchtete und weinte die ganze Nacht.

Angst und Ratlosigkeit, Angst und Hass. Wohin mit dem uferlosen Hass? Soll er den Vater, die Familie, das Dorf hassen, nein, an so was darf er nicht mal denken, das ist gottlos. Aber, da war ein Ausweg! Es gab ein kollektiver, erlaubter Hass, der alle anderen Hassgefühle aufsaugte - der muslimische Hass gegen Israel.

Wie schön, dass wir Israel haben: ein potenter Gegner, der uns ständig nervt. In der Schule lernte ich, dass Israel unser Erzfeind ist.“

Für eine Weile hat das geholfen. Dann kehrte die Unruhe zurück und er sucht weiter nach einem festem Punkt. An der Universität in Kairo entdeckt er eine neue Religion, ohne den grausamen Gott – den Kommunismus. Also wird er ein Kommunist, ein ziemlich lauer. Immerhin entdeckt er, dass ein Leben ohne Allah möglich ist. Dann aber machte Gorbatschow dem kommunistischen Traum ein Ende und Hamed stand wieder da. Aber dann hat sich doch was bewegt.

Neben seinem Studium arbeitete er in einem Reisebüro am Flughafen. Unter den ersten Kunden war eine deutsche Familie und er hat sie durch sein Land begleitet . Und da erlebte er seinen ersten persönlichen Urknall. Er kam das ersten Mal mit der westlichen Lebensweise in Berührung. Diese Leute betrachteten alles ganz anders. Er konnte nur staunen. Plötzlich sah er ein ganz anderes Ägypten. Sind die Straßen wirklich so dreckig und laut? Die lästigen Straßenhändler und Bettler, die kreischenden Kinder, alles ging ihm auf die Nerven. Er war verwirrt und er schämte sich. Dazu noch der Deutsche und sei Ewiges..'Ich verstehe nicht, warum..' Er fing an, ihn zu hassen.

Dann der Schock mit der Synagoge. Hartmut wollte die Synagoge besuchen. Hamed ahnte nichts <!-- @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } -->

von ihrer Existenz. Jüdische Gemeinde? In Kairo, Juden? Die sind doch in Israel und unsere Feinde. Fragen.

Dann der Koranspruch in einer Moschee. 'Die Intention des Menschen ist das Entscheidende....ist auch das Ziel.'

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 
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