1
]
Musste vor einem Jahr noch beklagt werden, dass eine von sechs Osnabrücker Bürgergesellschaften gemeinsam ausgearbeitete Erklärung für den Frieden in dem sechzigjährigen blutigen Israel/Palästina-Konflikt von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zwar mit erarbeitet, aber dann nicht mitgetragen werden durfte, weil das Regierungskreise in Israel offenbar nicht wollten, ist nunmehr ein erfreulicher Lernprozess festzustellen.
In der Friedensstadt finden in diesem Frühjahr eine große Anzahl von Veranstaltungen statt, die alle dazu dienen, Licht in das Dunkel der unsäglichen Leiden dieser Völker zu bringen. Seit dem den Juden infolge ihrer Geschichte, insbesondere des Holocaust, auf historischem Gebiet per Dekret Heimat zugesprochen wurde, mit der aber die Vertreibung und Flucht der überwiegend arabischen Bevölkerung verbunden war, werden dort Tag für Tag die Menschenrechte mit Füßen getreten. Eine friedvolle Lösung gelang trotz vieler Bemühungen und Uno-Resulutionen bisher nicht. Leid, Tod, Terror und Hoffnungslosigkeit sind ständig gegenwärtig. Einer der maßgeblichen Gründe ist dabei auch, die ehemals englischen Kolonialherren verschenkten Land, was ihnen gar nicht gehörte.
In unserer Öffentlichkeit meist unbekannte Fakten des Kampfes um Heimat und Existenz zeigt jetzt die Ausstellung NAKBA, die schon in 55 Städten war. Beinahe 150 Besucher füllten die viel zu engen Räume des Erich-Maria-Remarque-Friedenscentrums. Und das, obwohl die Ausstellung schon im Vorfeld wegen ihrer Einseitigkeit umstritten war und zu heftigen Angriffen geführt hatte. Sie wird zu Recht als einseitig bezeichnet, betonten die Veranstalter zur Eröffnung. Sie stellt die historischen Fakten der Ereignisse nämlich ausschließlich aus palästinensischer Sicht dar. Bisher fehlte eine solche Diskussion. Der Konflikt Israel/Palästina wurde immer nur - ebenfalls einseitig - aus der israelischen Perspektive wahrgenommen und damit der verzweifelte Kampf der Palästinenser um ihre Häuser und Olivenbäume stets undifferenziert als Terror diffamiert. Zwang die barbarische deutsche Geschichte dazu? Heute ist offensichtlich die Zeit reif, die damaligen und jetzigen Ereignisse objektiver zu sehen und politische Gremien lassen durchaus einen Lernprozess erkennen. Die Bürgermeisterin der Stadt, Frau Karin Jabs-Kiesler, sowie der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Prof. Dr. Hans Gert Pöttering, ließen in ihren Eröffnungsreden unmissverständlich erkennen, was für einen Frieden notwendig sei.
Mit der NAKBA in Osnabrück wird ein eindeutiges Zeichen gesetzt, denn neben weiteren Vorträgen von israelischen Historikern und Soziologen sowie Filmen von Israelis, die den Konflikt in seiner Unbarmherzigkeit und Menschen verachtenden Art darstellen, wird im Mai an der Volkshochschule eine Wochenend-Veranstaltung mit dem Titel "Wem gehört das Heilige Land" stattfinden, in der die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die Deutsch Palästinensische Gesellschaft die Fakten jeweils aus ihrer Sicht vortragen werden. Die Themenschwerpunkte sind: - Zwei Ansprüche, ein Land - Terror und Sicherheit - Gegenseitige Abhängigkeit und Ressourcen - Flüchtlingsfragen und Siedlungspolitik -. In einem abschließenden Plenum sollen alle Teilnehmer dann sich darüber aussprechen. Neu ist dabei, dass hier nunmehr Israelis, Palästinenser und Deutsche gemeinsam einen Weg zur Beendigung des Konfliktes beschreiten werden. So etwas hat es in deutscher Öffentlichkeit bisher nicht gegeben.
Ganz bestimmt ist ein befriedigendes Ergebnis vorerst kaum zu erwarten. Zu weit voneinander entfernt werden die Positionen der beiden Lager noch sein. Aber es ist der Anfang eines Weges, der weiter zu gehen ist. Insbesondere wir Deutschen haben auf Grund unserer Vergangenheit die Verpflichtung, zu einer friedlichen Lösung im Nahen Osten beizutragen.
Horst Werder
Link zum Flyer der Ausstellung mit den zahlreichen Rahmenveranstaltungen:
www.lib-hilfe.de/pdfs/Flyer_Osnabrueck_Nakba_2011.pdf
|
|
|
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen