Wer im „Sektor“, sprich in NRW, Teile seiner Jugendjahre verbracht hat, für den wird 1Live ein wichtiger Bestandteil derselben gewesen sein. Gestern startete der WDR-Jugendsender seine erste reine Fußballsendung überhaupt – den „Elfer“, ein Call-in-Format am Montag Abend nach dem Bundesliga-Spieltag, quasi „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ auf regional und für Radio.
Das Konzept der Sendung ist einfach: ein Moderator, ein Experte, ein Gast sowie Fragen von Zuschauern per Telefon und Mail. Als Gastgeber fungiert DJ Maik Litt, der sich bisher nur als „einsamster DJ der Welt“ am Silvesterabend, nicht aber als Fußballexperte einen Namen gemacht hat. Litt machte keinen schlechten Job, ein Moderator mit etwas mehr Affinität zum Fußballgeschehen wäre aber wünschenswert gewesen. Seine Aufgaben beschränken sich aber im Wesentlichen auf die Koordination der Zuschauerfragen und Stichworte für Christoph Biermann – und dem kann man das Expertentum beim besten Willen nicht absprechen.
Biermann, Autor mehrerer Bücher und seit kurzem auch Mitglied der 11Freunde-Chefredaktion, zählt für mich zu den größten Fachleuten unter Deutschlands Fußballjournalisten. Das stellte er auch gestern wieder unter Beweis. Locker, unterhaltend und dennoch hochkompetent analysierte er das aktuelle Geschehen, auch wenn manche Phrase sich anscheinend nicht vermeiden ließ („Als Letzter muss man eben punkten“).
Höhepunkt der Sendung war aber mit Sicherheit – für allem für die Fans von Borussia Mönchengladbach – der Besuch von Tobias Levels, wenn auch nur in Form einer Telefonschaltung. Das Gladbacher Urgestein stellte sich den manchmal auch unangenehmen Fragen der Anrufer und Internetnutzer nach Abwehrproblemen, Motivationsproblemen und der Zukunft von Raul Bobadilla. Dass in so einem partizipativen Format nicht alles glatt läuft, z.B. wenn man bei einem Anrufer im Hintergrund noch den ICQ-Nachrichtensound hört oder ein anderer Mühe hat, seine Frage vorzutragen, lässt sich wohl nicht vermeiden. (Meine Frage an Christoph Biermann wurde leider nicht gestellt.)
Anschließend wurde auch noch kurz auf die übrigen Sektor-Klubs eingegangen, wobei ein Anrufer schon mal kräftig am Stuhl des Kölner Trainers Frank Schaefer sägte. Ein wenig schade ist es aber schon, dass sich die Analyse lediglich auf die Vereine in NRW beschränkte. Das lässt sich natürlich plausibel mit der Zielgruppe und der Ausrichtung von 1Live begründen, aber Bundesligafußball interessiert viele eben doch als Ganzes. Insgesamt ein lobenswertes Format meines Heimatsenders, dass aber (v.a. um 23 Uhr) kein wöchentlicher Pflichttermin sein dürfte.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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