Igor Pavellenko

Blog von Igor Pavellenko

16.02.2009 | 16:03

Der Freitag in Bewegung

Der neue Freitag. Da liegt er nun auf meinem Schreibtisch, in ganz neuer Aufmachung.
Ich hatte den alten Freitag vor ca. 2 Jahren noch im Abo, aus Zeitmangel und mangelndem Interesse hatte ich ihn dann abbestellt. Irgendwann hatte ich ihn dann ganz aus den Augen verloren. Aber dann erfuhr ich die Nachricht dass ein gewisser Herr Jakob Augstein die Zeitung übernommen hatte. Man erfuhr dass es jetzt auch Werbung im Freitag gab. Erst war ich skeptisch, aber dennoch interessiert. Was wohl aus dem Freitag werden würde? Dann las ich was Jakob Augstein vor hatte. Ein sehr ambitioniertes Projekt. Voller Mut und Innovation. Die Kooperation aus Zeitungslesern und Zeitungsmachern weckte meine Neugierde. Aber zurück zum Ausgangspunkt.
Was mir natürlich als erstes aufgefallen ist, am neuen Freitag, ist das Layout - Frisch und der Zeit angemessen. Dass das rote Frei im Freitag weg ist, darüber kann man streiten. –, die Bildauswahl, das dritte Buch „Alltag“, aber auch der Wegfall der „Berliner Abende“. Was mir aber auch aufgefallen ist, neben der Print-Ausgabe, ist die kontroverse Debatte: „alter Freitag vs. neuer Freitag“, die sich nach einiger Zeit einstellte. Und hier scheint ja das Konzept von Jakob Augstein aufzugehen. Denn es beteiligen sich ja nicht nur die Leser sondern auch Jakob Augstein höchst selbst, nebst einigen anderen Redakteuren, an der Debatte. Und wenn Alle ernsthaft an einer Weiterentwicklung des Freitags interessiert sind kann aus ihr eine sehr schöne Zeitung werden. Das ist jedenfalls meine Hoffnung.
Aus diesem Grund habe ich mich dann auch entschieden an der Debatte teilzunehmen. Hier nun also ein paar Anmerkungen bezüglich der Print-Ausgabe:

Die Bildauswahl

In der ersten Ausgabe des neuen Freitags erschien mir sie etwas zu beliebig. Es erinnerte zu sehr an eine stinknormale Tageszeitung. Viele bunte Bilder, mit „klassischen Motiven“. Als alter Freitagsleser war man ja eher Farblosigkeit gewöhnt. Aber dafür waren es fast immer interessante und ungewöhnlich Motive. Was ich am alten Freitag immer sehr geschätzt habe.
Vielleicht liegt es an einem mangelnden, gestalterischen Konzept in der Bildredaktion. Ich weiß es nicht. Aber vielleicht könnte man ja ein Konzept entwickeln das eine klare gestalterische Linie verfolgt, die zum Freitag und zu seinem Layout passt. Und vor allem dann auch den Freitag auszeichnet. Ähnlich wie bei der FAZ, deren Arbeit in der Bildredaktion ich für sehr gut halte. Dort lässt sich eine Handschrift an der Bildauswahl ablesen. Denn eine Zeitung wirkt nicht nur über ihre Texte sonder auch über ihre Bild- und Illustrations-Auswahl. Je mehr ein eigenes Konzept verfolgt wird um so eher unterscheidet sich der Freitag dann von anderen Zeitungen.

Der Alltag. Oder wo ist die Kehrseite geblieben?

Im alten Freitag hieß die letzte Seite Kehrseite, dann irgendwann Alltag und im neuen Freitag war die letzte Seite weg. Ersetzt durch das A bis Z der Woche. Der Leser wird sich jetzt Fragen: „Hä? Was will der? Dem Alltag ist doch jetzt ein ganzes Buch gewidmet.“ Nicht ganz. Die letzte Seite war im alten Freitag den Kurzgeschichten, Gedichten und den „Berliner Abende“ gewidmet. Eine Rubrik die ich immer sehr gemocht habe. Die letzte Seite war immer das erste was ich gelesen habe. Mit den Kurzgeschichten konnte man mal für einen Augenblick dem Alltag entfliehen oder mal kurz schmunzeln. Sie standen immer schön im Kontrast zu der Ernsthaftigkeit des Politikteils.
Naja, wie dem auch sei. Ich würde sehr dafür plädieren wenn man wieder eine Rubrik „Kehrseite“ mit Kurzgeschichten, Gedichten und den „Berliner Abende“ einführen könnte. Vorzugsweise auf der letzten Seite. Wäre jedenfalls schade wenn diese Rubrik dauerhaft weg bleibt. Aber vielleicht finde ich ja auch noch ein paar Mitstreiter für meinen Wunsch.

Das Letzte

Aber bei allen Fehlern und unbequemen Erneuerungen muss ich dennoch sagen, dass ich die Idee von Jakob Augstein gut finde. Auch wenn ich manchmal skeptisch bin und trotzdem hinterfrage: Ist die Redaktion bzw. Herr Augstein wirklich ernsthaft an einer Leser-Kooperation bzw. an vielfältigen Debatten interessiert? Oder ist das nur eine PR-Nummer um die Anzeigeneinnahmen zu steigern? Ich hoffe nicht. Denn wenn die Idee funktioniert wäre der Freitag, meiner Meinung nach, die erste Zeitung in Deutschland, die sich an ihren Lesern ausrichtet. Und nicht wie bei den meisten anderen Zeitungen, wo sich die Leser an die Zeitung ausrichten müssen.
In diesem Sinne hoffe ich sehr dass der Freitag den richtigen Weg einschlägt.
 
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Kommentare
w.Smith schrieb am 16.02.2009 um 16:36
Bei den Berliner Abenden und der Kehrseite bin ich ganz auf deiner "Seite"! Und nicht nur ich, in den Willkommenskommentaren, sind die Berliner Abende sehr oft vermisst worden!
Diese müssen ja nicht unbedingt auf die letzte Seite, aber ich denke das die Gedichte und Essays doch immer ein Teil der Besonderheit des Freitag ausgemacht haben. Es wäre schade, wenn dieser Teil für immer verloren wäre!
Jakob Augstein schrieb am 17.02.2009 um 22:14
Hallo wSmith! Die Gedichte machen wir im FEU doch weiter.
Und die Berliner Abende sind in Wahrheit ersetzt worden durch die Kolumnen im Alltags-Ressort.
Wir suchen hier aber immer noch nach einer guten Lösung für Ultimo. Ich hatte das ja schon an anderer Stelle schon mal gesagt: Eigentlich ein schöner Kolumnenplatz - nur hatte die Redakton schon früher das Gefühl, nicht immer die notwendige Qualität leisten zu können. Kein Wunder: Gute Glossen sind wirklich das schwierigste Metier ... Also: Das Ultimo gebe ich noch nicht verloren. Wir basteln da an einer Lösung, die auch dauerhaft hält ...
w.Smith schrieb am 18.02.2009 um 16:50
ok alles klar, dann ist das mit den Gedichten bisher bei mir untergegangen. Aber wie siehts jetzt aus mit der Chronik, was gibt es da für Ansätze? haben sie meinen Kommentar im Willkommensbereich schon gelesen?
Steffen Kraft schrieb am 16.02.2009 um 17:08
Vielen Dank für die Anregungen. Die Geschichte der "alten" Alltags-Seite heißt nun "Nahaufnahme" und hat einen prominenteren Platz auf der Seite 3 bekommen. Zu den anderen Themen sammeln wir die Anregungen.
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