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Der Mitteldeutsche Verlag hat eine erweiterte Neuauflage des vergriffenen Buches »Connewitzer Welttheater« von dem Leipziger Fotografen und »Meister der Melancholie« Thomas Steinert herausgegeben.

Thomas Steinert, geb. 1949, von 1965 bis 1968 Lehre als Metallhüttenfacharbeiter mit Abitur in Freiberg, 1972–1977 Fotografiestudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, danach freischaffender Fotograf.
In Leipzig fotografierte er zwischen den Jahren 1969 und 1997 Alltagsszenen, deren allegorische Wucht sich dem Betrachter nur schrittweise und immer wieder überraschend neu präsentiert.
„Steinert, Jahrgang 1948, der von 1972 bis 1977 Fotografie in Leipzig studierte, schlug sich in den DDR-Jahren freiberuflich im Dienst von Industriebetrieben und Verlagen durch. Er lebte, wo er fotografierte: am Rand. Bis heute: Noch halte ihn eine ABM-Stelle über Wasser, sagt er. Das Fotografieren habe er aufgegeben. Das öffentliche Echo? "Das kommt alles zehn Jahre zu spät für mich."
Die Leipziger Landschaft zeigt Steinert als ein besetztes Gelände, das nur noch abgewohnt wird: Das ist der Nachkrieg. Er zeigt die Menschen in Brigaden, Umzügen, Faschings- und Hausgemeinschaftsfeiern, die immer wieder auf den Großverbrauch von Alkohol zulaufen: Das ist der Rausch. Thomas Steinert zeigt Menschen, die heraus wollen: in ein anderes Leben, eine andere Gesellschaft. So heißt ein Foto "Hochzeitsfeier von Ausreisekandidaten, Roßmäßlerstraße, 1988": ein Hinterhof, eine Band, 20 Leute, vereint durch die Aussicht, dass einmal etwas anfängt und nicht immer nur endet.
In seiner "Das Unvorhergesehene" übertitelten Rede auf Thomas Steinert fragte der Dichter Wilhelm Bartsch zur Eröffnung der Schau: "Was unterscheidet Thomas Steinert denn von den halleschen ,Diva in Grau'-Fotos von Helga Paris oder von Jörg Knöfels berühmtem Foto vom Punker und dem Volkspolizisten? Eben das: Steinert meidet sowohl das Malerische als auch das Theatralische, wenn es nicht aus dem Gegenstand und dem Augenblick selbst kommt." In der Tat: Alles poetisierende Weichzeichnen ist Steinert fremd. Er fotografiert in keine Erwartung hinein; er zeigt nicht das Wahre, Gute oder Schöne, sondern das Tatsächliche, das Alternativlose, das Unheimliche, das nicht das Gemütliche ist. Ein sarkastischer, illusionsloser Realismus waltet bei Steinert, der sich bis hinein in die zuweilen skurril-sachlichen Bildunterschriften mitteilt.
Weiter: bit.ly/lxO5a4
„Seit dem Aufkommen der digitalen Kameras ist der Fotograf in mir über den Jordan gegangen", sagt er knapp. Zumal ihm sein Sujet, die DDR, über Nacht, abhanden gekommen ist. Nach der Wende verfolgte er nur noch ein großes Foto-Projekt: Er begab sich auf die Spuren Friedrich Nietzsches. Lief dessen Wanderwege ab und dokumentierte seine Reisen ins Ausland. Ergebnis: ein 1000 Fotografien starkes Konvolut. Es blieb unveröffentlicht - wie die meisten seiner Aufnahmen“.
Katja Iken, Spiegel
Auswahl seiner Fotos
www.filipprosbach.com/de/Thomas_Steinert_01.html

Selbstporträt: Selbstporträt in der ersten eigenen Wohnung in der Hammerstraße (DG), Leipzig 1975

Der Musikstudent René Henriot in der Ruine eines zur Sprengung vorbereiteten Wohnhauses, Grassistraße, Leipzig 1976

Der Dichter Peter Brasch 1976 in der Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig

Eröffnung der Galerie Eigen+Art am Körnerplatz in Leipzig, 1983

Nachbarskinder, Pfeffingerstraße», 1985

Die Technische Zeichnerin Elke S. in der Kneipe »Goldenes Herz«, wenige Wochen vor ihrer Flucht in den Westen, Gohliser Straße, Leipzig 1988

Mittagspause im Bauwagen, Ernst-Thälmann-Platz, Leipzig 1989

Selbstporträt, Freifläche im neuen Gewerbepark Nordost, Leopoldstraße, Leipzig 1996
Selbstporträt, Werkhalle Leipzig Plagwitz 1994
Thomas Steinert »Dionysos war hier« Foto–Essay über die letzten Lebensjahre des Dichters Ernst Ortlepp [1800—1864]
www.filipprosbach.com/pdf/Thomas_Steinert_de.pdf
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@ indyjane
Vielen Dank für die Info und die interessanten Schwarz-Weiss-Fotos! Mich erinnern die Aufnahmen ein wenig an die Fotos von Nan Goldin. So genau weiss ich gar nicht, warum. Vielleich ist es der Ausdruck des Verloren-Seins? Zwei kleine und unwichtige Anmerkungen seien mir erlaubt: Einmal wird im Text das Geburtsjahr Steinerts mit "1949" angegeben. Dann, im Kursiv-Text, mit "1948". - Und könnte es sein, dass jener Peter Brasch eigentlich der Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker Thomas Brasch ist? _ www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12099354/60709/FILM-Doku-zum-Todestag-von-Thomas-Brasch-Dichter.html a10.idata.over-blog.com/300x200/2/38/32/66/Dichter_16/Brasch.jpg www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,730513,00.html www.artschoolvets.com/news/wp-content/uploads/2009/10/h2_2001_627.jpg |
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danke für deine hinweise und anmerkungen -
"der ausdruck des verlorenseins" ist wie auch die fähigkeit zum exzessiven rausch eine der vielen emotionen, die - "so sagt man" :) im osten unverstellter/proletarischer waren... es gibt ein passendes und eigen-artiges interview mit der GROSSEN fotografin gundula schulze-eldowy dazu, das ich bei interesse an dieser zeit sehr empfehlen kann: geburtsjahr habe ich korrigiert .. und soweit ich recherchieren/erkennen kann, ist es schon der bruder von thomas b. auf dem foto www.freitag.de/2001/28/01281401.php vielen dank für dein interesse und herzlichen gruß |
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vielen dank für diese würdevollen bilder und die damit verbundenen erinnerungen!
das abhandenkommen des sujets, das ist, früchte ich, wiederkehrend. das ende der ddr war ein großer, nicht zu verdrängender schnitt. die kleineren schnitte führen zu verlusten häppchenweise. und in 20 jahren sitzen wir da und haben keine bilder mehr, nur ganz viele ... |
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- wie wahr, ich frage mich oft, warum ich soviel aufwand betreibe, um meine "rest"-erinnerungen durch bilder, texte, töne zu verstärken - doch ich bin oft erschrocken, wie sehr ich anfällig für die überschreibungen/ überformungen meiner erinnerungen bin, wie gefügig ich in der "rechtfertigungsmaschine" funktioniere ..., "würdevoll" - ja, die bilder habe ich auch so empfunden ...
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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