hundsilly

Blog von hundsilly

25.09.2009 | 19:10

Anflug der grauen Effizienz

Anflug der grauen Effizienz – die Schildkröte zieht den Kopf noch tiefer ein

 

Sie ist die wahrscheinlich prominenteste Schildkröte unserer Nation- Angela Merkel. Eine Frau, deren politische Erfolge nach nunmehr 4 Jahren Amtszeit fraglich bleiben.  Dabei wäre es vor nunmehr fast vier Jahren beinahe nicht einmal so weit gekommen, die Kanzlerkandidatin und ihre Partei mussten mit niederschmetternden 35% der Stimmen mehr als nur einen kurzen Augenblick um ihren Erfolg bangen. Nur der Totalausfall Schröders vor laufenden Kameras rettete Merkels Kanzlertraum. Bis zu diesem Zeitpunkt schwebte Merkel in einer Art Trance, schien wie gelähmt von den erschütternden Ergebnissen der Wahl. Nun wäre dies verständlich und nicht allzu dramatisch, hätte der aufmerksame Beobachter der politischen Geschehnisse nicht den Eindruck, dass an diesem Gemütszustand im Laufe der Amtszeit keine signifikanten Änderungen zu erkennen sind. Seit ihrer Einführung in ihr Amt scheint die Kanzlerin an chronischer Entscheidungsunfähigkeit zu leiden, wobei sich dieses Krankheitsbild zu Beginn der Krise in eine Art des Schockzustandes wandelte, den sie bis zum heutigen Zeitpunkt scheinbar nicht entkommen konnte.

„Sie ist zäh“ beschrieb sie einst ein Parteikollege im Verlauf eines Interviews, wobei sich bei diesen Worten ein beinahe hämisches Grinsen in seinem Gesicht abzeichnete. Doch zum Schmunzeln scheint die Lage für wahr zu ernst sein, hat der Bürger unter Angela Merkel kaum etwas von deren Zähigkeit bemerkt. Vielmehr entdeckt der Zuschauer des politischen Geschehens eine gewisse Ähnlichkeit im Verhalten der Kanzlerin und einem gut gekautem  Kaugummi, der sich in alle Richtungen ziehen und dehnen lässt. Angela Merkel ist die Königin des Ungewissen, und nach dem Ringen der Regierung um Opel hätte sie sich die Auszeichnung zur personifizierte Form des „sowohl als auch“ redlich verdient.

Es scheint, als habe die Kanzlerin als entscheidendes Organ der deutschen Politik den Ernst der Lage bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkannt. In Zeiten der staatlichen Höchstverschuldung betreibt sie einzig und alleine eine Form der „nur keine Panik“ – Politik und versucht dem Bürger verzweifelt zu vermitteln, sie habe doch alles fest im Griff, ohne zu bemerken, dass diese Inszenierung auf den Zuschauer mehr als unglaubwürdig wirkt und ferner das Vertrauen in die Kanzlerin immer weiter schwinden lässt. Sie ging weiter, versprach Steuersenkungen im Falle der Wiederwahl ihrer Partei, ungeachtet der Tatsache, das derartige Versprechen in Zeiten wie diesen mehr als lächerlich wirken.

Keine Frage, Merkel hat in den vergangenen vier Jahren gelernt, sich zu präsentieren. Sie durchlief eine nie vermutete Veränderung von einem Menschen undefinierbaren Geschlechts zu einer Person, die im Auge der Bevölkerung immer mehr von ihrer „neuen“ Weiblichkeit preisgibt und wenigstens auf diesem Wege den einen oder anderen kümmerlichen Sympathiepunkt der konservativen Wähler gewinnen kann – oder, wie es eine Freundin der Kanzlerin vor kurzem so salopp und unbedacht wie treffend formulierte:“ Wenn es sein muss, kann sie sogar charmant sein!“.

Angela Merkel versteht es, den Beruf der Pressesprecherin und Kanzlerin in einer Person zu vereinigen. Kritiker sind auf der improvisierten Pressekonferenz im Kanzlerflugzeug eben so willkommen wie treue Sympathisanten. Im Hintergrund jedoch kontrolliert das perfekt organisierte Netz aus persönlichen Beratern und Assistenten die publizierten Beiträge und registriert jede negative Schlagzeile akribisch.

 

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass auf dem, bis in kleinste Detail geplanten und perfekt inszenierten Pressetermin der Kanzlerin als Reaktion auf den unzufriedenen Mittelstand, das Bundespresseamt vorrangig die Übertragung der Geschehnisse an die Medien übernahm.

Merkel schaffte es, jeden noch so unbedeutenden Fortschritt der Politik zur Verbesserung ihres Ansehens zu nutzen.

So ging sie, nach vergleichsweise winzigen Zugeständnissen des damaligen Präsidenten der USA Georg W. Bush, im Bezug auf die aktuellen Klimaprobleme als „Klimakanzlerin“ aus der Debatte hervor und untermauerte gleichzeitig beim fröhlichen  „Wildschweingrillen“ mit Bush ihr gutes Verhältnis zu Amerika. Das die Ergebnisse der internationalen Verhandlungen nicht im Geringsten belastbar waren und schon bei vorsichtigem Hinterfragen zusammenfallen sollten wie ein Kartenhaus im Windkanal, ging in diesem Zusammenhang gewollt unter.

Doch reichen die Fähigkeiten einer mittelmäßigen Pressesprecherin mit krankhaftem Harmoniebedürfnis wirklich aus, um den aktuellen Problemen adäquat entgegenzutreten. Die Antwort ist so simpel wie voraussehbar – nein!

Merkel zeigte sich in den letzten Monaten ihrer Amtszeit weniger brillant als vielmehr verlässlich, als eine Frau, mit der man sicher durch die Krise kommen sollte, so die Botschaft, die nach Außen kommuniziert wurde.

Doch Merkels Hände blieben still, so wenig wie sie vor der Krise, in Zeiten, als selbige noch abzuwenden war, in den Finanzmarkt eingriff, so wenig ist sie heute um eine tatsächliche Änderung der Wirtschafts- und Finanzwelt bemüht.

Schon zuvor knickte sie ein wie ein Grashalm im Sturm, versuchte die Folgen ihrer Distanzierung vom Oberhaupt der katholischen Kirche durch sofortiges Abschwächen ihrer Aussagen zu relativieren, anstatt konsequent zu ihrer Meinung zu stehen. Auf kritische Fragen von Seiten der Journalisten flüchtet sie umgehend, scheint beinahe überfordert von der Frage, was sie wohl im Falle des Auszugs aus dem Kanzleramt mitnehmen wolle und flüchtet sich in eine mehr als peinliche Ausführung über die Veränderung als allgegenwärtigen Bestandteil unserer Nation.

Eines lässt sich jedoch mit Sicherheit behaupten, blickt man auf Angela Merkels Laufbahn zurück: Mehr Mitte und weniger Profil gab es in Deutschland wohl nie.

 

Und nun soll sie kommen – die graue Effizienz, verkörpert durch Frank Walter Steinmeier, der als möglicher zukünftiger Kanzler die festgefahrene deutsche Politik aus dem Dreck seiner Vorgänger ziehen will. Frank Walter Steinmeier genießt die Anerkennung der Staatsoberhäupter der Welt, wenngleich er selbige zu Hause vermissen muss. Irgendwie kommt er nicht so „richtig rüber“, er ist eben nicht der geborene Medienkanzlerkandidat, den sich seine Partei wünschen würde. Beinahe entschuldigend spaßte Steinmeier erst kürzlich in einem Fernsehinterview:“ Ich habe gute Laune, hoffentlich merkt man das auch!“, während ihm eine persönliche Visagistin durch ein gepudertes Gesicht wenigstens die Chance auf ein „besseres Ankommen“ bei der deutschen Bevölkerung zu ermöglichen versucht.

Doch wieso will der Funke nicht auf seine möglichen Wähler überspringen? Ist Steinmeier wirklich nur ein Blender, ein Föhn, aus dem vorne nur heiße Luft ausströmt, die er sich hinten womöglich noch eingesaut hat? Wer einen Blick auf Steinmeiers Biografie wirft, ist erstaunt über ein neues, ein anderes Gesicht des Kanzlerkandidaten, das er dort entdeckt.

 

Steinmeier wuchs in einfachen Verhältnissen auf, er ist eben ein Kind vom Dorf, ein Landmeier eben. Erstaunlich ist es jedoch, dass ein jeder Befragter, sei es ein Freund oder ein Kritiker des nunmehr 54-Jährigen berichtet, dass dieser schon immer ein offenes Ohr für die Probleme anderer hatte. Er sei ein hilfsbereiter Mensch mit hoher Toleranzgrenze, die sich für jeden einsetze, gleich wohl, in welcher Lebenslage er sich gerade befände. Alles nur Propaganda, nichts als heiße Luft,

Steinmeier der Haartrockner der Nation rufen seine Kritiker konfrontiert mit diesen Berichten. Doch Gegenteiliges ist der Fall. Steinmeier engagierte sich früh, setzte sich für die Sonderbetreuung eines behinderten Studienkollegs ein. In Zeiten des Jurastudiums war er stets als Vertreter der Studierenden aktiv und genoss von selbigen ein hohes Maß an Ansehen. Die Studenten vertrauten Steinmeier und vertrauten sich ihm bei persönlichen Problemen an.

Doch warum ist es Steinmeier letzten Endes nicht möglich, in der doch so entscheidenden Phase des Wahlkampfes seiner Kontrahentin mit derselben Überzeugungskraft und mit gleichgroßem Selbstbewusstsein entgegenzutreten? Steinmeier ist unauffällig, er agierte lange Zeit im Hintergrund, war als persönlicher Assistent des Altkanzlers Schröder an maßgeblichen Entscheidungen beteiligt und sammelte so nach und nach eine immense Erfahrung im politischen Alltagsgeschäft. Doch eben dieser Vorteil ist auch Steinmeiers größter Nachteil. Er ist auffällig unauffällig, scheint in den Augen der Allgemeinheit nie dem Schatten Schröders entkommen zu sein – und wird noch heute als billiger Abklatsch Schröders bezeichnet. Steinmeier – ein billiger Reimport ausgelutschter Sozialpolitik? Keineswegs, Steinmeier verfolgt ein Ziel, „Arbeit für Alle“, ein persönliches Ziel, das ihn seit seiner Studentenzeiten bewegte und an dem er bis heute festhält. Alles nur Wahlpropaganda – nichts als bedeutungslose Schlagwort, „schimpfen“ seine Gegner. Stellt sich jedoch die Frage, ob die Bürger wirklich etwas anderes als die altbekannten Worthülsen hören wollen? Wer von ihnen abweicht und eigene Vorstellungen kommuniziert, wird als Außenseiter mit unrealistischen Zielen bezeichnet. Ist es also wirklich ein Fehler Steinmeier, seine im eigentlichen sehr komplexen Ideen auf aussagekräftige Wahlversprechen zu reduzieren? Darüber hinaus scheint es schwer, einen erfolgreichen Wahlkurs zu fahren, wenn es schon am Rückhalt aus den eigenen Reihen hapert. Steinmeier wurde still und heimlich zum Parteichef ernannt, der ehemalige Parteichef Kurt Beck verließ damals durch den Hinterausgang die Parteiversammlung, woher soll das Selbstbewusstsein stammen, wenn der Kanzlerkandidat nicht einmal auf die Loyalität seiner eigenen Parteikollegen vertrauen kann?

Nun gibt es fürwahr nicht nur Gutes über Steinmeier zu berichten; der Fall „Kurnaz“ warf ein schlechtes Licht auf den damaligen Außenminister, der es nicht einmal verstand, durch ein Eingestehen seiner Fehler und eine öffentliche Entschuldigung den Schaden dieses Skandals abzufangen.

Trotz seiner vielen Auslandsaufenthalte kam Steinmeier die Ehre eines Besuchs bei seinem amerikanischen Politikerkollegen Obama noch nicht zu. Ein Hindernis für die deutsch amerikanischen Beziehungen? Wohl kaum, denn auch Angela Merkel fand erst spät einen Draht zum Präsident der USA. Im Falle Steinmeiers Wahl hätte er genug Zeit, diesen Rückstand aufzuholen.

 

Was kann man abschließend antworten auf die Frage, wer nun der bessere Kanzler für Deutschland wäre. Um es vorwegzunehmen. Beide Kandidaten sind alles andere als perfekte Anwärter für den Posten des Bundeskanzler, beide müssen die Fehler ihrer Vergangenheit aufarbeiten – mit einem Unterschied: Merkel schaffte es in den nunmehr vier Jahren ihrer Kanzlerschaft nicht, den Bürger von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Mit ihrer Harmoniepolitik der ewigen Mitte, im Zuge derer sie sich nicht getraut, konsequent in das politische und wirtschaftliche Geschehen einzugreifen, hat sie eindrucksvoll bewiesen, dass sie als Kanzlerin eine völlige Fehlbesetzung darstellt.

Zugegeben, Frank Walter Steinmeier kann nicht schlechter sein als seine Konkurrentin. Ob seine leise, womöglich jedoch erfolgreiche Effizienz genügt, um den havarierten Tanker „Deutschland“ aus dem Sturm zu steuern, bleibt offen.

Ob er Kanzler wird oder Episode bleibt, werden die Wähler entscheiden – seine Vergangenheit zeigt, dass er an seinen Aufgaben gewachsen ist und nun groß genug scheint, um das Schiff zu übernehmen. Seine große politische Erfahrung sollte ihm bei dieser Aufgabe als wertvolles Werkzeug dienlich sein. Bleibt zu hoffen, dass Deutschland aus den letzten vier Jahren gelernt hat. In diesem Sinne. Leinen Los – volle Kraft voraus.

 

 

 
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DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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seriousguy47 hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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xxm hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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