I.D.A. Liszt

Rebellischer Kanalarbeiter

15.11.2009 | 18:04

Das sieht ihm ähnlich ...

Dero Wohlgeboren, Karl-Theodor usw. usf. zu Guttenberg, von Gottes und Merkels Gnaden zum neuen Verteidigungsminister gegelt, stellte kürzlich höchstselbsten fest, daß es in Afghanistan durchaus „kriegsähnliche Zustände“ gebe (vgl. Interview in der „Bild“-Zeitung  www.bild.de/BILD/politik/2009/11/03/afghanistan/interview-mit-minister-guttenberg.html).
Wer hätte das gekonnter, gelackter und gegelter ausdrücken können als Seine Durchlaucht?

Endlich entfällt das Gerede um den heißen Brei herum. Alberne Ausdrücke wie „friedensschaffende“, „friedenserhaltende“, „vertrauensbildende“ Maßnahmen, „bei einem Einsatz verunglückte“ Soldaten, „Opfer unter der Zivilbevölkerung“ können endlich zugunsten deutlicherer Worte fallengelassen werden!

Es können nun diese häßlichen Berichte aus dem Gebiet mit den kriegsähnlichen Zuständen entfallen. Vielmehr könnte eine Meldung etwa folgendermaßen aussehen:

„Ein oberstähnliches Mitglied der einsatzkräfteähnlichen Truppen der deutschen Bundeswehr hat eine luftangriffähnliche Operation der US-Armee auf zwei tanklastzugähnliche Fahrzeuge angefordert, die sich mutmaßungsähnlich in der Hand von talibanähnlichen Individuen befanden. Dabei kam es zu explosionsähnlichen Vorgängen, durch die leider auch viele (einigen Schätzungen zufolge eine Zahl, die der Dreißig ähnlich ist) zivilistenähnliche  Subjekte in einen todesähnlichen Zustand versetzt worden sind.“

Herr zu Guttenberg hat sich um den Endsieg der deutschen Truppen an der Südostfront verdient gemacht und sollte deshalb künftig als verteidigungsministerähnliches Mitglied des regierungsähnlichen Gremiums der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet werden.

(Dieser Beitrag ist ein persönliches Werturteil.)

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Cassandra schrieb am 15.11.2009 um 18:10
Der letzte Satz erscheint mit Streifzugähnlich.

Ansonsten habe ich den Eindruck, dass diese zu-recht-gegelten Köpfe momentan Überhand nehmen, selbst wenn sie ihre Wortwahl langsam zumindest wirklichkeitsähnlich gestalten.
Cassandra schrieb am 15.11.2009 um 18:10
natürlich "mir", nicht "mit".
I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 18:19
Natürlich ist das letzte, satzähnliche Gebilde streifzugähnlich. Ich mövhte mich ja nicht wegen beleidigungsähnlicher Äußerungen strafbar machen.

Das ist also eine vorsichtsähnliche Maßnahme!
Streifzug schrieb am 15.11.2009 um 18:14
Der Artikel hat mich in einen beigeisterungsähnlichen Zustand versetzt :)

Streifzug schrieb am 15.11.2009 um 18:19
Ansonsten:

I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 18:19
Das löst bei mir freideähnliche Gefühle aus.

Darum sage ich Dir dankähnliche Worte.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 15.11.2009 um 19:01
Meine Blechmütze hatte seinerzeit eine andere Form. Die Handhaltung war auch eine andere.

Erinnert mich irgendwie an "Seid bereit!" Na ja, "Immer bereit!" hat ja schon damals nicht gestimmt.

Aber dieser grüne Stahlhelmschädel muß nun bis ans Ende des Internets...
Cassandra schrieb am 15.11.2009 um 19:04
outnumber schrieb am 15.11.2009 um 22:00
hmmm löw augstein? :-)

danke I.D.A. Liszt für diesen Artikel.
Cassandra schrieb am 16.11.2009 um 16:57
Ich meinte eigentlich das blaue Blut, dass der gute Scar mit bestimmten anderen Leuten gemein hat. Und was er dann sonst noch so macht. Hyänen füttern z.B.
Cassandra schrieb am 16.11.2009 um 17:00
Andere arme Tierchen ausbeuten und reißen auch.
Cassandra schrieb am 16.11.2009 um 17:00
Und: "Bereit" ist er auch noch.
I.D.A. Liszt schrieb am 16.11.2009 um 17:21
@ cassandra:

>das blaue Blut, dass der gute Scar mit bestimmten anderen Leuten gemein hat< - 'gemein' ist das treffende Wort an dieser Stelle!
Cassandra schrieb am 16.11.2009 um 17:25
Der Clou: Soweit ich mich erinnere, fressen die Hyänen ihn hinterher. Ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher.
Da hatte er sich wohl nicht genug mit ihnen gemein gemacht...
Cassandra schrieb am 16.11.2009 um 17:39
Der Wikipedia-Eintrag ist in Bezug auf bankenähnliche Institutionen und politikerähnliche Menschen sehr lesenswert, finde ich.


To carry out his plans, Scar recruits three spotted hyenas; Shenzi, Banzai and Ed — who gladly do his bidding in exchange for food. At first, there seem to be only three hyenas, but eventually it becomes apparent that he has influenced an entire army of them. Mufasa foils their first attempt to kill Simba, so Scar calls up his troops and promises that when he is king the hyenas will "never go hungry again".

[...]During Scar's reign, the kingdom rapidly declines as droughts hit and food becomes scarce [Anmerkung von Cassi: Weil die Hyänen fressen]. Years later, to Scar's surprise, Simba returns to challenge his uncle for the throne.

[...]Eventually, Simba traps Scar on Pride Rock's summit. Terrified, Scar pleads for his life, blaming his crimes on the hyenas; unaware that Shenzi, Banzai and Ed have followed him and can hear Scar's condemnation.

[...]The hyenas, determined to get revenge on Scar for denouncing them as "the enemy", surround their fallen leader. Scar, pleading for his life, tries to explain to the hyenas that he didn't really mean what he said about them, but his pleas fall upon deaf ears. Fueled with anger at Scar for his betrayal (as well as, presumably, hunger, from his broken promise of them never going hungry again), the hyenas leap upon Scar and begin to maul him alive shortly before they are all surrounded by the blazing flames.



Der letzte Satz macht doch Hoffnung.
outnumber schrieb am 17.11.2009 um 01:19
@Cassandra

das ist witzig, weil ich vor einiger zeit irgendwie märchenähnliches über hyänen und irgendwie linksähnliche büffel geschrieben hatte :-))

outnumber <----mag keine hyänen und auch kein blaues blut

www.freitag.de/community/blogs/outnumber/rote-bueffel
kay.kloetzer schrieb am 15.11.2009 um 18:20
Auch wenn mich fisurähnliche Zustände nicht interessieren, sieht dieser Blog einem Höhepunkt meiner heutigen Lektüre ähnlich. Zumal er der Realität nicht unähnlich ist. Woraus wir erneut schließen müssen: Krieg und Lüge sind Gewschwister.
I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 18:23
Ja, k.k., da hast Du völlig recht, sie stehen in einem geschwisterähnlichen Verwandtschaftsverhltnis zueinander.

Es bereitet mir zufriedenheitsähnliche Emotionen, daß Dir mein blogähnlicher Beitrag bei deiner lektüreähnlichen Freizeitgestaltung spaßähnliche Gefühle vermittelt hat.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 15.11.2009 um 18:53
Wer lügt, stiehlt auch die Wahrheit und begeht Mord an ihr, um schließlich Kriege vom Zaun zu brechen.

Was dazu führt, dass ich übern Zaun hänge und breche.
I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 21:44
Und dabei braucht man nicht immer expresis verbis zu lügen; man kann einfach lügenähnliche Ausdrücke verwenden.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 19:18
ne, ne kk,
als erstes stirbt die Wahrheit, - aber ich will hier nicht zu viel schreiben, für Kriegstrommelgebrüll und Weltschmerzbekundung lass ich mich von Massenmedien bezahlen
jayne schrieb am 15.11.2009 um 18:33
"verteidigungsministerähnliches Mitglied" - müßte das dann nicht konsequenter weise "kriegsministerähnliches Regierungsmitglied" oder "unser mutmaßlicher Kriegsminister" heißen (je nachdem, wer dann im Endeffekt für die afghanisch-deutsche Malaise die Verantwortung übernimmt, im zweifelsfalle vielleicht die ehemalige DDR ...), und die Regierung sieht sich wirklich ähnlich ...
I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 21:44
Kriegsähnlichkeitsminister!
poor on ruhr schrieb am 15.11.2009 um 18:49
Klasse Blog. Aus meiner Sicht vollkommen richtiges und zutreffendes Werturteil! Vielen Dank! Von Deinem Blog hier an dieser Stelle bin ich ähnlich wie streifzug sehr begeistert!

por
Cassandra schrieb am 15.11.2009 um 18:59
Heute sind alle irgendwie streifzugähnlich...

irgendwie streifzügig

_________________________
derFreitag
irgendwie linksähnlich
poor on ruhr schrieb am 15.11.2009 um 19:11
Genau ;O)
Das fasse ich aber als Kompliment auf! ;O)
I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 21:46
@ Cassandra.

Das wäre schon der ultimumähnlichste Untertitel, den man sich wünschen könnte.
Tessa schrieb am 16.11.2009 um 11:09
Ich glaube, wir haben einen Gewinner ;)
poor on ruhr schrieb am 16.11.2009 um 13:12
Genau, danke für die Antwort.
Das wird streifzug freuen. Er hat es auch verdient, finde ich! ;O)
I.D.A. Liszt schrieb am 16.11.2009 um 13:25
@ Tessa:

Everyone's a winner, baby. ;-)
poor on ruhr schrieb am 15.11.2009 um 19:01
Auch dieses Bild von dem feinen Herrn im feinen Anzug, dem ich ihm wirklich neide, weil er wirklich so gut zu ihm passt und daneben die anderen jungen Herren in diesen Anzügen mit Tarnfarbe in denen man in Afghanistan sehr plötlzlich sterben kann oder in denen man andere tötet. Und ich Schaf hatte gedacht Schröders Obszönität im Armani un mit der fetten kubanischen Zigarre im Mund wäre nicht zu überbieten.
So ein Bild , das "Dero Wohlgeboren" da bietet, kommt hierzulande und bei der entsprechenden Zeitung mit dem fetten B am Anfang sehr gut an.
Seufz!
I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 21:49
Stimmt. Die beiden täten gut zueinander passen. Und das mit "Schöders Obszönität im Armani" hast Du schön gesagt!

Da aknn man sich meisterfalk weiter oben anschließen, sich neben ihn über den Zaun hängen und erbrechen.

Solche Figuren sind der Krieg - der Krieg der Reichen und Schönen (?) gegen die Armen.
merdeister schrieb am 15.11.2009 um 19:59
Das seh ich ähnlich.
poor on ruhr schrieb am 15.11.2009 um 20:00
Danke. ;O)
I.D.A. Liszt schrieb am 15.11.2009 um 21:50
Du Claqueur!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 02:19
"Was auch immer er an gedrechselten Banalitäten von sich gibt, ist auf unreflektierte Zustimmung ausgerichtet." Werner Pirker in der jungen Welt.

Aber: Hochadel trennt sich von Adel, wie Facharbeiter sich von ihrem vom Proletariat. Der hier in Kritik stehende Medienadel ist zudem mit sinnlosen Existenzen aus der Hollywoodwelt verbandelt. Es gibt aber auch alte Räuberhäuser (denn das ist die Definition von Adel), die heute sozial erträglich in ihrer Umwelt wirtschaften. Schlimm genug, aber nicht so schlimm wie die Häuser, der die Yellow Press in den Durchlaucht kriecht.
Kurz: Geben Sie Herrschaftsfreiheit, Frau Bundesrepublik!
I.D.A. Liszt schrieb am 16.11.2009 um 13:31
Da gesellt sich dann die sinnlose Existenzweise zu einer anderen. das ist doch nicht erwähnenswert.

Erwähnenswert dagegen finde ich den 'Alt'adel, der seine Reichtümer durch Raubzüge (vulgo: Kriege) an sich gerissen hat, nun aber nach vielen Jahrhunderten des Vergessens und Vergoldens und nach einigen Jahrzehnten (Nicht zu vergessen: das ist noch nicht einmal ein ganzes Jahrhundert her!) des Verlusts der Adelsprivilegien sich als Gönner und Wohltäter der Menschheit zeigen kann.
Tessa schrieb am 16.11.2009 um 13:36
Unser Mittagskommentar zum Thema: www.freitag.de/politik/0946-afghanistan-bundeswehr-guttenberg

Verlink doch diesen Text dort auch, er wäre eine wunderbare Ergänzung.

Die Süddeutsche hingegen zog Guttenberg gänzlich als Modethema auf >> www.sueddeutsche.de/leben/73/494410/text/
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 19:24
Mensch I.D.A. Liszt, was soll denn all der Neid auf Gescheidigkeit? Hast Du seine Reden im Parlament 2007 verpennt? Das waren ganz dumme Verbal-Attacken. Also für mich ist das alles geil: Westerwelle surft auf der Suche nach einem IQ und Karl-Theodor macht. Das ist doch die gleiche Reaktion wie bei JA's Kissinger, Um mit Arschlöcher zu sprechen wärest Du naiv wenn Du Menschenrechtshippies schickst.
h.yuren schrieb am 17.11.2009 um 08:21
lieber idaliszt, den beifallschor hast du verdient fürs genaue zuhören und ebenso treffende antworten. danke für dein notwendiges blog.
mir kam es vor, als ich den kerl so reden hörte, als hätte jemand per großrechner ermittelt, welches wortgebräu der kriegsstimmungslage exakt entspricht. entwicklungshilfe oder aufbauarbeit sind nicht mehr zu halten, das k-wort darf aber offiziell noch immer nicht sein, also irgendwas dazwischen ist der lage angemessen.
sprache ist verräterisch.
I.D.A. Liszt
Kanalarbeiter
Mitglied seit:
2 Jahre 50 Wochen
Zuletzt aktiv:
16.02.2012
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 53
Kommentare: 3287
Logbuch
22:10
KarinL. hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:09
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:07
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:02
KarinL. hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:01
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Liebeshandlung - Eugenides

Berlinale

Freitag_Salon

PortletSalon_120216.png

Christian Kracht Imperium Kiepenheuer & Witsch 2012

256 Seiten. Gebunden.

18,99
 
In seinem neuen Roman erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans spielt - und erschafft so zugleich eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns >> mehr
Occupy

portlet_occupy.png

Rote Perlen

wir müssen reden

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Café Moskau

Ausgabe 07/12
16.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG